Posts mit dem Label 9.1 - 10 Punkte werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label 9.1 - 10 Punkte werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 15. Oktober 2013

GZA - Liquid Swords

Release Date:
07. November 1995

Label:
Geffen Records

Tracklist:
01. Liquid Swords (Feat. RZA)
02. Duel Of The Iron Mic (Feat. Inspectah Deck, Masta Killa & Ol' Dirty Bastard)
03. Living In The World Today (Feat. Method Man)
04. Gold
05. Cold World (Feat. Inspectah Deck & Life)
06. Labels (Feat. RZA)
07. 4th Chamber (Feat. Ghostface Killah, Killah Priest & RZA)
08. Shadowboxin' (Feat. Method Man)
09. Hell's Wind Staff / Killah Hills 10304 (Feat. RZA & Masta Killa)
10. Investigative Reports (Feat. Raekwon, Ghostface Killah & U-God)
11. Swordsman
12. I Gotcha Back (feat. RZA)
13. Basic Instructions Before Leaving Earth (Feat. Killah Priest)
Review:
Des RZAs großer Masterplan zum Aufbau des Wu-Imperiums ist 1995 mit den Alben von ODB und Raekwon schon voll im Gange. Doch es soll noch ein drittes hinzukommen, nämlich von GZA, der mit seinem Beinamen The Genius oft als geistiger Führer des Clans gehandelt wird. Ein wichtiger Faktor mag sein, dass er die meiste Erfahrung mitbringt und dank seiner kurzen Liaison mit Cold Chillin' schon Erfahrung und ein (zugegebenermaßen sehr unbeachtetes) Album auf dem Konto stehen hat. Also gräbt er sich Mitte des Jahres '95 im Apartment seines Cousins ein und gibt sich dem Schreiben der Rhymes des nächsten Wu-Meilensteins, "Liquid Swords", hin.
WRITTEN FOR Rap4Fame
 
 Die drei bis dato erschienenen Wu-Solos hatten alle ihren eigenen Touch, "Liquid Swords" konzentriert sich wie kein anderes auf die Essenz: Kung-Fu-Samples, martialische Beats sowie flüssig und kunstvoll aber zugleich messerscharf vorgetragene Rhymes (was den Albumtitel als importierte Metapher vollends rechtfertigt). In bester Wu-Manier umfasst das Album viele Gäste, alle aus inneren Clan-Kreisen - bei genauem Hinsehen fällt sogar auf, dass jedes Clan-Mitglied vertreten ist. Doch zuerst gilt es, die Beats und somit RZAs Arbeit zu betrachten, denn wenngleich mit 4th Disciple ein damals noch kaum bekanntes Mitglied der Wu-Elements beteiligt ist, so ist es doch wieder Robert Diggs, der Ausrichtung und Sound maßgeblich beeinflusst und als Exec fungiert. Wer dachte, das bisherige Wu-Tang-Jahr 1995 war hart, der kann seine Meinung nach "LS" in Stein meißeln: Selbst "Enter The Wu-Tang" hat Mühe, mit der Eiseskälte, die RZA einem um die Ohren bläst, mitzuhalten - unnötig zu erwähnen, dass das Gebotene nicht nur zeitlos ist, sondern auch zu dem besten gehört, was der RZA je aufgekocht hat. In dieses Setting schneidet nun der Genius ein, der nicht umsonst als Meister-Lyriker gilt: Kühl und distanziert ergeht er sich wahlweise in Battle-Rhymes oder bildhaften Umschreibungen ausgewählter Szenerien, wie etwa in "Cold World", für das Garys Cousin Life einige Stevie-Wonder-Zeilen modifiziert, während GZA einen Abriss einer eisigen Slyvesternacht in Brownsville und Red Hook offenbart: "But with iron on the sides, thugs took no excuses / Therefore, your fifty-two handblocks was useless / Links was snatched off necks, scars on throats / Jackets took, after bullet rips through coats. Seinen Anfang nimmt das Album allerdings mit einem Sample aus "Shogun Assassin", scheinbar ein Lieblingsfilm von RZA, da seine Dialoge sich als Thema durch die ganze LP ziehen. Doch so selbstverständlich klingend wie der Intro-Dialog in "Liquid Swords" gebettet wurde, klingt er so, als wäre er speziell für diesen Anlass aufgenommen worden. Der nächste Hammer wartet in "Duel Of The Iron Mic", das sowohl in seiner einzigartigen, RZA-typischen Verwendung des Piano-Loops im düsteren Rhythmus-Bett als auch in seinem Zusammentreffen der Wu-Brüder keine Verbesserungsmöglichkeiten mehr aufweist. Ein Merkmal dieser Scheibe ist die geringe Zahl (oder gar Abwesenheit) der großen Wu-Hymnen, die selbst der Dorfdepp von nebenan kennt. Dies kommt der Kohärenz und Kompaktheit der Scheibe zugute, viele der Tracks hätten auf anderen Wu-Platten mit Sicherheit keinen Platz gefunden, machen hier aber zweifelsohne Sinn und sorgen dafür, dass man sogar nach vielmaligem Hören noch Songs für sich entdeckt. Zu den offensichtlichen Highlights gehört "Shadowboxin'" mit seinem markanten Pitch-Voice-Sample und Meths starker Präsenz, vor allem aber "4th Chamber", das den vielleicht kaltblütigsten, brutalsten RZA-Beat aller Zeiten auffährt, dem noch dazu mit Ghost und KP zwei unwahrscheinlich gute Gäste beiwohnen. Weniger ins Auge stechen auf die ersten Male "Investigative Reports" mit seinen Streichern, dem guten Einsatz von News-Fetzen und U-God in der Hook, aber auch das hinter den rohen Drums versteckte Dröhnen in der Warnung vor sämtlichen "Labels", bei dem GZA (ähnlich der Tracklist auf dem Back-Cover) in einem einzigen Vers ungefähr 35 Label-Namen verbaut (Geffen eingeschlossen, was unterstreicht, dass es sich hierbei um keinen direkten Rundumschlag handelt). "Killa Hills 10304" stellt sich als Mafia-Episode mit vollem Programm - Verbrechen, Erpressung, Bestechung, Schmuggel und der explodierenden Champagner-Flasche - heraus, suchte man nach dem schwächsten Track der Scheibe, so müsste man "Swordsman" benennen. Nachdem in "I Gotcha Back", das an einen jüngeren Cousin adressiert ist, die Übel des Drogengeschäfts (geschildert am Beispiel angehender Teenager) abgehandelt werden, folgt mit "B.I.B.L.E." der krönende Abschluss - ein Gast-Track, in dem sich 4th Disciple mit dem hinreißenden Instrumental inklusive eingesampelten Kinderlachens einen Namen macht, während Priest selbiges am Mic tut und mit GZAs Zuspruch seine Sicht auf die Religion und den korrekten spirituellen Weg (den der Gods And Earths) darlegt.

Man kann nun nach dem Sinn fragen, den letzten Track einem Schützling/ Kumpel zu überlassen, doch letzten Endes trägt "B.I.B.L.E." nur zum unverrückbaren Charakter dieses Albums bei, dessen Abbild Maximilian zusammen mit Bobby Steels direkt in HipHops Mt. Rushmore meißelt. "Liquid Sowrds" ist zugegebenermaßen kein einfaches Album und eignet sich nicht unbedingt zum Einstieg in die Wu-Kreise, dafür gehört es zu jenen Alben, die man nur sehr schwer tothören kann und die einen unglaublichen Reichtum an guter HipHop-Musik zu bieten haben, die aber nicht für jeden gemacht sind. Da es mit Raekwons Erstling die qualitative Spitze der Wu-Solos ausmacht, ist "Liquid Swords" sowieso Pflichtlektüre, wie sehr man sich von der Magie der Mischung aus GZAs komplexen Reimen und RZAs unantastbaren Beats einfangen lassen will, bleibt jedem selbst überlassen.
 
9.8 / 10

Dienstag, 26. Februar 2013

Spirit Agent - Depth Perception


Release Date:
1999

Label:
Navigators Inc.

Tracklist:
01. Exit Into
02. Ultraviolet Light
03. Womanism (Feat. Seven Star)
04. Servant Of The Center
05. Bioluminescence
06. Revolt
07. Cyclist
08. Discovery of Sole
09. Mind Virus
10. Vibrance
11. Further
12. Agents
13. Enchantment
14. The Voices In My Head
15. Inciting

Review:
Richmond Heights zu Beginn der Neunziger: Während in Sachen HipHop in ganz Florida der Miami Bass regiert, erhält ein gewisser Tory Jackson von seinem Cousin Tapes aus New York, was direkten Einfluss auf den Stil des sich im Verlaufe der Dekade als Stres mit seiner Crew The All in der lokalen Untergrundszene Miamis einen Namen machenden Rapper hat. The All bestehen im Kern noch aus Plex sowie Habib The Mysti alias Uday und Equate alias Bernbiz (das hintere Duo wird später als Evolver tätig sein). Mit einer selbst finanzierten EP generiert man einen kleinen Buzz und legt damit den Grundstein der in Form von Releases dokumentierten Alternativ-Szene Miamis. Es folgt die Gründung von Navigators Inc., das als Label und Fusion aus Gleichgesinnten (im Bunde sind noch Plex' ebenfalls schon bestehende Gruppe Algorithm sowie Seven Star) als Plattform dienen soll. Erstes Release bildet "Depth Perception", das Debüt der als Spirit Agent auflaufenden Stres und Plex.
WRITTEN FOR Rap4Fame

