Sonntag, 9. Oktober 2011

Qwazaar & Batsauce - Bat Meets Blaine


Release Date:
13. September 2011 (US) / 14. Oktober 2011 (D)

Label:
Galapagos4 Records

Tracklist:
01. A Choice
02. I Know
03. What Love
04. Chop Em Down
05. Eye To The Sky
06. Never Weaker (Feat. Onry Ozzborn, Offwhyte & DJ Bizkid)
07. Surrealism (Feat. Lady Daisey)
08. Power
09. If It Seems Wrong
10. I'm Gone
11. A Feeling (Feat. KP & Denizen Kane)
12. The Dream
13. Til It's Done
14. Thanks

Review:
Da verbrachte er eine halbe Ewigkeit im Halbschatten und jetzt scheint Qwazaar das Arbeitsfieber gepackt zu haben. Rekordverdächtige zwei Monate nach der stattlichen EP "Style Be The King" mit seinem neuen Partner Batsauce aus Jacksonville (wohnhaft in Berlin) folgt das Album. Geplant seit einigen Jahren, war "Style Be The King" die Vorstellung der beiden als Duo (die noch Luft nach oben hatte), das mit "Bat Meets Blaine" betitelte vollwertige Debüt soll nun zeigen, wozu man fähig ist, wobei vor allem Qwazaar unter Berücksichtigung seines bisherigen Schaffens das niemandem mehr beweisen muss. Im Gegensatz zu "Style Be The King" wird "Bat Meets Blaine" nicht erst als kleines Release auf Fifth Element umworben, sondern von Anfang an von Galapagos4 gestützt.

WRITTEN FOR Rap4Fame
 
Im Gegensatz zur EP gönnt man sich diesmal einige ebenfalls sehr fähige Gäste, vorwiegend Bekannte aus dem direkten Umfeld. Wer Qwazaar kennt, der weiß, dass der Mann ungerne zweimal hintereinander dasselbe macht, weswegen man irgendwie gar nicht groß überrascht sein darf, dass auf "Bat Meets Blaine" schon wieder ein etwas anderer Wind weht als noch auf der EP. Das wird vielleicht all jene etwas enttäuschen, die auf weitere Schweißtreiber vom Schlage "Shake" gehofft haben, denn dieser Ansatz wird auf dem Album kaum mehr verfolgt, weicht dafür natürlich aber anderen Ideen und Stilen. Trotzdem darf direkt vermerkt werden, dass die geradezu perversen Flow-Abfahrten, die gerade "Shake" zierten und ausmachten, ebenfalls abwesend sind. Das ist gewissermaßen schade, doch Qwazaar gehen als einem der vielseitigsten MCs des Genres deswegen nicht die Trümpfe aus. Statt knallharter Raps verfällt Qwa oft in einen Singsang, der Stil und Geschwindigkeit wiederum beliebig zu variieren weiß. Batsauce passt sich diesen Änderungen an und sorgt für einen instrumentalen Teppich, der genau in den Spätsommer bzw. Herbst passt, in dem sich relaxte Nummern und ein nachdenklicher Anstrich abwechselnd die Klinke in die Hand drücken. "Power" erinnert dabei noch am ehesten an "Shake" und trumpft mit einfacher Struktur, Claps im Hintergrund und in der Hook voll einsetzenden Hörnern auf, wobei das Thema diesmal wesentlich ernsthafter und kritischer ausfällt. Ansonsten regieren viele zwischenmenschliche Themen, wenngleich natürlich auch ein Stück wie das austeilende "Chop 'Em Down" nicht fehlen darf. Zufälligerweise legt Bat hier den schwächsten, etwas zu basslastigen Backdrop der Platte vor. Großartig ist dagegen "I Know", das mit lockeren Vocals gut gelaunt anfängt, dank einer satten Rhythmussektion aber (wie auch der Rest der LP) nie den Eindruck zu leichter Sommermusik erweckt. Und schließlich ist da immer noch Qwazaar, der selbst mit Gesang nie weichgespült daherkommt. Deshalb schlägt "Surrealism" auch eine wunderbare Brücke zwischen dem zarten Gesang von Bat's Smile-Rays-Kollegin Lady Daisey und Qwa's introvertierten Lyrics aus seinem Alltag. Ähnlich geht es zu, wenn Qwa in einem "Dream" versinkt, wobei sich Bat an dieser Stelle schon fast zu sehr im Hintergrund platziert. Besser gelingt das Zusammenspiel im munteren "I'm Gone", das eine von Anfang an riskante Beziehung rekapituliert, als auch "What Love", das allerdings eher allgemeine Gesellschaftskritik übt ("You would think a black president inspired some intelligence..."). Schließlich sticht noch "If It Seems Wrong" hervor, das zum Durchhalten im harten Alltags- und Arbeitsleben aufruft und gerade durch die erschöpfte Art, in der Qwa rappt, sein Anliegen unterstreicht. Die Gast-Raps auf zwei Tracks bleiben überraschenderweise unauffällige Beigabe und stellen nicht in Frage, dass Qwa hier den Ton angibt und zwar bis zum abschließenden "Thanks", das einige Shoutouts loswird, von Psylock bis hin zu den Beteiligten an dieser Scheibe.

