Freitag, 10. Juni 2011

Rubberoom - Architechnology


Release Date:
23. März 1999

Label:
3-2-1 Records / Indus Recordings

Tracklist:
01. Born (Feat. Kali Smith)
02. Smoke
03. Lock Jaw (Feat. S.P.O.)
04. The Reverly
05. Bleach
06. The Shining
07. Acid
08. Vertigo (Extended Mix) (Feat. Thawfor)
09. Sector Rush (remix)
10. Style Wars (Feat. Path, Juice & Kenny Bogus)
11. Architechnology Nine
12. Offering 1366 (Feat. Verb)
13. Trail Of The Vampire
14. Space And Time (Feat. Shame Luv Tempo)
15. Operation Forever
16. Pathway To The Abyss

Review:
Fanum und The Isle Of Weight sind zwei Produzenten, die 1992 - ihre Fähigkeiten als Instrumental-Duo The Opus zusammenschließend - auf der Suche nach den richtigen Wortakrobaten für ihre Werke den Stein für die Gruppe Rubberoom ins Rollen bringen. Zum Aufgebot gehören neben DJ Stizo noch die zwei Rapper Meta Mo und Lumba. Das erste Lebenszeichen (damals noch mit S.P.O. und Fill Spector) ist eine zwei Jahre später erscheinende EP, die sich schon mit ihrem Titel ("Gothic Architecture") vom Rest der HipHop-Szene abgrenzt. Doch Rubberoom können einen gewissen Hype aufbauen und einige Jahre später (die mit Compilation-Auftritten und einer Single überbrückt werden) einen Deal bei 3-2-1 ergattern, wo sie ihr Debütalbum aufnehmen. Besonderes Glück ist der Gruppe mit ihrer Wahl nicht beschieden, doch zumindest wird "Architechnology" noch veröffentlicht, bevor das Label seine Pforten schließen muss.

WRITTEN FOR Rap4Fame
 
Beworben wird die LP damit, dass der Chicago-Truppe auf ihren Songs nicht weniger als 13 DJs beistehen, was jedoch nicht sonderlich aussagekräftig hinsichtlich dessen ist, was den Hörer auf "Architechnology" erwartet. Das kann man, wenn man die Truppe bis dahin nicht kannte, sowieso nicht ahnen. Wer würde schon davon ausgehen, dass einem hier einer der härtesten und düstersten Trips, die ein HipHop-Album je zu bieten hatte, bevorsteht? Ein weit entferntes Grollen begrüßt den Hörer in "Born", dann setzen langsam pechschwarze Streicher ein und bauen in den ersten 40 Sekunden schon eine gefährliche, unglaublich angespannte Atmosphäre auf, die The Opus mit dem Einsetzen ihrer Drums zerschmettern - hart, schnell und unbarmherzig hämmert die Drumline auf das Trommelfell ein. Da lässt sich Lumba nicht zweimal bitten und demonstriert, wie hart man seine Raps ins Mic pressen kann. Der verstörende Auftakt in dieses Hörerlebnis erfolgt berechnend und nach Maß - und fegt den Hörer trotzdem hinfort. Wer zu diesem Zeitpunkt denkt, es möge sich noch bessern, der sollte das Weite suchen, denn Rubberoom laufen gerade erst warm. Als "Heavy Rap" wurde diese Musik in Ermangelung anderer Beschreibungen etikettiert, Metal- und Goth-Referenzen werden von RR selbst eingebracht, was das Ganze zu einer experimentellen Reise über einen steilen Gebirgskamm macht, der auf der einen Seite zwar auf klassischen Underground-HipHop herabblickt, auf der anderen aber auf ein schwarzes Nebelmeer besagter Einflüsse, die streckenweise zu düsterem Industrial-Ambiente fusionieren. Wen wundert es da groß, dass Meta Mo und Lumba in ihren stählernen Raps nicht vom weedgeschwängerten Chillen mit den Homies plaudern? Düstere Bilder werden gemalt, die apokalyptischen Sounds werfen den Hörer in eine trostlose Welt, in der ihm Battle-Raps um die Ohren pfeifen, in der aber auch Storytelling wartet, wie etwa im überragenden "Acid", das von einer Drogenabhängigen erzählt, während The Opus mit schwerer Drumline und flächendeckend finsterer Streicherkonstellation den Rest erledigen. Wenige Alben waren in der Umsetzung ihres Sounds so konsequent, so absolut und so kompromisslos, was die LP natürlich anfällig für Kritik macht, denn in ihrer experimentellen Einzigartigkeit verfallen Rubberoom dem Fluch ihrer Eintönigkeit, was einerseits zu einer der dichtesten Atmosphären führt, die ein HipHop-Album so erreichen kann, andererseits dem einen oder anderen jedoch eventuell geforderte Abwechslung verwährt. Wer sich daran nicht stört, der kann sich in vollen Zügen dem Album hingeben und sich den rauen Riffs in "Smoke" aussetzen, sich mit dem langsam anschwellenden Szenario in "Bleach" einlassen oder einem der unbedingten Highlights, dem Remix zu "Sector Rush", frönen, der einmal mehr eine Höllenfahrt monotoner, duster-obskurer Ambient-Klänge mit treibender Drumline bietet. Irgendwo dazwischen hat Verb mit ihrem kleinen Stück Poesie "Offering 1366" Platz, nur damit im Anschluss das beklemmende "Trail Of The Vampire" über donnerndes Piano weitere dämonische Lines abfeuert. Im instrumentalen "Pathway To The Abyss" kommt mit einem Sax dann sogar noch etwas Abwechslung ins Spiel, die als dünner Lichtstrahl das Album beschließt.