 Eine Sache sei gleich zu Beginn festgehalten: Spirit Agent ist anders, als man es erwarten würde, wenn Heads aus Florida vom New York der Frühneunziger beeinflusst sind. Die Kombo an sich - Plex Luthor als Produzent und Stres als Rapper - ist ganz und gar gewöhnlich, doch das war's dann auch schon. Ein erster Hinweis ist der Name: Mit Spiritualität hat die Scheibe nichts zu tun, "Spirit" meint das Unperzipierte, Unformulierte, Unbekannte, das den Menschen umgibt, Stres ist der "Agent", der Übersetzer, dessen Output seine Raps sind. Dieser hochtrabenden Maxime lassen Plex und Stres aber auch direkt Taten folgen, nicht etwa in einer wissenschaftlichen Abhandlung, sondern in musikalisch-dichterischer Essenz. Hier treffen sich die kongenialen Geister eines Sound-Architekten, der sich Zeit beim Basteln seiner Beats nimmt und selbige nur auf seinen momentanen Emotionen aufbaut, um mit exklusiver, ausgefallener, unverbrauchter Arbeit aufzuwarten, und eines Poeten, der mit einem einzigartigen Stil das Protokoll tiefster Kontemplation vor dem Hörer ausrollt. "The mind wanders where logic can't solicit". Eine Kumulation unwahrscheinlich tiefgründiger Beats trifft auf lyrische Ergüsse, die sich dank bedachter Eloquenz ungemein umfassend erstrecken. Feste Themen und Songkonzepte ergeben sich dabei kaum, die Ausnahme ist "Womanism", das dem schönen Geschlecht auf noble Art schmeichelt und zum starken Beginn des Albums zählt. Doch es wird noch besser. Denn für Fehler haben Spirit Agent weder Zeit noch Platz. In ihrem bilateralen Zusammenarbeiten hatten sie kaum je etwas an dem Beitrag des anderen auszusetzen, und das aus gutem Grund. Schon mit den ersten Sekunden knospt dieses Album, nur um wenig später aufzublühen in einer sonderbar beruhigenden, meditativen Art, dem Spiegel von Plex' Gemütszustand, in dem sich Flöten, Klavier und sachte Streicher die Hand reichen, nur um Stres' Worten zu lauschen, die in nicht minder ruhiger Art gesprochen werden und dabei die Schablone von Bars und Endreimen oft links liegen lassen - das perfekte Arrangement von in Lo-Fi-Laken gebetteten Samples fordert nicht danach. So baut das Klavier aus "Cyclist" zum melancholischen, selbstreflektierenden "Discovery Of Sole" auf, fließt das ganze Album ohne die kleinste Unstetigkeit voran, ohne je unnatürlich oder gezwungen zu klingen. Für die ergreifende Stimmung von "Enchantment" Worte zu finden, fällt schwer. Shades Lachen zu Beginn, Plex' surrendes Instrumental mit den hintergründig aufsteigenden Wasserblasen - so klingt HipHop-Seelenfrieden. Shade (Plex' damalige Freundin) findet mit einem Intro auf Französisch für "Voices In My Head" dann auch den rechten Übergang, auf dass sich das Album bis zu den drückenden Streichern in "Inciting" keine Blöße gibt und an dieser Stelle noch mit einem Zitat aus dem ekstatischen, frohsinnigen "Vibrance", welches das Wesen dieses Albums angemessen repräsentiert, beschrieben sei:

"The analytical tongue, critical as lung respiration
Political among no hypocritical sung intonation
Slung from my imagination, hung to esthetics
My tongue in moderation, it is clung to poetics
The synthetics are pathetic, they falter from the start
I alter the genetics of this art
"


 "Is this art or trash?" fragt Stres und könnte dabei keine eindeutigere Antwort erhalten. Nicht nur ist dieses Album Kunst, es ist zudem Pionierarbeit, das erste Manifest der in den folgenden Jahren recht lebendigen Untergrundszene Miamis. Der Einfluss auf Gruppen wie Cyne ist sehr naheliegend. An "Depth Perception" kam in dieser Form jedoch kein Album mehr (nicht aus Miami und von anderswo erst recht nicht) heran. Trotz des Equipments (das nicht das hochwertigste war) und des sich ergebenden, durch das ganze Album ziehenden Lo-Fi-Sounds - oder gerade deswegen - gibt es hier nichts zu verbessern. Obwohl direkt im Anschluss ein zweites Album geplant war, kam es nur noch zu der ebenfalls sehr hörenswerten "Input/Output EP", dann löste sich das Duo auf, Navigators Inc. schloss ebenfalls recht bald die Pforten. Doch aus diesem Release gingen indirekt Counterflow und zu gewissem Grad auch die Beta Bodega Coalition hervor, was der Welt in der Folgezeit weitere hochwertige Releases aus Miami bescheren sollte.

9.4 / 10

Samstag, 28. Juli 2012

All Natural - Second Nature




Release Date:
24. April 2001

Label:
All Natural Inc. / Thrill Jockey

Tracklist:
01. Second Nature
02. The Stick-Up
03. Think Again
04. Queens Get The Money (Feat. Spotlite)
05. Elements Of Style (Feat. Iomos Marad & Allstar The Fabulous)
06. The Next Mile
07. Vegetarian (Feat. Tone The Strategist)
08. Return Of The Avenger
09. Mr. Sexy (Feat. Allstar The Fabulous)
10. Here's The Hate On Chicago
11. Ill Advisory (Feat. J.U.I.C.E.)
12. Chatham (Feat. O Type Star & Mr. Greenweedz)
13. 01/21/01
14. Stellar
15. Uncle Sam (Feat. Slug)
16. Renaissance (Feat. Lone Catalysts)
17. Liquid Paper II
18. Godspeed
19. Future Is Now



Review:
Was macht man als Rap-Act, wenn dem ersten, independent veröffentlichten Album überdurchschnittlicher Erfolg beschieden war? Ganz einfach, man holt die Crew ins Boot. Im Falle All Natural heißt das, das vorsichtig und in erster Linie als Reaktion auf die Wild-Pitch-Situation aufgezogene All Natural Inc. zum vollwertigen Label aufkeimen zu lassen und Künstler hinzuzufügen, die man schnell als den Family Tree vorstellt. Und dann wird durchgestartet. Zumindest in der Theorie. In der Praxis operieren Capital D und Tone B. Nimble immer noch auf Low-Budget-Basis und sind sich keinesfalls sicher, wie erfolgreich die Musikkarrieren verlaufen werden. Immerhin bringt man im neuen Jahrtausend einen Deal mit Thrill Jockey (sowie interessanterweise einen Vertriebsdeal mit Fat Beats für das Vinyl-Release) zustande und beschert der Welt "Second Nature".
 
WRITTEN FOR Rap4Fame
 
 "Second Nature" bezieht sich nicht auf den Fakt, dass dieses das Zweitlingswerk des Chicagoer Duos ist, sondern meint das Wesen der HipHop-Musik, die für All Nat so alltäglich und natürlich ist, dass sie quasi zur zweiten Haut geworden ist - zum eigenen Namen passt dieses Konzept natürlich auch super. Jeder, der "No Additives, No Preservatives" kennt, der weiß, wie dieser lebenserhaltende HipHop aussieht, und vor allem wie er nicht aussieht. Schließt man Chicago's Gangsta-Rap-Schiene aus, dann repräsentieren All Nat den Sound der Stadt so gut wie kaum jemand, sie verbinden kluge Lyrics mit dem ungeschliffenen Sound, der als Markenzeichen der Metropole, die zwischen den Küsten ihr Schattendasein fristet, zählt. Als Produzenten steigen Memo und Panik von den Molemen in den Ring und leisten damit G(riot) (einem der Family-Tree-Künstler) sowie Cap D und Tone selbst Gesellschaft, am Mic regiert ein sich mit nur wenigen externen Gästen umgebender Cap, die Scratches legt dafür Tone B. Nimble komplett. Cap selbst behauptet, dieses Album sei nochmal eine Steigerung zum Debüt, und wenngleich man solchen Aussagen zumeist kein Gehör schenken darf, trifft er damit den Nagel auf den Kopf: Seine Raps fließen noch intensiver, scheinen weder Punkt noch Komma zu kennen und haben an Aufgewecktheit selbstverständlich nichts verloren, die Instrumentals reichen von bedrohlich-roh bis hin zu sinnend-jazzig und passen trotzdem wunderbar unter ein Dach, welches wiederum von All Natural aufgespannt wird. Ganz grob lässt sich die Scheibe dabei in einen aufrührerischeren vorderen und einen gezügelteren hinteren Teil gliedern. Anfangs geht jedenfalls erstmal ordentlich die Post ab: Der "Stick-Up", den All Nat durchziehen, geht dabei aber vollkommen ohne Schießeisen vonstatten, was das Intro offenbart, in dem der Fam Tree kurz davor ist, mit Mics bewaffnet einen Club zu stürmen. Nichtsdestoweniger ist Panik's "Stick-Up" ein furioser Sturm, eine wahre Hymne, in der von den Streichern über die Scratches bis hin zu Cap's eiskalter Performance alles perfekt ineinandergreift. Ähnliches geschieht in "Vegetarian", für das Cap ein weiteres düster-bombastisches Instrumental entfesselt. "Mr. Sexy" dagegen läuft ganz klassisch über einen eingängigen Piano-Loop ab und nimmt Stilwandel durchlaufende, trendorientierte Ex-Thugs und Möchtegern-Playboys aufs Korn. Den Gold-Diggern widmet man sich dagegen mit dem relaxten "Queens Get The Money" ("and broads get the boot"), während "Think Again" mit dichter Streicher-Atmosphäre aufwartet, die sich mit Cap's stetem, cleverem Wortspiel verwebt. Was geschieht weiter? Die All-Nat-Familie wird vorgestellt und weiß sich zu verkaufen, mit Chicago-Altmeistern Juice und O Type Star klopft man die zwei wunderschönen Kopfnicker "Ill Advisory" und "Clatham" aus den Boxen, Slug schaut für eine sarkastische Personifizierung des "Uncle Sam" vorbei und J. Rawls schlendert, entspannte Klaviernoten im Gepäck, mit seiner typisch jazzigen Art mit "Renaissance" ins Bild (J. Sands und Cap passen am Mic zudem bestens zueinander), womit der Hörer sich noch auf ein großartiges Finale freuen darf: "Godspeed" ist eine unaufgeregte lyrische, selbstreflektive Großtat ("Living in the mist of these miracles / How could I not be spiritual? / And why would I edit what comes out? / And what more important could I talk about? / And I don't claim to have all the answers / I don't even know half the questions / But as we search for a cure for our cancer / We forget to reflect on our blessings"), "Future Is Now" setzt als Pendant zu "50 Years" (mit ähnlich treffsicheren Worten) einen so eindringlichen Schlusspunkt, dass G(riot)'s Instrumental mit seinem tragenden Klavierlauf und dem leicht melancholischen Saxophon vollkommen zu Recht noch eine Minute lang ausklingt. Für den Hörer gilt: Augen schließen und den Geist schweifen lassen.

