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Dienstag, 15. Oktober 2013

E Moneybags - In E Moneybags We Trust

Release Date:
12. Juni 1999

Label:
Grand Imperial Records / The Dream Team Ent. Inc.

Tracklist:
01. Intro (Feat. Capone)
02. Regulate
03. Ain't Got A Clue
04. All They Do Is This (Feat. Show Boyz)
05. What You Need (Feat. Live Squad)
06. Want It (Feat. Nas & Horse)
07. How Cool? (Feat. Nature)
08. Thugged Out (Feat. Noreaga & Muzaliny-N-Maze)
09. Friend Of Ours (Feat. Nature & Kool G Rap)
10. Esco Intro (Feat. Nas)
11. Thugs Calm Down (Feat. Nas & Noreaga)
Review:
"E Moneybags got Moet Chaundon" rappt Foxy Brown auf "Affirmative Action" und bezieht sich dabei auf eine Hintergrundfigur, die ihrerzeit doch alles andere als das war. Eric E Moneybags Smith, wäre sicherlich nie der große Rap-Star geworden; was er aber sehr wohl war ist eines der berüchtigten Bindeglieder zwischen der New Yorker Rap- und Verbrecher-Szene. Geboren in Brooklyn, wächst er in Hollis, Queens auf, wohnt zeitweise in Lefrak (wo er Freundschaft mit Prodigy schließt) und kann eine ganze Palette an Freunden und Bekannten (ebenso Feinden) aufweisen - auch Tupac lernt er bei dessen Aufenthalt in NY kennen. Als Rapper ist er zusammen mit Majesty von der Live Squad (noch bestehend aus dessen Bruder Stretch, so erklärt sich die Verbindung zu Pac) für Grand Imperial Records verantwortlich, das 1999 sein einziges Album "In E Moneybags We Trust" veröffentlicht.
WRITTEN FOR Rap4Fame
 
 Ein herausragender Rapper war E nicht, jedoch ein solider, was zusammen mit guter Produktion (Credits spärlich) im Stile des Queens-/ bzw. QB-Sounds der Endneunziger sowie einer Latte an bekannten Gästen vollkommen für ein interessantes Release ausreicht. Da wäre beispielsweise die Geschichte um Jay-Z, der in seiner Roc-A-Fella-Bande zu jener Zeit einen Rapper namens H. Money Bags führte. Nachdem der damit ganz und gar nicht zufriedene E Moneybags den gerade bei Hot 97 geladenen Jay anruft und ihm dezent seinen Unmut kundtut, soll der Jigga angeblich gehörig Angst bekommen haben. (Aus H. Money Bags jedenfalls wurde nichts, selbst der Namenswechsel zu Geda K brachte ihm bis zum heutigen Tag nicht mehr als eine Handvoll Gastauftritte.) Moneybags hatte sicher nicht die Notwendigkeit, seine "Realness" (die ihn das Leben kostete) unter Beweis zu stellen, textlich gibt es von ihm aber trotzdem genau das - und zwar zuhauf. Nach einem Intro (einem Loop des Telefongesprächs zwischen Pone und E, das schon im Outro der "War Report"-LP zu hören ist, wird das in "Regulate" erklärt: Die originale Version (eine spätere, langsamere mit Majesty und Prodigy machte posthum die Runde) kommt neben ihrer Rhythmus-Sektion mit einem Piano-Loop aus und gibt einen ersten, zweiminütigen Eindruck des Gastgebers: "You can't hold your weight - we take your plate". Irgendwie wird recht schnell klar, dass dieses Album nicht als Einheit glänzt, dass die einzelnen Tracks aber sehr wohl ihre Qualität haben. Vor allem angesichts der namhaften Gäste kann man "In E Moneybags We Trust" auch als Ansammlung seltener und anderweitig unveröffentlichter Eastcoast-Banger betrachten. Was Moneybags zusammen mit Nas und dem damaligen Braveheart Horse bietet, schafft es in meisterhafter Weise, soft und entspannt zu sein, ohne seinen Straßencharakter zu verlieren. Natürlich überschattet Nas seine Mitstreiter, doch Moneybags schafft es erstaunlich gut, schon nach den ersten Tracks seine Stimme und seine gelungene (aber nicht herausragende) Performance im Ohr des Hörers zu verankern. Eine weitere seiner Fähigkeiten ist seine Anpassungsfähigkeit: Sei es nun mit Majesty und Stretch (einem weiteren tragischen Beispiel für die Gewalt jener Zeit) im ruhigen Kopfnicker ""What You Need" oder mit Nature und G Rap (der erwartungsgemäß mit einem monströsen Vers, welchen manch einer auf schlechterem Untersatz von Sway & King Techs "3 To The Dome" kennen mag, die Show stiehlt) in "Friend Of Ours", das unter dem Namen "Dr. Butcher" bereits auf White Label erschienen war (und daher wohl von Dr. Butcher produziert worden sein wird) und mit einem weiteren großartigen Beat (diesmal mit dezent eingestreutem, grandios gepitchtem Sample) begeistert - E Moneybags klingt immer passend zwischen seinen wesentlich bekannteren Kollegen. Da lassen sich selbst durchschnittliche Songs wie "How Cool" oder das Zusammentreffen mit Noreaga und dessen QB-Weedcarriern Muzaliny und Maze locker verkraften. Die eingangs erwähnte Foxy Brown wird für "Ain't Got A Clue" (in dem E auch bestens alleine funktioniert) gesampelt, mit den Show Boyz lässt man nochmal kräftig die Kugeln fliegen und "Thugs Calm Down" (das bereits in einer Version mit Tragedy statt E als B-Seite und CNN-Song auf Penalty veröffentlicht wurde) beschließt mit einem eingängigen Piano-Loop von L.E.S. schlussendlich das Album - trotz seiner unglücklichen Hook ein QB-Klassiker.

Laut Prodigy ist der Anfang vom Ende ein Auto, das E indirekt von Supreme (gemeint ist hier niemand Geringeres als Kenneth "Supreme" McGriff, der mit seinem Supreme Team großen Einfluss auf den Drogenhandel in South Jamaica Queens in den 80ern und 90ern ausübt) erwirbt, dann aber wieder zurückgeben will - was Preme ihm abschlägt. Ob das nun stimmt oder als Grund ausreicht, mag sich jeder selbst beantworten; E Money jedenfalls bekommt '99 die Gelegenheit, sich bei Supreme zu bedanken. Diese ergreift er auch, bringt es dabei jedoch fertig, Preme zu verfehlen und stattdessen dessen rechte Hand, Colbert "Black Just" Johnson, ins Jenseits zu befördern. Supreme sinnt auf Rache, die E Money im Juli 2001 in Queens Village in einer regelrechten Exekution (ironischerweise in dem Navigator, den E sich statt des Autos von Preme zulegte) ereilt. Damit bleibt "In E Moneybags We Trust" das einzige und für Eastcoast-Fans auf jeden Fall hörenswerte Album eines Mannes, der das so oft glorifizierte Gangster-Rapper-Image wie wenige andere lebte und dessen Ende in brutaler Weise vorführt.
 
6.8 / 10

Aesop Rock - Appleseed

Release Date:
1999

Label:
Eigenvertrieb

Tracklist:
01. Appleseed Intro
02. Dryspell
03. Same Space (The Tugboat Complex Pt. 2)
04. Sick Friend
05. Hold The Cup
06. 1000 Deaths
07. Blue In The Face
08. Odessa (Feat. Dose One)
Review:
Anfangs rechnet Aesop Rock nicht damit, auch nur einen einzigen Fan zu haben, geschweige denn, seine Musik verkaufen zu können. Doch "Music For Earthworms" ist der erste Beweis, dass die Welt an der Musik des New Yorkers interessiert ist. Des Weiteren kann sich Aesop von dem überschaubaren Geld, das von seinem ersten Output abgefallen ist, Ausrüstung kaufen und die eigenen Producer-Fähigkeiten weiterentwickeln, da er mit Dub-L, der noch den Großteil von "Earthworms" produzierte, musikalisch sowieso nie komplett auf derselben Wellenlänge war. Da es ihn außerdem stört, die Cover für seine erste CD-R immer wieder selbst auszuschneiden, macht er sich an ein neues Projekt, eine erneut selbst finanzierte EP namens "Appleseed".
WRITTEN FOR Rap4Fame
 
 Der kluge, aber leicht chaotische Nebenjob-Kellner kann sich nun also auf seinen eigenen Arrangements austoben, was er auch direkt eine halbe Stunde lang auf siebeneinhalb Tracks tut, wobei einer von Omega One und einer von Blockhead produziert ist; den Rest besorgt er mit seiner ASR-10 selbst. Der Sound ist auf jedem Anspielpunkt derselbe: eigentümlich und unkonvetionell. Die ganze EP fährt ein langsames Tempo, auf dem viele MCs völlig verloren wären, und während einige Songs instrumentale Juwelen sind, begeistern die rohen Instrumentals anderer Stationen wenig bis gar nicht, denn erst Aesop Rock erweckt sie zum Leben. Das gelingt ihm mit seinem spätestens jetzt voll ausgeprägten Rap-Stil, mit dem Aesop in Sachen Tempo ebenfalls keine Eile hat, aber so unbeschwert über Stock und Stein flowt, dass manche Verse ebenso eine einzige, lange Zeile sein könnten. Hooks und konventionelle Songstrukturen sind nicht das, woran man sich orientieren sollte, sofern man nicht heillos verlorengehen will. Ein Musterbeispiel für viele der Besonderheiten, die Aesop ausmachen, ist "Dryspell": Eine unauffällige Snare trottet durch den Hintergrund, der Bass brummt nach Leibeskräften und ein einsames Sax setzt sporadisch ein. Das mag nicht besonders aufregend klingen, Aesop Rock allerdings bindet die Aufmerksamkeit der Hörer und präsentiert seine oft bunt zusammengewürfelten Gedanken, die immer einen gewissen Zynismus spüren lassen, der sich hier speziell auf einen wichtigen Aspekt in Aesops Zeilen richtet: New York. Mit Zeilen wie "Good morning my sweet vision of morbid disorder / And good evening wonderful riddance and such" oder "My days graze normalcy then morbidly crash / My years breathe honesty then sardonically laugh" zeichnet er sich selbst mitten im Großstadtdschungel. Die unmündige Lethargie der Einwohner bekommt in Blockheads großartigem "1000 Deaths" ein paar Worte spendiert, Omega One sorgt für "Sick Friend", ein kleines Meisterwerk, das sich bereits nach den ersten paar Bars von seinem Titel entfernt hat und mit ausgeprägtem Wortschatz durch Aesops Gedanken wandert. Unter seinen eigenen Produktionen finden sich zwar auch die zwei Schwachpunkte der LP (das Intro sowie das zu langweilige "Same Space"), dafür aber auch das langsam aufbauende "Blue In The Face" mit Lines wie "Your dream's a needle in a needle stack claiming safety pin physics" oder "My own father's son is the holy ghost, suck that theology" und der überragende Abschluss in Form von "Odessa", das sowohl von seinem mit Gitarren- und Flöten-Sample versehenen Beat als auch dem Zusammenspiel mit Dose One (der in "Hold The Cup" noch gesampelt wurde) lebt.

