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Dienstag, 26. Februar 2013

Pacewon & Mr. Green - The Only Number That Matters In Won


Release Date:
04. September 2012

Label:
RawPoetix Records

Tracklist:
01. Ever Since
02. Liquor & Drugs
03. Big Screen
04. Something To Say (Feat. Masta Ace)
05. Real Life
06. We Do This
07. Be Mine (Feat. Lee Scratch Perry & Elephant Pelican)
08. My God
09. Fresh Air
10. Champagne
11. My Song (Feat. Rival)
12. Insecure
13. Slow (Feat. Lawrence Arnell)
14. Lock Me Up (Feat. Snoop Dogg & Burnt MD)

Review:
Pacewon hatte eigentlich niemand mehr auf dem Schirm, vor dem Jahr 2008 war er mit zwei unbedeutenden Solos, einigen Gastauftritten (von den Fugees bis zu EC) und der Gründermitgliedschaft bei den nie so richtig in die Gänge gekommenen Outsidaz einer von unzähligen Emcees, die im neuen Millenium gestrandet schienen. Doch dann kam die Kollabo mit dem völlig unbeschriebenen Mr. Green und auf einmal war Pacewon gefeierter Veteran. Was dann folgt ist logisch - ausgiebiges Touren stockt die Kassen auf, zudem gründet Pace mit Teamwon Inc. ein eigenes Label und eine eigene Gruppe, die bisher über ein gähnendes Album nicht hinausgekommen ist. Auch Green gründet ein Label, veröffentlicht Instrumental-Platten und erlaubt sich noch einen Seitensprung mit Young Zee. All das mag dazu beigetragen haben, dass "The Only Number That Matters Is Won" einige Verschiebungen erfuhr.
WRITTEN FOR Rap4Fame

 Der Titel deutet es an, eigene Aussagen bestätigen es: Mit dem zweiten Streich des für ihre erste Kollabo weithin gefeierten Duos will man am Konzept nichts verändern, angestrebt ist mehr Kopfnickerware für dieselben Heads, die schon 2008 aufjubelten. Das geschah damals schließlich nicht ganz zu Unrecht, Mr. Green und sein Produktionsstil waren unverbraucht, das Album kam zur rechten Zeit und hatte vielleicht nicht die größte Halbwertszeit, wohl aber seine starken Momente. Vier Jahre später konnte Pacewon seinen Namen auf den Alben einiger Kollegen installieren, Mr. Green seine Beats u.a. auf dem letzten Album der Jedi Mind Tricks platzieren. Kurzum, auf den "Überraschungsfaktor" darf man hier weder hoffen noch setzen. Ein Umstand, den die beiden Gastgeber verschlafen zu haben scheinen. Im Hause RawPoetix kam wohl auch niemand auf die Idee, Pacewon darauf hinzuweisen, dass die "back in the day"-Raps schon längst nur noch als Werbesprüche für BoomBap-Bestattungsunternehmen dienlich sind. Wem also bereits 2008 zu sehr die Liebe zum guten, alten HipHop von anno damals gepredigt und zu viel Standardthematik durchgekaut wurde, der wird auf hiesigem Album schon bald Rotz und Wasser heulen. "Ever Since" holt direkt zu Beginn aus und baut Pacewon als ambitionierten Retter des Genres auf. Dabei offenbart sich Pacewons große Schwäche: Obwohl er durchaus eine Handvoll Themen abgrast, klingt er dabei schwer uninspiriert, im Falle von "Big Screen" ("Take your favorite movies that you've ever seen / X out the star and replace 'em with me") berechenbar und teils lächerlich. Und wo Green im Opener noch gesund loslegte, ist das Instrumental hier auch keine vergütende Unterstützung: Simple Piano-Loops haben schon vielen Tracks geholfen, hier erhält man lediglich flächendeckende Langeweile, die von einer platten Drumline noch unterstrichen wird. Generell stehen die Percussions beim Producer aus Jersey oft im Vordergrund, was es umso fataler macht, dass diesbezüglich ein gewisser Déjà-vu-Faktor steter Gast auf der LP ist. Doch keine Sorge, der macht sich auch bei der mangelhaften Klangvielfalt der Samples bemerkbar. So ist "My God" (textlich an das Source-Magazin zurückdenkend und kaum von Belang) eigentlich sehr ordentliche Arbeit, die aber trotzdem nicht ganz zündet. Weitere Themen der Platte sind übrigens - nach einem von lustlosem Piano-Loop geleiteten "Real Life", das kurz das harte Straßenleben im immergleichen Bilderrahmen skizziert - Frauen und Drogen. Letzteres serviert sehr offensichtlich "Liquor & Drugs" (hier stört "nur" eine schlechte Hook), Ersteres ein oberflächliches "Insecure", das für seine bescheuerte Hook einen Negativpreis verdient. "We Do This" ist vergessen schon bevor seine vier Minuten Spielzeit vorbei sind, "Something To Say" hat zwar nicht wirklich etwas zu sagen, klingt aber dennoch nach mehr als das arg trockene "Be Mine", in dem es die Gäste sind, die der nackten Rhythmussektion eines Beats etwas Charakter geben. Viel mehr passiert dann auch nicht mehr, Greens Ankündigung, Snoop Dogg auf den härtesten Beat gepackt zu haben, setzt hohe Erwartungen an "Lock Me Up", die der Standard-Kopfnicker wenigstens ansatzweise erfüllen kann.

Es war irgendwie abzusehen, jetzt beweisen Pacewon und Mr. Green es selbst direkt: Ihr Achtungserfolg, den sie 2008 erzielen konnten, nährte sich hauptsächlich aus dem Überraschungsmoment und der Unverbrauchtheit der Kombination der beiden Künstler. Vier Jahre später tritt beim Zweitling Ernüchterung ein: Ähnlich eines 9th Wonder hat Mr. Green seinen eigenen Sound, nur ist der schon um Welten schneller erschöpft, was den Sound-Teppich der LP ideenlos dastehen lässt. In ganz ähnlicher Weise scheint Pace nicht so recht zu wissen, wie er die Tracks füllen soll. Insgesamt klingt "The Only Number That Matters Is Won" wie ein zwanghafter Versuch, den Erfolg von "The Only Color That Matters Is Green" nochmals einzufangen, nicht wie ein inspiriertes Album. An einigen Stellen gelingt das zwar auch, insgesamt gibt die Scheibe aber nicht übermäßig viel her.

4.7 / 10

Samstag, 29. Dezember 2012

Mobb Deep - Infamy


Release Date:
11. Dezember 2001

Label:
Loud Records

Tracklist:
01. Pray For Me (Feat. Lil' Mo)
02. Get Away
03. Bounce
04. Clap
05. Kill That Nigga
06. My Gats Spitting (Feat. Infamous Mobb)
07. Handcuffs
08. Hey Luv (Feat. 112)
09. The Learning (Burn) (Feat. Big Noyd & Vita)
10. Live Foul
11. Hurt Niggas (Feat. Big Noyd)
12. Get At Me
13. I Won't Fall
14. Crawlin
15. Nothing Like Home (Feat. Littles)
16. There I Go Again (Feat. Ron Isley) / So Long (Bonus)

Review:
Eigentlich marschieren Mobb Deep unter sehr guten Voraussetzungen ins neue Jahrtausend: Helden der Neunziger, die ihre Stellung und den Zuspruch von Fans und Kritikern auch mit dem vierten Album wahren konnten und immer noch zu den gewichtigsten Namen der Szene zählen. Zwar dreht man einen Film ("Murda Muzik"), der dann (vorerst) nicht erscheinen wird, doch Prodigys Solo-Ausflug gelingt mit dem Erreichen von Gold-Status doch recht gut. Medienträchtige Streitigkeiten gibt es ebenfalls noch, inzwischen ist es Jay-Z, der auf "The Blueprint" eine Breitseite gegen das QB-Duo (vor allem gegen P) feuert. Doch die Rap-Szene durchläuft einen schleichenden, aber gewaltigen Wandel, der Hardcore-Rapper wie Hav und P langsam aus dem Rampenlicht schiebt und (ironischerweise) gerade angepasste Sauber-Thugs wie Jigga beflügelt. In dieser Zeit erscheint also das fünfte Mobb-Album "Infamy".
WRITTEN FOR Rap4Fame