Man will sich gar nicht ausmalen, was die Jungs geritten hat, so ein Album aufzunehmen, aber man kann es ihnen voll und ganz danken. Rubberoom sind hardcore, kreativ, einzigartig und trotzdem potentiell für jeden Head interessant - wenngleich es eine Zeit dauert, sich mit diesem Album anzufreunden, woran einige gar komplett scheitern werden. Das Schicksal meinte es leider nicht gut mit Rubberoom, denn nachdem ein eventueller Hype mit dem Label-Tod schnell verschwunden war, beließ man es als Gruppe (zumindest bis zum heutigen Tag) bei "Architechnology", bei dem Dark-Ambient-Ansätze auf knallharte Drumlines und ebenso schonungslose Raps treffen und für ein wahres Unikat sorgen, das zwar sicherlich nicht perfekt ist, das sich jeder aber mindestens einmal anhören sollte.

8.1 / 10

Bloody Monk Consortium - Bloodshed


Release Date:
19. April 2011

Label:
Johnny23 Records

Tracklist:
01. Call It Watchu Want
02. B.M.C.
03. Logic Fly
04. BANG!
05. Blood Letter (Feat. Pumpkinhead & LoDeck)
06. Fallen Angelz
07. Burma Interlude
08. Bloodshed
09. Nightmare On Hemp Street
10. Elesdee
11. Driven Into Darkness
12. Cooked Infection
13. Run It (Feat. C-Rayz Walz, Damo & Teton)
14. Creepers
15. Shrink's 3rd Eye (Feat. Pacewon & 2Ugli)
16. Axe Murder Blood Bros
17. The Mission
18. Dead Speaks
19. The Curse
20. Wrath Of The Gods
21. Exit (Feat. Teton)

Review:
Bloody Monk Consortium klingt wie ein zusammengewürfelter Name, der auf jeden Fall die Erkenntnis sicherstellen soll, dass man es mit einer Gruppe zu tun hat, die knallhart ist und in ihren Lyrics literweise Blut fließen lässt. Hinter dem Namen steckt ein erstaunlich internationales Gespann: Am Mic agieren Leeroy Destroy und Labal-S, die mit Produzent Lex Luger den Kern und die aus San Jose bzw. Jersey stammende Gründungskonstellation ausmachen. Nach reger Zusammenarbeit werden außerdem der finnische FuckRICO, der Slowene DJ ShadowFist sowie der italienische Writer Kebo ins Aufgebot geholt. Der eine oder andere mag den Crew-Namen Namen schon aufgrund einer der kostenlosen EPs ("Forged In Blood", "Burden Of Truth") kennen, "Bloodshed" ist jedenfalls das offizielle und über Johnny23 erscheinende Debüt.

WRITTEN FOR Rap4Fame
 
Die Lust, sich diesem Album zu nähern, hält sich in Grenzen: Einerseits sieht alles nach einer weiteren oberflächlichen Splatter-Party mit brachialen Beats und plumpen, auf böse getrimmten Raps aus, zum anderen ist die beachtliche Spielzeit von über 70 Minuten keine Sache für zwischendurch. Die Betrachtung der beiden Emcees macht die ganze Sache auch nicht besser, denn Einzigartigkeit gehört sicherlich nicht zu ihren Stärken. Labal-S zeichnet noch eine tiefe, grollende Stimme aus, die ihn in Sachen Flow allerdings eine gute Portion Agilität kostet, Leeroy Destroy hingegen ist genau das, was man wohl als den Durchschnitt eines soliden Battle-Rappers definieren würde. Für den Sound sorgen zu einem Drittel Lex Luger, zu einem weiteren FuckRICO und Kebo und schließlich noch einige andere Nonames, MagOwl und Imperial Skillz Empera als die prominentesten. Ist das Unterfangen "Bloodshed" also wirklich so eindimensional wie der Titel suggeriert? Nein, glücklicherweise nicht. Lyrische Meistertaten sollte man zwar keine erwarten, doch das lässt sich über die meisten Alben in diesem Metier anmerken, weswegen primär das Klangbild und dessen Zusammenspiel mit der Darbietung am Mikro von Interesse ist. Gerade auf letzterer Ebene trifft man mit "Call It Watchu Want" den Nagel auf den Kopf, da das schleppend-knurrende Instrumental dem Wesen des eröffnenden Labal-S voll und ganz in die Karten spielt. Leeroy fasst darauf noch schnell zusammen, welche Behandlung der Hörer auf den folgenden Tracks zu erwarten hat: "I ain't chopped and screwed, but I have you chopped and screwed/ Headlined in news, with your torso separated". Genau das praktiziert dann auch das restliche Album, mit schwankendem Outcome. Hörenswert wird es immer dann, wenn das Instrumental entweder nicht zu dick aufträgt oder ein herausragendes Sample erwischt und die beiden Emcees sich gut zu integrieren wissen. "Wrath Of The Gods" ist ein solcher Fall, der schnörkellose Rohkost auftischt, in "B.M.C." wirft ISE ein donnerndes Instrumental ins Gefecht und zeigt einmal mehr, dass er einer der wenigen ist, die es dabei beherrschen, im Einklang mit einer gewissen Eleganz zu bleiben - da können BMC dann nicht mehr viel verkehrt machen. "Blood Letter" wird durch die Gäste, Label-Chef LoDeck und Pumpkinhead, erst so richtig hörenswert gemacht, Gleiches gilt bei "Shrink's 3rd Eye", das als nachdenkliche Nummer sehr alleine in der LP steht. Das erweist sich als Fehler, denn auch im gemäßigten "Dead Speaks" und vor allem im von FuckRICO großartig schummrig produzierten "Fallen Angelz" werden Punkte gesammelt. Dagegen sehen einige andere Tracks, die einfach nach dem nächsten wilden Streicher-Sample greifen, ein paar dramatische Voice-Samples dazuschmeißen und dann von ShadowFist noch mäßig begeisternde Cuts aufgesetzt bekommen, recht alt aus, zumal Leeroy und Labal-S beispielsweise in "Nightmare On Hemp Street" gnadenlos am Beat vorbeirattern - es sollte eben nicht nur auf Teufel komm raus hart sein, ein wenig Korrespondenz ist ebenfalls nicht verkehrt, und die fehlt in Tracks wie der Drogensause "Elesdee" oder "Run It". Das stinklangweilige "Creepers" hätte man übrigens auch besser gelassen. Unterhaltsamer ist da schon "Axe Murder Blood Bros", das gut produziert ist und die beiden Rapper als Dexter-Fans entlarvt, die aus der Ich-Perspektive zwei Charaktere aus dem Universum der ersten Staffel portraitieren.