Zwar hat auch "Appleseed" noch nicht die Reife eines vollwertigen Projekts (was wie bei "Music For Earthworms" auch gar nicht die Intention war), Aesop klingt aber schon wesentlich fokussierter, die ganze EP hat Hand und Fuß, die Beats geben schon ein gutes Bild davon ab, was auf den folgenden Alben zu hören sein würde. Der Grund, warum schon diese EP weit über den großen Durchschnitt katapultiert wird, ist aber natürlich Aesop Rock, dessen Raps dank der kryptischen Zeilen so schnell nicht langweilig werden, der dank seines einzigartigen, hochwertigen Flows aber schon mit dem ersten Hörgang jedes Instrumental aufwertet. Das macht noch nicht alle Songs von "Appleseed" zu Volltreffern, eine empfehlenswerte (in CD-Form jedoch wahrscheinlich sehr teure) Anschaffung ist die EP aber auf jeden Fall.

7.0 / 10

50 Cent - Guess Who's Back

Release Date:
26. April 2002

Label:
Full Clip Records

Tracklist:
01. Killa Tape (Intro)
02. Rotten Apple
03. Drop Skit
04. That's What's Up (Feat. Lloyd Banks & Tony Yayo)
05. U Not Like Me
06. 50 Bars
07. Life's On The Line
08. Get Out The Club
09. Be A Gentleman
10. Fuck You
11. Too Hot (Feat. Nas & Nature)
12. Who U Rep With (Feat. Nas & Bravehearts)
13. Corner Bodega (Coke Spot)
14. Ghetto Qua'ran
15. As The World Turns (Feat. Bun B)
16. Whoo Kid Freestyle
17. Stretch Armstrong Freestyle
18. Doo Wop Freestyle

Review:
Wenn man darüber diskutiert, was als Debütalbum von 50 Cent zu gelten hat, muss man weiter zurückblick als ins Jahr 2003. Man könnte den von Jam Master Jay produzierten Longplayer nennen, der wohl in irgend einem Keller Staub fängt. Oder natürlich, als Curtis sich in Folge des Nichterscheinens eines Debüts von JMJ Records loskaufte, da er über die Trackmasters einen Deal bei Columbia ergattert hatte, "Power Of The Dollar", das kurz vor Release gestrichen wird, als Columbia spitzkriegt, dass 50 sich neun Kugeln gefangen hat. Zu diesem Zeitpunkt hat er allerdings bereits einen Vorschuss in Höhe von 125.000 Dollar in der Tasche, weswegen er nicht zurück zum Hustler-Leben muss, sondern die Mixtape-Szene in Angriff nehmen kann, was uns zum musikalisch vielleicht interessantesten Release des Mannes bringt: In Kanada (da er in NY auf der schwarzen Liste aller angesteuerten Studios steht, woran angeblich Supreme seinen Anteil hatte) legt er das Fundament für seine jahrelange Dominanz der Mixtape-Szene, stellt aber auch das mehr wie ein Album anmutende "Guess Who's Back?" zusammen.
WRITTEN FOR Rap4Fame

Auf dem ansonsten völlig unbedeutenden Indie Full Clip wird die Platte veröffentlicht, sie enthält einige Tracks von dem nie öffentlich erschienenen, vielmals gebootlegten und ohnehin nicht überragenden "Power Of The Dollar", einige von Mixtapes (als Beispiel sei hier "50 Cent Is The Future" genannt) und gibt insgesamt einen guten, für die meisten außerdem hauptsächlich mit exklusiven Tracks bestückten Überblick über den jungen 50 Cent, der zudem keine reine Compilation ist, sondern u.a. mit Skits durchaus Albumcharakter aufweist. Damit ist klar: Vergleiche mit "Get Rich Or Die Tryin'" verbitten sich, hier regiert der weniger massentaugliche 50, der ohne große Rücksicht auf Verluste darauf bedacht ist, sich einen Namen im Geschäft zu machen. Das bezeugen auch die Produzenten: Quasi alle früheren Partner (ausgenommen JMJ) sind mit von der Partie (wenngleich "Guess Who's Back?" an sich komplett ohne Credits daherkommt), von den Trackmasters über den ebenfalls unter JMJ aufgestiegenen Sha Money XL, Red Spyda, Terence Dudley, Clark Kent und QB-Veteran L.E.S. Eine Gemeinsamkeit mit dem späteren 50 Cent ist das Vermächtnis von Jam Master Jay, der dem ungeschliffenen Curtis in den ausgehenden Neunzigern zeigt, wie man aus nackten Bars einen ordentlichen Song formt und, wie 50 selbst betont, wie ein gescheiter Chorus aussieht. Dieser Punkt mag der vielleicht wichtigste bei der Betrachtung von "Guess Who's Back?" sein, denn wo sich 50 mit den typisch grau-rauen NY-Instrumentals jener Zeit und dem Gangster-Talk noch nicht überragend von der Konkurrenz abhebt, sind es oft eingängige und schlichtweg gute, passende Hooks, die seine Songs zieren und den Wiedererkennungswert in die Höhe treiben. Genau aus diesem Grund erinnert man sich an "Corner Bodega" weniger als an andere Tracks, wenngleich das L.E.S.-Instrumental ein Highlight seiner früheren Werke ist und die expliziten Ausführungen über seine Drogen-Geschäfte keinesfalls schlecht sind - die Hook ist nur mittelmäßig. Selbiges gilt für "Who U Rep With", das trotz seiner typisch trockenen Snares QB'scher Machart und dem Auflaufen der kompletten Bravehearts (inklusive Horse und Millenium Thug, wobei Ersterer schon bald aussteigen und Zweiterer später für Wiz einspringen würde) nicht so recht auf Touren kommt. Andernorts dagegen zeigt sich, dass 50 einst sehr vielversprechend war: "Rotten Apple" ("Rap is full of good guys, 50 Cent is the villain") dünstet den Smog des Big Apple mit jeder Sekunde aus, "Get Out The Club" erweist sich als soundlich minimalistische Tirade gegen arrogante Club-Primadonnas. Aus der Zeit auf Columbia und von "POTD" finden sich noch "As The World Turns" sowie "Life's On The Line", das mit dem Murder Inc. auf die Schippe nehmenden Mitgrölrefrain und einigen weiteren direkten Zeilen an den damals wesentlich populäreren Ja Rule noch heute Spaß macht. Vor allem aber der vielleicht bedeutendste Song aus dem alten Millenium ist mit von der Partie: "Ghetto Qu'ran", bei dem nicht nur explizite Crime-Stories aufgetischt werden, sondern das von 50 genutzt wird, um seine Erfahrungen aus den Hustler-Zeiten unzensiert in einen Song zu packen. Der Song startet vor der eigenen Haustür, beim Supreme Team, das den Drogenfluss in South Jamaica Queens ab den 80ern kontrollierte, nennt nicht nur die Köpfe (Preme und sein Neffe Prince), sondern auch die halbe Belegschaft sowie einige ihrer (Un-)Taten, u.a. den kaltblütigen Mord an kolumbianischen Zulieferern. Das Namedropping bleibt konsequent und klappert dabei auch andere Boroughs (z.B. Harlem mit Rich Porter) ab. Ob der Song nun der Auslöser für das Attentat war, ändert nichts daran, dass es sich hier um einen von Fiftys besten Songs handelt. Was direkt zum nächsten Highlight führt, dem ersten Song nach 50s Krankenhausaufenthalt: "Fuck You", Clark Kents Großtat, die eigentlich als Track auf dessen Album mit Sauce und Ace Of Spades als weiteren Features geplant war. Doch 50 lässt sich in drei Versen u.a. über Tone & Poke (Trackmasters), die ihn laut Eigenaussage als Ghostwriter für Nonames ausnutzen wollten, sowie Columbias Tommy Mattola aus und adressiert kurz das Attentat ("They keep asking me questions / Like "50, who shot ya? You think it was Preme, Freeze or Tah, Tah?" / Nigga, street shit should stay in the street, so, keep it on the low / But everybody who's somebody already know"). Abgerundet wird der Song durch eine aus Styles, Nas, Pun und Pain In Da Ass grandios zusammengecuttete Hook. Neben weiteren hörenswerten Songs ("Too Hot" oder dem Storytelling-Track "50 Bars", in dem wieder Namen aus der Verbrecher-Szene fallen) findet sich noch ein sehr unnötiger Freestyle auf Wu-Tangs "Y'all Been Warned" mit der Gorillaeinheit sowie weitere Freestyles als Abschluss der LP.