 Nachdem "H.N.I.C." alle möglichen Produzenten einlud hoffen die Fans nun also auf eine im Titel irgendwie mitschwingende Rückkehr zu "The Infamous"-Tagen und der entsprechenden Hardcore-Attitüde. Doch Loud Records, deren Logo hier zum letzten Mal das Back-Cover ziert, hatten wohl kein Vertrauen in diese Strategie. Außerdem geben Mobb Deep selbst Aussagen von sich, die von "Experimentierfreude" sprechen und verständnislose, verbohrte Fans auf die alten Scheiben verweisen. Übersetzt heißt das: Sei es nun aufgrund von Label-Vorgaben oder einiger durchgeschmorter Leitungen in der Logik-Abteilung der Mobb-Melonen, Gäste wie 112 oder Lil' Mo sprechen nicht nur auf dem Papier für einen Wandel beim Sound, auch faktisch schlägt "Infamy" einen wesentlich geglätteteren, zufälligerweise den Forderungen des Mainstreams angepassten Weg ein. Für den ist übrigens immer noch Havoc zu großen Teilen verantwortlich, Gastproduzenten sind EZ Elpee, ALC und ein noch recht unbekannter Scott Storch. Der Anfang ist dabei allerdings noch durchwegs ordentlich: "Pray For Me" knüpft genau da an, wo "Streets Raised Me" aufgehört hat und webt die mit Lil' Mo importierten R'n'B-Elemente einwandfrei in Havocs melancholisches Instrumental-Bett - da gibt's nichts zu meckern. Wohl aber daran, dass IMD einen qualitativen Sturz hinlegen, bei dem sie sich eigentlich sämtliche Knochen hätten brechen müssen. Den Anfang dieses Trauerspiels macht "Bounce", das mit seinem Titel sowohl hinsichtlich Klangbild als auch Kreativität genau ins Schwarze trifft. Was wollte hier erreicht werden? Will man Dunn-Talk mit Gigolo-Vibes verknüpfen? Jedenfalls sind Havocs Trademark-Snares, die oft den Kokon der Seele bisheriger Mobb-Deep-Songs bildeten, verschwunden, stattdessen klopfen sogar in einem Stück wie "Kill That Nigga", das wohl die roughe Street-Kundschaft bedienen soll, öde Drumlines durch die Gegend, während träge Bässe erfolglos die Abwesenheit einst so überragend und drohend eingesetzter Samples zu kaschieren suchen. Ein zweiter Faktor ist Prodigy, dem auf "Infamy" seine frühere Klasse erstmals vollständig abgeht. Ohne Zweifel, Stimmen verändern sich, aber wie P aus der Sicht eines müden Veteranen nicht über gefährlichere Lines als "Bitch ass nigga, I'll have you killed" hinauskommt, ist keinesfalls gutzuheißen. So ist die Safari durch die erste Hälfte der LP gesäumt von Belanglosigkeiten und nicht vorhandenen Highlights, ruft die in diesem Fall unnötigen Kulis von IM3 auf den Plan und passiert das unnötige und nicht mit "Pray For Me" vergleichbare "Hey Luv" (ein von Prodigy eröffnetes Liebeslied inklusive Bridge statt drittem Vers, bei dem 112 sich für "It's Over Now" revanchieren), um erst bei "The Learning (Burn)" einen sinnvollen Halt zu machen. Die erfolgreiche Album-Single meistert das Unmögliche: Eine Drumline mit Schmackes wahrt den Hardcore-Anspruch und zieht trotzdem triumphierend in den Club. Dazu gibt Murder-Inc.-Dame Vita (wohl sehr zu Hovas Missfallen) die Hook und Hav rappt seinen Partner an die Wand. Damit ist die Club-Episode abgeschlossen und während man aufgrund der zwei folgenden (schlecht produzierten und mit noch schlechteren Hooks versehenen) Songs schon Angst haben muss, wieder in der Wüste zu enden, kommt "Infamy" im hinteren Teil langsam in die Gänge: Der Alchemist bleibt in seinem einzigen Beitrag, "Get At Me", noch hinter seinen Möglichkeiten, Scott Storch dagegen zeigt in "I Won't Fall" in die richtige Richtung, was Hav zum starken "So Long" oder auch zu "Crawlin'" (das sich etwas an Prodigys "Can't Complain" anlehnt) anspornt, in dem P sogar einige halbherzige Worte ins Jigga-Büro schickt - wenngleich die brisante Geschichte großteils ignoriert wird. Dafür verbaut man Ron Isley angenehm in "There I Go Again".

Man muss es gar nicht erst groß ausschmücken: "Infamy" ist enttäuschend, zeitweise ist es sogar erschreckend schlecht. Wieso das teils so drastisch passiert, ist schwer zu erklären, denn wenngleich die auf höhere Massenverträglichkeit abzielenden Kompromisse ihren Tribut einfordern, sind es auch die in der ersten Albumhälfte aufgestellten, als Fortsetzung des MD-typischen Reality Rap gedachten Street-Tracks, die maßlos enttäuschen. Sämtliche Handlanger aus dem Infamous-Camp gehen noch mehr als erwartet unter, wesentlich schlimmer ist jedoch der erstmals voll einschlagende Tod des Prodigys der Neunziger. Nach den miserablen ersten zwei Dritteln ist es der hörenswerte hintere Teil, der "Infamy" den Kopf aus der Schlinge rettet und gerade noch in den neutralen Bereich hebt.

4.9 / 10

Sonntag, 16. September 2012

7th 7ign - Presents: The Fieldz Of Terror Compilation Album Vol. 1


Release Date:
03. November 2011

Label:
Iron Chamber Entertainment / 7th Infantry Recordings

Tracklist:
CD1:
01. Code Red - Intro
02. 7th 7ign - Genocide
03. Grone Da Radikal - What We Die For
04. Verbal Godz - Get Clapped
05. Graveyard Shifter - Vietnam Retro
06. Rogue morose - Awakening
07. Phokez - The Wrong Box
08. CRO Madface & Zeus - From U.S. To Croatia
09. Majesty & Wendy Willis - Crime Story
10. Ammoeinser & Rook Da Rukus - Break The Circle
11. Blueyes One & Papifredo - Why
12. Hattory Production & Detin 8 - Los Angels
13. Dtach - Next Dimension
14. Gutmistrz Drahuda - Legend Of Gutmistrz
15. Imperial Skillz Empera & Si-Klon - Cydonia

CD2:
01. Dr. iLL - Durti Crates
02. Mighty Kalipssus & Rook Da Rukus - Dem Cyaan't Test Di Sound
03. Souljahz 4 G.O.D. & Tony Tone - Money Rules The World
04. Ken Brisbon - Hard To BA Nigga
05. Kogeemo - Back Into The Light
06. 7 2 The Sign - Burning Flags
07. Esupreme - Black History
08. Mainframe Trax Family - Lyrical Assault
09. Beeone - Hood Biz
10. The Lab Ratz - Caged Animalz
11. Genocide Regime & Tekneek - Witchcraft Wizards
12. The Outtimers - Classified
13. Secret Swords - Soylent Green
14. Man Agod & Skull Damage - Lesson Learned
15. Zillaintry - Sewer Music

Review:
Das Watchmen-Projekt mag sich als wenig beständig herausgestellt haben, den Mitgliedern jedenfalls hat es geholfen, Fuß in der Szene zu fassen. 7th 7ign war (zugegebenermaßen, fast komplett unbemerkt) zuvor schon aktiv und bereitet, wie auch andere Ex-Watchmen, nun sein nächstes Solo ("The Killing Fieldz") vor. Davor gibt es jedoch ein besonderes Projekt: Unter dem Motto eines schwer bewaffneten Compilation-Albums rief er im Internet Newcomer dazu auf, ihm Tracks zu schicken, die er dann selektierte, um aus ihnen die Compilation "Fieldz Of Terror Vol. 1" zu formen, die er dann auch mehr oder weniger selbst stemmt.
WRITTEN FOR Rap4Fame