Selten genug kommt es vor, dass Künstler mit ihrem Zweitling nochmal eine Steigerung hinlegen können, All Natural ist das trotz ihres ohnehin schon exzellenten Debüts gelungen. Die Gründe sind offensichtlich: Man operiert weiterhin mit kompletter künstlerischer Freiheit, die beteiligten Gäste sind alle voll auf der Höhe ihres kreativen Schaffens und die Aufteilung aus eigenen und fremden Beats ist bestens gewählt. Auch Tone's Scratches tragen sehr zum Charakter der Platte bei. Obwohl diese Scheibe ein großes Spektrum abdeckt und sowohl den Hardcore-Fanatikern, den Suchenden nach anspruchsvollen Lyrics als auch den Liebhabern von relaxten Tönen à la Lone Catalysts etwas bietet, ist sie doch in sich geschlossen, geleitet vom roten Faden, den Cap und Tone selbst auslegen, was "Second Nature" atmosphärisch abrundet. Ob man sich bei 75 Minuten Spielzeit kürzer hätte fassen können bleibt Ansichtssache, in jedem Fall hat man es hier mit einem überragend guten Album zu tun.

9.1 / 10

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Raekwon - Only Built 4 Cuban Linx...


Release Date:
01. August 1995

Label:
Loud Records / RCA

Tracklist:
01. Striving For Perfection
02. Knuckleheadz (Feat. Ghostface Killah a.k.a. Tony Starks & U-God a.k.a. Golden Arms a.k.a. Lucky Hands)
03. Knowledge God
04. Criminology (Feat. Ghostface Killah a.k.a. Tony Starks)
05. Incarcerated Scarfaces
06. Rainy Dayz (Feat. Ghostface Killah a.k.a. Tony Starks & Blue Raspberry)
07. Guillotine (Swordz) (Feat. Ghostface Killah a.k.a. Tony Starks, Inspectah Deck a.k.a. Rollie Fingers & GZA a.k.a. Genius a.k.a. Maximilian)
08. Can It Be All So Simple (Remix) (Feat. Ghostface Killah a.k.a. Tony Starks)
09. Shark Niggas (Biters)
10. Ice Water (Feat. Ghostface Killah a.k.a. Tony Starks & Cappadonna a.k.a. Cappachino)
11. Glaciers Of Ice (Feat. Ghostface Killah a.k.a. Tony Starks & Masta Killa a.k.a. Noodles, 60 Second Assassin & Blue Raspberry)
12. Verbal Intercourse (Feat. Ghostface Killah a.k.a. Tony Starks & Nas a.k.a. Nas Escobar)
13. Wisdom Body (Feat. Ghostface Killah a.k.a. Tony Starks)
14. Spot Rusherz
15. Ice Cream (Feat. Ghostface Killah a.k.a. Tony Starks, Method Man a.k.a. Johnny Blaze & Cappadonna a.k.a. Cappachino)
16. Wu-Gambinos (Feat. Ghostface Killah a.k.a. Tony Starks, Method Man a.k.a. Johnny Blaze, RZA a.k.a. Bobby Steels & Masta Killa a.k.a. Noodles)
17. Heaven & Hell (Feat. Ghostface Killah a.k.a. Tony Starks)
18. North Star (Jewels) (Feat. Popa Wu)

Review:
Man hätte vielleicht nicht sofort darauf getippt, dass nach dem charismatischen Method Man und dem durchgeknallten Ol' Dirty Bastard Raekwon der dritte aus dem neuneckigen Zirkel des Wu-Tang Clans sein würde, der ein Soloalbum releast. Doch der Chef, der schon auf "Enter The Wu-Tang" am präsentesten war, nimmt in RZA's Home-Studio seit Ende 1994 viel Material auf und hat auch schon die Vision für sein Album, das ihn endgültig vom Hustler-Leben in den Killa Hills, Staten Island wegbringen soll. Also schnappt er sich Ghostface Killah (der im nahegelegenen Somalia alias Stapleton residiert), mit dem er nicht erst seit Clan-Zeiten bestens vor und abseits des Mics harmoniert (im Spaß sehen sich die beiden als Zwillinge), und die zwei Tunichtgute konzentrieren sich auf die Musik, für die es Rae im Zuge der freien Label-Wahl zu Loud zieht, wo "Only Built 4 Cuban Linx..." Mitte 1995 erscheint.

WRITTEN FOR Rap4Fame
Der Einfluss dieses Albums auf die Szene ist unleugbar und enorm, schon beim Titel und den Äußerlichkeiten geht's los: Der ursprüngliche Titel ist "Only Built 4 Cuban Linx Niggaz" und entspringt der Vorliebe von Rae und Ghost für seidene, glänzende, schicke Klamotten und Schmuck (der schon damals "Ice" genannt wird), unter die auch Kubaner fallen, die Ketten, die die beiden tragen und aus denen sich laut Rae ein Glied nur sehr schwer herausbrechen lässt. Über das Ausleben dieser Faibles kommt man zum nächsten essenziellen Punkt: Wo RZA in seiner Kindheit Kung-Fu-Flicks konsumierte, ist Rae außerdem mit der Mafia- und Mobster-(Film-)Szene vertraut und überträgt dies auf sein Leben in Park Hill, in dem er bereits mit jungen Jahren das volle Programm abbekommt. Als man mit Steve Rifkind den Grundstein zur HipHop-Popularität von Cristal legt, kommt Rae übrigens zu seinem Zweitnamen Lou Diamond, nach und nach wird auch die ganze "OB4CL"-Belegschaft mit speziellen Spitznamen versehen (GZA und Masta Killa beispielsweise sind zwei Charaktere aus "Es war einmal in Amerika"). Neben Rae, der zusammen mit Ghost in schillerndem Slang das Erlebte in so oft als Mafioso-Rap betitelter Form wiedergibt, fehlt noch ein grundlegender Faktor: der das komplette Album produzierende, mischende und masternde RZA. Der Mann, der während dieser Zeit praktisch in seinem Keller-Studio lebt, schraubt einen Klassiker-Beat auf den nächsten und findet trotzdem Zeit, direkt auf Rae einzugehen und ihm als Regisseur das zu schneidern, was er benötigt. So rahmen die LP Samples aus dem thematisch passend umgemünzten "The Killer" von John Woo ein, während Kung-Fu kaum vertreten ist und auch die Beats ein etwas anderes, nicht minder geniales Gesicht zur Schau stellen. Kurz gesagt ist das instrumentale Gerüst makellos, es übertrifft problemlos die beiden bisherigen Wu-Solos. Während Rae und Ghost in "Striving For Protection" noch davon reden, das Dealen hinter sich zu lassen, geht es in Tracks wie "Knowledge God" königlich zur Sache, wenn Rae in bildhafter Genauigkeit einen Kingpin namens Mike Lavonia portraitiert und RZA sich mit vielschichtiger, stimmungsschwerer Sample-Arbeit austobt. Trotzdem wäre die Arbeit des Abts wohl nur halb so gut ohne das Zusammenspiel der zwei glorreichen Halunken, egal ob man nun als junge "Knuckleheadz" kriminellen Machenschaften nachgeht oder Ghost sich im (produktionstechnisch dem Original ähnlichen) "Can It Be All So Simple"-Remix erinnert, wie schnell man sich in fremden Gewässern eine Kugel einfängt. Der lyrische Feinsinn ist dabei im Detail zu suchen, wenn Raekwon eine Szenerie filmreif genau beschreibt und die Figuren seiner Texte von oben bis unten einkleidet. An dieser Stelle spielen logischerweise Elemente wie die Erwähnung von Cristal oder Ghost's Liebe zu Wallabee Clarks eine Rolle, was beispielsweise zu einem Skit vor "Glaciers Of Ice" führt (bei dem ein KGB-Track im Hintergrund spielt), der nächsten Großtat, mit 60 Sec's treffsicherem Singsang als Abrundung. Selbst wenn die eigene Potenz betont wird (und Ghost seine Philosophie, seinen Damen nie Geld zu überlassen, kundtut), pochen RZA's Drumlines hart, tanzen rohe Klavierklänge mit einem klagenden Voice-Sample. Als einen der älteren Songs kennt der "Tical"-Fan das von Isaac Hayes inspirierte "Guillotine" (das mit jedem Schlag der Kick eine Staubwolke aufwirbelt) schon ansatzweise, hier ist es wieder einmal der Rebel INS, der im lyrischen Sparring der vier am Mic heiß laufenden Emcees eingangs die Türen aus den Angeln bläst. Rein zufällig landet auch Rae's Kumpel Nas (als erster auswärtiger Gast auf einer Wu-Scheibe) im Studio, um die tonnenschwere Kollabo "Verbal Intercourse" zu veredeln, für die RZA eine meisterhafte Übersetzung der Emotions in diesen Kopfnicker findet. Dabei ist nie Ghost's Rolle zu unterschätzen, schließlich sieht Rae dieses Album sowieso als Kollabo der beiden, weswegen auch "Wisdom Body" Sinn macht, das Ghost (mit Intro aus "The Mack") alleine bestreitet; erzählt wird von der Interaktion mit einer Dame. "Rainy Dayz" stellt Blue Raspberry als Inhouse-Sängerin vor, "Heaven & Hell" schildert die unausweichliche Hölle des Straßenlebens und "Ice Water" zerrt (nachdem der "Shark Niggas"-Skit unbekümmert Biggie als Cover-Biter andeutet) den frisch aus dem Bau entlassenen Cappachino in die Booth, um ihm einen der besten Verse seines Lebens über eines der rohsten Stücke Musik, die RZA je ins Gefecht schickte, zu entlocken. Als kleines Osterei spielt zu Beginn von "Spot Rusherz" der Song, den der Clan für St. Ides aufnahm, während "Incarcerated Scarfaces" als einer der wenigen Solo-Cuts den einsitzenden Homies gewidmet ist. Mehr Mafia-Gefühl gibt es mit den Streichern in "Wu-Gambinos", schlussendlich nimmt "North Star" mit langsamem, kinotauglichem Instrumental und den Worten von Wu-Mentor Popa Wu die Rolle des würdigen Abschlusses ein. Zu guter Letzt sei noch ein Zitat aus dem aufbrausenden "Criminology" (in dem RZA perfekt zwei Samples zusammenschnürt) vom heiß laufenden Tony Starks angehängt:

"Extravagant, RZA bake the track and it's militant
Then I react, like a convict, and start killin' shit
It's manifested, the Gods work like appliances
Dealin' in my cypher I revolve around sciences
The ninth chamber, you get trapped inside my hallway
You try to flee but you got smoked up by the doorway
No question, I send your ass back, right to the essence
Your whole frame is smothered in dirt, now how you restin'
"


Das Zielpublikum der Scheibe ist ganz klar die Straße, aufgrund der herausragenden Klasse der Gambinos geriet schon damals jeder, der dem Duo Diamond-Starks mit seinem extravaganten Geschmack und (noch) erträumten Lebensstil über Bobby Steels' sich erneut selbst neu erfindenden und bahnbrechenden Produktionen lauschte, ins Schwärmen. Selbst die Zeit konnte und kann diesem Meisterwerk nichts anhaben, dieses Debüt ist immer noch so messerscharf wie damals und obwohl es zweifelsohne der beinharten Schule New Yorks zuzurechnen ist, so ist es doch zugänglich genug, um für jeden HipHop-Interessierten nicht nur als Monument, sondern auch als überragende Platte in Frage zu kommen. Respekt gebührt Regisseur RZA, ohne den dieses Album nicht ansatzweise möglich gewesen wäre, aber auch Hauptdarsteller Lou Diamond und Co-Star Tony Starks, die "Only Built 4 Cuban Linx..." seinen einzigartigen Charakter einhauchen.

9.8 / 10

Sonntag, 22. Mai 2011

The Dwellas - The Last Shall Be First


Release Date:
26. September 2000

Label:
Loud Records

Tracklist:
01. Leakage
02. Dwellas
03. The Last Shall Be First (Feat. Large Professor)
04. Stand Up
05. I'm Tellin' You
06. Verbal Slaughter (Feat. Inspectah Deck)
07. On The Run
08. Da Ruckus
09. Ready To Rock (Feat. D.V. Alias Khrist)
10. You've Been Warned
11. Frontline (Feat. Cocoa Brovaz)
12. Once Again (Feat. Tony Atlas)
13. Ill Collabo (Feat. Organized Konfusion)
14. Game Of Death (Ayatollah's Joint)
15. Main Aim

Review:
Ihr Debütalbum erhält durchwegs positives Feedback - in die Reihe der großen Namen der Neunziger schaffen es die Cella Dwellas deshalb trotzdem nicht. Im Großen und Ganzen hört man in der Zeit nach dem Album-Release auch nicht mehr allzu viel von Phantasm und UG - andere Künstler des Loud-Rosters beanspruchen da eindeutig mehr Aufmerksamkeit. Doch ganz offensichtlich stecken die zwei nicht die Köpfe in den Sand, sondern machen sich an die Aufnahmen zu ihrem Nachfolger. Dafür wird namenstechnisch sogar der Keller verlassen, und nach geschlagenen viereinhalb Jahren erscheint mit "The Last Shall Be First" der Nachfolger zu "Realms 'N Reality".

WRITTEN FOR Rap4Fame
 
Wirklich bestätigen kann sich die Kampfansage im Titel nicht - viele Einheiten werden nicht verkauft, nicht einmal das Level an Aufmerksamkeit aus dem Jahr 1996 wird mehr erreicht. Das mag daran liegen, dass es inzwischen 2000 ist, dass die Dwellas als zweifelsfrei den 90er-Rappern zuzuordnende Künstler einer aussterbenden Spezies angehören, von denen zu allem Überfluss auch noch viele Vertreter mit ihren Versuchen, den Anschluss ins neue Jahrtausend zu finden, unglücklich scheitern. Doch es gibt natürlich auch Ausnahmen, und genau mit einer solchen sieht man sich bei "The Last Shall Be First" konfrontiert: Neben dem zuverlässigen Nick Wiz, der immer noch Banger am Fließband produziert, wurde eine erstaunlich populäre Schar an Gästen (wohl nicht ohne Zutun des Labels) versammelt, die schon die Tracklist sehr interessant aussehen lässt. Was dann aber tatsächlich dahinter steckt, geht so unbekümmert nach vorne los, als wäre der Ast der Eastcoast-Kultur, in den die Dwellas so fest verankert sind, nicht gerade dabei, in Morschheit zu vergehen. "Hardcore" ist das Stichwort, das sämtliche Ambitionen regiert und das nur ein einziges Mal vergessen wird - bezeichnend, dass "Da Ruckus" als Club-justierter Track den einzigen Skip-Kandidat markiert, aber trotzdem härter in die Drums hämmert als die Club-Tracks auf den Werken der Konkurrenz. Den Rest der LP hätte man sich im Traum kaum schöner konstruieren können (bzw. ihn nicht so gut erwartet): Mit ungewohnt großer Zugkraft trommelt Nick Wiz das eröffnende "Leakage" in den Ring, das direkt demonstriert, dass UG immer noch ordentlich Treibstoff im Tank hat und dass Phantasm flowtechnisch sogar noch zugelegt hat. Die Texte kommen zwar meist nicht über Representer- und Battle-Gehabe hinaus, doch das, was man zu hören bekommt, wird mit den richtigen Gewürzen angerichtet. Routinierter Street-Talk mit Large Pro über dessen edles "The Last Shall Be First" ist im Jahr 2000 schon ein seltenes und kaum bezahlbares Gut. Im entspannten "I'm Tellin' U" lässt Nick Wiz dann die Köpfe nicken, während die Dwellas so nett sind, der in einer Beziehung gebundenen Männerschaft dazu zu raten, ihre Ladies in Sichtweite zu halten. Der neunmal engagierte Nick Wiz klingt zwar nicht mehr exakt so wie zu seiner Glanzzeit, die Änderungen kosten aber erstaunlicherweise keine Qualitätseinbußen und garantieren durchgehend unerhört starke Beats. Und auch der Rest der Produktionen verströmt mit jedem Takt den Flair der Straßen NYs - man höre "Verbal Slaughter" mit einem bestens aufgelegten Inspectah, der das Mic vergoldet. Nach einer sehr guten ersten Hälfte legt das Album dann richtig los: "Ready To Rock" mit Chorus-König D.V. geht über einen so unwiderstehlichen Piano-Loop (Nick Wiz sei gepriesen) vonstatten, dass man der guten Laune den Eintritt nicht verwehren kann, an der "Frontline" mit Tek und Steele stehen die Dinge bestens und mit dem nächsten Gästeduo - P-Monch und Prince Po - marscheirt schon das nächste Highlight ein, dem Rockwilder einen Anstrich verpasst, der ebenso von der Schokoladenseite des Jahres 1995 hätte stammen können. Auch Ayatollah überspringt die hohe Messlatte und schickt ein düsteres Streichergeflecht ins "Game Of Death", das vor allem UG ("What kind of man jumps off a canyon, blastin' his cannon and lands standin', without his gun jammin'") bestens zu schmecken scheint. Immer noch nicht genug? Dann gibt es als bescheidene Zugabe den Track vom "Soul In The Hole"-Soundtrack, "Main Aim", eines der besten Erzeugnisse, das je Nick Wiz' Schmiede verlassen hat, und das kaum eine bessere Besetzung als Phantasm und UG hätte finden können.