Dem musikalischen Stillstand wurde auch auf dieser Scheibe erfolgreich entsagt. Doch in diesem Fall muss gesagt werden, dass man einige Elemente, die auf "Style Be The King" ansatzweise zu hören waren, gerne noch vertieft gehört hätte, denn auf gewisse Weise war die EP etwas vielseitiger als das eigentliche Album. Wieso man sich so sehr auf Singsang und lockere Tracks verlagert hat, bleibt ein Rätsel, ein kleiner Brecher à la "Shake" zwischendurch hätte keineswegs geschadet. Damit hat sich die Kritik dann aber erschöpft, denn das, was Qwa und Bat bieten, ist nicht nur interessant, sondern zumeist auch richtig gelungen. "Bat Meets Blaine" ist somit ein geschlossenes, gutes Album, dem man nur vorwerfen kann, dass es seine Möglichkeiten nicht voll ausgereizt hat.

6.7 / 10

Access Immortal - Shades Of Reality


Release Date:
Early Spotter Records

Label:
12. Mai 2005

Tracklist:
01. Intro
02. Authentic Made (Feat. Smiley The Ghetto Child & Breez Evahflowin)
03. Resident Evil
04. Get What You Deserve (Feat. Substantial, Karniege & Breez Evahflowin)
05. Born In The Ghetto
06. Some Days (Feat. Wordsworth)
07. Life Is Dirty
08. Strugglers Paradise (Feat. Insight)
09. My Testimony
10. The General
11. Force Of The Rush (Feat. Loer Velocity & Oktober)
12. Bust My Gun
13. Monday Night Raw
14. Best Kept Secret (Feat. Young Sin & Karniege)
15. Lost In Paradise
16. Shallow Graves (Feat. Science & Vanderslice)
17. Outro

Review:
Bevor Access Immortal erstmals auf der Bildfläche auftaucht, hat er mehr oder weniger einen recht unaufregenden Standardweg hinter sich: 2001 fängt der MC aus Bed-Stuy an, auf Open Mics an einem lokalen Hype zu arbeiten, der beständig wächst und dann mit selbst vertickten EPs und Mixtapes ("The Other Half", "7 Deadly Sins", "Calm Before The Storm", "Limited Edition") gefüttert wird. Dann wird das kleine Early Spotter Records auf ihn aufmerksam, bringt anfangs Access' neustes Mixtape ("The 9th Gate", produziert von niemand anderem als 9th Wonder) kostenlos unter die Massen und später dann auch das Solodebüt, das auf den Namen "Shades Of Reality" hört.