 Die Motive, die 7th zu dieser Scheibe trieben, bleiben verborgen, denn dieses Schaulaufen der Niemande findet fast komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Somit legt er seine Hand für eine Horde Grünschnäbel ins Feuer, ohne sich große Rendite versprechen zu können. Immerhin darf man als Hörer darauf hoffen, dass 7th 7ign, der bisher bei seinen eigenen Beats immer ein gutes Ohr für Beats bewies, eine genießbare Auswahl getroffen hat. Der eine oder andere Name mag dem einen oder anderen sogar bekannt vorkommen, Prominenz ist beileibe keine vertreten. Die Löcher, aus denen die MC-Scharen gekrochen kommen, verteilen sich u.a. über Amerika als auch über Europa, jegliche Chancen auf ein zusammenhängendes Konzept sollte man also schnellstens in den Wind schlagen. Trotzdem wird man überrascht sein, denn einige der Songs sind durchaus sehr fein: Vor allem auf der ersten Scheibe findet der New-York-Rap, an dem sich die komplette Compilation ausrichtet, einige schöne Ausführungen. "What We Die For" stellt Grone Da Radikal mit einer eingängigen Hook und schnörkellos gutem Streicher-Arrangement als ersten Akteur in den Terrorfeldern nach 7th selbst vor. Der Terror-Pate 7th lässt in "Genocide" ein bekanntes Laura-Lee-Sample für einen soliden Auftritt antreten, räumt aber dann komplett dem Junggemüse das Feld: Graveyard Shifter schleicht sich mit klagender Geige durch sein "Vietnam Retro", Hattory Production und Detin 8 probieren's in "Los Angeles" nochmal mit dichtem Streicheraufgebot und machen dabei eine äußerst gute Figur. Kurzum, als Fan von NY-Straßenkost ist man mit der ersten CD vollauf bedient. Was direkt zur Frage führt, wieso es denn unbedingt 30 Tracks sein mussten, denn der Qualitätsabfall im weiteren Verlauf ist mitunter erschreckend. Wo der Atlantas Grindhouse Gang repräsentierende Dr. iLL noch auf einem gut produzierten Beat lediglich seine überschaubaren Fähigkeiten demonstriert, blamiert sich die Mainframe Trax Family in "Lyrical Assault" mit einer (schlecht auf die Raps abgestimmten) Amateurproduktion, verfeuert Esupreme ("Black History") ein ineressantes Konzept dadurch, dass er nicht über eine simple (ungereimte) Aufzählung hinausgeht und ruinieren sich die Lab Ratz ihr ohnehin grenzwertig auf böse getrimmtes "Caged Animalz" mit einem Abturner einer Hook. Lediglich "Hard To Be A Nigga" überzeugt mit gelungen aufgekochter, altbekannter Kost, während auch das schwer anrumpelnde "Money Rules The World" sowie "Witchcraft Wizards" einen gewissen Charme haben. Ansonsten orientiere man sich lieber an der ersten Platte, wo zwar in "Crime Story" ebenfalls ein Beispiel vergeigter Hooks anzutreffen ist, insgesamt aber eindeutig die Höhepunkte der Scheibe sitzen, so etwa auch "Get Clapped", für das die Verbal Godz ungehemmt bei Yann Tiersens Filmmusik für "Die fabelhafte Welt der Amelie" abgreifen.

Man mag ja im Voraus seine Zweifel gehabt haben, ob hier überhaupt ein einziger Neuling etwas Sinnvolles von sich geben würde. Solche Bedenken kann 7th 7ign mit seinen Truppen zerstreuen, er legt sogar überraschend stark los und vereint im Anfangsteil seine Gäste unter dem bedingungslosen Banner von Underground-Rap, Punchlines und düsteren Klängen. Doch irgendwann im Hörverlauf kommt der Zeitpunkt, an dem man dieser Compilation ein Ende hätte setzen müssen. Vielfalt und Masse schön und gut, der Hörspaß hat darunter zu leiden, weswegen "The Fieldz Of Terror" als Ganzes sehr ausgeglichen abschneidet. Wer allerdings mit 7th 7ign sympathisiert, der wird sich über den besseren Teil der Doppel-CD freuen.

4.7 / 10

Twin Perils - Speak And Destroy


Release Date:
15. November 2011
Label:
Holographic Pagoda Recordings
Tracklist:
01. Open infiltration
02. Torpedo alley
03. Desert Siege
04. Systematic Elimination
05. Trained Transcendents
06. Avenging Souls
07. Bomb Shelter
08. Secluded Area
09. Wrath Of Heaven
10. Army of Two
11. Red Storm Rising
12. Forbidden City
13. Death Symbol
14. Shattered Dimensions
15. Target Acquisition
16. Swinging Lanterns
17. The Mist
18. Torture Pits
19. Bioshock
20. Mercenary Barracks
21. Iron Sights
22. Return Of The Cavalry
23. Trail Of Tears
24. Scattered Shrapnel
25. Vanishing Point

Review:
Dass das vermummte Duo aus Brooklyn ein ganzes Jahr nichts von sich hören ließ, hat einen einfachen Grund: Die Twin Perils hatten einen PC-Crash zu verkraften - vielleicht ist der auch der Grund, warum das angekündigte Soloalbum von Lone Ninja ("Fatal Peril") bis dato nicht erschienen ist. Ansonsten hat sich bei den beiden rein gar nichts geändert, mit erstaunlicher Kontinuität und wohl dank einer inzwischen ausreichend großen Fanbase operiert man weiter vom eigenen Label Holographic Pagoda aus und veröffentlicht nun das mittlerweile dritte Gruppenalbum, "Speak And Destroy".
WRITTEN FOR Rap4Fame

 Das Cover ist angesichts der bisherigen Releases ebenso unkreativ wie der Albumtitel - da wundert es nicht, dass sich auch sonst nichts geändert hat: June Marx produziert und rappt, Lone Ninja rappt. Die Qualitätssteigerung, die dabei in der bisherigen Diskographie zu beobachten war, beschränkte sich dabei immer auf ein Minimum, was die Perils nicht aus dem Feld des guten Mittelfelds hinauszuführen vermochte, ihnen aber sehr wohl einen gewissen Hörbarkeits-Faktor bescheinigte, während man sich konstant auf eine Grenze zubewegte, die sich mit dem bisher erbrachten Aufwand nicht überschreiten lassen würde. Wie sich herausstellt, sind die Perils nun an ebendieser Grenze angekommen - und verzweifeln daran. Schon das Konzept eines Albums mit 25 Tracks, die sich dafür in ihrer Länge auf durchschnittliche zweieinhalb Minuten einpendeln, erscheint fraglich und soll sich als schweres Defizit herausstellen. Die Songs selbst bieten keinerlei Überraschungen, es schwebt immer noch ein leicht diesiger Lo-Fi-Nebel über der Scheibe, der sich in eigenen Drum-Sets (nahezu gebrechliche Snares und eine staubig dröhnende Kick) äußert, die Songkonzepte erklären sich schon mit ihren Titeln als (wie man das von den Perils eben kennt) sehr eindimensional militaristisch. Dass in Tracks wie "Target Acquisition" oder "Systematic Elimination" schwer bewaffnetes Phrasendreschen in inzwischen bewährter Manier zelebriert wird, war abzusehen und bringt auch den einen oder anderen guten Song mit sich. Das weitaus größere Problem ist die Strukturierung der Scheibe: Nahezu jeder Song wird von einem Film-Sample eingeleitet, was somit so sehr zum Programm wird, dass der Abwechslungsfaktor und die Originalität eines solchen Kunstgriffs komplett verloren gehen. Zudem wirkt die Auswahl der Samples derart willkürlich - entweder will man den Titeln Rechnung tragen oder einfach nur einen seriös-dramatischen Einstieg finden -, dass ein Zusammengehörigkeitsgefühl der einzelnen Songs komplett vermisst wird. Leider ist Lone Ninja des Weiteren immer noch nicht aus seinem Rap-Halbschlaf erwacht, womit es der LP unmöglich ist, dauerhaft Spannung aufzubauen. Die besseren Tracks ("Death Symbol", "Forbidden City", "Bomb Shelter" und allen voran "Swinging Lanterns") ersticken nahezu in der Menge der sie umgebenden Stücke, wahre Highlights finden sich sowieso keine. Zwar will June Beat-technisch oft einen höheren Gang einlegen (den Großteil machen immer noch die verschleierten "Halbschatten-Kopfnicker" aus), kommt dabei aber nie an die Schlagkraft von "Howling Wilderness" vom letzten Album heran. Wenn am "Vanishing Point" dann endlich alles vorbei ist, hat man vom Perils-Sound mehr als genug gehört.

Die Perils stürzen qualitativ keineswegs übertrieben ab, sie beweisen nur, wie fragil das Gleichgewicht war, auf dem sie den (sehr relativen) Erfolg ihrer bisherigen Projekte erreichten. Es ist nicht viel, was "Speak And Destroy" von "Word Supremacy" unterscheidet, schon der Zweitling war beispielsweise 22 Tracks lang. Und trotzdem meisterten die Perils es noch wesentlich besser, ein ganzes Album zu kreieren, ihre Film-Samples wohldosiert und angemessen einzusetzen, die eigentlich von Beginn ihrer Karriere an gegebene Eintönigkeit zu verstecken. Bei "Speak And Destroy" will dies alles nicht so recht zusammenspielen, das Resultat ist ein anstrengendes, viel zu langes Album, das sich am Stück kaum hören lässt und das man lieber auf die bessere Hälfte gekürzt hätte.