Bekanntermaßen war es dieses Tape, das über Paul Rosenberg seinen Weg zu Eminems Ohren fand, der daraufhin Fifty das Tor zu den Millionen öffnete - aber auch weg von dem hungrigen, qualitativ wesentlich ansprechenderen Stil, der ihm den Weg für all seine späteren Ausflüge in den Candy Shop ebnete. Als Scheibe ist "Guess Who's Back?" interessanter als "Power Of The Dollar", da es einerseits sowohl Tracks enthält bevor als auch nachdem 50 im Mai 2000 angeschossen wurde, andererseits aber auch, weil es als Indie-Scheibe auf radiotaugliches Material wie "Thug Love" verzichten kann (und dies auch tut). Für einen kompletten Überblick über die Zeit vor "Get Rich Or Die Tryin'" fehlen zwar einige Stücke ("How To Rob" hätte man ebenso wie "Da Heatwave" oder "Gun Runner" statt der überflüssigen Freestyles mit ins Aufgebot packen können), alles in allem hat man es hier trotzdem mit der besten Scheibe zu tun, die es je von 50 zu hören gab.
6.8 / 10

Dienstag, 26. Februar 2013

Brother Ali - Mourning In America And Dreaming In Color



Release Date:
18. September 2012

Label:
Rhymesayers Entertainment

Tracklist:
01. Letter To My Countrymen (Feat. Dr. Cornel West)
02. Only Life I Know
03. Stop The Press
04. Mourning In America
05. Gather Round (Feat. Amir Sulaiman)
06. Work Everyday
07. Need A Knot
08. Won More Hit
09. Say Amen
10. Fajr
11. Namesake
12. All You Need
13. My Beloved (Feat. Choklate & Tone Trezure)
14. Singing This Song

Review:
Die Jahre haben Rhymesayers alles andere als geschadet, das Label aus Minnesota ist weiterhin eines der Flaggschiffe des gepflegten Indie-HipHops und immer mehr Künstlern ein Zuhause. Einer der Vorzeigekünstler ist nach wie vor Brother Ali, der mit der Zeit ebenfalls immer populärer zu werden scheint. Im Großen scheint also nicht viel zu passieren bei der konstanten Karriere des Albinos, genügend Stoff für ein neues Album - gleichwohl zur Selbsttherapie als auch zur Predigt - gibt es für Ali jedoch immer. Der Besuch von Mecca und ein stetes Auge auf die Weltpolitik sind Punkte, die ihn zu "Mourning In America And Dreaming In Color" motiviert haben, seinem nunmehr fünften Album.
WRITTEN FOR Rap4Fame

 Wo die groben Eckpfosten zwischen "Us" und hiesigem Projekt nur eine eher blasse Einleitung abwerfen, gibt ein genauerer Blick auf die Scheibe schon mehr her: Ant, der seit "Shadows On The Sun" immer alleiniger Produzent und Kollaborator war, weicht aus pragmatischen Gründen Jake One: Da Atmosphere mehr Familienzeit zwischen ihren Touren einplanten, war man nicht im selben Rhythmus und kam nicht zu den gemeinsamen Sessions wie sonst. Eine gute Gelegenheit, sich mit Jake One, mit dem Ali schon seit einem Dutzend Jahren in Kontakt steht und nie im gewünschten Ausmaß zusammengearbeitet hat, kurzzuschließen; so entsteht aus ersten Zusammenarbeiten die letztendliche Komplettproduktion. Doch das und noch viel mehr adressiert Ali in "Stop The Press" selbst: Es kommt das halbherzige Gefühl, das er bei "Us" hatte, zur Sprache, die Abkehr von Langzeit-DJ BK-One, der Tod seines Vaters sowie der von Eyedea, die Reise nach Mecca und schließlich Jake One als jetziger Partner. Der Track ist allerdings eher ein Exot in der ersten Hälfte der LP, die den "Mourning In America"-Teil (ein Wortspiel auf den Werbe-Slogan aus Reagans Kandidatur) behandelt und somit die maroden Zustände Amerikas und seiner Verankerung in der Welt adressiert: "Letter To My Countrymen" deckt innen-, der Titeltrack (teils) außenpolitische Themen ab (beide aus einer negativen Sichtweise, die ein bösartiges, oligarchisches Amerika skizziert), "Gather Round" ist (im Geiste des Arabischen Frühlings) ein Aufruf zum Zusammenschluss und zur Veränderung. Ali selbst zeigt sich dabei rap-technisch (wie auch auf dem restlichen Album) in seiner gewohnten Form, was zu Jake One überleitet, der nämlich weder stets zu Ali passt noch durchgehend kohärente Top-Ware abliefert: Ali bemüht sich um "Won More Hit", aber perfekte Harmonie klingt anders. Man hört, dass der Albino nur eine Auswahl an vorgefertigten Beats zu Verfügung hatte - die Tracks mit Ant mögen teils harmlos gewesen sein, litten aber nie unter diesem Problem. "Only Life I Know" ist die typische, Drum-lastige Jake-One-Partie, in der nicht sonderlich viel passiert und die erst durch Ali mit einer (zugegebenermaßen etwas berechenbaren) Ode an die Arbeiterklasse einen Hauch von Charakter erhält; wesentlich besser ist da schon "Work Everyday", das den Arbeitsmarkt aus Sicht des leidenden Arbeitnehmers zum Thema macht. Auch die textlich großartige, mit Metaphern spielende Hustler-Hymne "Need A Knot" (den springenden Punkt des Songs darf man selbst nachhören) schwächelt beim Zusammenspiel zwischen Beat (treffend charakterisiert durch Bun B in der Hook) und Rhymes. Die "Dreaming In Color"-Hälfte schließlich beinhaltet einen Song über Liebe, einen über Alis Namensgeber sowie das grandiose "All You Need", das sich im ersten Vers an die Exfrau und deren Vernachlässigung des gemeinsamen Sohns Faheem richtet ("God might forgive you for that, I never did"), im zweiten dann direkt den Sohn anspricht.

Ironischerweise sind es nicht unbedingt die politischen, sondern jene Songs, die die persönlichen, alltäglichen Probleme des Brother Ali abhandeln, in denen dieses Album seine besten Momente hat. "MIAADIC" ist ohne Frage ein politisches Album, doch wer neue Ideen sucht, wer hier eine Staatskritik erwartet, die er nicht bei jedem zweiten "politischen" Rap-Album in ähnlicher Form um die Ohren gewatscht bekommt, ist auf dem falschen Dampfer. Die Gleichschaltung der sogenannten politisch orientierten Rapper steht der dabei stets der Herrscherschicht vorgeworfenen in wenig nach. Abgesehen davon macht Brother Ali eine gewohnt gute Figur am Mic, was sich so uneingeschränkt nicht vom Partner Jake One sagen lässt. Wie etwa auch bei seinem Album mit Freeway ist es durchwegs, mit einigen Highlights versehene, solide Arbeit (aber nicht mehr), die man zu hören bekommt, die aber der Harmonie, die Ali mit den wesentlich melodischeren, herzhafteren, instrumentlastigeren Beats von Ant selbst noch auf "Us" erzielte, nie gleichkommen wird. "Mourning In America And Dreaming In Color" erreicht trotzdessen noch (knapp) eine gute Wertung, der Qualitätsstandard von Ali ist dann nämlich doch nicht wegargumentierbar.

6.5 / 10

Royce Da 5'9" - Rock City (Version 2.0)


Release Date:
26. November 2002

Label:
KOCH Records / Game Recordings

Tracklist:
01. It's Tuesday (Intro)
02. Rock City (Feat. Eminem)
03. Off Parole (Feat. Tré Little)
04. My Friend
05. U Can't Touch Me
06. Mr. Baller (Feat. Clipse, Pharrell & Tré Little)
07. Let's Go (Feat. Twista)
08. D-Elite
09. Take His Life (Feat. Tré Little)
10. Nickel Nine Is...
11. Boom
12. Soldier's Story
13. Who Am I
14. Life (Feat. Amerie)
15. King Of Kings (Bonus)

Review:
Bis zu einem gewissen Punkt macht es Spaß, den Werdegang von Royce Da 5'9" zusammenzufassen: Mitte der Neunziger battelt sich Ryan Montgomery erfolgreich durch die gängigen Schuppen Detroits, bis er an einem Tag im Jahr 1997, als er für Usher eröffnet (am gleichen Tag kommt übrigens sein Sohn zur Welt und stirbt seine Großmutter), über seinen Manager Kino einen gewissen Eminem kennenlernt, mit dem die Chemie sofort stimmt. Man legt die Grundlage für Bad Meets Evil, die Em später in Cali ausfeilen möchte. Dort trifft Royce dann Dr. Dre, der begeistert von seinen Rhymes ist, mit dem es dank Kino und verplapperter Ghostwriter-Tätigkeit aber nicht perfekt läuft - so signt Royce auch bei Tommy Boy und nicht bei Aftermath. Wenngleich der Deal im Endeffekt für den Allerwertesten war und Royce kurze Zeit darauf zum New Yorker Game Recordings weiterzieht, baut sein Hype sich dank guter Singles trotzdem weiter und in schwindelerregende Höhen auf. An dieser Stelle wird Royce dann vom Pech erschlagen: Columbia, die zusammen mit Game hinter ihm stehen, verschieben das Album wieder und wieder, schließlich wird es Anfang 2002 ein Bootleg-Opfer, weswegen Royce frustriert seine Sachen packt, das Album nochmals überarbeitet und schließlich über KOCH auf den Markt wirft.
WRITTEN FOR Rap4Fame