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Artists vom Schlag eines Access Immortal gibt es immer wieder: Newcomer, deren Musikgeschmack von der Schule der Achtziger und (vor allem) später der Neunziger geprägt ist und die nun die Tradition des "Real HipHop" fortzusetzen gedenken. Viele dieser Künstler zeichnet in ihren Alben eine beschränkende Austauschbarkeit aus, weswegen es in erster Linie nicht verkehrt ist, einem Album wie "Shades Of Reality" trotz sehr interessanter Tracklist skeptisch gegenüberzustehen. Access ist dann wahrlich auch kein Ausnahme-Rapper, denn mit einer eher zurückhaltenden Stimme, einem gemütlichen Flow und den alltäglichen Chroniken aus dem Hood-Leben hebt er sich nicht unbedingt vom Gros der anderen zu jener Zeit durch die Szene laufenden Untergrund-Rapper New Yorks ab. Doch das soll den ambitionierten Mann nicht daran hindern, gute Musik zu veröffentlichen, schließlich stehen ihm fähige Gäste und Produzenten zur Seite, vor allem der persönliche Beat-Schmied Vanderslice, der zehnmal in den Credits zu finden ist. Ob es sehr sinnvoll ist, den ersten Vers auf dem eigenen Album von einem anderen Emcee rappen zu lassen, sei mal dahingestellt, in jedem Fall legt Smiley (nach einem "Intro", in dem festgestellt wird, dass die Szene Schieflage hat) einen satten Part für "Authentic Made" hin und unterstreicht zusammen mit dem sehr feinen Piano-Loop das Anliegen der LP, New York's Street-Sound zu verfolgen. Das ist nämlich der größte Pluspunkt für diese Scheibe, wohingegen diejenigen, die lyrische Raffinesse oder technische Feinheiten suchen, mit Access kaum glücklich werden dürften. Sein steter und gesunder Flow trumpft immer dann auf, wenn das Instrumental nicht zu viel Fahrt aufnimmt, was Tracks wie "Some Days" (das nicht nur dank dessen Auftritts auch auf Wordsworth's "Mirror Music" gepasst hätte) zu schönem und ruhigem Material für den Nacken macht, während Access im schon erwähnten Opener völlig gegen Smiley untergeht. Selbiges gilt übrigens für "Best Kept Secret", eine Wohltat von Vanderslice, in der Karniege in der gefährlichen Atmosphäre des Beats seine zwei Kollegen an die Wand rappt. Ganz ohne Gäste schafft es Access, in "Resident Evil" (mit mäßiger Hook) blass dazustehen, was aber nicht groß stört, denn im großen Rest funktioniert eigentlich alles: Da wäre das 7L-produzierte, schön eingängige "The General", J-Zone's "Monday Night Raw" (zu dem ACS' unaufgeregte Performance wiederum einen interessanten Gegenpol darstellt) und natürlich die vielen bedrückten Stücke harten Ghetto-Alttags, allen voran "Born In The Ghetto" mit einem melancholisch gestimmten Piano-Loop. Aber auch das schwer wehmütige "Lost In Paradise" und das gekonnt als nachdenkliches Schlummerlied (mit sehr persönlichen Beiträgen aller drei Rapper) inszenierte "Shallow Graves" schlagen in eine ähnliche Richtung. Neben Loer Velocity im beanstandungslos schnörkellosen Kopfnicker "Force Of The Rush" gibt es noch ein letztes Ausrufezeichen im versteckten Track, der (inklusive Prodigy-Sample) hinter dem "Outro" als astreiner Representer wartet.

So mittelmäßig wie anfangs vielleicht befürchtet ist Access' vollwertiger Einstand also doch nicht - genau genommen wird man im Jahr 2005 nicht viele andere Releases finden, die so unbeschwert zeitgemäßen New Yorker Streetrap präsentieren. Dass Access dabei weder sein Publikum aus den Sesseln haut noch sich sonderlich vielseitig zeigt, stört nur bedingt, denn er verlässt den Bereich, in dem er wirkungsvoll ist, nur selten. So bleibt genügend Platz für eine ganze Reihe richtig starker Tracks, die Access einen berechtigten Platz im Underground-Zirkus sichern und dem BoomBap-Sympathisanten neues Futter geben.

7.0 / 10

Outerspace - My Brother's Keeper


Release Date:
23. August 2011

Label:
Enemy Soil Records

Tracklist:
01. My Brother's Keeper
02. Mossberg Solution (Feat. Vinnie Paz)
03. Cold Day In Hell
04. Demonic Prophecies (Feat. Ill Bill)
05. Behead The Kings
06. Slap 'Em Up (Feat. Doap Nixon)
07. Get Ridiculous (Feat. Apathy)
08. Written In Blood
09. Bodega Gospel (Feat. Blacastan & Esoteric)
10. World Of Fear
11. Lost Angels (Feat. Sick Jacken)
12. Clear Out (Feat. King Syze & V-Zilla)
13. Heaven

Review:
Ihren bisherigen Zweijahresrhythmus bei den Albumveröffentlichungen mussten Outerspace für ihr nunmehr viertes Studioalbum ein Jahr nach hinten verschieben, doch zwischen Familienleben (Planetary hat nicht weniger als vier Kinder), dem dritten AOTP-Album und ausgiebigem Touren ist es schwer, Zeit zu finden, sich im Studio einzumieten. Außerdem ist Babygrande Geschichte, was für Planetary und Crypt The Warchild, die beiden Top-Weedcarrier der Jedi Mind Tricks, allerdings kein Problem darstellt, da seit der Gründung von Vinnie's Enemy Soil Bindungen zum Label bestehen und man so direkt eine neue Heimat findet, die "My Brother's Keeper", das neue Werk der beiden Philly-Emcees, auf den Markt wirft.