Was dem Album schlussendlich auch noch zu schaffen macht ist die (Über-)Länge, die die ohnehin präsenten Probleme noch einmal unausweichlicher werden lässt. Das BMC ist nicht unmittelbar im Pool der eindimensional stumpf-stürmischen Beats gefangen (gerade FuckRICO landet praktisch nur Top-Material), findet sich aber doch an einigen Stellen genau dort wieder. Hinzu kommt, dass die beiden Emcees, Leeroy und Labal, für wahre Großtaten nicht genug Fingerspitzengefühl an den Tag legen, was das Zusammenspiel zwischen Beats und Raps ins Wanken bringt. Die Frage, ob dieses Problem in Zukunft behoben wird, kann "Bloodshed" nicht beantworten, in jedem Fall wäre beim nächsten Mal eine Reduzierung auf das wirklich hochwertige Material sowie vielleicht das Einarbeiten eines Konzepts, das die meist doch recht ziellosen Battle-Raps zusammenhalten könnte, kein schlechter Anfang.

6.3 / 10

Ol' Dirty Bastard - Return To The 36 Chambers: The Dirty Version


Release Date:
28. März 1995

Label:
Elektra Records

Tracklist:
01. Intro
02. Shimmy Shimmy Ya
03. Baby C'mon
04. Brooklyn Zoo
05. Hippa To Da Hoppa
06. Raw Hide (Feat. Raekwon & Method Man)
07. Damage (Feat. GZA)
08. Don't U Know (Feat. Killah Priest)
09. The Stomp (Feat. Raison The Zoo Keeper)
10. Goin' Down
11. Drunk Game (Sweet Sugar Pie)
12. Snakes (Feat. Killah Priest, RZA, Masta Killa & Buddha Monk)
13. Brooklyn Zoo II (Tiger Crane) (Feat. Ghostface Killah)
14. Proteck Ya Neck II The Zoo (Feat. Buddha Monk, Prodigal Sunn, Merdoc, Killah Priest, 12 O'Clock, Shorty Shit Stain & 60 Second Assassin)
15. Cuttin' Headz (Feat. RZA)
16. Dirty Dancin' (Feat. Method Man)
17. Harlem World

Review:
Für den dritten Streich im Masterplan des Wu-Tang Clans wird der Mann ins Rennen geschickt, dessen Style keinen Vater kennt: Ol' Dirty Bastard ist ein Name, der weit über den Clan hinaus die Glocken läuten lässt. Method Man mag der massentauglichste Charakter der Neunerformation sein, ODB ist ganz ohne Zweifel die - in sehr zwielichtiger Art und Weise - schillerndste Persönlichkeit im Clan. Heutzutage weiß natürlich jeder halbwegs bewanderte Head, was ihn auf diesem Album erwartet, im angehenden Wu-Superjahr 1995 ist "Return To The 36 Chambers" der erste Vollzeiteindruck, den die Welt von Russell Jones bekommt.