 Ende 2002 kommt es schließlich auf den Markt, der beste Zeitpunkt wäre ein bis zwei Jahre früher gewesen. Somit ist Royce der kommerzielle Volltreffer nicht vergönnt, den hohen Erwartungen an die Scheibe hat er sich trotzdem zu stellen. Mit Eminem als Executive Producer und diversen namhaften Producern wie beispielsweise DJ Premier, den Neptunes, den Trackmasters oder Ayatollah sichert er sich entsprechend starkes Backup. Da "Rock City" in Europa in seiner ursprünglichen Form erschien, gibt es das Debüt eigentlich sogar in zwei Versionen, wobei es reicht, hiesige zu kennen. Wer es nicht vorher geahnt hat, der bekommt bestätigt: Das vordergründige Anliegen der Scheibe ist es, Royce als herausragenden Rapper zu etablieren. Darauf sind die Beats, die Songs und auch die Gäste ausgelegt. Royce ist geschult in den Disziplinen Selbstverherrlichung und Battle-Raps, unternimmt aber auch einige Ausflüge in andere Gebiete, wenngleich man auf inhaltlicher Ebene nicht viel erwarten sollte. Doch es zeigt sich, dass Royce genügend Punchlines dabei hat. Nach dem äußerst vielversprechenden "It's Tuesday"-Intro, in dem sich Royce in die Szene boxt und von einprägsamem Violinen-Geschrammel begleitet wird, ist die erste Enttäuschung Eminem, der es lediglich auf einem Track aufs Album geschafft hat (die Nichtexistenz solcher Kollabo-Songs kann nicht der Faktor gewesen sein) und da auch nur den Refrain gibt: "Rock City" verliert zwar glücklicherweise die lächerlichen Gitarren-Elemente, die noch die originale und Video-Version verschandelten, hätte als Hymne auf die Motor City trotzdem einen Vers vom unangefochtenen König der Stadt verdient gehabt. Danach handelt Royce schnell die meisten Aspekte der Scheibe ab: "Let's Go" beispielsweise heuert einen angesagten Gast von außerhalb an, ist voll auf Twista zugeschnitten und macht auch dem Gastgeber mächtig Feuer unterm Hintern - gegen einen Meister der Speedraps sieht Royce trotzdem nicht optimal aus. Dann wäre da "U Can't Touch Me", ein munter und unbedeutend bouncender Song seiner Zeit über den Gastgeber (immerhin findet Tommy Boy in einem Atemzug Erwähnung). Eine Teilmenge des Gastgebers wiederum erhält in "My Friend" volle Aufmerksamkeit und ist als zeitlos guter Premo-Kopfnicker und Ode an das beste Stück einfach köstlich. "Mr. Baller" hingegen lahmt, abgesehen davon, dass der Neptunes-Cut ohnehin wie ein Clipse-Song anmutet, vor allem in seiner (Pharrell-)Hook. Bisher unerwähnt ist Royces Crew aus den Mittneunziger-Zeiten, die in "D-Elite" sogar einen Track gewidmet bekommt, ironischerweise aber ohne die Crew selbst (ein auf der Originalversion noch vertretener "Part 2" mit der D-Elite wurde gestrichen) - kein Wunder also, wieso bis heute kein Schwein die Stiefelputzer von Royce kennt, wenn nicht einmal er selbst an sie glaubte. Lediglich Tré Little darf ran, was sich im abenteuerlustigen "Off Parole" auch direkt als grauenhafte Fehlentscheidung herausstellt, wohingegen "Take His Life" mit drückendem Piano-Loop und durchgängigem Schlagabtausch der beiden MCs zu gefallen weiß und außerdem die wesentlich kompaktere zweite Albumhälfte einläutet. Abgesehen von "Boom", der überragenden zweiten (und besten) Premo-Kollabo, zu der keine weiteren Worte nötig sind, beschäftigt sich Royce viel mit sich selbst, weiß aber (trotz einer schwachen Hook in "Who Am I") stets etwas mit den starken Beats von Rob Reef Tewlow und 6 July anzufangen. Den offiziellen Abschluss macht mit "Life" ein an den eigenen Sohn gerichteter Track, der von Amerie einen arg pathetischen, aber gut umgesetzten Refrain aufgedrückt bekommt und an den sich noch der Bonus "King Of Kings" anschließt, das dank seines Voice-Samples an JMTs späteren Stoupe erinnert und als sehr interessante, erfreuliche Addition im Gedächtnis bleibt.

Im Grunde macht Nickel Nine mit seinem Debüt nicht viel falsch, mit dem Einwirken der Neptunes und den Singles ist radiotaugliches Material vorhanden, trotzdem lässt er sich sein Werk nicht von Label-Execs zerhacken, verbessert es in der "Version 2.0" sogar noch. Wünschenswert wäre noch das eine oder andere Eminem-Feature sowie ein etwas härterer Track vom Schlage "The Desert" gewesen, doch selbst so hat dieses Debüt seine Momente. Das der Erfolg ausblieb, ist wohl schlicht und einfach der Verspätung zuzuschreiben. Unter Berücksichtigung der Kritikpunkte und schwachen Tracks verbleibt ein vollauf gutes Album mit Tendenz nach oben, das die Frage aufwirft, wie Royces Karriere wohl verlaufen wäre, wenn er sich nach "Rock City" nicht von Em abgewendet hätte.

6.9 / 10

Panacea - Ink Is My Drink


Release Date:
03. Oktober 2006

Label:
Glow-In-The-Dark Records / Rawkus Records

Tracklist:
01. Trip Of The Century
02. Invisible Seas
03. Place On Earth
04. Steel Kites
05. Coulda Woulda Shoulda (Feat. Wes Felton)
06. Reel Me In
07. PULSE
08. Work Of Art
09. These Words (Feat. Drew Thomas)
10. Ecosphere (Feat. Drew Thomas)
11. Burning Bush
12. Starlite (Feat. Drew Thomas)

Review:
Wer hätte gedacht, dass diesem ursprüngliche Nebenprojekt so viel Erfolg beschieden sein würde. 2004 erscheint mit "Thinking Back, Looking Forward" das erste Zeugnis des Duos Panacea, das noch vollkommen independent in Eigenregie arbeitet - Kyle Murdock ist zu jener Zeit noch mit CrossRhodes (einem Trio mit Raheem DeVaughn und Wes Felton) beschäftigt, Raw Poetic mit seiner Gruppe Restoring Poetry In Music (RPM), der auch Kyle mehr oder weniger beitritt. Doch wie es der Zufall so will erwecken die Panacea-Aufnahmen das Interesse von Rawkus Records, die nach ihrem Deal mit Sony RED neue Künstler suchen. Da lehnen Panacea natürlich nicht ab und von den zwei für das Kult-Label aufgenommenen Alben ist "Ink Is My Drink" das erste.
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 Die Rollenverteilung ist eindeutig: K-Murdock produziert, Raw Poetic reimt. Wer die Gruppe in den folgenden Jahren verfolgte, dem wird klar sein, welchen einzigartigen Sound Panacea definieren und schon auf diesem Album ausleben. Wo "Thinking Back, Looking Forward" noch ganz klar nach ersten Schritten und an vielen Stellen nicht ganz ausgereift klingt, ist einerseits die Klangqualität hier auf beanstandungslosem, normalem Niveau, während auch die ab "The Scenic Route" konstant präsente Markenzeichen-Arbeit von K-Murdock hier erstmals so richtig in Fahrt kommt. Die Samples kommen von den verschiedensten Orten und werden liebevoll zu einer Collage zusammengebastelt, während Raw Poetic seinen damit so gut verträglichen Flow darüber ausbreitet. Man mag ihn aufgrund fehlender Emotionalität in der Stimme, immergleicher Tonlage und der teils abstrakten Zeilen über alles und nichts steril nennen, ganz eindeutig funktioniert dieser MC nicht auf beliebigen Instrumentals, doch wer verkennt, wie gut das beuhigende, den Hörer ins von Murdock betriebene Gedankenkino einladende Organ dieses Rappers in die Panacea-Dynamik passt, der muss Tomaten in den Ohren haben. So werben Panacea mit dem "Trip Of The Century", ein erstes Anzeichen für die atmosphärische Dichte der LP, wenngleich besagter Opener nach einem sehr gemächlichen Einstieg plötzlich mit einem Break Beat loslegt und das Tempo nach oben schraubt - Raw P passt sich problemlos an, ein echter Tour-Guide ist der Track allerdings nicht. Das erledigen vielmehr die folgenden Tracks, vor allem "Invisible Seas", das nocht recht konventionell einen Piano-Loop mit gepitchtem Voice-Sample kombiniert und trotzdem schon die Seele balsamiert - die Details machen das gewisse Etwas aus. Diese Bemühtheit um Details ist ständig zu beobachten, aber noch nicht immer perfektioniert: "Reel Me In" ist ein Beispiel für eine missglückte Unternehmung: Der Bodensatz funktioniert gut als langsamer, komplett entspannter Song, in der Hook strauchelt Raw P dann, zu allem Überfluss segelt noch ein vollkommen deplatziertes Sample aus Carl Douglas' "Kung Fu Fightnig" ein. Wie K dagegen Curtis Mayfields gerne benutztes "The Makings Of You" für "Work Of Art" flippt, ist nicht nur interessant, sondern macht auch noch richtig Spaß. Das herrlich galante, mit Sax bestückte "PULSE" ordnet jedem Buchstaben im Titel eine Bedeutung zu, welche die Liebe zum HipHop schließen lässt, "Coulda Woulda Shoulda" versinkt (als resümierendes Liebeslied mit viel Konjunktiv) ganz im Klang-Universum von K Murdock und bekommt von seinem Gast ebenso einen Stempel aufgedrückt wie "These Words", bei dem Murdocks frühere Erfahrungen im R'n'B-Bereich Einzug halten. Generell muss man attestieren, dass der Architekt der Scheibe noch nicht die ausgefallensten Crates durchgräbt, aber jedem Sample seine eigene, Murdock'sche Note aufdrückt. Das führt mit Hilfe von Michel Polnareff zum überragenden, aufmunternden "Steel Kites", aber auch zum etwas eigenwilligen "Burning Bush", das kein wirklicher Erfolg ist. Den Abschluss macht die Single "Starlite", die ganz langsam startet, Stück für Stück mehr Elemente einbaut und mit einem schnell rappenden Poetic den Kreis zum Anfang schließt. Kleine Randnotiz: Wer die japanische P-Vine-Version erwirbt, den erwarten noch zwei Bonus-Tracks, nämlich zwei der Highlights vom ursprünglichen "Thinking Back, Looking Forward"-Album.