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Die Devise beim neuen Album war: Alles bleibt beim Alten. Also finden sich die bekannten Stoupe-Kopierer und Gäste aus dem AOTP-Umfeld (sowie einige weitere) ein, um genau das aufzunehmen, was zu erwarten war. Experimente sind des Weedcarriers Sache nicht, was sich hier einmal mehr bis in die letzte Sekunde bewahrheitet. Das muss natürlich nicht zwangsweise schlecht sein, zumal Großmeister Vinnie Paz in letzter Zeit keineswegs durch Großartigkeit auffiel - da kann die konstant solide Leistung der Untergebenen den Brötchengeber durchaus mal überholen. Doch dafür passiert bei Outerspace einfach viel zu wenig. Laut Eigenaussage wollte man hart pumpende Beats haben, was ganz klar zu hören ist: Egal ob es nun C-Lance, DC The Midi Alien, Skammadix oder MTK ist, die Snare wird zur Schattenexistenz verdammt, die Kick knallt gewaltig und obendrauf toben wilde Sounds, mit Vorliebe dramatische Streicher (wahlweise auch ein etwas gemäßigteres, ebenso berechenbares Klavier) ohne jedes Gefühl für Feintuning. Das hat man in den letzten Jahren bis zum Erbrechen von der gesamten AOTP-Mannschaft in den Rachen gewürgt bekommen, aber dessen müde werden die Jungs aus Philly nicht. So starten Outerspace mit drei Cuts in ihr Album, die so vorhersehbar sind, dass einen nur die wütende Kick vom Einschlafen abhält. Denn Planetary und Crypt sind bekanntermaßen nicht gerade die Emcees, die trotz derart mittelmäßiger Produktion die Geschichte nach Hause schaukeln, sondern vielmehr gleichermaßen durchschnittliche Reimewälzer, die völlig zu Recht immer in der zweiten Reihe standen und ohne ordentliches Beat-Backup verloren sind. Deshalb ist es erst "Demonic Prophecies", das ein wenig Fahrt aufnimmt. DC legt ein starkes Voice-Sample in den Hintergrund und Ill Bill zeigt, wo der Hammer hängt. Damit ist er nicht der einzige, der seine Gastgeber übertrumpft, auch Apathy lässt es in "Get Ridiculous", das wiederum einen etwas besseren Beat abbekommen hat, krachen, Gleiches gilt für die Ost-West-Kombo "Lost Angels" mit Sick Jacken und Cynic an den Knöpfen, die für ein wenig Abwechslung sorgt. Da sich OS in den wenigsten Fällen dazu bequemen, irgendwelche Inhalte in ihre fäusteschwingenden Zeilen zu packen, ist man auch in den restlichen Tracks auf die Produktion angewiesen, die mal mitspielt, mal aber auch nicht. "Slap 'Em Up" ist einer der schlimmsten Fälle, bei dem auch Doap Nixon kein Stück hilft. Also sucht man sein Heil in "World Of Fear", dem tatsächlich ein Thema eigen ist (berichtet wird von Schicksalen im harten Straßenleben), das sonst allerdings auch nicht viel reißt. Etwas besser sieht es mit "Heaven" (auf dem das Duo seinem Ableben ins Auge blickt) aus, trotzdem sucht man lieber die Tracks mit den besten Instrumentals (z.B. "Clear Out").

Große Erwartungen hatte wohl niemand an dieses Album, was gut ist, denn solche hätten OS niemals erfüllen können. Alle AOTP-Verrückten werden wahrscheinlich auch hiermit zufrieden sein, dann das Duo macht nichts anderes als das, was man schon zur Genüge aus dem Camp kennt: Drohende Battle-Raps werden über voluminöse, viel zu sauber ausproduzierte und nicht mehr roh klingende Beats geschwungen, ohne dass dabei ein Fünkchen Raffinesse zu spüren wäre. Da auf (in diesem Fall) Blödsinn wie R&B-Elemente verzichtet wurde landet man bei einer Politik des konstanten, gleichgeschalteten Mittelmaßes, in der es keine Aussetzer gibt, die aber auch nur in den wenigen Songs mit überdurchschnittlichen Produktionen wirklich hörenswert ist. "My Brother's Keeper" sollte sich nur zulegen, wer sich sicher ist, dass er vom zu Erwartenden noch nicht übersättigt ist, denn nüchtern betrachtet haben Outerspace schon Mühe, überhaupt die Hälfte der Punkte einzusammeln.

5.3 / 10

Little Brother - The Listening


Release Date:
25. Februar 2003

Label:
ABB Records

Tracklist:
01. Morning (Intro) (Feat. Chaundon)
02. Groupie Pt. 2
03. For You
04. Speed
05. Whatever You Say
06. Make Me Hot
07. The Yo-Yo
08. Shorty on the Lookout (Feat. Median)
09. Love Joint Revisited
10. So Fabulous
11. The Way You Do It
12. Roy Lee, Producer Extraordinaire
13. The Getup
14. Away From Me
15. Nobody But You (Feat. Keisha Shontelle)
16. Home
17. Nighttime Maneuvers
18. The Listening

Review:
In den Neunzigern ist eine HipHop-Szene in North Carolina praktisch nichtexistent, also verwundert es nicht, dass - wenn überhaupt - erste Schritte auf einer Uni stattfinden. Dort treffen sich die drei Herren, die später als Little Brother bekannt werden würden. Mit einigen anderen HipHop-Verrückten arbeiten 9th Wonder, Big Pooh und Phonte im losen Kollektiv der von 9th mitgegründeten Justus League immer wieder zusammen und schließen sich dann zu einer Gruppe zusammen, die schon nach ersten Aufnahmen einen kleinen Hype aufbauen kann, der es aus Raleigh und Durham hinaus über den ganzen Kontinent bis in die Bay Area zu ABB Records schafft. Dort ergattert man einen Deal und releast 2003 das Debüt "The Listening".