Man kann eigentlich nur verwundert darüber sein, wie verdammt gut diese Scheibe ist. In einer Zeit, in der Rap-Konstanten anfangen, ein- und wegzubrechen knallen die Dwellas ein Album auf den Tisch, das nicht weniger als ein Manifest schnörkellosen Eastcoast-HipHops ist - und noch dazu eines der letzten seiner Art. Seien es nun die hervorragend gewählten Gäste oder die Beats, bei denen man sich dankbarerweise und zu Recht wieder auf Nick Wiz verlassen hat, an dieser LP hätten sich einige andere Künstler ein Beispiel nehmen können. Bei den Dwellas sucht man keine lyrischen Hochflüge, keine innovativen Explosionen und auch keine kunterbunte Abwechslung - hier findet man Street-Sound, wie er in sorgfältiger Verarbeitungsweise zu klingen hat; "The Last Shall Be First" hätte seinen gewünschten ersten Platz durchaus verdient.

9.2 / 10

Sonntag, 27. März 2011

The Notorious B.I.G. - Ready To Die


Release Date:
13. September 1994

Label:
Bad Boy Records

Tracklist:
01. Intro
02. Things Done Changed
03. Gimme The Loot
04. Machine Gun Funk
05. Warning
06. Ready To Die
07. One More Chance (Feat. Total)
08. Fuck Me (Interlude)
09. The What (Feat. Method Man)
10. Juicy (Feat. Total)
11. Everyday Struggle
12. Me & My Bitch
13. Big Poppa
14. Respect (Feat. Diana King)
15. Friend Of Mine
16. Unbelievable
17. Suicidal Thoughts

Review:
Anfang der Neunziger schickt sich ein junger Mann an, seinen Namen in die HipHop-Annalen einzutragen. Talent wurde ihm mehr in die Wiege gelegt, als andere sich auch nur erträumen. Trotzdem dauert es ein Weilchen, bis Christopher Wallace vom schiefen Weg ablässt, um mehr durch Zufall in den Händen eines gewissen Sean Combs, A&R bei Uptown Records, zu landen. 1993 laufen die ersten Aufnahmen zum Album, doch als Puffy gefeuert wird, hängt sein neuer Schützling vorerst in den Seilen. Es dauert noch ein Jahr, bis der ursprünglich als Biggie Smalls und nun als The Notorious B.I.G. bekannte Wallace im Zuge der Neugründung von Puffy's Bad Boy Records sein Album "Ready To Die" fertigstellen kann.

WRITTEN FOR Rap4Fame
1994, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, profitiert Biggie bereits von einem gesunden Hype, der durch ein paar Auftritte bei Uptown-Kollegen und einen Beitrag zum Soundtrack zu "Who's The Man" noch genährt wurde. Was der am Anfang seiner Zwanziger stehende B.I.G. dann letztendlich auf die Welt loslässt, hätte wohl so niemand erwartet - ein Album, das gleichermaßen in der Chart-Welt als auch direkt in den Straßen Brooklyns einschlägt. Ersteres ist sicherlich dem mit einem Marketing-Riecher ausgestatteten Puffy zuzuschreiben, ist die Person des Christopher Wallace an sich doch ein äußerst ungeschöntes und krasses Spiegelbild der Lebensverhältnisse in Bedford-Stuyvesant, der das Mundwerk in völlig unzensierter Weise gewachsen ist. Ein weiterer und äußerst wichtiger Aspekt, der dem Erfolg dieser Platte in die Karten spielt, ist die versammelte Produzentengemeinschaft, die alle Bedingungen für einen Neunziger-Klassiker mit sich bringt: Easy Mo Bee stemmt sechs Tracks, dazu kommen Namen wie Norman & Digga, Lord Finesse oder DJ Premier. All diese Beitragenden können jedoch in keinster Weise davon ablenken, dass B.I.G. der uneingeschränkte Star des Albums ist. Mit einer Kindheit ohne Vater und einer Jugend als Crackdealer (die schließlich in neun Monaten Gefängnisaufenthalt endete) hat er einiges zu erzählen, weswegen dieses Album streckenweise wie eine Autobiographie anmutet. Darüber hinaus ist Wallace (im Gegensatz zu einigen Kollegen im Rap-Geschäft) nicht auf den Kopf gefallen, was vielleicht eine Erklärung dafür ist, wieso es ihm so leicht zu fallen scheint, mittels simpler Sprache äußerst prägnante und ansprechende Rhymes zu konstruieren. Die Geschichte beginnt im "Intro", in dem vier Ausschnitte (begleitet von der zeitgemäßen Musik, von Curtis Mayfield bis zu den Audio Two und Snoop Dogg) Biggie's bisheriges Leben skizzieren. Der aus dem Gefängnis entlassene Smalls verabschiedet sich mit einem "I got big plans" und gibt den Ring frei für "Things Done Changed", einen ersten Lagebericht über die zugespitzte Situation vor seiner Haustür. Das führt uns direkt zu "Gimme The Loot": Der abgebrannte Smalls sieht den Griff zur Tec-9 als einzigen Weg, das Sparschwein zu füttern, und unterhält sich (selbst in Rap-Kreisen ungewohnt radikal) mit seinem inneren Teufelchen ("Nigga, you ain't got to explain shit / I've been robbin' motherfuckers since the slave ships ") über ein staubtrockenes Arrangement von Easy Mo Bee. Dass dieser Track aus den '93er Sessions stammt, ist unschwer herauszuhören. Die zweite Aufnahmewelle (1994) stellt die radiofreundlicheren Tracks und Singles, beschert der Welt aber auch das unverschämt cool produzierte "Warning", das einen inzwischen zu beachtlichem Reichtum gelangten Biggie im Konflikt mit Neidern sieht:


"Damn, niggas wanna stick my for my cream
And it ain't a dream, things aint always what it seems
It's the ones that smoke blunts witcha, see your picture
Now they wanna grab they guns and come and getcha
"

Direkt nach der materiellen Existenzsicherung sind es die Ladies, die als Thema dominieren. Das beschert uns ein wenig produktives "Fuck Me"-Interlude sowie die von C. Thompson und Puffy in ein samtiges Isley-Brothers-Sample gebettete Erkenntnis, dass der "Big Poppa" die wichtigste Sportart meisterhaft beherrscht - die Hardcore-Fraktion der Hörerschaft wird eher bei "One More Chance" einhalten, das zumindest ein druckvolles Instrumental aufzuweisen hat und dem Hörer Biggie's Ansichten über die Frauenwelt etwas genauer näherbringt. In diesem Zuge bietet "Friend Of Mine" (mit akzeptablem Beat) nichts Neues mehr. Anders dagegen die Ausführungen über die eigene Gangster-Braut in "Me & My Bitch". Die wahren Hammer-Tracks sind jedoch andere: "Juicy" ist nicht umsonst ein Mega-Hit (bissige Seitenhiebe Richtung Puffy wegen des geklauten Instrumentals darf an dieser Stelle jeder selbst hinzudichten), die viel zitierte und gesampelte Gegenüberstellung von lausiger Vergangenheit und Moet-getränktem Jetzt setzt sich sofort beim Hörer fest. Weniger auffällig aber ebenso gut ist der Titeltrack, der wieder den hungrigen Kriminellen zeigt. Ein wenig Bragging darf darüber hinaus natürlich auch nicht fehlen, weswegen Biggie mit Method Man vom später eher gemiedenen Wu-Tang Clan in einer starken Kollabo Rhymes wechselt und in Premier's Bombentrack "Unbelievable" eine titelgebende Charaktereigenschaft feststellt. Davor muss leider noch ein Reinfall - das deplatzierte und mit lustlosem Karibik-Flair verschandelte "Respect" - notiert werden, im wieder makellosen letzten Track ist das jedoch schon längst vergessen: In "Suicidal Thoughts" klingelt Biggie seinen Label-Boss aus dem Bett, um sich zuerst den kompletten Frust von der Seele zu rappen ("All my life I been considered as the worst / Lyin' to my mother, even stealin' out her purse / Crime after crime, from drugs to extortion / I know my mother wish she got a fuckin' abortion ") und dann dem Album sowie seinem Leben das Licht auszuknipsen.

Das ewige "Realness"-Geschwafel im HipHop war nie wirklich ernst zu nehmen, aber hier hat man ein Beispiel eines Albums vor sich, das zu großen Teilen so gut ist, weil der Interpret in vollen Zügen aus seinem Leben schöpfen kann und ihm dies meisterhaft gelingt. Dazu kommen natürlich die erstklassigen Produktionen. Trotzdem ist "Ready To Die" kein perfektes Album und hat seine schwächeren Momente (nicht viele, aber sie existieren). Man kann sich nur ausmalen, wie dieses Album ausgesehen hätte, wenn man sich nicht dazu entschieden hätte, massenfreundlicheres Material zu berücksichtigen. Dann allerdings wäre die LP heute wohl nicht der wegweisende und vor allem kommerziell erfolgreiche Klassiker, der sie ist. Es lässt sich also zusammenfassen: Biggie geht minimale Kompromisse ein, die ihn die volle Punktzahl kosten, die "Ready To Die" aber zu dem Status verhelfen, den es heute innehat - es ist der populäre Fingerzeig auf die ostküstliche Hardcore-Kultur.
9.2 / 10

Samstag, 16. Oktober 2010

Wu-Tang Clan - Enter The Wu-Tang (36 Chambers)


Release Date:
09. November 1993

Label:
Loud / RCA

Tracklist:
01. Bring Da Ruckus
02. Shame On A Nigga
03. Clan In Da Front
04. Wu-Tang: 7th Chamber
05. Can It Be All So Simple
06. Da Mystery Of Chessboxin'
07. Wu-Tang Clan Ain't Nuthing Ta F' Wit
08. C.R.E.A.M.
09. Method Man
10. Protect Ya Neck
11. Tearz
12. Wu-Tang: 7th Chamber - Part II

Review:
Der Plan war die Weltherrschaft. Zumindest die Herrschaft über die HipHop-Welt. Und in der Tat ist man diesem Ziel so nahe gekommen wie keine andere Gruppierung, die je den HipHop-Ring bestieg. Der Grundstein von all dem ist ein Album, dessen Namen man nur zu erwähnen braucht, um Blicke voll wissender Zustimmung zu ernten. Ein Album, das im Jahr 1993 einschlägt. Die vorausgehende Gründungsgeschichte des Wu-Tang Clans ist legendär: Prince Rakeem, der Genius und der Specialist haben bereits negative Erfahrungen im Game und mit Labels gemacht und bilden den Kern eines neunköpfigen Kollektivs, das daraufhin hauptsächlich aus Staten Island und Brooklyn rekrutiert wird, um gemeinsam der Label-Politik zu trotzen und den eigenen Vorstellungen von gutem HipHop nachzugehen - "Enter The Wu-Tang".