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Gemäß dem, was in den guten alten Zeiten noch an der Tagesordnung war, ist der Mann, der hinter den Boards steht und den Sound bereitstellt, der RZA höchstpersönlich - zumindest großteils, da neben ODB selbst True Master und 4th Disciple auch ein wenig mitstöpseln. Doch ganz ungeachtet der ganz und gar nicht mit anderen Dingen vergleichbaren Person des Dirt McGirt gliedert sich die Produktion in den unerreichbaren Standard, den Cousin RZA zu jener Zeit gepachtet hatte. Wie schon bei "Tical" erfolgt aber auch hier eine Anpassung an den Künstler, die nicht unbedingt den Titel "Return To The 36 Chambers" im Sinne einer Fortsetzung des '93er Klassikers rechtfertigt. Ungeschliffen und grobschlächtig geht es natürlich trotzdem zur Sache - ODB formuliert es wie folgt: "This ain't something new that's just gonna come outta nowhere. This is something old and dirty.... and dirrrty!" - vor allem aber versehen mit dem Stempel des Hauptdarstellers, der ganz und gar einzigartig ist. Nicht umsonst wirkt er beizeiten wie das Wu-Maskottchen, denn reimtechnisch ist er zweifelsohne keiner der Großen. Doch sämtliche derartige Mängel werden durch literweise Charisma und Präsenz am Mic vergessen gemacht: Schon im "Intro" (das man allerdings nicht mehr als zweimal zu hören braucht) wird ein schräger Sinn für Humor bewiesen, der sich im weiteren Verlauf mit gegrölten Raps, meist sinnlosen, ellipsenartigen Sätzen und haufenweise Rauschmitteln mischen wird - alles verpackt in den so einzigartigen und deshalb grandiosen Flowstil des ODB. Das gipfelt in Klassikern wie "Brooklyn Zoo", in dem ODB sich tatsächlich aufs Rappen konzentriert und einige denkwürdige Lines landet. Dank der passenden Untermalung wird gewährleistet, dass die unstrukturierte Performance nie aus dem Ruder läuft - nur so funktionieren Songs wie das stampfend treibende "The Stomp" oder das von bedenklichem Intro eingeleitete "Goin' Down", das nur auf den Moment wartet, in dem RZA's geniales Instrumental einsetzt. Da man allerdings in jedem Fall nur eine bestimmte Menge ODB verträgt, springen einige sehr willkommene Gäste aus dem Wu-Umfeld ein: Method Man und Raekwon klingen in "Raw Hide" so roh wie selten, GZA lässt sich in "Damage" zu einem feurigen Hin und Her mit seinem Cousin hinreißen. Ganz perfekt ist in der verrückten Welt des ODB jedoch nicht alles: In "Don't U Know" ist es der ausnahmsweise saftlose Beat, und wenn ODB in "Sweet Sugar Pie" eine schnulzige Huldigung an u.a. Patti LaBelle singt, ist das zu viel für den normalen Menschenverstand. Warum in "Brooklyn Zoo II" Lines aus "Damage" recycelt werden, bleibt ebenfalls ungeklärt. Daran stören wird sich trotzdem niemand, denn diese Ungereimtheiten machen den Charakter der Scheibe aus und verblassen im Angesicht der Highlights, die natürlich von "Shimmy Shimmy Ya" angeführt werden, des Bastard's persönliche Hymne, die schon ganz alleine der Existenz dieser LP einen Sinn gibt. Eine ganz besondere Perle für den Wu-Head ist einer der besten Posse-Cuts, die es je aus den Shaoliner Slums geschafft haben: "Snakes" wummert, gebettet in Kung-Fu-Flick-Atmosphäre, mit düsterer Rhythmussektion und dezent platziertem, klagendem Pitch-Sample um die Ohrmuscheln, während sich die beteiligte Belegschaft in geschlossener und absoluter Höchstform verewigt. Ebenfalls nicht zu verachten ist "Protect Ya Neck II In The Zoo", das neben dem späteren Brooklyn Zu drei der Sunz Of Man (vor allem einen rasenden Prodigal Sunn) auf den Plan ruft. Das Album beschließen nach dem nach 1992 klingenden "Cuttin' Headz" schließlich noch zwei solide, aber wenig auffällige Tracks.

Er weilt zwar nicht mehr unter uns, hat aber mit diesem Album allen HipHop-Fans sein verrücktes Wesen für alle Ewigkeit vermacht. Doch nicht nur in dieser Hinsicht ist dieses das ultimative und einzige ODB-Album, das sich ein "Must-Have" nennen darf. Mit der (Fast-)Komplettausstattung von RZA konnte zwar sowieso wenig schiefgehen, trotzdem ist es erfreulich zu hören, wie der Abt auf seinen sonderbaren Cousin zugeht und ihm genau das schustert, was ihn auf Albumlänge perfekt zur Geltung bringt. Frei von Kritik ist "Return To The 36 Chambers" deshalb nicht, denn eine Stunde ODB ist schlicht und ergreifend anstrengend. Doch selbst wenn die LP als Ganzes damit nicht so gut ist wie die restlichen Wu-Solos jener Zeit, so ist sie doch ein Trip, der sich in jeder Hinsicht lohnt.

8.2 / 10

Craig Mack - Project: Funk Da World


Release Date:
20. September 1994

Label:
Bad Boy Records

Tracklist:
01. Project: Funk Da World
02. Get Down
03. Making Moves With Puff
04. That Y'All
05. Flava In Ya Ear
06. Funk Wit Da Style
07. Judgement Day
08. Real Raw
09. Mainline
10. When God Comes
11. Welcome To 1994

Review:
Wenn man über die frühen Zeiten von Bad Boy spricht, darf man diesen Mann nicht vergessen: Craig Mack startet seine Karriere als Teenager unter dem Alias MC EZ mit einer Single im Jahr 1988. Auf der Suche nach einem Record Label bekommt er dann von einem gewissen Puff Daddy Wind. Man trifft sich in einem Club, Craig kickt einen Freestyle und kassiert einen Feature-Auftritt bei Mary J. Blige sowie einen Deal als erster Künstler auf Puffy's frisch gegründetem Label. 1994 nimmt er sein Debüt auf und wenngleich ein gewisser Notorious B.I.G. in Sachen Ruhm mit doppelter Geschwindigkeit links an ihm vorbeirauscht, wandern im Schatten des eine Woche jüngeren "Ready To Die" mehr als eine halbe Million Exemplare von "Project: Funk Da World" über die Ladentische.