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Mit ihrem Namen beziehen sich Little Brother auf ihre Native-Tongue-Helden der Neunziger, die als die geistigen größeren Brüder betrachtet werden - damit sollte eigentlich auch schon klar sein, welche musikalische Schiene man im kommerzialisierten HipHop-Jahr 2003 fährt. Was genau der Sound zu bieten hat, den 9th Wonder hier von der ersten Sekunde an auspackt, das wird bis auf die wenigen Heads, die seine spärlichen früheren Aktivitäten bereits gehört haben, niemand geahnt haben. Nicht umsonst wird seine Arbeit schon kurze Zeit später als Trademark-Sound gehandelt werden, der für viele andere Producer als Vergleichsreferenz herzuhalten hat und einen ganzen Stil-Flügel der Backpacker-Gemeinde (mit-)definieren würde. Doch was genau macht 9th Wonder's Beats denn nun aus? Da wären einmal seine herzhaften Drumlines, deren typische Snares sich wie ein roter Faden durchs Album ziehen. Der Rest ist keine Offenbarung - Little Brother sind schließlich auch nur eine von vielen Gruppen, die sich an den Werten von früher orientieren. Besonders ist lediglich 9th's unglaubliches Talent dafür, (Soul-)Samples zu wählen, die richtigen Stellen zu loopen und diese zu einem Song zusammenzufügen, denen neues Leben innewohnt. Daneben gibt es natürlich noch Pooh und Phonte, die zwar zu Recht erst im zweiten Atemzug genannt werden, aber deswegen keinesfalls als mittelmäßige Rapper zu bezeichnen sind. Die beiden reden über alles, was den durchschnittlichen NC-Bewohner so beschäftigt (und noch mehr) und hinterlassen dabei einen Skill-fundierten, sympathischen Eindruck. So ist "Whatever You Say", wie viele der Tracks streckenweise mit Storytelling versehen, an die hochnäsigen Ladies gerichtet, bei denen Pooh und 'Te (natürlich zu Unrecht) nicht landen können. Für "So Fabulous" tritt 9th dann sogar in den Hintergrund, denn die Ode an LB's Old-School-Helden mit Anspielungen an Chuck D, LL und Imitationen der Audio Two, Kool G Rap und weiteren Legenden ist auch für sich genommen schon ein Highlight. "Love Joint Revisited" (eine nette Aufzählung der Dinge, die Pooh und 'Te zusagen) und "The Yo-Yo" beweisen, dass auch LB mit der punktuellen Stärke von 9th stehen und fallen, bzw. in letzteren Fällen leicht unter den Rest der Albumqualität abrutschen - denn schon 2003 läuft 9th Gefahr, bei der Wahl eines weniger begeisternden oder besonderen Samples ins Langweilige abzudriften. Glücklicherweise ist der Großteil des instrumentalen Bilds erstklassig: "For You" sprüht nur so vor guter Laune, "The Get Up" (ausnahmsweise von Eccentric, der zur damaligen Zeit schon ein Projekt mit Phonte veröffentlicht hatte, produziert) sorgt dafür, dass diese Laune Bestand hat. Die zwischendurch eingeschobenen Interludes (z.b. "Roy Lee") hätte es zwar nicht gebraucht, doch Tracks wie das an Weiblein als auch Männlein gerichtete "Groupie Pt. 2", die restlichen Tracks über die Damenwelt ("Shorty's On The Lookout" und vor allem "Nobody But You"), das wunderschöne, den Fans gewidmete "The Way You Do It", "Speed", das dem hektischen Alltag zu entkommen sucht, und das abschließende, die Probleme der HipHop-Welt aufsummierende "The Listening" garantieren hochwertige Unterhaltung für den Großteil der Spielzeit.