WRITTEN FOR Rap4Fame
 
Bei einem Album wie diesem, das schon zu Erscheinungszeiten durchwegs Lob einfuhr und in heutigen Tagen einen unantastbaren Überklassikerstatus genießt, ist die kollektive Meinung schon so felsenfest eingemeißelt, dass Widerspruch einem Hochverrat gleichkäme. Glücklicherweise macht der Wu-Tang Clan es einem nicht schwer, in die Begeisterungsstürme mit einzufallen. Als vollwertige Clan-Mitglieder zählen zu diesem Zeitpunkt The RZA, The GZA alias The Genius, Ol' Dirty Bastard, Inspectah Deck alias Rebel INS, Raekwon The Chef, U-God, Ghost Face Killer und The Method Man. Masta Killa fing das Emceeing erst während der Aufnahmen an trägt daher nur zu einem einzigen Track bei. Die Idee hinter Album- und Gruppenkonzept ist Basic Knowledge: Die Bruderschaft teilt eine Vorliebe für Kung-Fu-Flicks, was zum eigenen Markenzeichen umgemünzt wird. Neben anderen ist vor allem "Shaolin And Wu Tang" der prägende Streifen für diese LP. Dank dem so markanten "W"-Logo gelingt die Adoption des Namens "Wu-Tang" vollkommen, das Album wird sogar gemäß des Films in eine "Wu Tang"- und eine "Shaolin"-Hälfte aufgeteilt. Doch wie auch im Film die beiden Styles letztendlich auf einen gemeinsamen Nenner zurückgeführt werden, ist diese Scheibe aus einem Guss. Für die instrumentale Unterhaltung sorgt Abt RZA, der ganz klar die lenkende Rolle im Clan einnimmt und sich um Kopf und Kragen produziert. Vielleicht waren es die Firehouse Studios, in jedem Fall umgibt dieses Album ein charmanter Lo-Fi-Charakter, den RZA mit den teils rohsten Beats, die die HipHop-Welt bis dato kannte, unterfüttert: Knochige Drumlines, stimmungsaufbauende Samples aus u.a. "Shaolin And Wu Tang" und minimalistische Sound-Zusätze geben den Ton an, auf dem sich die Emcee-Gemeinschaft austoben darf. In Sachen Styles könnte diese Truppe kaum verschiedener sein, trotzdem passt alles zusammen. Im Vordergrund stehen Namen wie Method Man (der mit dem vom legendären "Torture"-Skit eingeleiteten "Method Man" sogar einen Soloauftritt erhält) mit seiner relaxt-verrauchten Art, ein bellender, schreiender, ächzender ODB, der smoothe Raekwon oder der aggressive Ghostface. Das Verwunderlichste dabei ist wohl, dass all diese bis dato gar nicht bis kaum aktiven Emcees so viel Charisma und Klasse an den Tag legen. Selbst der später allgemein als schwächstes Glied ausgemachte U-God zerlegt mit seinem Eingangs-Verse "Da Mystery Of Chessboxin'". Auf diesem Track demonstriert außerdem der oft zu Unrecht in den Hintergrund gestellte und hier die Rhymes seines Lebens spittende Rebel INS einen seiner unschlagbaren Parts:

"Don't talk the talk, if you can't walk the walk
Phony niggaz are outlined in chalk
I'm mad vexed, it's what the projects made me
Rebel to the grain, there's no way to barricade me
Steamrollin' niggaz like a eighteen-wheeler
with the drunk driver drivin', there's no survivin'
"

Neben Tracks wie dem eröffnenden, düster-dreckigen "Bring Da Ruckus" hat RZA keine Bedenken, Kehrtwenden in das Album einzubauen: "Can It Be All So Simple" strahlt mit seinem Gladys-Knight-Sample eine sonst auf der LP nicht zu findende Ruhe aus, das mit Mef's Hook edelst überzogene "C.R.E.A.M." kombiniert dieses Element (diesmal mit einem Sample der Charmels) mit dem rohen Charakter der RZA-Beats. Doch Tracks hervorzuheben widerspräche jeder Logik: Hier reiht sich ein Klassiker an den nächsten, eine bombastische Rap-Performance geht zu Ende und die nächste setzt ein. Kein normaler Rap-Fan bekommt keine gute Laune, wenn in "Shame On A Nigga" das Kung-Fu-Sample langsam dem Beat und schließlich ODB's Auftritt weicht. Die beiden "Wu-Tang: 7th Chamber" mögen da geradezu in den Hintergrund rücken, doch sind sie als Teil des rohen Rückgrats der Platte nicht wegzudenken. Das gilt natürlich ebenso für die erste Single "Protect Ya Neck", deren Titel selbst sich zum epischen Slogan mauserte. Selbiges muss in potenzierter Form natürlich auch über "Wu-Tang Clan Ain't Nuthing Ta F' Wit" gesagt werden, bei dem sich jedes weitere Lob erübrigt. "Clan In Da Front" dagegen weist als GZA-Solo auf den später noch weitaus intensiver betriebenen Klaviergebrauch in RZA's Produktionen hin, während "Tearz" gegen Ende nochmals des Meisters meisterhafte Sample-Künste für die Nachwelt festhält.

Es gibt wahrscheinlich nicht viele Rap-Alben, die so oft kopiert wurden und trotzdem so einzigartig sind wie hiesiges. Sogar der Clan selbst - so gut die folgenden Jahre auch waren - landete nie wieder beim Vibe dieser Platte. In seiner Gesamtheit, mit den Skits, den Shoutouts an die damaligen Killa Bees und der Vorstellung des Clans, ist dieses Album eine Ikone in der Rap-Landschaft. Selbst ohne die enormen Auswirkungen (dem Entstehen einer elitären Rap-Gesellschaft mit einem regelrechten Fan-Kult, dem Entstehen eines eigenen Stils oder der Bedeutung für die Ostküste zur damaligen Zeit), selbst wenn man die LP wirklich nur auf die Musik reduziert, lässt sich der zugesprochene Klassikerstatus problemlos rechtfertigen. Denn diese Musik gehört auch heute noch zum Besten, was HipHop je passiert ist. Kurzum: "Enter The Wu-Tang" ist zeitlose Musik.

9.9 / 10

Samstag, 7. August 2010

Jedi Mind Tricks - The Psycho-Social, Chemical, Biological And Electro-Magnetic Manipulation Of Human Consciousness


Release Date:
04. November 1997 / 02. Juli 2002

Label:
Superegular Records / Babygrande Records

Tracklist:
01. Intro
02. The Winds Of War
03. Chinese Water Torture (Feat. Breath Of Judah)
04. The Three Immortals (Feat. Breath Of Judah & Apathy The Alien Tongue)
05. Neva Antiquated (Dark Jedi Remix) (Feat. The Sun Pharaoh)
06. Omnicron (Feat. Apathy The Alien Tongue & The Sun Pharaoh)
07. As It Was In The Beginning... (Feat. The Lost Children Of Babylon)
08. Books Of Blood: The Coming Of Tan (Feat. El Eloh)
09. Incanatrix
10. The Immaculate Conception
11. The Apostle's Creed (Feat. Apathy The Alien Tongue & Yan The Phenomenon)
12. I Who Have Nothing

Review:
Resultierend aus dem simplen Umstand, dass in den Neunzigern so viel gutes Material die noch nicht als Mainstream definierte Speerspitze der HipHop-Szene antrieb, blieb vielen verborgen, was sich im Untergrund abspielte. Und während der Osten in seine goldenen Jahre eintrat und die Geburt zahlreicher Klassiker miterlebte, während der Ost-West-Beef fast die gesamte mediale Aufmerksamkeit verschlang, braute sich in Philadelphia etwas zusammen. Ikon The Verbal Hologram und Stoupe The Enemy Of Mankind, zusammen bekannt als Jedi Mind Tricks, nehmen ihre ersten Tracks schon 1993 auf und nutzen die Jahre der Anonymität, ihren Style weiterzuentwickeln, um nach einer ersten Kostprobe (der "Amber Probe" EP '96) ihr Können, beeinflusst von ihren damaligen Ansichten, in einer kreativen Eruption kulminieren zu lassen - der "Psycho-Social, Chemical, Biological And Electro-Magnetic Manipulation Of Human Consciousness".