4.2 / 10

Sonntag, 26. August 2012

Mac Miller - Blue Slide Park


Release Date:
08. November 2011

Label:
Rostrum Records

Tracklist:
01. English Lane
02. Blue Slide Park
03. Party On Fifth Ave
04. PA Nights
05. Frick Park Market
06. Smile Back
07. Under The Weather
08. Of The Soul
09. My Team
10. Up All Night
11. Loitering Album Only
12. Hole In My Pocket
13. Diamonds & Gold
14. Missed Calls
15. Man In The Hat
16. One Last Thing

Review:
Es ist interessant und oftmals hochgradig unverständlich mitzuverfolgen, wie ein Hype entsteht. Dem distanzierten Rap-Analytiker wird eine logische Rechtfertigung eines solchen mitunter schier unmöglich erscheinen. Im Falle Mac Miller mag es ein gewisser Identifikationsfaktor bei einem bestimmten Zielpublikum sein, vielleicht ist es auch das banale Verlangen einer Musikszene nach solchen, in regelmäßigen Abständen auftretenden Hypes - im letzteren Fall wäre der aus Pittsburgh stammende Malcolm McCormick ein Armutszeugnis bzgl. der Auswahl interessanter und einzigartiger Newcomer. Doch wie auch immer, Mac hat es mit (seit seinem fünfzehnten Lebensjahr betriebener) harter Arbeit geschafft, 2010 mit einem Mixtape ("K.I.D.S.") seinen Hype zu befeuern, im Folgejahr muss das Album "Blue Slide Park" zeigen, ob der zu dieser Zeit 19-Jährige den Erwartungen gewachsen ist.
WRITTEN FOR Rap4Fame

 Der Erfolg gibt ihm jedenfalls Recht (mit seinem auf Rostrum, auf dem außerdem Nachbar Wiz Khalifa residiert, veröffentlichten Debüt ist er seit dem Dogg Pound 1995 der erste Künstler, der komplett independent an die Spitze der Charts geschossen ist), die musikalische Qualität ist damit allerdings noch lange nicht gesichert. Zuerst gilt es vielleicht zu notieren, wie wenig sich Mac Miller von diversen anderen Trend-Künstlern der jüngeren Zeit abhebt bzw. wie sehr er den Durchschnitt einer solchen, entsprechend gewählten Menge bildet. Das startet bei seiner Person selbst: Dass ein junges Alter eine ausreichende, albumfüllende Lebenserfahrung nicht ausschließt, zeigen immer wieder Künstler, Mac jedenfalls ist als sehr durchschnittlicher Kerl mit einem nicht gerade weitläufigen geistigen Horizont nicht die Anlaufstelle für lyrische Erleuchtungen - Party, Frauen, reichlich Gras und das nötige Geld zur Finanzierung sind die Dinge, die Mac bewegen. Das ist an sich noch nicht verkehrt, doch selbst in der Weise, wie diese 08/15-Themen vorgetragen werden, vermisst man jegliche Besonderheiten: Miller ist nicht bemerkenswert frech, vulgär, explizit, aber auch nicht verhalten oder gezügelt. Ähnlich sieht es auf rap-technischer Ebene aus, denn er klingt wie der 19-jährige Weiße, der er ist, ohne dabei durch jedwede Flow-Finessen seine Sonderstellung als eines der derzeitigen Epizentren des medialen HipHop-Interesses zu rechtfertigen - eher im Gegenteil, denn mit seiner bübischen Stimme und seiner etwas unsteten Art kann der kleine Mac schnell anstrengend werden. Die Beats (vorwiegend von ID Labs geschustert) erklären übrigens in ähnlich geringem Maße, woher die Begeisterung kommt, denn als Mix aus dem 2011er Pop-Rap-Standard und sehr sporadisch auftretendem True-Schooler-Einschlag gewinnt der instrumentale Gesamteindruck weder Bestnoten noch Blumentopf. Diese beinahe miserablen Grundbedingungen richten das Album jedoch noch nicht zu Tode, genau genommen findet sich immer noch eine recht hohe Zahl sehr genießbarer Stücke - wenngleich die Komplementärmenge etwa gleichmächtig ist. Das nach zahnlos-vergessenswertem "English Lane" vorgetragene "Blue Slide Park" (im Übrigen der Name des Parks, in dem McCormick nach der Schule regelmäßig abhing) gibt einen forschen Abriss über das, was es über Mac Miller zu erzählen gibt (was wiederum recht überschaubar ist). Später ist es das vom sehr angenehm-beruhigenden Instrumental "Hole In The Pocket" eingeleitete "Diamonds And Gold", das Miller's Storytelling dank des Beats in ein gutes Licht rückt. Zu jenem Zeitpunkt ist das Fehlen jeglicher Features allerdings ein nicht unbedeutender Faktor - für gesungene Hooks hätte man sich getrost Unterstützung von außerhalb einholen können. Noch unerfreulicher sind jedoch Stücke wie das eindimensionale "My Team", in dem der ebenfalls zur Zeit angesagte Produzent Clams Casino gar nicht gut aussieht, während die Vorstellung von Miller's "Team" äußerst uninteressant verläuft. Davor wird den Hatern im für Miller zu hektischen "Smile Back" der Mittelfinger unter die Nase gehalten und es wird sich erfolglos daran versucht, The 45 King's "900 Number"-Break als Party-Hymne zu inszenieren. Was dann noch verbleibt ist nicht mehr viel und hält sich mehr oder weniger die Waage, vom Störenfried "Loitering" bis zum abschließenden "One Last Thing", bei dem Clams Casino diesmal auftrumpft und die durchschnittlichen Raps ansprechend umrahmt.

Mac Miller kann nicht besonders viel, er hat nicht einmal eine besonders ausgeprägte Persönlichkeit und schon gar kein herausragendes Solodebüt, weswegen kein logischer Schluss in einer Nummer-Eins-Platzierung endet. Trotzdem oder vielleicht genau deshalb darf der Junge aus Pittsburgh beachtlichen Erfolg genießen. Wer das (zu Recht) nicht ganz nachvollziehen kann, der sollte die Sache mit der Gleichgültigkeit, mit der sich auch schon die unzähligen Blitz-Hypes davor aussitzen ließen, angehen, denn es besteht eine gute Chance, dass die Hähne nicht lange nach Mac Miller krähen, da "Blue Slide Park" zwar kein schlechtes Album, in so vielerlei Hinsicht allerdings nur absoluter Durchschnitt ist, dass die meisten es wohl bald verdrängt haben werden.

4.9 / 10

Samstag, 28. Juli 2012

Statik Selektah - Population Control


Release Date:
25. Oktober 2011

Label:
Showoff Records / Duck Down Records

Tracklist:
01. Population Control (Feat. Sean Price & Termanology)
02. Play The Game (Feat. Big K.R.I.T. & Freddie Gibbs)
03. Groupie Love (Feat. Mac Miller & Josh Xantus)
04. New York, New York (Feat. Styles P, Saigon & Jared Evan)
05. Sam Jack (Feat. XV, Jon Connor & The Kid Daytona)
06. Never A Dull Moment (Feat. Action Bronson, Termanology & Bun B)
07. You're Gone (Feat. Talib Kweli, Colin Munroe & Lil Fame)
08. They Don't Know (Feat. Pill & Reks)
09. Down (Feat. Push! Montana & LEP Bogus Boys)
10. Let's Build (Feat. Chace Infinite, JFK, Mitchy Slick & Wais P)
11. Smoke On (Feat. Dom Kennedy & Strong Arm Steady)
12. The High Life (Feat. Kali, GameBoi & Chris Webby)
13. Half Moon Part (Feat. Skyzoo, Chuuwee & Tayyib Ali)
14. Black Swan (Feat. Nitty Scott MC & Rapsody)
15. Harlem Blues (Feat. Smoke DZA)
16. Gold In 3D (Feat. STS & Dosage)
17. Damn Right (Feat. Joell Ortiz & Brother Ali)
18. Live & Let Live (Feat. Lecrae)
19. A DJ Saved My Life (Feat. DJ Premier, DJ Babu, Scram Jones & DJ Caze)



Review:
Ganz gleich, wie sehr man ihn und seine Arbeit nun schätzt, Statik Selektah scheint der Arbeitswut verfallen wie kaum ein anderer. Vielleicht hat er den Plan gefasst, von jedem halbwegs bekannten Rapper respektiert zu werden, jedenfalls umfassten die letzten eineinhalb Jahre seit seinem dritten Producer-Album ("100 Proof: The Hangover") so viele andere Projekte, dass man sich direkt wundern muss, wieso nun bereits das vierte Album an den Start geht. Da war 1982, zwei schnelle Kollabos mit Freeway bzw. Freddie Gibbs, ein wenig beachtetes Album mit Freddie Foxxx und schon bald eine heiß erwartete Zusammenarbeit mit Action Bronson, während er ganz nebenbei seine Beats bei diversen bedeutsamen Künstlern unterbringen konnte. Ob diese Materialflut noch genügend Sorgfalt für "Population Control" zuließ, muss sich erst zeigen.