Das Besondere an Panacea war, dass sie sich mit ihren ersten vier Alben konstant verbesserten, aber schon auf einem recht hohen Niveau begannen. So lässt sich auch die musikalische Evolution der Gruppe gut beobachten, besonders auf diesem Album, das an einigen Stellen noch wesentlich herkömmlicher als die folgenden Platten ist, an anderen noch nicht ganz so ausgereift. Trotzdem ist schon die Energie zu spüren, die das so gut funktionierende Duo mit seiner Zusammenarbeit generiert und die auch auf "Ink Is My Drink" schon zu einer beachtlichen Zahl sehr schöner Songs führt. Insgesamt gibt es zwar noch einige Ungereimtheiten, für das Prädikat "gut" reicht's trotzdem.

6.7 / 10

Samstag, 29. Dezember 2012

Obie Trice - Cheers




Release Date:
23. September 2003

Label:
Shady Records / Interscope

Tracklist:
01. Average Man
02. Cheers
03. Got Some Teeth
04. Lady (Feat. Eminem)
05. Don't Come Down
06. The Set Up (Feat. Nate Dogg)
07. Bad Bitch (Feat. Timbaland)
08. Shit Hits The Fan (Feat. Eminem & Dr. Dre)
09. Follow My Life
10. We All Die On One Day (Feat. Eminem, 50 Cent & Lloyd Banks)
11. Spread Yo Shit (Feat. Mr. Porter)
12. Look In My Eyes (Feat. Nate Dogg)
13. Hands On You (Feat. Eminem)
14. Hoodrats
15. Oh! (Feat. Busta Rhymes)
16. Never Forget Ya
17. Outro (Feat. D-12)


Review:
Obie Trice ist der glückliche Shady-Trittbrettfahrer, der die offenen Kapazitäten des 2003 mitten im Zentrum der HipHop-Szene stehenden Labels von Eminem füllt. Ein irgendwo ausgegrabener Niemand ist er deshalb nicht: Mitte der Neunziger treibt er sich bereits in Detroits Rap-Schuppen herum, unter anderem auch im Hip Hop Shop, einem Laden, in dem ein gewisser Proof, der Obie dazu bringt, unter seinem bürgerlichen Namen zu rappen, die Battles hostet. Er macht sich einen Namen und nimmt außerdem mit Producer MoSS Material auf, woraus einige Singles hervorgehen. Über Bizarre gelangen die an Eminems Ohren und schon ist Obie mit einem fetten Deal und Möglichkeiten für sein Debüt "Cheers" versehen, von denen er vormals nicht ansatzweise geträumt hätte.

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 Diese Möglichkeiten umfassen neben erstklassiger Promo vor allem illustre Produzenten und Gastbeiträge, die beispielsweise einen MoSS komplett überflüssig machen: Es produzieren Dr. Dre, Timbaland, Mr. Porter und zum Großteil der sich selbst zum Producer entwickelnde Mentor Eminem. Das ist Grund genug, sich nicht darüber zu beschweren, dass der etwa zur gleichen Zeit gesignte 50 Cent sein Album ein halbes Jahr früher veröffentlichen darf und mit Abstand mehr Aufmerksamkeit einfährt - unter Shadys Regiment nur der zweite Newcomer zu sein, ist wahrlich keine schlechte Position. Außerdem ist Obie bei weitem nicht so massentauglich wie 50 Cent, das "Well Known Asshole" ist weniger polarisierend, aber nicht minder unverblümt und mit losem Mundwerk ausgestattet. Nicht umsonst werden schon aufgrund der Existenz dieses Albums die Gläser erhoben, auf dass Obie einerseits die Korken knallen lässt, aber auch von seiner Heimat Detroit berichtet. Deshalb und vielleicht auch um falsche Vorstellungen/ Erwartungen von seiner Persönlichkeit aus dem Weg zu räumen, beginnt Obie mit "Average Man", das ihn als typischen Detroiter vorstellt ("I'm no gangster, I'm a average man / But be damned if I let 'em do me savage man / Before that I'm strapped and will challenge him / Cocked back and that gat will damage them"). Glorifiziert wird allerdings gar nichts, was spätestens "Don't Come Down" zeigt, das extrem vom verwendeten "When You Believe"-Sample geprägt ist und sich bei der eigenen Mutter dafür entschuldigt, dass diese ihn u.a. beim Dealen an den Straßenecken erleben musste. Auch dieser Track ist von Eminem produziert und zeigt solides Können, aber ebenso, dass Marshall nicht zur Weltelite gehört - der letzte Schliff fehlt oft. Dr. Dre kann man das nicht vorwerfen, der Doktor legt mit "The Set Up" meisterhaft ein einfaches und doch sofort im Gedächtnis bleibendes, überragendes Instrumental vor, zu dem Nates Hook und Obies Bordstein-Geschichte über eine verräterische Bekannte perfekt passen. Trotzdem fällt auf, dass Obie sich rap-technisch oft zurückhält, was in keinem Fall Höchstnoten zulässt. Seine Themengebiete sind das Hood-Leben, er selbst und die Damenwelt, was zumeist unterhaltsam angerichtet wird, aber keine Bonuspunkte einfährt und in Tracks wie dem halbgaren "Follow My Life" auf zu gemächliche Flows trifft. Die Sure-Shot-Komponente auf der LP heißt Dr. Dre, der mit seinen vier Beiträgen die Highlights markiert: Da wäre das noch recht verhaltene "Look In My Eyes" (kein Verlgeich zum ersten Nate-Auftritt), der absolute Hinhörer "Oh!" (in dem Obie sich wieder mit sich selbst beschäftigt) sowie "Shit Hits The Fan", das Dre dann auch noch nutzt, um eine Backpfeife Richtung Ja Rule zu senden. Der bekommt sowieso übers ganze Album hinweg immer wieder sein Fett weg, in "We All Die One Day" (das leider zu sehr nach 08/15-G-Unit klingt) wischt sich Eminem außerdem mit der Source den Allerwertesten ab. Weiterhin erwähnenswert ist das vollkommen missratene "Hands On You" und außerdem "Got Some Teeth" als poppige Party-Single und überraschenderweise Eminems bester Producer-Moment auf der Platte, der einige von Obies unrühmlicheren Weibergeschichten abhandelt, ansonsten aber verwandt mit "Bad Bitch" ist, das Timbaland als für ihn typische Arbeit beisteuert und das wieder im Club auf Jagd geht. "Lady" fordert zum bindungslosen Beischlaf (gespickt mit witzigen Lines, vor allem von Em) auf, die Episode mit den "Hoodrats" sollte selbsterklärend sein. Damit verbleibt noch ein "Outro" mit D-12, das die eigene Stellung feiert und auf den Rest (hier Ja Rule und R. Kelly) pfeift bzw. uriniert.

Wer den Obie Trice vor Shady-Zeiten schätzte, der sollte sich nicht zu viel von "Cheers" erwarten, denn während Obie durchaus in der Lage ist, zur Rap-Dampfwalze zu mutieren, rappt er sich hier nur selten richtig in Fahrt, während inhaltliche Großtaten höchstens bei einigen der unzähligen Momente warten, in denen Obie sich seiner diversen Begegnungen mit der Damenwelt erinnert. Dass Em viele der Beats (mit-)produziert, zeigt zwar, dass er sich für seinen Schützling ins Zeug legt und dabei nicht ideenlos bleibt, trotzdem ist sein Sound sofort von dem eines Dr. Dre differenzierbar und weder alleinstehend noch zusammen mit Obie die beste Wahl. Abgesehen davon macht Obie das Beste aus seiner Situation und nimmt ein gut durchhörbares Album auf, das keine großen Schwachstellen hat, für den Shady-Fan eine sinnige Anschaffung darstellt, insgesamt aber nicht optimal gealtert ist und ein paar glorreiche Momente zu wenig hat, um die großen Lorbeeren einzufahren.

6.1 / 10

Sicknature - Honey I'm Home


Release Date:
09. Oktober 2007

Label:
Eigenvertrieb

Tracklist:
01. Intro
02. As Sick As It Gets
03. Shootin' The Breeze
04. Bring Back The Raw Hip Hop (Feat. Q-Unique & Ill Bill)
05. Zoom In (Feat. Invocator)
06. Really Really
07. Never Say Never At All (Feat. Slaine)
08. Cycle (Feat. Dialek)
09. They Don't Know (Feat. Punchline & HAPH)
10. The Brain Wash (Feat. Capione)
11. Expression Of Words (Feat. A-Quil)
12. Room of The Past