WRITTEN FOR Rap4Fame
 
So ganz stimmt das Schattendasein Craig Mack's zwar auch nicht, doch zumindest rückblickend ist beim durchschnittlichen Rap-Hörer nicht viel übrig geblieben von diesem Mann, seinem unverwechselbaren Stimmorgan und seinem Markenzeichen-"Boiii"-Ausruf. Während auf Gäste fast komplett verzichtet wird (ein obligatorischer Puffy-Aufritt ließ sich wohl nicht vermeiden), sind für die Instrumentals neben selbstproduzierten Tracks Rashad Smith und fünfmal Easy Mo Bee zur Stelle, was nicht nur hypothetisch gut klingt. Feinste 90s-Rhythmussektion gab es sogar auf Bad Boy in dessen frühen Tagen en masse. Betrachtet man dazu den Emcee Craig, so dürften sich sehr verschiedene Meinungen finden, schließlich ist lyrischer Anspruch nicht das, womit der Herr punktet - und genau das könnte dem einen oder anderen auf voller Spielzeit sauer aufstoßen. Es geht hauptsächlich um die Funk-Invasion, mit der Craig die Welt zu überziehen gedenkt und die auch seinen Frühneunziger-Swag nährt. Wer also auf der Suche nach ernsten Tönen ist, der ist an der falschen Adresse. Wer allerdings offen für den fraglos lässigen Vibe der Platte ist, der wird sich im richtigen Moment königlich daran ergötzen, wie Mack ausladend über seine fetten und funkigen Instrumentals flext. Man muss zwar fast zwei Minuten in das eröffnende "Project: Funk Da World" eintauchen, um diesen Genuss erstmals wahrzunehmen, doch dann dauert es nur wenige Sekunden, bis die dichten Sound-Schwaden Besitz der Hörorgane ergreifen. Puffy'sche Weichspülerei? Marktorientierung? Von wegen. Es ist unschwer herauszuhören, dass Mack genau das treibt, wonach ihm der Sinn steht, und das beschert dem Hörer einen Kracher wie "Get Down" (wieder mit langem Intro), in dem Easy Mo Bee seine damalige Unfehlbarkeit auf ein Neues relaxed-spielerisch in eine Audio-Spur meißelt. Da ist es unmöglich, Craig's "Can I get down?" zu verneinen. Er selbst zeigt an den Boards zwar ebenfalls Talent, der unangefochtene Beat-Fürst dieser LP ist allerdings Mo Bee, der Kopfnicker aus dem doppelten Boden seiner SP zaubert, die mitnichten als Biggie-Restmaterial abgetan werden sollten. "Judgement Day" ist ein weiteres derartiges Kunststück, dem es die Dopeness die Arschritze nach oben drückt, während Craig Mack die Wack-MC-Gemeinde dem jüngsten Gericht vorführt. Es spricht für sich, dass selbst der Puffy-Song (unschwer in der Tracklist zu identifizieren) ohne Kritikpunkte davonkommt. Frei von selbigen ist "Project: Funk Da World" dann aber doch nicht, an einigen Stellen ist nicht alles wunderbar: "Real Raw" lässt ein wenig den sonst so präsenten Groove vermissen, "That Y'all" leidet an trockenem Beat und einer wahrhaft miserablen Hook und "Welcome To 1994" ist nicht wirklich das, was man einem Unbefangenen als qualitativ repräsentatives Material dieses Jahrgangs vorspielen würde. Bezüglich populärer Qualitätsware eignet sich da schon viel eher "Flava In Ya Ear", das es so erfolgreich schafft, die Brücke zum Mainstream zu schlagen, dass (J-Lo sei's gedankt) Leute, die noch nie von Craig Mack gehört haben, diesen Track feiern, während sich auch der HipHop-Head dafür erwärmen kann. Ein wenig Moralpredigt schließt sich dann sogar noch im letzten bisher unerwähnten Highlight, "When God Comes" (natürlich wieder Easy Mo Bee), an. Mit Lines wie "And radio ya need to be ashamed / For pumping murder, murder, murder all up in our brain" oder "I watched drugs and guns take control / I even watched how the devil took the Black woman's soul / They ain't got respect no more / When your ass is on the camera you ain't nothing but a whore" bringt Mack es dabei erstaunlich gut auf den Punkt.

Es mag dieser Tage eines von vielen Neunziger-Releases sein, doch Craig Mack's Debüt ist durchaus ein wenig mehr. Es ist der Beweis, dass das frühe Bad Boy mehr war als nur Biggie, es ist ebenfalls der Beweis, dass es ein Release auf Bad Boy gibt, das frei von Absatzbestrebungen und geprägt vom Geist des Interpreten ist. Bei allem Lob ist Craig Mack, wenngleich ein für elf Tracks sehr angenehmer und sympathischer Entertainer, kein Ausnahme-Emcee und auch einige Songs versäumen es, auf Dauer zu gefallen. Deshalb ist "Project: Funk Da World" kein herausragendes, aber ein durchaus gutes und empfehlenswertes 90s-Release, das man auf jeden Fall gehört haben darf.