"The Listening" ist ein Debüt von Herzen. Diese Tatsache und die Frische, die Little Brother hier noch an den Tag legen können, macht ihr erstes Album zu einer Angelegenheit, über die es wenig Negatives zu berichten gibt. Zwar sind auch hier nicht alle Beats von 9th einwandfrei, doch selbst ohne die insgesamt noch vorherrschende erfrischende Unverbrauchtheit ist der Großteil dieser Instrumentals so warmherzig gebastelt und so voller Soul, dass es jedem Backpacker die Freudentränen in die Augen treibt. Dazu kommen die zwei zu jener Zeit noch recht unbekannte Emcees, die sich mit ihrer nicht zu aufdringlichen Art und ihren nachvollziehbaren Alltagsgeschichten als die richtigen Personen am Mic herausstellen. Ab einem gewissen Punkt musste man die Releases der Justus League nur noch mit halbem Auge (oder gar nicht mehr) verfolgen, doch "The Listening" sollte man gehört haben.

7.9 / 10

Paul White - Rapping With Paul White



Release Date:
23. August 2011

Label:
One-Handed Music

Tracklist:
01. Intro: We Make A Lot Of Noise
02. Right On
03. Trust (Feat. Guilty Simpson)
04. Run Shit (Feat. Marv Won)
05. One Of Life's Pleasures (Feat. Danny Brown)
06. The Doldrums
07. Life Is Flashing Interlude
08. Stampeding Elephants (Feat. Moe Pope)
09. Rotten Apples (Feat. Tranqill)
10. Thirty Days
11. A Weird Day (Feat. Homeboy Sandman)
12. African New Wave
13. Indigo Glow (Feat. Jehst)
14. Dirty Slang (Feat. Guilty Simpson)
15. A New Way
16. Evasive Action
17. Wily Walruses (Feat. Nancy Elizabeth)
18. Outro: We'll Never End

Review:


Obwohl Paul White schon ein paar Projekte auf dem Kerbholz hat, wird es wohl dieses hier sein, mit dem er sich vor allem in HipHop-Kreisen einem größeren Publikum präsentiert. Aufgewachsen ist er in Süd-London mit der Soul-Musik seiner Eltern, erlebte als Skater eine recht gewöhnliche Jugend, die ihn irgendwann zum HipHop führte. Doch nicht ausschließlich, Paul white begeistert sich für viele Genres, weswegen seine instrumentalen Projekte in den letzten zwei Jahren ("The Strange Dreams Of Paul White", "Sounds From The Skylight", "Paul White & The Purple Brain") auch mitnichten strikte HipHop-Scheiben sind. Dank seines Labels One-Handed Music (und dessen Alex Chase) erhält er für sein neues Album dann allerdings die Möglichkeit, u.a. mit einigen Untergrund-Größen aus den Vereinigten Staaten zusammenzuarbeiten, was zu "Rapping With Paul White" führt.

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Ein typisches Producer-Album ist es schon aufgrund der Vielfalt und der Wahl der rappenden Gäste nicht; da es nur sieben an der Zahl sind, die zwischen einer Vielzahl an Instrumentals und Übergängen eingepflanzt werden, darf man besonders gespannt sein, was Paul zusammengebraut hat. Schließlich ist von einem Producer, der bisher nur Instrumental-Alben aufgenommen hat, ein wenig mehr Kohärenz bei der Albumkonzeption zu erwarten als bei dem typischen, austauschbaren Produzentenalbum. Doch wofür lange darüber philosophieren - "Rapping With Paul White" ist wie kein anderes Produzentenalbum und darüber hinaus ist es besser als fast alle anderen. Wer trotzdem eine Referenz sucht, der stelle sich eine Mischung aus Madlib und dem ebenfalls von den Insel stammenden Ghost vor. Gemein haben die drei eine Vorliebe für ausgefallene Samples und die Fähigkeit, auf ihrem Projekt das Ruder nie aus der Hand zu geben. Vor allem im Falle Paul White ist das eine wahre Kunst, denn einerseits sind die versammelten Emcees alle mindestens gut talentiert, andererseits kommen sie nicht alle aus derselben stilistischen Ecke. Paul hat damit nicht das geringste Problem, legt erstmal mit "Right On" und afrikanisch angehauchtem Schlagwerk-Gerüst entspannt los, um dem Hörer dann das düster-dichte "Trust" an die Ohren zu klatschen, für das Guilty Simpson in typischer Manier ("Suffocatin' in the drama / These days I only trust my mama") aufspielt und erheblich vom vielschichtig-füllenden Instrumental profitiert - da hätte wahrscheinlich sogar ein zweitklassiger MC nichts mehr ruinieren können, so zielstrebig gut führt Paul durch sein Album. Was hier an Samples aufeinanderprallt, ist für den Hörer eine wahre Freude. Dicke, pumpende Kicks folgen auf die wildesten Vocal-Samples, bunte Electronica-Spielereien und gewagte Temposprünge. Die Laufzeiten der einzelnen Songs sind außerdem nicht zu lang, damit Paul den ganzen Wahnsinn, der in seinem Hirn tobt, auf angemessener Spielzeit unterbringt. Deshalb heizt in "The Doldrums" ein Sample, das an Neunziger-Electro-Projekte wie Music Instructor erinnert, über schwere Kick reibungsfrei neben der ambitionierten und eigenwillig unterlegten Darbietung von Label-Kollege Tranqill in "Rotten Apples" vorbei. Moe Pope wird von einem Monster eines Beats unter Löwenbrüllen regelrecht in Paul's Beat-Wildnis gezerrt, wo er zu verblüffenden Synths dann den Großstadt-Dschungel zum Thema macht. Doch auch die anderen Gäste lassen sich nicht lumpen: Homeboy Sandman gibt als Amerikaner ein Portrait eines Besuchs im UK ab, Jehst nutzt seine entspannte Stimme für "Indigo Glow", das ihm auf den Leib geschneidert und für Paul's Verhältnisse sehr ruhig und harmonisch ist (der Track hätte auch von Ghost sein können). Der Mann mit dem Durchblick, der seine Gäste, so gut sie auch sein mögen, zu Beiwerk macht, ist Paul White, der Überraschung nach Überraschung loslässt und sogar in seinen Überleitungen mit Namen wie dem sanften "Thirty Days" oder "African New Wave" und dem entsprechenden Sound-Schmankerl aufwartet. Selbst den extravaganten Stil von Danny Brown bringt er in "One Of Life's Pleasures" fulminant nach Hause, und was er für Marv Won ("Man them Nikes is old, they ain't retro / [...] / I'm so Waka Flocka, I go hard in da paint") in "Run Shit" auspackt, sollte Pete Rock neidisch machen, denn der setzte das Osibisa-Sample bei weitem nicht so lebendig in Szene. Da stört es dann auch nicht weiter, dass Guilty's zweiter Auftritt nicht ganz so bombastisch verläuft, es wartet schließlich noch ein starker Abschluss, in dem vor allem Nancy Elizabeth, die ein Gedicht von Edward Lears ("Cold Are The Crabs") über ein einladend besänftigendes Instrumental liest.