Review:
Heutzutage kennt man Sicknature als Teil der Snowgoons-Crew und gefragtesten dänischen Producer in amerikanischen Kreisen. Doch 2007 war dem noch nicht so und schon gar nicht zu Beginn von Sicks Karriere. Denn bereits 1998 veröffentlicht er Material, damals allerdings noch unter dem Namen Acorn. Nach einem weiteren Album ein Jahr später ("Limitless Prospects") kommt im Jahr 2001 "The Sicknature" sowie haufenweise Stress mit Labels. Der Albumtitel wird zum eigenen Namen, 2005 folgt "The Outbreak", ein Jahr später kann er seine bedeutsame erste Zusammenarbeit mit Ill Bill vermelden, was schließlich die später ausschlaggebenden internationalen Tore öffnet. Da Sick seine bisherigen Werke allesamt nicht als Debütalbum zählt, geht er ein ebensolches 2007 mit "Honey I'm Home" an.
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 Diesmal gibt es kein dänisches Label, das hinter dem Album steht, Sicknature setzt auf Eigenvertrieb und somit auch komplette künstlerische Freiheit - daher auch der Titel "Honey I'm Home", der eine Rückkehr zum unverwässerten Hardcore-HipHop markiert, denn genau in diesen Gefilden ist Sicknature zuhause. Als weiteres Merkmal produziert Jeppe Andersen fast alle Tracks selbst, denn da es zu Zeiten seiner ersten Rap-Schritte keine Produzenten gab, fing Sick selbst damit an und schärfte so sein Können in dieser Disziplin beständig weiter. Unklarheiten darüber, was einen hier eigentlich erwartet, sollten durch die Referenzen aufgeklärt werden: Sick steht in den Credits von Ill Bills "Black Metal", produziert zusammen mit Bill auf der zweiten AOTP-Scheibe und hat auch beim gerade im Aufnahmestadium befindlichen "The Hour Of Reprisal" seine Finger im Spiel. Es regiert also grobschlächtiger Eastcoast-HipHop, der in einer Zeit als AOTP-ähnlich beschrieben werden darf, in der das noch als Kompliment zu verstehen ist. Sicknature selbst hat keine tiefe Stimme und klingt eher wie eine Light Version von Slaine, weswegen das mit schmetternden Fanfaren gut ausgestattete "Never Say Never At All" ("I know dudes with bullet wounds that still got a chance to fight / And got a brother in law that just beat cancer twice") auch eine gute Kombo am Mic abgibt. Dass ansonsten ein guter Teil der LP die HipHop-Szene selbst und Sicknatures Vorstellungen davon behandelt, dürfte kaum überraschen, resultiert aber in ausgesprochen überzeugenden Songs: "Shootin' The Breeze" besticht mit umfassendem, ausgefallenem Voice-Sample und einem munter drauf los reimendem Sicknature, der die Inhaltslosigkeit des Rapper-Gros anprangert, "They Don't Know" kommt mit einer typischen Pitch-Voice-Hook sicher nach Hause. Das größte Aushängeschild der Platte ist aber fraglos "Bring Back The Raw Hip Hop", das nicht nur das Anliegen der Platte kurz und bündig aufsummiert, sondern mit einem furios losgaloppierenden Streicher-Ensemble und Premo-ähnlich zusammengescratchter Hook vorführt, wie man den wild-aufbrausenden Stil, der in den Folgejahren von der AOTP und AOTP-Kopien so oft versucht und wiedergekäut wurde, richtig angeht. Dazu gibt es noch einen schaustehlenden Auftritt von Q-Unique mit Zeilen wie "My identity is decorated with Rock Steady credentials, Zulu infinity lessons, droppin' heavy essentials / I was born and raised on the pioneers, while the old school for some doesn't stretch for five years / Truly the last of a dying breed, the messiah of HipHop, coming to save those who cry in need". Über das ganze Album hinweg fällt auf, wie unverbraucht Sicknatures Herangehensweise an ein ausgelutschtes Formular anmutet, was nichts daran ändert, dass sich auch der eine oder andere austauschbare Song findet ("The Cycle" oder "Really Really", das den Fake-Gangstern auf die Finger klopft). Außerdem schlägt sich noch die Affinität zum Metal, die auf die Kappe des großen Bruders geht, im von Jacob Hansen produzierten "Zoom In" durch - nicht unbedingt schlecht, aber in keinster Weise ins Album passend. Schnitzer leistet Sicknature sich sonst keine mehr, vor allem das dem Intro (das kurz alle Song-Titel in einem sehr gestellten Text aneinanderreiht) folgende "As Sick As It Gets" poltert nochmals erfreulich kräftig durch die Boxen.

Dafür, dass Sicknature als Rapper erstmal eine unauffällige Erscheinung macht, legt er auf einigen Tracks gut los, und wieso Ill Bill ihn als Produktionspartner so schätzt, wird auf diesem kleinen Album ebenfalls klar. Dass Sicknature die üblichen Themen streift (an einer Stelle kommt kurz die lokale Politik zur Sprache), verwundert ebensowenig wie es stört - er ist einfach ein typischer Real-Keeper. Das soll an dieser Stelle nicht negativ gemeint sein, denn für sein Album reichen die guten Ideen vollkommen aus. Die Gäste sind gut gewählt, womit das Zielpublikum eigentlich bedenkenlos zugreifen darf. Neben einigen schwächeren Songs ist der einzige Kritikpunkt die fehlende Geschlossenheit, der man durch bessere Gliederung und Weglassen des Metal-Crossovers entgegenwirken hätte können. Doch selbst mit diesen Makeln ist "Honey I'm Home" noch empfehlenswert.

6.5 / 10

Black Lotus - Lotus Notes (1997-1999)


Release Date:
01. Dezember 2005

Label:
Hidden Aspects Entertainment / Chamber Musik Records

Tracklist:
01. Black Lo (Intro)
02. Constantly Rising
03. Live Rather Than Die
04. 18 To Party
05. Basic Flow
06. Remain Here (Feat. Jim Kelly)
07. Way I Feel
08. Seen And Heard
09. I Know
10. If These Walls Could Talk
11. Stress Ya Got (Whole Lot)

Review:
Wen die Geschichte von Black Lotus interessiert, der muss sich zuerst mit den Beggas auseinandersetzen. Die sind eine neunköpfige Gruppierung aus der HipHop-Steppe Washington, D.C., die sich 1993 um Father Lord alias Wu Chi formiert, der zu jener Zeit als DJ, Emcee und Producer tätig ist und die restlichen, mit HipHop aufgewachsenen Mitglieder rekrutiert und teils auch lehrt. Dank Father Lord besteht außerdem eine Verbindung zu den Sunz Of Man, was 1998 zum wohlbekannten Auftritt auf dem "Swarm"-Wu-Sampler führt. Doch da hat Father Lord schon bei einem Autounfall mit einem trunkenen Fahrer den Tod gefunden, was das talentierte Kollektiv kopf- und halbwegs orientierungslos zurücklässt. Die Verbindung zum Clan reißt ab, doch Long Axe, Dragonfly und Bolo's Kitchen haben zu diesem Zeitpunkt schon als Beggas-Ableger Black Lotus einiges Material aufgenommen. Das Trio stößt dann zum '98 gegründeten Kollektiv Hidden Aspects, das die Überreste der Beggas weiterführen soll, aber vorerst nichts von sich hören lässt. Doch alle Künstler arbeiten fleißig weiter und 2005 entschließt man sich zusammen mit Chamber Musik, einige der alten Aufnahmen zu veröffentlichen.
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 Die Rollenverteilung ist simpel: Bolo's Kitchen a.k.a. Bolo Gah, der bei Father Lord in Lehre gegangen war, produzierte zu jener Zeit alle Tracks, während Long Axe und Dragonfly das dynamische Duo am Mic abgeben, das schon dem Father Lord gewidmeten "On The Strength" seine überragenden ersten zwei Verse spendierte. Wer nun Probleme hat, sich ein Bild davon zu machen, welcher HipHop-Wind in der Landeshauptstadt Amerikas weht, dem sei gesagt, dass das kurzzeitige Signing bei Wu-Tang Records nicht von ungefähr kam, denn der ganze Begga Clan steht für klassischen Eastcoast-Sound, was folglich auch für Black Lotus gilt, die ebenfalls einwandfrei ins Wu-Universum gepasst hätten, deshalb aber nicht auf Martial-Arts-Einbindung setzen, sondern den Spätneunziger-Sound kalter Tage in windigen Innenstadtschluchten leben. Dabei klingen sie, wie man das von so vielen Kollegen ebenfalls kennt, wesentlich älter als die Mitt- und Spätzwanziger, die sie zu jener Zeit sind, denn erlebt hat man schon (zu) viel und füllt damit auch die Zeilen für hiesige Tracks. "At 7 AM, I hear the world outside / The bums fighting with the rats and mishaps to stay alive", so begrüßt Long Axe den Hörer in ein Album, dem der Schmerz des Alltags anhaftet. Schnell stellt man fest, dass man es mit zwei sehr fähigen, nicht außergewöhnlich aber eindringlich rappenden Straßenpoeten zu tun hat, derer es wesentlich eingeschränktere gibt - so ist die abschließende Message des mit langsamen, fernen Bläsern perfekt als Vorstellung geeigneten "Constantly Rising" folgende: "Pick the books up y'all, drop the guns". An dieser Stelle muss nun auch die Produktion von Bolo Gah gewürdigt werden, denn der Produzent, der den Hörer für die Dauer des Albums in einen Lo-Fi-Sumpf bittet, etabliert schnell einen eigenen Sound, der oft nicht sehr Drum-intensiv ist, vor allem die verschiedenen Samples in den Vordergrund rückt und insgesamt als dezent aber effektiv auffällt. Das ist in "Remain Here" mit Begga-Kollege Jim Kelly der Fall, aber auch in "I Know", das den Grundton des Albums mit nachdenklichem Klanggewand repräsentiert, wohingegen "Way I Feel" als softe Nummer danebengeht. Dazu bedienen sich die beiden Emcees cleverer Spielereien mit dem Tracktitel, die in stetem und überraschend geistreichem Hin und Her ausgetauscht werden. Seinen Höhepunkt findet das in "Seen And Heard", wo sowohl Axe als auch Dragonfly je in einem Vers ihre Zeilen nur mit "I've Seen" bzw. "I've Heard" beginnen, was zu einer beachtlichen Ansammlung von Gedankenfetzen führt. Ebenfalls typisch für das Album ist es, wie "If These Walls Could Talk" schlichtweg nach einer gereimten Unterhaltung klingt, in der Axe und DF über das Leben philosophieren. Die stärksten Momente sind allerdings die, in denen Bolo's Melancholie auf die vom leben ausgelaugten MCs trifft: "Stress Ya Got" summiert das Drama mit der Mutter des eigenen Sohnes auf ("I know mad brothers in war wit baby mothers / Some threw the towel in, others still doubting / You made a child in hopes to be a fam / But now understand, love don't come, man"), doch noch mehr das atemberaubend packende "18 To Party" mit einem bärenstark aufspielenden Long Axe (der den Hörer mit weicher Stimme und weichem Flow sofort für sich gewinnt), das beweist, dass Black Lotus nicht nur einen Sinn für poetische Strophen, sondern auch für präzise und sinnige Refrains haben: "You gotta be 18 to party, 21 to drink / 25 we struggling, old enough to think / 30 years, you wishing you 17 again / At 45, you wanna start over again".

