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Sonntag, 26. August 2012

Pusha T - Fear Of God II: Let Us Pray





Release Date:
08. November 2011

Label:
G.O.O.D. Music / Decon Records

Tracklist:
01. Changing Of The Guards (Feat. Diddy)
02. Amen (Feat. Kanye West & Young Jeezy)
03. Trouble On My Mind (Feat. Tyler, The Creator)
04. What Dreams Are Made Of
05. Body Work (Feat. Juicy J, Meek Mill & French Montana)
06. Everything That Glitters (Feat. French Montana)
07. So Obvious
08. Feeling Myself (Feat. Kevin Cossom)
09. Raid (Feat. 50 Cent & Pharrell)
10. My God
11. I Still Wanna (Feat. Rick Ross & Ab Liva)
12. Alone In Vegas

Review:
Man könnte zwar annehmen, Clipse hätten sich erschöpft, doch die Tatsache, dass Pusha T nun auf Solopfaden spaziert, war wohl schon seit Anbeginn so angedacht. In jedem Fall ist es das Signing bei Kanye's G.O.O.D. Music, das es ihm ermöglicht, seinen eigenen Namen seit mittlerweile über einem Jahr mittels einiger Gastauftritte (der wichtigste sicher auf "Runaway") in die Welt hinauszutragen. Das offizielle Solo-Debüt soll im Jahr 2012 erscheinen, das Vorjahr wohnte bereits der Veröffentlichung eines Mixtapes bei, das in EP-Format nun nochmals unterstrichen wird: Umrahmt von Abkupferungsanschuldigungen von Consequence vergeht das Jahr 2011 mit der Ankündigung des Erscheinens von "Fear Of God II" als ordentlich gepresster und vertriebener EP.

WRITTEN FOR Rap4Fame

 Diese EP umfasst letztendlich ein sattes Dutzend Tracks und könnte mit seiner Dreiviertelstunde Spielzeit auch als Album (respektive Street-Album) durchgehen. Einige Stücke sind bereits von anderswo bekannt, einige wurden schon vorab veröffentlicht, wer Pusha's Machenschaften verfolgt hat, den wird also kaum überraschen, was es zu hören gibt. Eigentlich sollte sich aber gar niemand darüber wundern, wenn hier vom Ausleben des durch illegale Machenschaften erworbenen Reichtums erzählt wird. Als einziger Künstler auf G.O.O.D. Music, der einen Hintergrund als "Straßen-Rapper" vorzuweisen hat, ist der Bezug zum Leben davor zwar noch ersichtlich, doch im Prinzip bewegt Pusha dasselbe wie all seine neureichen Rapper-Kollegen. Imposanter als die Inhalte ist da also die Unterstützung, die sich Pusha mit ins Boot bzw. ans Mic holt und die in puncto Relevanz als absolut hinreichend gelten darf - er hat darüber hinaus sogar den Nerv, den abgehalfterten Fifty aus seinem Geldspeicher zu zerren. Zu Gast ist der nuschelnde New Yorker mit einem überraschend lebendigen Part auf "Raid", das mit einem einfachen, aber sehr infektiösen Piano-Loop der Neptunes das stille Highlight der Platte darstellt, in dem lediglich Pharrell's Hook verbesserungswürdig ist. Die restlichen Producer sind vorwiegend nichtssagend hinsichtlich eines Gesamt-Sounds, eine Tendenz zu Südstaaten-Einflüssen ist allerdings nicht zu übersehen. Konstatieren lässt sich recht schnell, dass Pusha gerne dick mit den gepickten Instrumentals aufträgt, was manchmal gelingt, oft aber aufgesetzt klingt. In erster Linie kann hierfür "Body Work" zitiert werden, dessen völlig austauschbare Down-South-Produktion zusammen mit Juicy J's ermüdend plattem Einstieg eine durch musikalische Qualität nicht gerechtfertigte Arroganz vor sich herschleppt, die Pusha in dieser Form nicht gut zu Gesicht steht. Generell klingt der Gastgeber besser, wenn das Fundament des erworbenen Reichtums nicht aus den Augen verloren wird, beispielsweise im von dezenteren Streichern getragenen "What Dreams Are Made Of", das mit netter Erwähnung der Reagans den American Dream interpretiert. Dagegen kann man "Changing Of The Guards", "So Obvious" oder "Feeling Myself" (in denen auch Pusha mit seinem markanten Stil nicht mehr viel ausrichtet) ohne Bedenken in die Restmülltonne kippen - oder zum Recycling für den nächsten Pop-Rap-Act. Das Problem von "Trouble On My Mind" ist viel weniger seine Qualität als der Umstand, wie sehr es auf Gast Tyler zugeschnitten ist - wie sehr man hier etwas von dessen Hype abgreifen wollte, ist kaum zu überhören; abgesehen davon (und der lauwarmen Hook) ist gute Unterhaltung geboten. Weniger gilt das für den Brag-Exzess in "Amen" (in dem Kanye schlichtweg und eventuell sogar gewollt unsympathisch klingt) oder für das wieder etwas zu dick aufgetragene "My God". Wenngleich inhaltlich nicht gerade intelligenter, macht "I Still Wanna", die Verpflichtung zum Koksdealen mit Dickie Ross und Re-Up-Kollege Ab Liva, da doch etwas mehr Spaß.