Was man hier erleben darf ist wie sich eines der größten Producer-Talente der letzten Zeit seinen Weg in die etablierte HipHop-Szene bahnt. Wie Paul White mit seiner MPC umgeht ist eine wahre Freude. Wer die hohe Kunst des Samplings in kreativer Form vor Ohren geführt bekommen möchte, der ist bei paul White an der richtigen Adresse. Dem Briten kommt zugute, dass er mit den richtigen Gästen und außerdem der richitgen Zahl an Gästen ins Rennen geht, was zu einem Ergebnis führt, das hinsichtlich seiner Struktur etwas an Ghost's "Freedom Of Thought" erinnert, im Klangbild aber eigene Wege geht und nach jedem Song eine neue Überraschung bereithält. Mit dieser Vielseitigkeit und der jetzt schon faszinierend hohen Zahl an Highlights darf man sich von Paul White noch Großes versprechen. "Rapping With Paul White" ist ohne Frage einer der besten Momente des Jahres und - obwohl es ein Producer-Album ist - für maximalen Genuss am Stück zu genießen.

7.7 / 10

Gage The Conqueror - The Desolate Lands


Release Date:
23. August 2011

Label:
Metal Barz Records

Tracklist:
01. The Desolate Lands
02. Introduction To Destruction (Feat. Reverend Kane)
03. Blood Lust
04. Heavy Chainz
05. The Broken Ceremony
06. Deadly Friends (Feat. Karniege, Access Immortal, Mighty Ravage & Fess Gotchu)
07. Habitat (Feat. Warghosts & Tragic Allies)
08. I Fear No Evil (Feat. Justice)
09. The Boneyard Dance (Feat. Rasul Allah, Deewuallah, Rhetoric & Konflikk)
10. Black Out (Feat. Trust, Deewuallah & Ripshop)
11. The Trumpets Call (Feat. Mami-Uno)
12. Universal Warlordz (Feat. Rasul Allah)
13. White Spider Assassinz (Feat. Holocaust & Rhetoric)
14. High Priest (Interlude)
15. The Gospel (Broken Ribz Remix)
16. The Revenge Of Abel
17. The News
18. The End (Rebirth)

Review:
Es scheint langsam vorwärts zu gehen bei Metal Barz: Letztes Jahr erlebte man endlich die Veröffentlichung des Debüts der Click Animosity, im Anschluss gaben sich Label-Kopf Extremidiz und Shabazz mit ihrem bereits über fünf Jahre alten "Hood Scripturez" einen Ruck, nun also darf auch Gage mit seinem Soloalbum in den Ring, das seit seiner 2009er EP "Dead Angel / The Gospel" (dem Debüt-Release von Metal Barz) angekündigt und von Eastcoast-Heads erwartet wird. Damit wird für den Bostoner Emcee ein lange gehegtes Projekt Wirklichkeit, denn während man den Start seiner Aktivität als Rapper ungefähr ins Jahr 1994 legen kann, gebar er die Idee zu diesem Album, das in einem Endzeitszenario spielen soll und als "The Desolate Lands" trefflich betitelt ist, ebenfalls vor satten 15 Jahren.