WRITTEN FOR Rap4Fame
Um selbstständig operieren zu können, fungiert als Label das eigene Superegular Records, welches das zwölf Tracks starke Album nur auf Vinyl releast. Erst ein Re-Release von Babygrande fing die Musik auf einem Silberling ein und addierte sechs weitere, unveröffentlichte Tracks aus den frühen Jahren, die hier außer Acht gelassen werden. Beim Titel (selten zierte ein Album ein schillernderer) bedienen sich JMT bei Val Valerian, dessen Ufologie bzw. auch -glaube nicht der einzige Hinweis sind, woraus sich Ikon's Gedankengut zusammensetzt. Genau das teilt er nämlich mit den Lost Children Of Babylon, einer inzwischen kaum minder bekannten Philly-Formation, die niemand Geringeren als Killah Priest als Mentor benennen kann. Hier nun allerdings eine Querverbindung zu den Sunz Of Man herzustellen, schösse teils an der Realität vorbei. Parallelen finden sich insofern, als sich auch die JMT und die LCOB für ihr spirituelles Bild bei anderen Ideenskizzen und Ideologien bedienen: Klassische Elemente der exoterischen Religionen gehen einher mit ägyptischer, sumerischer sowie weiteren antiken Mythologien und vermischen sich mit dem schon erwähnten Glauben an außerirdische Lebensformen, deren Urpsrung die üblichen Abstiegen sind - Nibiru grüßt ebenso wie die neunzehnte Galaxie und die Nuwaubianer. Wer an dieser Stelle lieber handfeste Street-Raps vor sich hätte, sollte sich nicht weiter mit der Scheibe aufhalten, wer allerdings diesem komplexen Wirrwarr, das kurzum als Science-Rap zusammengefasst sei, etwas abgewinnen kann, der wird sich an der Welt erfreuen, in welche die beteiligten Emcees ihre Hörer schicken. Als Meister hinter den Kulissen steht selbstverständlich Stoupe, der schon auf diesem ersten Album sein Ausnahmetalent und Gespür für nicht alltägliche, grandiose Samples unter Beweis stellt. Man mag es verrückt nennen, doch "Chinese Water Torture" wird durch das Geräusch aufprallender Wassertropfen illustriert und gehört damit - wenngleich der schwächste Track der LP - einfach zum Charakter der Scheibe dazu. In der Regel sind es deckende Streichergefüge, die Stoupe nutzt, um eine dichte Atmosphäre zu kreieren, die, verstärkt von allerhand Effekten, in ihren mystischen Wesenszügen der perfekte Untersatz für Ikon und Konsorten darstellt. So funktioniert auch "The Winds Of War" und schwingt sich kurzerhand zum ersten Höhepunkt auf. Neben seinen Inhalten ist Ikon außerdem technisch eine wahre Wonne: Geprägt von seinen Lyrics fordert die richtige Erscheinung des Hologramms einen komplexen Flow, den Ikon problemlos bereitstellt, während die LCOB-Kollegen die Show durch teils melodisch-eindringliche Raps abrunden. Man weiß bei der Suche nach erwähnenswerten Tracks gar nicht, wo man anfangen soll: Das von mystischem Summen unterlegte "As It Was In The Beginning..." steht auf einer Ebene mit den düsteren Streichern in "The Three Immortals" oder dem klaviergeleiteten "Neva Antiquated", das seinem Original (welches man durchaus auch auf die LP hätte packen können) starke Konkurrenz macht. Als Vorbote der noch nicht entstandenen AOTP ist ein junger, im Themenpool seiner Kollegen badender (man achte auf den Beinamen) Apathy mit von der Partie. Einen Bericht außerirdischer Lebensformen gibt es in "The Coming Of Tan", dessen Titel nicht umsonst bei Riley Martin entlehnt wurde. Bevor Ikon in "I Who Have Nothing" erstmals ein paar persönliche, verbitterte Gedanken und Gefühle im Angesicht seiner esoterisch-kosmologischen Unerfülltheit ins Mic schickt, übertreffen sich JMT noch einmal mit "The Immaculate Conception" selbst, wobei Stoupe mit einem atemberaubend guten Voice-Sample und Stoupe mit bildhaften Rhymes auftrumpfen. So sei nun noch eine Kostprobe der Ausflüge dieser lyrischen Astronauten gegeben:



"The wars of gods and men, I condemn them who believe
In ancient fallacies and the heresy of thieves
Burn the unholy in your filthy religion
Paganism and the prism of three-dimensional prison

With Egyptian archeological finds, dwelling in the dungeon of time
Monomaniacal beat seeker, swarming like locusts into your speaker

Study the lost prophetic books of the bible
That recites further body energies, spiritual survival
Flying discs seen in Ezekiel 1,3
Granted Kingu a tablet of destinies
"

Dieses Album dokumentiert das erste, ursprüngliche mentale Stadium der Jedi Mind Tricks. Jenes, das ihnen erstmals den Ruf einzigartiger Neuerer im HipHop einbrachte. Wer denkt, er kenne die JMT aufgrund aller späteren Releases, dem fehlt die Essenz der Gruppe. "Violent By Design" mag bedeutender und besser gewesen sein, doch die lyrische Dichte, die ihr frühes Bestreben nach theo- und philosophischen Erfahrungen im selbst deklarierten Spiritual HipHop einzementierte, war später bei den JMT nicht mehr zu finden. Stoupe, der kurz vor dem Höhepunkt seines Schaffens steht, leistet seinen Beitrag mit exzentrischer Sample-Wahl, deren mystischer Charakter bis heute kaum je wieder erreicht wurde. Das alles macht "The Psycho-Social, Chemical, Biological And Electro-Magnetic Manipulation Of Human Consciousness" zu einem einmaligen Album, dessen Status als Underground-Klassiker mehr als nur gerechtfertigt ist.

9.3 / 10

Donnerstag, 17. Juni 2010

Gang Starr - Moment Of Truth


Release Date:
31. März 1998

Label:
Noo Trybe Records

Tracklist:
01. You Know My Steez
02. Robbin Hood Theory
03. Work
04. Royalty (Feat. K-Ci & JoJo)
05. Above The Clouds (Feat. Inspectah Deck)
06. JFK 2 LAX
07. It'z A Set Up (Feat. Hannibal Stax)
08. Moment Of Truth
09. B.I. VS Friendship (Feat. M.O.P.)
10. The Militia (Feat. Big Shug & Freddie Foxxx)
11. The Rep Grows Bigga
12. What I'm Here 4
13. She Knowz What She Wantz
14. New York Strait Talk
15. My Advice 2 You
16. Make 'Em Pay (Feat. Krumb Snatcha)
17. The Mall (Feat. G.Dep & Shiggy Sha)
18. Betrayal (Feat. Scarface)
19. Next Time
20. In Memory Of...

Review:
Spätestens mit dem Ableben von Guru wurde klar, dass es die von vielen heimlich erhoffte Gang-Starr-Reunion nicht mehr geben wird. Seit 2003 ist eines der größten, wenn nicht das größte Emcee-DJ-Duo der Rap-Geschichte eine abgeschlossene Akte. Strukturiert man die sechs Alben, die DJ Premier und Guru der Welt hinterließen, findet sich vor dem fünften Album eine vierjährige Pause. Es war das Jahr 1998, in dem sich Gang Starr wieder zurückmeldeten. Da sich in der Zeit, die seit "Hard To Earn" vergangen war, nicht gerade wenig im Rap-Game getan hatte, war man weithin gespannt, wo sich "Moment Of Truth" in einer größtenteils veränderten Rap-Landschaft einordnen würde.

WRITTEN FOR Rap4Fame
 
Wieso an dieser Stelle viele Worte verlieren, wenn Guru es eingangs bestmöglich auf den Punkt bringt: "We have certain formulas but we update 'em with the times. [...] The rhyme style is elevated, the style of beats is elevated, but it's still Guru and Premier." Selten traf eine Aussage eines Künstlers über sich selbst die Wahrheit so exakt. Natürlich waren weder Premo noch Guru in den vier Jahren untätig - man denke an den zweiten Teil der "Jazzmatazz", während man bei Premo's Producer-Arbeit gar nicht erst anfangen muss -, der klare Wandel ist trotzdem offen ersichtlich. Guru manifestiert seinen Status als Flow-Gott und klingt dabei - man glaubt es kaum - noch relaxter und abgeklärter als zuvor. Premo dagegen stellt hier in voller Breite und Ausgereiftheit den Trademark-Stil vor, der ab diesem Moment zu seinem steten Begleiter wurde und bei dem sich erst Jahre später Ermüdungserscheinungen zeigten. Natürlich war er schon in den Mittneunzigern ein Ausnahme-Producer; dass es nicht möglich war, das Niveau der schon auf "Illmatic" (repräsentativ für viele andere Werke für ebensoviele Künstler) gezeigten Arbeit anzuheben, ergibt Sinn, doch wo 1998 das bisher diktierende, goldene Momentum langsam verfällt, kreiert und bewahrt Premo seinen eigenen goldenen Sound. Fängt man nun an, die Highlights dieser Scheibe aufzuzählen, kann man sich fast direkt an die Tracklist halten. "You Know My Steez" macht den meisterhaften Anfang mit zu vielen weithin bekannten Zeilen, um sie alle zu zitieren. Daran, dass Guru neben Battle-Raps auch die gehaltvolle Conscious-Keule schwingt, erinnern Tracks wie "The Rep Grows Bigga", das im Sinne von "Just To Get A Rep" beschreibt, wie einem imaginären Künstler der Ruhm zu Kopf steigt. Sofern Guru diese Rolle des Erzählers einnimmt, dann als Weiser, der seine Botschaften wie im gefühlvollen "Moment Of Truth" in ruhigem Ton absondert:

"Actions have reactions, don't be quick to judge
You may not know the hardships people don't speak of
It's best to step back and observe with couth
For we all must meet our moment of truth
"