Gemäß einer zeitgenössischen Beat-Norm kann man Pusha nicht viel vorwerfen, das Gebotene läuft durchgehend im relevanten Rahmen. Doch ganz gleich ob es je eingeplant war, geht der EP irgendwo in diesem Mix der rote Faden verloren, das Gefühl, es hier mit einer losen Ansammlung zu tun zu haben, ist ein Wesenszug, der die hinzukommende Schwäche einiger Tracks nur noch unterstreicht. Leider finden sich von solchen Tracks einige bis einige zu viele, zu oft mangelt es bei den Hooks oder aber die Beats wirken seelenlos. Wem das egal ist, der wird auf "Fear Of God II" genug der Clipse'schen, Coke-unterbutterten Arroganz zu hören bekommen, die auch ganz nüchtern betrachtet in einigen Stücken gelingt, als Gesamtwerk ist die EP allerdings mitnichten ein durchschlagender Erfolg.

3.9 / 10

Sonntag, 9. Oktober 2011

Lil Wayne - Tha Carter IV


Release Date:
29. August 2011

Label:
Cash Money Records / Young Money / Universal Republic

Tracklist:
01. Intro
02. Blunt Blowin'
03. Megaman
04. 6 Foot 7 Foot (Feat. Cory Gunz)
05. Nightmares Of The Bottom
06. She Will (Feat. Drake)
07. How To Hate (Feat. T-Pain)
08. Interlude (Feat. Tech N9ne & André 3000)
09. John (Feat. Rick Ross)
10. Abortion
11. So Special (Feat. John Legend)
12. How To Love
13. President Carter
14. Its Good (Feat. Jadakiss & Drake)
15. Outro (Feat. Bun B, Nas, Shyne & Busta Rhymes)

Review:
Man weiß gar nicht so recht, was man hier noch schreiben soll, denn vor dem am Ende des Jahres wahrscheinlich meistverkauften Rap-Album gibt es momentan sowieso kein entkommen - ein Album dieses Ausmaßes wurde schon vorab so breitgetreten und von allen Ecken beleuchtet, dass man sich gleich darauf beschränken kann, die wichtigen Fakten zu nennen: Nachdem Lil Wayne nach "Tha Carter III" endlich im Königshaus der gut betuchten Rap-Exzentriker und -Verrückten angekommen ist, schafft der Gnom aus New Orleans es, mit Drake und Nicki Minaj (inzwischen beide Selbstläufer) sogar zwei seiner Lakaien den Weg in die Welt der Stars zu ebnen. Es folgen ein grauenhafter Ausflug in die Rockwelt ("Rebirth"), acht Monate im Knast und ein währenddessen releastes, überbrückendes Album, bis nach Freilassung die Aufnahmen für "Tha Carter IV" von Grund auf neu beginnen.