6.7 / 10

Babylon Warchild - Babylon Warchild


Release Date:
18. April 2011

Label:
Gold From Straw Recordings

Tracklist:
01. Call Of The Warchild
02. Hunger Pains (Feat. KDB)
03. Weapons Of Mass Deception
04. Farm Complex (Feat. Chief Kamachi)
05. No Time
06. Parliament Hillz
07. I Am (Feat. Reef The Lost Cauze)
08. Fire In The Sky (Feat. Fresco P)
09. Equal Power
10. Knowledge (Feat. Fresco P, Black, Symmetry & BK The General)

Review:
Sieht auf den ersten Blick aus wie irgendwo aus dem Osten, kommt aber aus Kanada: Babylon Warchild sind ein nicht alltägliches Trio aus Toronto, das sich anschickt, der so oft übersehenen Nachbar-Szene der USA ein wenig mehr Aufmerksamkeit zuzuschanzen. Die drei Beteiligten sind nicht vollkommen neu in der Szene, so ist Emcee und Producer Legitimate schon als Teil von School Of Thought und Emcee Unknown Mizery in den Reihen von Peep The Revolution in Erscheinung getreten. Komplettiert wird die Gruppe durch Rumplestiltz, der sich mit der ungewöhnlichen Beschreibung eines HipHop-Cellisten vorstellt. Auf dem noch weniger bekannten Gold From Straw Recordings veröffentlicht man das selbstbetitelte Debüt.

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Der Pessimist sagt: "Das hat gerade noch gefehlt". In einer Zeit, in der jeder Träger von mehr als einem Dutzend Gehirnzellen meint, sich in politische Botschaften stürzen zu müssen, kommt eine Formation mit dem Namen Babylon Warchild des Weges. Da kann man dem Schwarzseher so direkt erst einmal nicht widersprechen, denn wenn es nach Dummschwätzen eine Rapper-Lieblingsbeschäftigung gibt, dann ist es das Herumhacken auf Amerika, dem dekadenten "Modern Day Babylon". Auf der anderen Seite gehen sehr wenige Künstler die Thematik wirklich ernsthaft an, weswegen eine Gruppe mit seriösem Anliegen in diesem Themengebiet durchaus erfolgversprechend sein kann. Genau deshalb hat der Pessimist Hand in Hand mit dem gemeinen HipHop-Fan Grund zu höchster Freude, denn Babylon Warchild überraschen auf so ziemlich jeder Ebene positiv: Diese Jungs nehmen ihren Job als politisch motivierte Rapper ernst, vergessen dabei aber keinesfalls das Rappen selbst; aus sicherer Lunge spittet man von Anfang bis Ende. Weder Legitimate noch Unknown Mizery legen dabei außergewöhnliche oder innovative Styles an den Tag, doch das braucht es für die rundum überzeugende Darbietung gar nicht. Nicht minder liegt das Augenmerk auf den (neben u.a. Primacy, Laforty und Dynamo) zur Hälfte von Rumplestiltz produzierten Beats, die darüber entscheiden, ob dieses Album im Sumpf brachialer, kopierter Eintönigkeit AOTP'scher Machart vergessen wird oder ob man sich abzusetzen weiß. Zur großen Freude ist eindeutig Zweiteres der Fall, und an dieser Stelle kommt das live eingespielte Cello zum Tragen: Einem Song wie "Hunger Pains" wird so eine famos-betrübte 20-sekündige Einleitung vorangeschoben, bevor ein nicht minder wehmütiges Piano einer verstaubten Snare die Hand reicht, um die Zeilen über das harte Struggle-Dasein angemessen zu illustrieren, die mitunter in großartigen Metaphern kulminieren:

"We fly a burning flag, democratic process engulfed in flames
Where justice is a blind man begging for your change
"



Ein schöner Übergang von Cello-Intro zu tragendem Piano (im Hintergrund das unbezahlbare Vinyl-Kratzen) erfolgt ebenso erfolgreich in "Fire In The Sky", das diesen Grundriss erneut hervorragend in die Tat umsetzt. Während fast alle Songs einen ernsten Ton beibehalten, gibt es beim Tempo durchaus Variationen: Das eröffnende "Call Of The Warchild" setzt im Intro erneut gekonnt Cello ein, diesmal zur Untermalung von Interview-Schnipseln von Jacques Fresco, um dann in einem feurigen Banger aufzugehen, der sich gleich zu Beginn die volle Aufmerksamkeit des Hörers sichert. Derer können sich Babylon Warchild auch praktisch die gesamte Spielzeit sicher sein, lediglich im etwas robusten "Farm Complex" geraten die Streicher-Salven etwas monoton, doch dort ist ein Chief Kamachi zur Stelle, um bei der Systemkritik Hilfestellung zu leisten. Der zweite Philly-Prominente wird noch besser in Szene gesetzt, das eingängige "I Am" darf sich sogar mit einem der besten Reef-Auftritte der letzten Zeit brüsten. "No Time" zeigt, dass sich auch Legitimate aufs Produzieren versteht, der Schlusspunkt und letzte Ohrenschmaus geht allerdings wieder auf Rumplestiltz' Kappe, der "Knowledge", gespickt mit Auftritten abwechslungsreicher Gäste, seine vollen sieben Minuten wert macht.