In ähnlichem Tonfall funktioniert "My Advice 2 You". Unnötig zu erwähnen, dass dahinter wieder ein grandioses Insturmental von Chris Martin steht. Der Meister schwächelt kaum, lediglich die "Robbin Hood Theory" versinkt zwischen den restlichen Tracks, während "It'z A Set Up" etwas zu roh designt ist. Gebattelt wird sowieso anderswo - nämlich auf "The Militia", die sich neben Guru aus Big Shug und Freddie Foxxx rekrutiert, die beide mit brachialer Gewalt über Premier's Überwerk eines Instrumentals (alleine die Scratches und Cuts zu Beginn sind ein Genuss) rumpeln und dabei keine Überlebenden zurücklassen - vor allem Freddie Foxxx scheint einen unbändigen Heißhunger auf Wack-Emcees zu haben und rappt die gesamte Szene an die Wand. Mit einem Hauch Mitleid verweist Guru die verbal Auseinandergenommenen auf "Next Time". Davor findet er mit G. Dep und Shiggy Sha Zeit, die Conscious-Mentalität kurz ruhen zu lassen, um in der "Mall" zu shoppen und den materialistischen Freuden zu frönen. Seine persönlichen Erlebnisse (den Überfall auf ihn sowie die Inhaftierung wegen illegalen Waffenbesitzes) verarbeitet Guru in "JFK 2 LAX". Premo's Riecher für überragende Piano-Loops bekommt man in "What I'm Here 4" sowie "Work" vorgeführt. Doch da hört es nicht auf: "Royalty" ist als radiotaugliche Single mit butterweicher Hook von K-Ci & JoJo konzipiert und funktioniert trotzdem bestens - vor allem dank eines souveränen Guru's. Die sich anschließende Tirade von DJ Premier lässt den DJ klar Stellung gegenüber Industry (sowie Enthüllern der von Producern verwendeten Samples) beziehen. Was sich nach seinem legendären "And on that note, let's get back to the program" über einen weiteren Bomben-Beat anschließt, sind abstrakte Rhymes der Extraklasse, bei denen vor allem der Inspectah seine ganze Klasse aufflammen lässt. "She Knowz What She Wantz" bietet softe Storytelling-Abwechslung, während dank Tracks wie "Make 'Em Pay" auch die klassischen Street-Tracks gegen Ende nicht rar werden. Nachdem das Tempo für Scarface (der sich als ausgezeichneter Gast herausstellt) und das relaxte "Betrayal" stark gedrosselt wurde, findet sich schließlich mit dem Totengedenken "In Memory Of..." der perfekte Abschluss.

Gang Starr's fünfter Auswurf ist fraglos ein Must-Have. Der Grund liegt neben der herausragenden Qualität bei der Zeit der Veröffentlichung und vor allem der Zeitlosigkeit der Musik. Man muss kein Fan der ostküstlichen Neunziger sein, um dieses Album zu lieben. Ebenso kann man es wertschätzen, wenn man der Meinung ist, die wichtigsten Ereignisse im HipHop haben sich bis Mitte der Neunziger zugetragen. Gang Starr beziehen klar Stellung für das, was so gerne "real" getauft wird, und liefern dabei ein Album ab, das sowohl bei Underground- als auch bei Mainstream-Fans kompatibel ist. Zu der erhabenen Rap-Show gesellen sich die herausragenden Produktionen, die vor allem in Anbetracht der großen Trackzahl eine überwältigende Qualität an den Tag legen und "Moment Of Truth" in Klassiker-Sphären heben.

9.2 / 10

Sonntag, 23. Mai 2010

Mobb Deep - Hell On Earth


Release Date:
19. November 1996

Label:
Loud Records

Tracklist:
01. Animal Instinct (Feat. Ty Nitty & Twin Gambino)
02. Drop A Gem On 'Em
03. Bloodsport
04. Extortion (Feat. Method Man)
05. More Trife Life
06. Man Down (Feat. Big Noyd)
07. Can't Get Enough Of It (Feat. General G)
08. Nighttime Vultures (Feat. Raekwon)
09. G.O.D. Pt. III
10. Get Dealt With
11. Hell On Earth (Frontlines)
12. Give It Up Fast (Feat. Big Noyd & Nas)
13. Still Shinin'
14. Apostle's Warning

Review:
Eineinhalb Jahre sind seit "The Infamous" vergangen. Man befindet sich im Jahr 1996, einem der letzten Glanzjahre der rohen HipHop-Schule der Ostküste, in der sich Mobb Deep mit ihrem schnell als Klassiker gefeierten zweiten Album unmittelbar in leitende Positionen katapultierten. Auf einmal stehen sie als Mitverantwortliche im Ost-West-Beef da und Opponenten wie u.a. Tupac gegenüber. Keine Zeit, Schwäche zu zeigen, was sich mit dem inzwischen dritten Album zeigen sollte. Der große Unterschied: Auf "Hell On Earth" lasten - ganz im Gegensatz zu "The Infamous" - nicht gerade niedrige Erwartungen.

WRITTEN FOR Rap4Fame
 
Der Weg, für den sich Havoc und Prodigy entscheiden, ist der absolut richtige. Keine Experimente, sondern eine Fortführung des 1995 eingeschlagenen Pfads wird für "Hell On Earth" gewählt. Dafür nimmt Havoc die Produktionsarbeit komplett in die eigene Hand, während sich am Bild der Gäste nicht viel ändert, ausgenommen die Infamous Mobb, die nun auch mitmischt, um bekanntermaßen später einen festen Teil der Infamous-Familie auszumachen. Doch wozu groß umschreiben, wenn Havoc es selbst auf den Punkt bringt: "You know how we did on The Infamous album, right? So we gon' do it again, son." Mehr Worte braucht es nicht, den Rest sagen Havoc's charakteristisch scheppernde Snares, Prodigy's eiskalte Stimme, die nichts von ihrer "The Infamous" so stark machenden Schärfe verloren hat, und die Gesamtatmosphäre, die Havoc diesmal noch enger schnürt, um den östküstlichen Hardcore-Maßstab neu zu definieren oder ihm zumindest eine neue Facette hinzuzufügen. Finstere Streicherkompositionen und wehklagende Piano-Loops sind sein Werkzeug. Der Sounndtrack zur Hölle auf Erden ist der Sound der 41st Side und ihrer dunklen Hintergassen. So ist der Kampf an der Projects-Front ein schwer melancholischer, in dem Prodigy den Schmerz vieler Jahre Straßenleben transportiert. Ganz gleich, ob er dabei nun lügt oder nicht, seine Raps auf der LP klingen einmal mehr so authentisch, wie es wenige andere Emcees je zustande gebracht haben. Selbst bei Hav hört man, dass er sich Mühe gibt, mehr als der Statist zwischen P's Einsätzen zu sein, was ihm auch gelingt. Inhaltlich ist die Scheibe natürlich durchgehend dünn: Streetlife, beleuchtet aus allen Winkeln, das mag dem einen oder anderen zu wenig sein, doch es passt wie die Faust aufs Auge und wird dank der Klasse der Emcees auch nie langweilig. In "More Trife Life" gibt es sogar ein wenig Storytelling: In dem Havoc-Solo führt ein Anruf einer alten Bekanntschaft in eine verhängnisvolle Falle. Ansonsten jedoch sind es Hav und P, die austeilen: "Drop A Gem On 'Em" ("Now you wanna go at my team / You must've been drunk when you wrote that shit / Too bad you had to did it to your own self / My rebellion, I retaliate, I had the whole New York state aimin' at your face") ist eines der Zugpferde der Scheibe, was aufgrund des genialen Piano-Loops, der rohen Drumline und der scharfen Worte Richtung Tupac nicht ungerechtfertigt ist. Über die Gäste muss nicht viel gesagt werden: Die Kollegen aus dem Eastcoast-Heeresstab (Nas und die beiden Wu-Tangs) sind über jeglichen Zweifel erhaben, die eigene Clique - Noyd, General G (später Illa Ghee) und IM3 - dienen als stärkende Lakaien, die wie im eröffnenden "Animal Instinct" nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig auffallen. Highlights auszumachen, fällt bei "Hell On Earth" wohl noch schwerer als beim Vorgänger, da die Scheibe ihre Perfektion als kompakte Einheit anstrebt. "G.O.D. Pt. III" bedient sich dabei des dramtischen "Tony's Theme" (Scarface), "Still Shinin'" gehört zum bärenstarken Schlussteil und geleitet Willie Hutch's Soul-Stimme in ungeahnt raue Sphären. Nach einem düsteren "Nighttime Vultures" und "Get Dealt With" (mit herrlich schwermütigem Instrumental) beschließen IMD ihr Album mit "Apostle's Warning", einem weiteren sagenhaften Manifest ihres unschlagbaren Erfolgsrezepts.

Ist es ein Verbrechen bzw. ein würdiger Kritikpunkt, sich im Vergleich zum vorigen Album kaum weiterzuentwickeln, wenn der Vorgänger "The Infamous" heißt? Mobb Deep schaffen mit diesem Zweitwerk ("Juvenile Hell" nicht berücksichtigt), was kaum ein anderer Künstler geschafft hat: Sie fangen genau die Atmosphäre, die den vorangegangenen Klassiker zu einem ebensolchen machte, ein und kreieren somit einen qualitativ ebenbürtigen Nachfolger, der sogar noch kompakter wirkt. Es ist kein Wunder, dass "Hell On Earth" von vielen Fans als bestes Mobb-Album angesehen wird - "The Infamous" hat den Klassikerstatus nur fester gepachtet, weil es zuerst da war. Nüchtern betrachtet ist "Hell On Earth" die bestmögliche Fortsetzung und auf Augenhöhe mit dem Vorgänger.

9.9 / 10