Die Intensität dieser Highlights erreichen Black Lotus leider nur kurzzeitig, doch auf dem kompletten Album regiert eine einheitliche Stimmung, die ein recht klares und hartes Bild des Lebens in Washington, D.C. vermittelt. Rückblickend ist es umso mehr ein Jammer, dass Father Lord so früh das Zeitliche segnete, denn mit ihm wäre diesen schwer talentierten Jungs wahrscheinlich wesentlich mehr Aufmerksamkeit zuteil geworden. Dabei sind Black Lotus ganz sicherlich keine Innovatoren oder in irgendeiner Weise sonderlich originell - was hier so überzeugt ist die schlichte aber unverfälscht direkte Schilderung der Realität der Akteure, die in ihrem grauen und doch durchdringenden Gewand als Inbegriff des zeitgemäßen Ostküsten-HipHops für sich spricht.

6.8 / 10

Bless 1 - Starving Artist


Release Date:
06. September 2007

Label:
Eigenvertrieb / Free Download

Tracklist:
01. A Place In The Sun (Feat. Infini)
02. Never Give Up
03. Starvin Artist
04. Angular Slang II
05. We
06. The Hunger
07. Works
08. The 7th Day
09. Return To The Source (Feat. Kissey Asplund)
10. My Existence

Review:
Wer Mitte 2007 im Chicagoer Untergrund die Augen und Ohren offenhielt, der hat eventuell von Aaron Brown alias Bless 1 gehört, der zu jener Zeit seinen ersten und bis dato einzigen echten Schritt in die Rap-Welt unternahm. Das Schreiben liegt ihm im Blut und wird seit der High School verfolgt, dort findet er auch Spaß an Freestyles und Ciphern. Doch die Versuche, sich mit lokalen Beat-Bastlern kurzzuschließen, misslingen, weswegen er sich das Produzieren selbst beibringt und außerdem via Myspace internationale Kontakte knüpft. So auch mit dem Pariser Producer Powell (alias Rhythm From Art), der ihn anschreibt, nachdem er Bless' Beats hört. Über diese Adresse bildet sich dann auch das nicht allzu lange bestehende Internet-Kollektiv Digital Invaders (u.a. mit dem Düsseldorfer Suff Daddy und dem Pariser Lokid), der wichtigste Partner bleibt allerdings Powell, mit dem er "Starving Artist" aufnimmt.
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 Eigentlich sollte das Album schon im Juni erscheinen, doch ein (glücklicherweise ohne große Schäden überstandener) Festplatten-Crash bei Powell, der neun von zehn Beats (einer kommt von Bless selbst) beiträgt, verzögert die Sache. Die wichtigere Nachricht ist, dass "Starving Artist" kostenlos ist. Die Halbherzigkeit, mit der solche Umsonstprojekte oft angegangen werden, sollte man Bless allerdings nicht unterstellen. Ebensowenig handelt es sich um ein typisches Chicago-Release - vielleicht auch der Grund, warum es mit den Kollegen aus der Nachbarschaft nicht so recht geklappt hat. Auch mit oft in Chi-City gesehenen Battle-Raps hat Bless nichts am Hut, wie der Titel schon verrät regiert vielmehr der harte Alltag eines regulären, unterdurchschnittlich verdienenden Bürgers. Ganz recht, es geht nicht um das untugendhafte Leben eines Kleinganoven, der vom Dealer zum Rapper aufgestiegen ist, sondern schlichtweg um die Mühen von Bless als "Starving Artist", die in knappen 30 Minuten als BoomBap-Blues geschildert werden. Das umfasst eine tiefe Stimme, die mit behutsamem Flow direkt die richtige Stimmung garantiert, die mit Zeilen wie "I got a dollar in my pocket and I'm riding the train / I know you hear me homie, but you ain't feeling my pain" genährt wird. Die restlichen Tracks, die auf Powells Kappe gehen, zeichnen sich durch dumpfe Kick, eine gedrückte Atmosphäre mit fernem Lo-Fi-Charakter und sehr gefühlvolle, angemessen subtile Samples aus. "Never Give Up" verkörpert das Album fast komplett: Das graue Leben vor der eigenen Haustür aus der Sicht eines Afro-Amerikaners wird in nüchterner und doch leicht klagender Form vorgetragen, trotzdem kommt Bless zu dem Schluss, dass der alltägliche Kampf weitergehen muss. Das erkennt auch "We", das ein eindringliches Bild von Bless' deprimierender Umwelt malt, von Powell aber mit einem wunderschönen, aufmunternden Beat versehen wird. Bless selbst legt zu keinem Zeitpunkt Wert darauf, als überragender MC zu glänzen, im Sinne dieses Machwerks läge das sowieso nicht. Sein steter Flow ist es, der den Hörer in die Welt der Straßen Chicagos saugt und Songs wie "Works" auf diese Weise intensiviert. Da das Themengebiet eingeschränkt ist, sind sich einige Songs ähnlich, weswegen die weniger stark produzierten Gefahr laufen, übergangen zu werden; doch glücklicherweise ist das Grundniveau mit Ausnahme des grenzwertig kitschigen "Return To The Source" (mit einem deplatzierten Sax) hoch genug, dass Bless sich diese thematische Uniform leisten kann. So erklärt "The Hunger", woher die Affinität zum Drogen-Dealen kommt, wohingegen sich Bless selbst dieser Versuchung erwehrt, in "My Existence" schließlich wartet der krönende Abschluss, in dem Powell mit seiner besten Arbeit der LP eine verhangen-trostlose Szenerie erschafft und Bless verbittert und schwermütig nach dem tieferen Sinn fragt:

"Coveting wealth, sometimes grabs the best of me
European sedans trimmed in lacquered mahogany
Dreams of travel, snapping pictures for the memories
Side effects when working from nine to five in misery
Mechanical behavior, the clock slides forward
Punching out and then we run fast towards
Relaxation, but only if the job ain't important
Otherwise we'd rather stay because our work is rewarding
I refuse to make this journey a prison with the dollar as a warden
Holding keys to doors not open
Unequipped with all the answers, but I'm not done learning
A deep thirst got my insides burning
What's the meaning of my existence, the reason that I currently stand
Breathe air, still walking this land?
Could it be that my existence serves a purpose greater than I?
Maybe I'm just digging too deep for why
"

Inzwischen hat sich Bless eher dem Produzieren von Musik für Video-Essays zugewendet, doch man kann nur hoffen, dass der Emcee aus der Westside Chicagos nochmal ein Projekt wie dieses hier angeht, denn es ist überraschend gut. Natürlich eignet es sich mehr für den Einzelnen, natürlich muss man in der entsprechenden Stimmung sein, denn "Starving Artist" ist der Soundtrack für die schwereren Tage des Lebens, gibt diesen aber ein ungemein gut anhörbares Gesicht. Bless 1 ist nicht der beste MC der Welt, wohl aber ein sehr wortgewandter, dessen Auftreten mehr als genug Charisma beweist. "Starving Artist" ist nicht perfekt, aber eine fenie Sache - und das nicht nur relativ dazu, dass es umsonst ist. Trotzdem gehört es zu den besten kostenlosen Releases der letzten Jahre.

6.9 / 10

Aesop Rock - Music For Earthworms


Release Date:
1997

Label:
Eigenvertrieb

Tracklist:
01. Abandon All Hope
02. Wake Up Call (Feat. Percee P)
03. The Substance
04. Merit
05. Night Train Promo
06. Live On 89.9 FM Night Train
07. Coward Of The Year (Remix) (Feat. The Controls & Percee P)
08. Shere Kahn (Feat. The Controls)
09. Antisocial
10. Coordinates
11. Plastic Soldiers
12. Troubled Waters

Review:
Einer der einzigartigsten Künstler unseres geliebten Genres hört auf den Namen Aesop Rock, den Ian Bavitz von einer Rolle in einem von Freunden gedrehten Film erhält. Musikalisch wird seine Jugend von seinem älteren Bruder und dessen Musik geprägt, was ihn mit Run-D.M.C. und den Beastie Boys vertraut macht. Da er auf der High School (wie alle anderen auch) intensiv mit HipHop in Berührung kommt, fängt er irgendwann für und im Kreise seiner Freunde selbst an zu rappen und verfolgt dieses Hobby nebenbei weiter. Denn primär versucht er sich in einem Studium in Boston (Angewandte Kunst), wird im New Yorker Underground aber immer populärer, was ihn (neben dem Drängen von seinem kompletten Umfeld) 1997 schließlich dazu veranlasst, das heute sehr begehrte "Music For Earthworms" zusammenzustellen, damit er auf Shows etwas zum Verkaufen hat.
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 Tatsächlich verkaufte Aes von diesem Sprungbrett in die Szene nur zwei- bis dreihundert Einheiten und das Cover sieht so stümperhaft aus, weil er die vorigen Versionen mehrmals verlegte und dann schnell provisorische neue zu basteln hatte. Man sollte "Music For Earthworms" in jedem Fall nicht als Debütalbum ansehen, es ist die oben beschriebene, sehr zweckgebundene Angelegenheit, die nichtsdestoweniger die ersten Schritte eines späteren Underground-Helden und dessen damals schon unleugbar vorhandenes Talent dokumentiert. Produziert hat er einen Track selbst, doch zur damaligen Zeit fing er gerade erst das Produzieren an, der schon etwas fortgeschrittenere Blockhead trägt ebenfalls einmal bei, doch der Hauptteil kommt von Dub-L, der im damaligen Freundeskreis (The Overground, zu dem auch Block und Aes zählten) ursprünglich für die Beats verantwortlich war. Man sollte in keinem Fall ein geschlossenes Album erwarten, "Music For Earthworms" ist Aesops Art des Braggings bzw. Shit-Talkings, stellt schon seinen ureigenen Flow und den markanten Stimmeinsatz zur Schau, lebt aber noch auf teils unausgereiften Beats, wie schon im Falle des Openers "Abandon All Hope" ("I live for the moment of truth when Big Willy rapper acknowledges failure and states 'Goddamn my shit is trash'"), der sich simpel und mit starkem Lo-Fi-Flair vorstellt. Der nimmt im selbstproduzierten "Antisocial" mal schaurig-düstere Züge an (hier rappt Aesop erstmals "Must not sleep, must warn others") und reicht bis zum heiteren Schlagabtausch mit Percee P im Kopfnicker "Wake Up Call". Das Problem dabei ist, dass es sich beizeiten anhört, als seien die Beats nur notwendiges Beiwerk, um Aesop zu begleiten. Der ergeht sich in seinen komplexen Raps, die er teils nur im ihrer schillernden Komplexität wegen zusammenstöpselt. Ganz deutlich wird das auf "Live From 89.9 FM Night Train", das einen Freestyle auf WKCR 89.9 in grenzwertiger Sound-Qualität bietet und natürlich nur die lyrischen Skills betonen will. Insgesamt wesentlich besser ist da schon die "Night Train Promo", für die Dub-L ganze Arbeit leistet und ein trüb vor sich hinwaberndes Instrumental aus seinen Apparaturen zaubert, das sich bestens mit Aesop verträgt. An anderen Stellen gilt das allerdings nicht: "Coordinates" klingt ebenso wie "Merit" etwas unbeholfen und ist in jedem Fall anstrengend, womit es auch keinen Spaß mehr macht, Aesop zu lauschen. Dann wären da noch die zwei Tracks mit den Controls, die als für den HipHop-Fan mäßig berauschender TripHop ins Programm platzen und wohl als weitere Referenz Aesops Vielseitigkeit zeigen sollen. Im kriechend langsamen "The Substance" spielt ein einsamer Bass vor sich hin, was selbst Aesop streckenweise zu einer eher müden Vorstellung verleitet und auch durch eine Double-Time-Einlage nicht gerettet wird. Abgeschlossen wird die Regenwurmmusik zuerst durch Blockheads Viola in "Plastic Soldiers" sowie mit dem Highlight der Platte, "Troubled Waters", für das Dub-L ein großartig schwermütiges Edelstück aus der Lo-Fi-Kiste zieht und Aesop in abstrakte Welten aufbricht:

"You replicas overlooking the guidelines of acoustics
Miserable attempts result in miserable conclusions
Paragon pen dragon tactician on freeform
Then a comfortable silence try to combat cliques
[...]
I've seen misery, I've seen disgust, dust ridden ruins
Iron clad oracle test three COM unit disperse silently
Over-confidence leads to irony
Plot twist full hardy Icarus shifted in facets of my form
"

"Music For Earthworms" schafft in erster Linie das, wofür es gedacht war: Es stellt Aesop Rock vor. Schon in seinen jungen Jahren pflegt er seinen auch spätere Alben veredelnden Stil, die Betonung bei seinen Raps hat sich seither kaum geändert. Darüber hinaus wird auch schon die musikalische Blickrichtung, die die folgenden Releases auszeichnen wird, ersichtlich und führt zu einigen überragenden Momenten. Genauso gibt es allerdings weniger glorreiche Minuten, in denen die Umsetzung misslingt. Auch die Inklusion der beiden TripHop-Songs ist nur bedingt sinnvoll, sorgt auf jeden Fall dafür, dass man nicht das Gefühl bekommt, hier auf einem Album zu gastieren. Deshalb ist "Music For Earthworms" zwar eine überwiegend gute, aber etwas durchwachsene Angelegenheit, die in jedem Fall schon oft die Klasse von Aesop zeigt, weswegen ein Anhören allemal lohnt.

6.4 / 10

Freitag, 21. September 2012

Mekalek - Live And Learn


Release Date:
06. Juni 2006

Label:
Glow-In-The-Dark Records

Tracklist:
01. Even Though (Feat. Time Machine)
02. 2 Nights Ago (Feat. Jesse Calico)
03. The Gritty Bop (Feat. Percee P)
04. Beat Break #1
05. Live And Learn (My Life) (Feat. Big Name)
06. Love Life Money Guns (Feat. Fedd Hill)
07. Beat Break #2
08. Here It Is (Feat. Time Machine)
09. Top Of The World (Feat. Shawn Jackson)
10. Beat Break #3
11. Face Your Life (Feat. Raw Poetic)
12. Running In Place (Feat. Sparks)
13. Beat Break #4
14. Triple J (Feat. Shawn Jackson, Jaysonic & Jahpan)
15. Interlude: Cocktail Freestyle (Feat. Cool Calm Pete)
16. 2 For Me, 1 For You (Feat. Starrs & Murph)
17. Beat Break #5
18. Dream Come True (Feat. Shawn Jackson)
19. Incredible Feeling (Feat. Jahpan)
20. Beat Break #6

Review:
Wem DJ Mekalek nichts sagt, der wird vielleicht beim Nennen des Namens Time Machine hellhörig. Die entspannte Seele, um die es hier geht, macht nämlich ein Drittel des erfolgreichen Trios aus und fungiert seit Anbeginn als Produzent und DJ. Als DJ unternimmt er schließlich auch seine ersten Schritte, hostet eine Radio-Show bei WRIU, dem College-Radio seiner Heimat Rhode Island. Anfangs gibt es von ihm hauptsächlich Mixtapes zu hören, doch nach und nach freundet er sich mit seiner ASR-10 an (die ihn bis heute begleitet). Dann erfolgt die Zündung der Karriere mit Jaysonic und Comel als TM, man startet das eigene Label Glow-In-The-Dark und fährt mit dem ersten Album "Slow Your Roll" erste Wellen des Lobs ein. 2005 folgt "TM Radio", das auch die ersten Releases anderer Künstler auf dem eigenen Label zusammenfasst, 2006 dann unternimmt Mek mit "Live And Learn" einen Soloausflug.
WRITTEN FOR Rap4Fame

 Einen Bruch mit TM bedeutet das natürlich nicht, seine zwei Kollegen sind fester Bestandteil der Gästeliste, in der auch sonst hauptsächlich geistig verwandte Leute eingetragen sind, alle fast durchgehend unbekannt. Damit muss auch niemand Angst haben, hier eines dieser Alben vor sich zu haben, das sich schon aufgrund seiner eigenen Gäste so sehr gefällt, dass es vergisst, selbige an einen roten Faden zu binden. Mekaleks Produktion ist dieser Faden, dem jeder Emcee folgt, ohne sich dabei selbst auf Kosten der Gesamtqualität zu sehr in den Vordergrund spielen zu wollen. Deswegen sind die Auftritte nicht minderwertig, man fühlt sich lediglich wie bei einer großen Gemeinschaft, die schon seit längerer Zeit zusammen Musik macht. Wer "Slow You Roll" kennt, der weiß schon grob, was einen erwartet, wenngleich sich Mekalek mit jedem neuen Projekt weiterentwickeln möchte. Trotzdem besteht "Live And Learn" aus fruchtigen Klängen und tonnenweise Samples, die der nie einer musikalischen Ausbildung unterworfene Mekalek wie ein Altmeister sucht, findet und zusammenbastelt. Zusammengefasst macht er Gute-Laune-Musik, das Spektrum reicht allerdings von nachdenklichen Tönen für den Walkman bis hin zu Partystücken (nicht zu verwechseln mit Club-Tracks). Mit letzterer Sorte heißt man den Hörer in "Even Though" willkommen: Vögel zwitschern, eine Melodie zieht im Hintergrund ihre Kreise, Mekalek bearbeitet die Turntables und baut so langsam Spannung auf, bis Jaysonic irgendwo in der dritten Minute zum Mic greift und den Hörer mit dem Slogan "Even though what we do is dumb, we're gonna do it anyway, cause we're young and it's fun / [...] / And the only thing staying the same / No matter what else, is that things gonna change". Auch mit ihrem zweiten Auftritt im herkömmlicheren Kopfnicker "Here It Is" erfreuen TM. Als wichtige Komponente der Scheibe erweisen sich die "Beat Break"s, die allesamt mit sehr angenehmer Stimmung bestechen, den Hörer daran erinnern, wo er sich hier befindet und treffend in die folgenden Tracks überführen. Ein solcher ist der Titeltrack, auf dem Newcomer Big Name haust. Ein weiterer Newcomer ist Shawn Jackson, dessen zwei Jahre altes "Dream Come True" es zusammen mit "Top Of The World" auf die LP geschafft hat. Gemessen an diesem Album hätte man jedoch kaum erwartet, dass er einige Jährchen später einen Hype erleben würde, während vom Trio Fedd Hill, die mit ihrer (für die Platte ungewöhnlich) ernsten Ausführung übers harte Leben ohne Geld bei den Highlights mitspielen, niemand mehr etwas hörte. Percee P, mehr oder weniger der Star der Scheibe, lebt mit seinen starken Reim-Schemata den "Gritty Bop", den Mekalek zu disharmonisch inszeniert, was nicht wirklich zum Rest der Scheibe passen will, aber auch für sich kein Überbrenner ist. Besser gefallen da schon Panaceas Raw Poetic mit seiner markanten Performance, Sparks mit dem abgeklärten R.I.P.-Song "Running In Place", das "Triple J" und vor allem auch Cool Calm Pete, der zu entspanntem Trompetenspiel einen "Cocktail Freestyle" kickt.

Den Abschluss macht ein sehr besinnlicher "Beat Break", der dem Hörer noch einmal vergegenwärtigt, dass man es hier mit einer der unverfänglichsten Angelegenheiten des Jahres 2006 zu tun hat, von der kein Rap-Fan ausgeschlossen werden muss. Mekalek hat, vor allem bzgl. der Ausschöpfung seiner Möglichkeiten, noch Potential nach oben (was man auf "Life Is Expensive" dann auch hören würde), doch was er hier fabriziert ist schlicht und ergreifend schön anzuhören. Solche Musik birgt natürlich die Gefahr, als Hintergrundmusik zu enden; und zu diesem Zweck kann man sie in der Tat auch nutzen, doch auch wer im Winter ein wenig musikalischen Sonnenschein braucht oder wer im Sommer ein wenig Musik braucht, um sich in die Sonne zu legen, der wird "Live And Learn" schätzen, denn nur weil Mekaleks Beats leichte Köst sein mögen, ist dieses Album noch lange nicht gehaltlos.

6.9 / 10