WRITTEN FOR Rap4Fame
 
Um das Projekt zu realisieren geizt Gage nicht mit Gästen, holt sich natürlich Unterstützung von seinen Click-Animosity-Kollegen, aber auch von Nachbarn sowie Künstlern aus dem entfernten und direkten LCOB-Umfeld. Ein unwahrscheinlich hässlich zusammengestöpseltes Cover eröffnet einen ersten Einblick in die düstere Welt, in die das "Desolate Lands Intro" direkt einlädt: Wahrscheinlich ein Nuklearkrieg hat einen wesentlichen Teil der Weltbevölkerung ausgelöscht, Gage ist einer der Hinterbliebenen und nimmt als "The Conqueror" in der auf dem Cover dargestellten Form die Rolle eines Selbstjustiz und Euthanasie übenden Helden ein - so zumindest die eigene Aussage. Von diesem eigentlich sehr konkreten Konzept bekommt man auf dem Album nämlich dann doch nicht übermäßig viel mit, was zu einem nicht kleinen Teil an den vielen Gästen liegt, die allesamt ins fröhliche Battle-Rap-Stelldichein einsteigen, vor allem nachzuhören in einem Posse-Cut wie "Deadly Friends", für das man u.a. Unterstützung aus Brooklyn anfordert. Produziert hat DJ Extremidiz, bei den restlichen Tracks zeichnen außerdem noch Kwantize, Opus Monk, Prophet-One, Semantix Tha Sorcera, White Lotus und einige weitere verantwortlich, was zu einem doch recht ansehnlichen Beat-Teppich führt, der einerseits das Herzstück dieser LP bildet, trotz der vielen Beteiligten nicht holprig wirkt und insgesamt durch seinen rohen Eastcoast-Charakter erfreut, der einer härteren Schiene folgt, dabei aber nicht dem AOTP-Virus anheim fällt und seinen ungeschliffenen Charakter bewahrt. Eine schöne Ausgangsposition, die zwar nicht durchgehend umhaut, aber oft genug mehr als überzeugt und außerdem jeden der hungrig spittenden Gäste trägt. "White Spider Assassins" (vom Weißen Lotus produziert) bündelt eindringliche Violinen, schickt den Conqueror durch eine düstere Nacht und findet trotzdem Platz für den abgefahrenen Holocaust. Davor räumt Extremidiz mit "The Trumpets Call" schon richtig ab und schickt deckende Gesänge ins Gefecht, zu denen Mami-Uno's Vocals ebenso passen wie Gage's unerbittliche Performance, die sich vielleicht nicht durch ihre Einzigartigkeit, wohl aber durch eine beanstandungslose und blutdurstige Güte hervortut ("In the darkness, a killer weeps, but still heartless, spiritual marksman / [...] / I roll with Babylon and travel on to the day's end / Trapped in a paradox, I embrace death with a pair of glocks"). Teils werden also explizit Feinde zerteilt, teils überzeugt Gage mit ansehnlichem Wortschatz und packt wie in "Revenge Of Abel", dem nächsten düsteren Kopfnicker, sogar biblische Vergleiche aus. So heiß geht es zwar leider nicht in jedem Track her - das abschließende "The End" oder auch "Boneyard Dance" lassen je ein entscheidendes, sie vom grauen Mittelmaß alltäglichen Ostküsten-HipHops abhebendes Element vermissen -, doch insgesamt verlässt man die Platte doch mit der überraschenden Erkenntnis, dass bei einem Großteil aller Songs alles richtig gemacht wurde.

Um insgesamt als ganz großer Moment zu zählen, hätte Gage sein Konzept wohl doch etwas besser durchziehen, hätte er seine Gäste gezielter einsetzen müssen, doch eigentlich darf man auch mit dem zufrieden sein, was geleistet wurde, denn die hier gebotene Sorte HipHop der härteren ostküstlichen Sorte, die nicht nur gerne solche wäre, findet man heutzutage selten genug. Zur großen Freude des Hörers scheint Gage diese Tatsache wenig zu kümmern, denn mit einem ganzen Haufen fähiger Produzenten in der Hinterhand und versierten Kameraden neben ihm am Mic darf man davon ausgehen, dass auch noch in Zukunft hochwertiger HipHop aus dieser Ecke kommen wird, der im Falle "The Desolate Lands" zwar hier und da seine Fehler aufweist, aber durchaus noch Luft nach oben hat.

6.7 / 10