WRITTEN FOR Rap4Fame

 Immerhin arbeitet Statik - mit Unterbrechungen - schon seit einem Jahr an seinem Viertling, wohingegen die vorigen Alben in ein paar Monaten im Kasten waren. Weniger verwunderlich ist die Anzahl der Gäste, wobei man schnell feststellt, dass es diesmal nicht um die größten Namen geht: Da es in letzter Zeit und speziell im beinahe verstrichenen Jahr wieder eine Unzahl an Newcomern gab, will Statik Selektah dem durchschnittlichen HipHop-Hörer Hilfestellung und leisten und mit "Population Control" klären, wer Statik's offizielle Zulassungsbescheinigung erhält. Etwas vermessen, aber gut, einige der angesagtesten Jungspunde hat er schließlich wirklich aufgereiht. Ein Top-Album sollte man deswegen keineswegs erwarten, Statik war seit jeher kein besonderer Beat-Bastler und die Quote an Brettern, die regelmäßig aus seiner Schmiede entsteigen, verteilt sich inzwischen auf zu viele Projekte - dazu kommen zahllose Niemande in der Tracklist, bei denen sicher nicht jeder einen vernünftigen Geschmack bei der Beat-Wahl aufweisen wird. In etwa so läuft der Hase dann auch, tatsächlich machen sich schnell Ermüdungserscheinungen ob des enormen Outputs des Bostoner Producers breit, was im Klartext heißt: Unter diesen 19 Stationen gibt es etliche, die man sofort wieder vergessen hat. "Groupie Love" ist ein solcher Fall, eine vollkommen zahnlose Nummer mit dem hier schwer austauschbaren Mac Miller, der nur noch vom Gesang Josh Xantus' übertroffen ("That groupie love - it's lots of fun" - ach wirklich?) wird. Ordentlich krachen lässt Statik es diesmal nämlich nicht; wie sehr Action Bronson (hinter den man sowieso keinen Termanology setzen sollte) in "Never A Dull Moment" vom etwas berechenbaren Klavier-Geklimper restringiert wird, spricht Bände (und ist übrigens nicht die beste Werbung für "Well Done"). Auf der Suche nach dem, an was es sich zu erinnern lohnt, bleibt man erstaunlicherweise bei "New York New York" hängen, einem der ausgelutschtesten Song-Konzepte, das durch seine Trompete, den lockeren Vibe und Saigon's Flashbacks zwar immer noch keine Offenbarung, aber doch recht hörenswert ausfällt. Direkt im Anschluss treiben Hörner "Sam Jack" so gut an, dass die großspurigen Zeilen mit zahlreichen Querverweisen zum Namensgeber funktionieren. Weiter hinten sind es Stücke wie "Half-Moon Part" oder "Harlem Nights", die in ihrer ordentlichen Ausführung wenig Kritik zulassen, aber irgendwo doch etwas zu charakterlos bleiben, um Akzente zu setzen. Darum bemüht ist "Black Swan", Statik flippt hierfür (keineswegs als erster) Vigrass & Osborne, seine zwei weiblichen Starterinnen vermögen herauszustechen. Das schafft ein Brother Ali mit links, wobei auch "Damn Right" irgendwie die Handbremse nicht völlig löst. Kweli manövriert zusammen mit einer völlig themenfremden Hook und einem Lil Fame, für den in billigster Weise der altbekannte Mountain-Drum-Break eingeworfen wird, durch "You're Gone", "The High Life" räumt zu Unrecht einigen (teils sehr jungen) Nonames Platz ein, der christliche Rapper Lecrae hat mit einem mittelmäßigen Beat zu kämpfen, während K.R.I.T. und Gibbs das eher unauffällige "Play The Game" in trockene Tücher bringen.

 Es ist das alte Problem: Das Album selbst hat zu viele Gäste und zu viele Einflüsse, um nicht zusammengewürfelt zu klingen, noch dazu ist Statik ohnehin nicht der Mann, der 19 Tracks am Stück heiß auftischt, hier hat er außerdem nicht seine beste Ware am Start. Insgesamt fehlt ein wenig der Zug, vor allem relativ zu ihrer Länge schippert die Platte zu gemächlich vor sich hin. Seine Stellung als Knotenpunkt in der Szene wird Statik Selektah trotzdem weiter ausbauen, doch wer "Population Control" wegen seiner Features in Erwägung zieht, sollte sich bewusst machen, dass fast keine der Kombos so stark klingt wie vielleicht auf dem Papier. Das Album ist, wie zu erwarten war, ordentliches Ostküsten-Standard-Futter ohne große Mängel, leider aber ohne große Highlights, zu denen Statik durchaus in der Lage gewesen wäre.

4.9 / 10

Montag, 23. April 2012

Pitch Black - Pitch Black Law


Release Date:
10. Februar 2004

Label:
Universal Motown Records / Travio Records

Tracklist:
01. Pop Off
02. Shake That
03. It's All Real
04. Recognize
05. Geechy
06. To Be The Best
07. My Life
08. R You Ready 4 This (Feat. Busta Rhymes)
09. Go Hard Play Hard
10. Got It Locked (Feat. Foxy Brown)
11. Good Times (Feat. St. Juste)
12. Stop My Team
13. N.Y.C. (Bonus)

Review:
Die Geschichte von Pitch Black klingt fast so, als wäre sie erfunden: Bereits 1994 begründen Zakee, Devious, G.O.D., Fast und D.G. aus Bushwick bzw. Gowanus (Brooklyn) nach einer Cypher die Gruppe und nehmen mit einem gewissen Rick Black erste Tracks auf. Der ist mit den Beatminerz unten, was man unleugbar in einem Track wie dem 1995er "Hold Me Down" hört. Zwei Jahre später kann man mit einer Geldspritze das eigene Label Travio gründen und weiter am Ball bleiben - neben einigen Singles eröffnen PB vor allem Shows für die ganz Großen der Szene und knüpfen dementsprechend reihenweise Kontakte. So landet man 2002 bei Universal, wo von Unterstützung allerdings erst einmal nicht die Rede sein kann. PB nehmen ihr Album selbst auf und drehen sogar ein Video in Eigenregie. Erst als dieses mit viel Glück in der BET-Rotation landet und ordentlich Wellen schlägt, interessieren sich die Chefs bei Universal für das Quintett. Doch zu früh gefreut: Label-interne Streitigkeiten zwischen den Universal-Köpfen und Motown-CEO Kedar Massenburg, der quasi für PB bürgt, sorgen dafür, dass die fünf pünktlich zum Release von "Pitch Black Law" und der zweiten Single den Rückhalt und die Promo verlieren.


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 Das mag nicht zuletzt ein Grund sein, wieso das Album heute kaum noch Erwähnung in den HipHop-Annalen findet, denn an den restlichen Komponenten auf dem Papier kann's kaum gelegen haben. Genau genommen ist das, was die fünf dank ihrer jahrelang gesammelten Connections hier zusammentrommeln, ein Lineup, bei dem 2004 eigentlich dem Großteil der Rap-Gemeinde (gemessen am Bekanntheitsgrad der Truppe) Augen und Ohren aufgehen sollten: Unter den wenigen Gästen finden sich Busta Rhymes und Foxy Brown, hinter den Pulten dürfen Größen wie DJ Premier, Nottz oder Swizz Beatz mischen. Die oben erwähnte Vorab-Single, die mit ihrem schönen Video den Hype erst ermöglichte, ist übrigens das vom Premo produzierte "It's All Real", im Jahr 2003 nochmal ein aufbäumendes Meisterwerk und fraglos in jüngerer Zeit eine der besten Arbeiten des legendären Produzenten (natürlich mit dem klassischen zusammengecutteten Chorus), die vier der fünf Emcees mit so lebendigen Rhymes versehen, dass man zu Recht hoffen konnte, hier ein belebendes Element in Sachen New-York-Streetrap vor sich zu haben:

"They gon' have to mention me among the best eventually
Pitch Black's the group of the century
I ain't tryin to see death, disease or the penitentiary
When the smoke screens fade, the charade's played
Nothing remains but the foundation we layed, it's real
Destroy and build, my feelings: kill or be killed
Play around, we spraying rounds, I lay you down
No doubt you don't know what it's about
You think you're spitting game but the game spit you out
So you ain't innovating you're regurgitating
Poisonous thoughts, doing dirty work for Satan
I leave you so scarred, your corpse rock hard
Your arms are too short to box with God
And it's all real
"