Für ein vollwertiges Album ist "Babylon Warchild" mit seinen 10 Tracks und guten 40 Minuten zwar nicht wirklich üppig, doch dafür stimmt die Qualität: Mehr als der Hälfte der Songs darf man absolute Highlight-Qualitäten zusprechen und der Rest bewegt sich sicher über Auffüll-Material. Außerdem werden mit der Kürze etwaige Probleme wie lyrische Redundanz recht gut umschifft. Auch Rumplestiltz' oft zum Einsatz kommendes Cello funktioniert hervorragend und haucht der ohnehin starken Produktion mehr Leben ein. Wie sich das alles auf einem nächsten, eventuell längeren Album entwickeln wird und ob die Zutaten dann noch ausreichen, steht hier nicht zur Diskussion, im Moment darf man sich einfach daran erfreuen, dass "Babylon Warchild" sehr hörenswerte Minuten verspricht und knapp in den Sphären eines rundum hochwertigen Albums schwebt.

7.5 / 10

Sonntag, 22. Mai 2011

Masta Ace - Disposable Arts


Release Date:
18. Oktober 2001

Label:
JCOR Records

Tracklist:
01. The Release
02. Too Long (Feat. Apocalypse)
03. Block Episode (Feat. Punch & Words)
04. Commercial
05. Don't Understand (Feat. Greg Nice)
06. Goodbye Lisa
07. Hold U (Feat. Jean Grae)
08. Every Other Day
09. Roommates Meet
10. Take A Walk (Feat. Apocalypse)
11. Something's Wrong (Feat. Strick & Young Zee)
12. The Classes
13. Acknowledge
14. Enuff (Feat. Mr. Lee Gee)
15. Watching The Game
16. Unfriendly Game (Feat. Strick)
17. Alphabet Soup
18. Dear Yvette (Feat. Jane Doe)
19. I Like Dat (Feat. Punch & Words)
20. P.T.A. (Feat. King T & J-Ro)
21. Type I Hate (Feat. Rah Digga & Leschea)
22. Dear Diary
23. Last Rights
24. No Regrets

Review:
Die Karriere von Masta Ace weist Eckpunkte auf, von denen andere nur träumen können: Natürlich muss an dieser Stelle der Name Juice Crew fallen, auch die Erstbesetzung der Crooklyn Dodgers führt den Namen Ace. Dazu kommen nach dem Debüt bei Cold Chillin' noch zwei Alben mit Masta Ace Incorporated, Zweiteres erscheint Mitte 1995. Danach kommt es zur Trennung von Masta Ace Inc. und auch sonst wird es eher ruhig um den Master: Die Zahl der Auftritte ist überschaubar (u.a. werden Features auf den Yosumi-Compilations verbucht), es wird ein wenig getourt. Ganze sechs Jahre dauert es, bis Ace sich zu seinem zweiten echten Soloalbum, "Disposable Arts", aufrafft.

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Ace war nicht nur erfolgreich Teil der Prä-90s-Zeiten, auch die Neunziger selbst durchschritt er als relevanter Künstler. Nun gilt es, den Sprung in ein neues Jahrtausend und ebenso in eine Szene, die sich seit dem 1995er "Sittin' On Chrome" stark verändert hat, zu meistern. Inzwischen darf sich Ace getrost als Veteran bezeichnen, doch nicht nur deshalb kämpft er nicht mehr an vorderster Front: Das Missfallen gegenüber einer in die falsche Richtung steuernden Szene, das schon in den Neunzigern einsetzte, ist weiter gewachsen und hat Ace in dieser Hinsicht verbittern lassen. Seine eigene Stellung in dieser Szene sieht er dabei nicht ohne Selbstironie, treffend auf dem Cover als Anspielung auf "Sittin On Chrome" illustriert. Um seine Ambitionen - Unmut und der Wunsch nach dem echten, für Ace verblassenden HipHop - ansprechend an den Mann zu bringen, wählt er ein Konzeptalbum. Nicht ganz im Stile von Prince Paul, doch es gibt eine Rahmenhandlung, in die die Tracks lose eingelassen sind und die in Skits erzählt wird. Bei den restlichen Parametern gibt es durchaus kleine Überraschungen, hauptsächlich bezüglich der Unbekanntheit vieler Gäste und fast aller Produzenten. Dank eines gesunden Ohrs gelingt es Ace jedoch, trotz vieler verschiedener Köche eine hervorragende Beat-Karosserie zu fertigen, die seine so natürlich klingenden Rhymes sicher nach Hause bringt. Den Anfang macht die LP mit Ace's Entlassung nach langjährigem Knastaufenthalt, auf den mit "Too Long" direkt realisiert wird, wie viel sich geändert hat. Doch zuerst geht es zurück nach Brooklyn, wo nicht nur die Ex wartet. In "Block Episode" gibt ein überragendes Storytelling-Dreigeflecht die ziellose Gewalt wieder, die vor der Haustür wartet. Neben den nicht minder behänden Punch & Words ist es vor allem Ace, der den Hörer mit seinem Storytelling sofort auf und an seiner Seite hat. Die Entscheidung, nicht selbst irgendwann einen Querschläger einzufangen oder anderweitig frühzeitig das Zeitliche zu segnen, bringt Ace zum Entschluss, sich beim IDA ("Institute of Disposable Arts", mit Werbesprecher Tonedeff) zu einem auf lange Sicht lukrativen HipHop-Studium einzuschreiben. Bevor er dort eintrifft, gibt es einen astreinen Gute-Laune-Track mit Hype-Mann Greg Nice ("Don't Understand", mit einer Botschaft, die Ace's Einstellung trotz seiner Verbitterung gegenüber dem Genre unterstreicht: "I love Rap no matter how much I say I hate it") und einen schlicht und ergreifend schönen Lovesong, der in Jean Grae das perfekte Gegenüber findet und wie später auch "Dear Yvette", das als Brief an eine vom rechten Weg abgekommene ehemalige Freundin aufgezogen ist, Ace in seiner Rolle als Gentleman zeigt. Nach dem mit etwas erzwungen klingendem Reggae-Einschlag versehenen "Every Other Day" kommt man schließlich in den Genuss von Paul Barman als nerdiger Zimmergenosse, der hin und weg darüber ist, dass Ace aus Brooklyn kommt. Grund genug, einen Spaziergang ("Take A Walk") zu unternehmen, der das wahre Gesicht der Hood zeigt. Es folgt in "Something's Wrong" ein Frustventil mit einem jungen und hungrigen Strick sowie "Acknowledge", in dem Ace mächtig Dampf ablässt, wenngleich in die falschen Richtungen: Die im ersten Verse gedissten High & Mighty trifft es nur aufgrund eines kurz darauf aus der Welt geräumten Missverständnisses, Boogieman wird im zweiten Verse zwar in seine Einzelteile zerlegt, ironischerweise ist dies aber auch mehr oder weniger der einzige Existenznachweis für diesen Nobody aus Nottz' Gefolgschaft - was natürlich nichts an der Klasse des Tracks (man höre JS-1's Cuts) ändert. Eines der Highlights der Platte ist fraglos "Unfriendly Game", eine einzige große Football-Metapher:

"It's Monday night, we on some watch the game shit
But I can go outside and still see the same shit
[...]
And if they make a wrong move they penalized
Not by the referee, but by Pookie brother Jeffery
[...]
He's the one that makes the deals happen
Smokin' big cigars, while his stars are in the field scrappin'
But tonight the line of scrimmage got penetrated
The block got raided, and everybody got traded
Now they wearin' stripes in a pen
"



An nächster Stelle führt ein Song die Storyline fort: "Alphabet Soup", dessen Beat als Respekt zollender Kopfnicker Richtung "A Prince Among Thieves" verstanden werden kann, spielt aus der Sicht von zwei vom rollenden Rubel träumenden Hoodrats aus der Crew des Ex-Mackers von Lisa (ebenso Ace's Ex), die auf deren Auto angesetzt wurden. Die unterschwellige Attacke auf den fadenscheinigen Scarface-Traum eröffnet sich im folgenden Skit, der in Nachrichten-Form von einem "Carjacking gone wrong" und zwei jungen toten Männern berichtet. Damit verabschiedet man sich vom konkreten Handlungsverlauf, in "I Like Dat" kicken Punch, Words und Ace selbstbeweihräuchernden Sex-Talk, das sehr mittelmäßige "P.T.A. hängt materialistischen Zielen hinterher und "Type I Hate" gibt sich vier Minuten lang gepflegtem Lästern über Paparazzi, falsche Freunde und ähnliche Schmeißfliegen hin. Gegen Ende der LP wird Ace nochmals persönlich: "Dear Diary" ist eine Unterhaltung, in der Ace von seinem zweifelnden Selbst Vorwürfe gemacht bekommt, u.a. über das Boogieman-Battle ("Whoever let you back in the door should get a smack in the jaw / Cause you sure shouldn't be rappin' no more / You already proved that at the Lyricist Lounge affair / Tryin' to battle with rhymes you wrote on the way there / Maybe next time you'll know not to play fair / Say your best written shit and school 'em like daycare"), "Last Rights" birgt die Auflösung der Handlung und "No Regrets", in dem Domingo das perfekte Instrumental findet, um Ace über seine Karriere reflektieren zu lassen, setzt ein letztes und eindeutiges Ausrufezeichen hinter dieses Album.

Heutzutage gibt es viele Artists wie Ace, die das Game aus der zweiten Reihe betrachten und inhaltlich Ähnliches abliefern. Trotzdem macht es auch heute noch Mordsspaß, dieses Album zu hören. Ace's sympathische Art macht es einfach, den ohnehin teils großartigen Songkonzepten zu verfallen, doch selbst gewöhnliche Themen finden eine gelungene Umsetzung. Und dann wäre da noch das Phänomen der Beats: Es lässt sich kein Charakteristikum finden, das die Produktionen von vielen anderen abheben könnte, trotzdem steht das, was sich Ace zusammengewählt hat, über dem großen Rest - wenn Standard-BoomBap, dann bitteschön genau so. Da selbst die Skits so unterhaltend gestaltet wurden, dass man auch nach dem zwanzigsten Mal nicht zwangsweise skippen muss, ist "Disposable Arts" in jeder Hinsicht ein Must-Have.

8.7 / 10