 Große Töne werden da also gespuckt, die der Rest des Albums leider kaum rechtfertigen kann. Anscheinend hat man das Album ja ohne Zutun der bösen Geier in den oberen Etagen aufgenommen, doch wahrscheinlich meldete sich Kedar Massenburg das eine oder andere Mal mit einem guten "Ratschlag", denn das kompromisslose und verhoffte Street-Album ist das sicherlich nicht: Was beispielsweise die arg müde bouncende Party-Nummer "Geechy" zu erreichen gedenkt, bleibt ein Rätsel. Dann sollte man doch eher schon zu "Shake That" greifen, das man in bester Swizz-Manier (inklusive konstanten Zwischengelabers und Hook) entweder verabscheut oder akzeptiert. Die fünf Emcees selbst machen in jeder Lage keine schlechte Figur, wenngleich keiner je zum Solostar werden könnte, denn das Auseinanderhalten fällt selbst nach intensiver Auseinandersetzung schwer (lediglich D.G. setzt sich stimmlich klar ab). Auf dem lyrischen Plan steht die übliche Kost, von Punchlines zum zu erwartenden Alltag in den Straßen Brooklyns. Dazu gehört auch eine Nummer wie das softe "Good Times", das wie schon Cube's "It Was A Good Day" wunderbar ans Ende eines Tages passt und zudem von St. Juste noch gefühlvoll abgerundet wird. Das lässt sich leider nicht jedem Song attestieren: Im eröffnenden "Pop Off" passiert herzlich wenig, die Ausführungen über "My Life" sind Beat-technisch keine von Teddy Riley's Glanztaten, genau am selben Fleck ordnet sich das ähnlich platte "Go Hard Play Hard" ein und das grauenhafte "Recognize" (das mal wieder demonstriert, wie schlecht Hooks im HipHop-Genre sein können) gewinnt todsicher nirgends einen Blumentopf. Auf der anderen Seite wirft sich ein gut aufgelegter und hypender Busta Rhymes in die Waagschale und "To Be The Best" demonstriert, wie ungeschmückter und doch griffiger Street-Sound sich angemessen mit den selbstbewussten Rhymes des Quintetts hätte paaren können. Schließlich ist da ja außerdem noch Premier mit seinem zweiten Beitrag, der zeigt, dass der Meister es wirklich gut mit den Jungs gemeint haben muss, denn "Got It Locked" ist wieder ein Volltreffer, der mit seinen Streichern direkt an die ausgehenden 90er erinnert, genauso gut klingt und mit einer rauchig spittenden Foxy bestens besetzt ist.

Der zweite Grund, warum dieses Album langfristig so unbekannt blieb, ist schlichtweg in der fehlenden Klasse der Scheibe begründet. Man muss es mit viel Enttäuschung feststellen, da man den Jungs nach ihren Entbehrungen auf Universal von ganzem Herzen einen durchschlagenden Erfolg gewünscht hätte, doch Pitch Black kränkeln mit ihrem Debüt mit denselben Symptomen wie viele NY-Releases jener Zeit. Beizeiten mag man sogar denken, hier sei nur ein Album um die Erfolgs-Single "It's All Real" aufgebaut worden, doch für einige weitere Leckerbissen hat es dann doch noch gereicht. Erwähnenswert ist noch, dass die Qualitätsvarianz recht hoch ist, es also vor allem Nieten und Treffer gibt. Letztere bieten dann auch wirklich den schönen Klang der Straßen Brooklyns, den man auf "Pitch Black Law" gerne durchgehend gehört hätte.

5.0 / 10

Styles P - Master Of Ceremonies



Release Date:
04. Oktober 2011

Label:
eOne Music

Tracklist:
01. How We Fly (Feat. Avery Storm)
02. We Don’t Play (Feat. Lloyd Banks)
03. I'm A Gee (Feat. Rell)
04. Ryde On Da Regular
05. Keep The Faith (Feat. Aja)
06. Children (Feat. Pharoahe Monch)
07. Street Shit (Feat. Sheek Louch)
08. Feelings Gone
09. Harsh (Feat. Rick Ross & Busta Rhymes)
10. It's Ok (Feat. Jadakiss)
11. Don't Turn Away (Feat. Pharrell)
12. Uh-Ohh (Feat. Sheek Louch)

Review:
Da sämtliche Anläufe, als LOX mal wieder ein Lebenszeichen von sich zu geben, im Sand verlaufen sind, dackeln die drei Mitglieder weiterhin um Relevanz kämpfend durch die Szene und sind dabei so sehr zu Hintergrundfiguren verkommen wie wenige andere. Immerhin kann man regelmäßig mit guten Features (auf den Alben derzeit angesagter Leute) rechnen, von denen auch Styles ein paar verbuchen konnte. Abgesehen davon gab es Street-Alben wie die gar nicht so schlechte Kollabo mit Green Lantern, sogar als Schreiberling veröffentlichte der Ghost 2010 seinen ersten Roman, ein zweiter soll folgen. Außerdem ist er immer noch auf eOne gesignt und macht sich 2011 daran, sein viertes Album, "Master Of Ceremonies", zu veröffentlichen.

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 Ein nichtssagenderer Titel hätte höchstens "The Album" sein können, auch die weiteren Komponenten und Beteiligten sagen nicht viel darüber aus, was Styles im Gepäck hat. Lediglich eins sollte wohl klar sein: Bei einem solchen Albumtitel wird es wahrscheinlich keine Blödeleien, Schmuselieder oder Chart-Ambitionen geben, denn wenn schon auf den MC-Aspekt geachtet wird, bleibt Styles mit einiger Sicherheit "real". Das zumindest ist anzunehmen, doch was "How I Fly" in den ersten drei Minuten des Albums veranstaltet, ist höchstens peinlich. Warren G (ja, Warren G) quietscht sich mit einem zahnlosen Beat durchs Bühnenbild, Avery Storm sitzt dem Ganzen mit einer Hook auf, die man schon vergessen hat, während sie noch spielt. Da hätte Styles eigentlich auch zuhause bleiben können, zu retten ist da nichts mehr, auch nicht mit einer Anlehnung an "Good Times", in der Styles als Hustler und Stoner auftritt. Als Steuermänner an den Reglern gewinnt er im Verlaufe des Albums (neben vorwiegend Hintergrundfiguren und Unbekannten) araabMUZIK, Statik Selektah und sogar Pete Rock. Das Ergebnis lässt sich ganz einfach zusammenfassen: Dieses Album hat ein Problem mit seiner Produktion. Styles an sich steht als solider Emcee vor allem für Routine und konstante Leistung, auch seine Gäste (nicht wenige an der Zahl) sind zumeist eine Bereicherung. "Zumeist" wohlgemerkt, mit Lloyd Banks im himmelschreienden "We Don't Play" ist die Ausnahmne gefunden, die inzwischen unangenehm heisere Stimme das Gorillas hätte kaum auf einem schlechteren Track platziert werden können. Damit ist der verpatzte Start ins Album perfekt, die austauschbaren Hood-Raps helfen nämlich ebensowenig weiter. Glücklicherweise kommt der Ghost im Anschluss in die Gänge und schwenkt zudem sogar zu etwas Sozialkritik (oder zumindest einer ernsten Betrachtungsweise der Lebensverhältnisse im Ghetto) über. Der Vorzeige-Track ist dabei "Children", das wie einst "The Life" P-Monch für die Hook engagiert, mit Pete Rock's schnörkelloser Untermalung einen Volltreffer landet und dabei besorgt auf die heutige Jugend blickt. Die Spitze des Bergs ist damit erreicht, Überraschungen warten kaum noch. "Don't Turn Away" geht als solche durch, Reefa's ausfüllendes, elegantes Instrumental und Pharrell's Hook zeigen den Gangster-Gentleman-Hybriden von seiner nonchalanten Seite. Und da sind noch weitere Pluspunkte: "Harsh" ist (mit einem hungrigen Busta in der Hook) ein Eastcoast-Kopfnicker aus dem Lehrbuch, "I'm A Gee" ein gefühlvoller Blick auf das harte Straßenleben, den davon Betroffenen wird in "Keep The Faith" Mut gemacht. Der Rest der Scheibe ist leider nicht mehr groß der Rede wert: Es findet sich zu viel Mittelmaß (ein gutes Beispiel ist araabMUZIK mit seinem standardmäßig ausgekleideten Piano-Loop in "Ryde On Da Regular") und in "It's OK" sogar noch hartnäckiger Sondermüll.

"Master Of Ceremonies" ist vor allem der Beweis, dass der Welt im Moment mit der ausbleibenden LOX-Reunion in Albumformat nicht wirklich etwas entgeht. Was Styles P zu einem Album zusammenbindet hat in sehr ausgeglichenem Maß Höhen, Tiefen und Mittelmaß und vermisst insgesamt jegliche Charakteristika, die es vom alltäglichen NY-Release dieser Tage abheben könnten. Eine ernüchternde Erkenntnis, die immerhin Hand in Hand mit dem Wissen geht, dass Styles selbst auf seinem Album den souveränen Eindruck eines Routiniers hinterlässt. Als Solokünstler wird er wahrscheinlich nie Großtaten vollbringen, was auch "Master Of Ceremonies" wieder belegt; auf ein neues LOX-Album (natürlich mit drei beherzten MCs) am Sankt-Nimmerleins-Tag darf man trotzdem weiter hoffen.  
4.9 / 10

Sonntag, 9. Oktober 2011

Sound Survivors - P.E.A.C.E. (Pure Energy Allows Constant Elevation)


Release Date:
23. September 2011

Label:
Rapublik Records / MKZwo Records

Tracklist:
01. The Arrival
02. P.E.A.C.E. (Feat. Shogun Of Dark)
03. 123
04. Ma Soul (Feat. Craig G)
05. Hold You
06. Weltkrieg V3.0 (Bonus)
07. Last Hill (Feat. Tos El Bashir)
08. Light Travel (Feat. Constant Elevation & 9th Scientist)
09. Who Can Help Us?
10. Gloomy Days (Feat. Aslaam Mahdi)
11. Lost Hill State Of Mind (Bonus)

Review:
Während in der heutigen Zeit viele Künstler vor der Entscheidung stehen, ein Album ausschließlich digital zu veröffentlichen oder CDs pressen zu lassen, haben die Sound Survivors die Eier, ganz gepflegt auf CDs zu pfeifen und ihr neues Projekt neben der digitalen Form lediglich auf Vinyl (als Anreiz fürs sammelnde Junkie-Zielpublikum sogar in spezieller, transparenter Form) zu veröffentlichen. So hielt man das schon bei den letzten beiden Veröffentlichungen, den ebenfalls auf Rapublik erschienenen "Tree Of Life" (mit Invincible Temple) und "Working Class Heroes", das neue "P.E.A.C.E." soll als die vorerst letzte (HipHop-)Platte in dieser Art erscheinen, für die übrigens Mitglied Marabou das Cover-Logo auf einer Reise nach China zeichnete.

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Am Gemütszustand der deutsch-französischen Truppe hat sich kaum etwas geändert, auch Aufstellung und Aufgabenverteilung funktionieren so wie früher, beispielsweise auf "Boom Bap Blues". Tom Select schustert immer noch alle Beats und die bereits bekannte Blickrichtung, die aus dem Titel des eben genannten Albums ersichtlich ist, gibt noch immer den Ton an. Genau genommen soll "P.E.A.C.E." sowieso nur eine Art Überbrückung bis zum nächsten vollwertigen Album sein, weswegen es abzüglich der Bonus-Tracks fast EP-Format hat. Wie schon klar auf dem Cover zu erkennen begeben sich die Sound Survivors ins Feld der so beliebten Apronyme: "Pure Energy Allows Constant Elevation" ist die Devise, weswegen im Pressetext gleich einmal die innere Energie des Menschen an die physikalische Einheit angehängt wird. Das ist mäßig sinnvoll, doch mit esoterischen Blödsinnsweisheiten wird im Albumverlauf glücklicherweise niemand behelligt. Vielmehr regieren wieder Texte, die gesunde Belesenheit und überdurchschnittlichen Wortschatz zur etwas unfokussierten Grundaussage bündeln, welche schon vom eröffnenden Sample Howard Beales aus "Network" (das den Großteil von "Arrival" ausmacht) zusammengefasst wird: Die Massen sind dumm und unmündig, man befindet sich in einem Dämmerzustand. Zwar sehen sich die Sound Survivors als Weise, die jene Massen adressieren, Patentlösungen gibt es allerdings keine. Die innere Energie des Menschen hat nämlich nichts mit jener aus der Wärmelehre zu tun, wie die konstante Elevation zu erreichen ist, wird nicht klar. Doch dies nur nebenbei, denn abgesehen davon sind die Texte wieder einmal wesentlich unterhaltsamer als bei vielen anderen Künstlern. Dabei ist immer noch keiner der Akteure ein Rapper der Spitzenklasse, die gemächlichen Flows geben aber auch keinen Anlass zur Kritik. Was allerdings kritisiert werden kann ist der Umstand, dass auch die Beats in diesem gemächlichen Tempo ihren Boom Bap Blues spielen und die LP so teils etwas träge daherkommt: Der Titeltrack "P.E.A.C.E." dient hier als Beispiel, wobei Gast Shogun Of Dark ebenfalls keine Abhilfe schafft. Auch "Weltkrieg V3.0" ist nicht schlecht, aber produktionstechnisch nicht unbedingt lebendig genug, um es von der "Boom Bap Blues" für einen zweiten Auftritt hierauf zu bitten. Sich des Weiteren Ayatollah's "Hold You" auszuleihen ist gewagt und kann gegen das Masta-Ace-Original nicht bestehen, wenngleich man sich nicht schlecht schlägt. Jedenfalls besser als im trist produzierten "Ma Soul" mit Lou Sparks zu Beginn und standardmäßigen Salven gegen schlechte Rapper von Craig G. Mit der B-Seite wird das Album dann besser, vor allem "Light Travel", das sein langsames Tempo erstmals richtig ausnutzt, und das in seiner Drumline vom Rest der Scheibe gelungen abweichende "Who Can Help Us?" fahren Pluspunkte ein. Es stellt sich dann noch die Frage, wieso man mit "Lost Hill Sate Of Mind" Nas' Klassiker neu interpretieren musste, ansonsten kommt man zu einem Ende ohne weitere Fehltritte.

Das größte Problem, das die Sound Survivors selbst verschulden: "P.E.A.C.E." klingt streckenweise eher wie ein Mixtape. Da wird einmal ein Beat gejackt, ein Klassiker kopiert und ein Track vom "Boom Bap Blues"-Album ans Ende der A-Seite gesetzt (Bonus-Track hin oder her). Da außerdem bei den restlichen Beats keine Offenbarungen warten (sondern stattdessen an einigen Stellen Langeweile) und weder Sound Survivors noch Gäste als Rap-Lichtgestalten glänzen, verbleiben als größtes Aushängeschild die Lyrics, die selbst Battle-Raps interessant machen. Wer also genau darauf aus ist, der darf nach "P.E.A.C.E." Ausschau halten, alle anderen können das Werk als optionale Anschaffung betrachten, sollten aber im Zweifelsfall eher zu "Boom Bap Blues" greifen oder auf das nächste Album warten.

4.8 / 10

Freitag, 23. September 2011

Madlib & Frank Nitt - Medicine Show No. 9: Channel 85 Presents Nittyville


Release Date:
31. Mai 2011

Label:
Madlib Invazion

Tracklist:
01. Nittyville (The Landing)
02. So Beautiful (Dues Paid)
03. Stageridin'
04. Smoke Theme For Dankery Harv
05. Jus' Follow
06. The Exclusive (Bar Scene) (Feat. The Professionals)
07. Eyegotcha
08. Legalize It (Interlude)
09. Sunday Sinema
10. What Can U Tell Me (Feat. Medaphoar)
11. The Truth (Interlude)
12. Red Light Green
13. Go There
14. Set It Off (Feat. Prime)

Review:
Das Projekt, das Stones Throw bzw. Madlib über sein eigenes Madlib Invazion für das Jahr 2010 ankündigte, war für den normalen Rap-Hörer eigentlich schon zu viel: jeden Monat ein Album, jeden Monat ein neues Konzept. Von Brazilien in die Neunziger bis hin zum Yesterday's New Quintett ging die fast ausschließlich instrumenale Reise durch die weiten Hallen in Madlib's Oberstübchen. Ganz eingehalten wird der Zeitplan dann aber doch nicht, chronologisch exakt läuft es ebenfalls nicht ab, denn im Frühling 2011 stehen noch der zwölfte und der neunte Teil aus, zweiterer ist zusammen mit dem Detroiter Frank Nitt geplant, der wiederum als Teil von Frank-N-Dank aus dem Dilla-Umfeld geläufig sein dürfte.

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Wie Madlib nun dazu gekommen ist, ausgerechnet Frank Nitt(y) für das einzige Zwölftel seiner Mediziner-Party, das durchgehend mit Raps bedeckt ist, heranzuziehen, wissen die Götter, an den außergewöhnlichen Rap-Skills kann es nicht liegen. Vielleicht hat das Mastermind aus Oxnard einfach nur ein Faible für Detroit-Rapper. Jedenfalls wird "Nittyville" als eine Art Konzeptalbum vorgestellt, das als Fernseh-Show auf Channel 85 läuft. Von diesem Konzept bekommt man letztlich aber wenig mit, denn weder Madlib noch Frank machen sich die Mühe, es in Szene zu setzen, sieht man einmal von den paar Interludes ab, die vorwiegend Blaxploitation-Samples wälzen. Was genau hat man dann hier eigentlich vor sich? Kein großes Kollabo-Werk wie etwa "OJ Simpson", vielmehr eine Art Street-Album, die von Stones Throw selbst als traditionellster der zwölf Teile angepriesen wird. Wie genau die Aufnahmen abliefen, ist dabei gar nicht mehr allzu wichtig, denn schnell macht sich die Erkenntnis breit, dass Nitty nicht der Mann für ein ganzes Album ist. In seiner Performance unauffälliger Durchschnitt und inhaltlich praktisch ohne Nährwert konnte er sich zusammen mit Dankery Harv immer ganz gut halten, hier allerdings verliert er nach einiger Zeit die Aufmerksamkeit des Hörers. Daran trägt er allerdings nicht die alleinige Schuld, denn was Madlib, der mit seinem monströsen Output die Szene ohnehin flutet und übersättigt, hierfür abgestellt hat, ist nicht "traditionell", sondern oft einfach langweilig. "So Beautiful" legt noch mit einem gesunden Zahn los, doch schon bei "Stageridin'" beginnen die Probleme: Die Produktion hoppelt ohne Biss vor sich hin, teils bis zur Unkenntlichkeit von einer Weed-Rauchwolke verschleiert. Die Markenzeichen von Madlib sind eben auch keine Selbstläufer, das Aneinanderschnipseln diverser Samples aus Film und Fernsehen zwischen eigenwilligen Loops endet hier u.a. in Songs wie "Eyegotcha", die den Ausdruck "Hintergrundmusik" definieren könnten. Zeilen wie "You know me, Young Nitty, and I run the streets fluently / And fuck the chaos theory, I'm looking for congruency" helfen da auch nicht weiter. Zum weiteren Leidwesen hält man sich mit Gästen eher zurück, "What Can U Tell Me" und "The Exclusive" gefallen aber nicht nur mit der Abwechslung, die ihre Gäste (MED bzw. Oh No und Madlib als The Professionals) mitbringen, sondern sind prompt auch etwas aufgeweckter produziert. Ansonsten passiert nicht mehr viel, Madlib zeigt hier und da die Vielseitigkeit seiner Sample-Quellen, gibt der LP mit seinen Interludes zusätzlichen Zusammenhalt und kann sich gegen Ende hin nochmal etwas steigern, mit "Go There" oder "Set It Off" dem Album als Ganzes aber auch keine gravierende Qualitätsspritze mehr verpassen.

Der erste Fehler war, Frank Nitt für die volle Spielzeit zu verpflichten. Natürlich macht Madlib es sich selbst nicht gerade einfach, wenn er bei einem Dutzend Alben auch eine MC-Producer-Kombo unterbringen will, die sich natürlich trotzdem den herkömmlichen Standards zu stellen hat und dabei nicht überragend abschneidet - dafür fehlen Madlib dann doch die Highlights. Was also übrigbleibt ist ein Album mit einem mittelmäßigen Emcee, der eigentlich nur innerhalb einer Gruppe auftreten sollte und der außerdem nichts zu erzählen hat, kombiniert mit einem Madlib, der beweist, dass selbst er seine Output-Rate nicht beliebig steigern kann, ohne Qualitätseinbußen hinnehmen zu müssen. Natürlich ist seine Klasse an vielen Stellen noch zu hören, trotzdem ist "Nittyville" nichts, was man in Anbetracht der breiten Auswahl an Alben mit Madlib-Produktion gehört haben muss.

4.9 / 10

Freitag, 2. September 2011

Black Rob - Game Tested, Streets Approved


Release Date:
26. Juli 2011

Label:
Duck Down Records

Tracklist:
01. Welcome Back
02. Boiling Water
03. Bumpin'
04. Can't Make It In NY
05. Showin' Up
06. Celebration
07. Wanna Get Dough
08. Get Involved
09. Sand To the Beach
10. Made Me A Man
11. Fuck 'Em
12. This Is What It Is
13. Up North
14. No Fear (Feat. Sean Price)

Review:
Im heutigen schnelllebigen Genre ist es keine Todsünde, Black Rob vergessen zu haben. Schließlich kennt man den Mann praktisch nur als Eintagsfliege, vom Anhängsel bei Bad Boy bis zu "Whoa!" und dem vollkommen untergegangenen zweiten Album 2005. Dass er seit dieser Zeit nichts von sich hören ließ hat guten Grund, schließlich war er damit beschäftigt, seinen Strafregister aufzuploieren. Nach vier Jahren Haft wird er im Mai 2010 entlassen, nur um zwei Stunden später ein Interview bei BET zu geben. Von Bad Boy trennt sich Black Rob aufgrund ausgebliebener Unterstützung, begibt sich aber sofort ins Studio und landet Ende 2010 einen Deal beim Auffangbecken Duck Down, das ein gutes halbes Jahr später dann "Game Tested, Streets Approved" veröffentlicht.

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Die Vorzeichen sprechen nicht gerade für Black Rob, denn "The Black Rob Report" war sicherlich keine Offenbarung, Rob selbst noch nie ein Ausnahmetalent und schon immer wesentlich auf das ihm den Rücken stärkende Team angewiesen. Dabei könnte man zumindest davon ausgehen, dass er mit ordentlich Feuer unter'm Allerwertesten an dieses neue (sein drittes) Album herantritt, denn den Bau verlässt er als offenbar geläuterter Mann mit guten Vorsätzen und der Erkenntnis, dass er die Chance, die sich ihm hiermit bietet, auf jeden Fall zu nutzen hat. Mit auf den Weg nimmt er nicht die größten Namen - nach vier Jahren hinter Gittern stimmen eben die meisten Handynummern nicht mehr. So findet man neben einer fast leeren Gästeliste zwar Buckwild in den Producer-Credits, großteils allerdings ein Aufgebot an jungen und unbekannten Namen, denn BR will Newcomern eine Chance geben (und hatte auf die Schnelle wohl auch nichts Besseres zur Hand). Doch wieso nicht, wenn denn die Marschrichtung der LP stimmt. Diesbezüglich amüsiert ein Kommentar des frisch Entlassenen, der sich über das Zerbröckeln der New Yorker Szene in seiner Abwesenheit beschwert und nebenbei erwähnt, er könne wieder eine Einigung herbeiführen. So weit bringt es sein neues Album natürlich nicht, wahrscheinlich kommt Rob noch weitaus weniger weit, als er sich das selbst vorgestellt hat. Denn leider ist das Gebotene viel zu berechenbar: Dass auf textlicher Ebene nicht viel passieren würde - Street-Talk und natürlich ein paar Knast-Weisheiten - war vorprogrammiert und wird genauso erwartungsgemäß, in den anständigen Flow von BR verpackt, serviert. Wo man (mal wieder) hinter den Möglichkeiten bleibt sind dagegen die Produktionen, bei denen die Vereinigung der Unbekannten kein einziges Mal wirklich aus dem Halbschatten der Austauschbarkeit hervorzutreten vermag. Mit "Welcome Back" und der verlässlichen Signatur Buckwild's geht der Spaß noch sehr ordentlich los (was hier inhaltlich passiert versteht sich von selbst), doch mit dem miserablen "Boiling Water" ist direkt klar, dass man auf durchgehende Qualität nicht setzen sollte. Dabei hat Rob mit seiner unbeschwerten Art durchaus seine Momente, etwa ist "Celebration" als lockere, leicht verdauliche Sommer-Partysause (passend dazu das Video mit Hood-BBQ) im richtigen Moment vollends zu empfehlen, doch jedem vielversprechenden steht mindestens ein Kopfschüttelmoment gegenüber: "Sand On The Beach" will wohl in den Clubs ankommen, stolpert aber schon beim Versuch, auf das schräg-gelungene "Bumpin'" kommt das total in den Sand gesetzte "Wanna Get Dough?" und die ausnahmsweise auch inhaltlich interessante, Drum-lastig und cool produzierte Ode an das harte Parkett der Heimatstadt ("Can't Make It In NY") hat mit Rob's eigenen Versuchen, sich am Produzieren zu versuchen, zu kämpfen (das etwas primitive "This Is What It Is" und die direkt folgende Kittchenversion). Dann fehlt nur noch die offizielle Legitimation als Duck-Down-Release in Form eines Sean-Price-Features und das Album ist komplett.

Das Album hat ohne Zweifel seine Momente, in denen es in die richtige Richtung geht. Wobei es sich weniger um eine Richtung als um besser produzierte Songs handelt. Denn ein roter Faden oder Konzepte sind Black Rob's Sache nicht. Wohl aber hausgemachter und authentischer Street-Talk, für den es bloß ein paar deftigere Beats gebraucht hätte. Doch die kann das unbekannte Producer-Lineup kaum aufbringen, weswegen letzten Endes die negativen Eindrücke sogar überwiegen. Rob selbst hatte Lust und lässt den Hörer das, wenngleich er keine Berge versetzt, spüren, doch musikalisch passiert auf "Game Tested, Streets Approved" wenig bis sehr wenig. Und das hat noch nie für ein gutes Album gereicht.

4.2 / 10