WRITTEN FOR Rap4Fame
 
Rein zufällig setzt "Tha Carter IV" nicht nur eine knappe Million Einheiten in der ersten Woche ab, es lasten auch ähnlich hohe Erwartungen auf der Platte, denen Wayne mit einer dicken Gästeliste im Gepäck (anstatt die ganze Young-Money-Bande loszulassen) entgegentritt. Dazu kommen viele unbekannte und wenige bekanntere Producer, von denen - so viel sei jetzt schon gesagt - keiner wirklich hervorsticht. Die einzige Ausnahme hiervon mag Bangladesh sein (der sich nach kurzweiligen Beschwerden über die Zahlungen zu "A Milli" inzwischen wieder mit Wayne versteht), der die ein halbes Jahr alte, insgesamt gelungene Single "6 Foot 7 Foot" schustert, die wieder schön eingängig durch die Hörgänge rummst und einen krächzenden Weezy in seinem arroganten Element zeigt. Ohne Frage sind Songs dieses Schlags mit diversen Einzeilern sehr unterhaltsam, doch schon hier zeigt Weezy ab und an schwache Lines ("I think you stand under me if you don't understand me", in diesem Fall einfach ein alter Hut). Das wird schnell zum Problem, denn es zeigt sich, dass Weezy ausschließlich das thematisiert, was ihn in seinem Leben tangiert (der Knastaufenthalt kommt dabei noch recht kurz), in erster Linie also sein Leben als Superstar, seinen Reichtum und die für ihn feststehende Geistes- und Skillgröße. Das ist von Zeit zu Zeit in Ordnung, wird aber schnell ermüdend eintönig, zumal Wayne teilweise etwas einfallslos klingt - wer in letzter Zeit auf gefühlten 1000 Hochzeiten tanzte, bei dem verwundert das nicht. Tracks wie "Megaman" sind zu allem Überfluss auch noch alles andere als stimmlich unanstrengend. Die LP besteht also aus Tracks, in denen Wayne sich selbst feiert sowie einigen wenigen, in denen er gerne ein anderes Thema ansprechen würde, es aber nicht auf die Reihe bringt: Sollte "Nightmares Of The Bottom" seine Kittchen-Episode abhandeln? Was hat "Abortion" ("When life sucks I just enjoy the head") mit seinem Titel zu tun? Wie passen Wayne's übliche, Frauen objektisierende Proleten-Raps auf ein düsteres Streicher-Gerüst wie "She Will"? Damit hören die Sternstunden der Platte aber noch nicht auf: Zementiert in die fast durchgehend durchschnittliche Produktion, die nicht nach mehr als einem unkreativen Querschnitt dessen klingt, was aktuell angesagt ist, versucht etwa ein John Legend, in "So Special" mit feinem Gesang (aber schlüpfrigem Text), ein wenig Charakter beizusteuern, hat damit aber ähnlich wenig Erfolg wie Officer Ross im gähnend langweiligen "John". Vollkommen mit sich selbst beschäftigt ist das unschön produzierte "Blunt Blowin'", in dem man sich anhören darf, wie toll Lil Weezy genau ist. Ein ähnliches Thema pachtet auch "President Carter", nur hier stimmt der Beat und auch Lil Tunechi liefert mit einer beherrschten, ruhigeren Performance einen der besten Momente der LP. Im Gegenzug marschieren "How To Hate" und "How To Love" auf, Ersteres mit grauenhaft exzessivem Auto-Tune (während Weezy tatsächlich halbwegs fokussiert über eine Ex-Freundin spricht), Zweiteres als der bittere Tiefpunkt des Albums, eine radiofreundliche Schnulzen-Single mit haarsträubendem Gesang über irgendeine schon mehrmals (gefühlsmäßig) verletzte Dame. Wie das ins Weltbild des Lil Wayne passt, der auf fast allen anderen Tracks die Ladies um weniger Unterleibsbekleidung bittet, weiß nur der Marsianer selbst. Ein Ende hat der Spaß damit aber noch nicht, es fehlt noch "It's Good" mit einem unpassenden Jada und zärtlichen, unheimlich aufgebauschten Zeilen gegen Jay-Z ("Talkin' bout baby money? I got your baby money / Kidnap your bitch, get that "how much you love your lady"-money") sowie "Intro", "Interlude" und "Outro", allesamt mit demselben Beat, der von Willy Will mit Snaps, Kick und Hörnern solide verkleistert wurde und der Weezy selbst nur im "Intro" beheimatet. Ironischerweise machen André 3000 und vor allem der alles überstrahlende Tech N9ne den besten Track der Platte aus, dem das "Outro" (leider mit einem aus der Versenkung ausgegrabenen, unglaublich beschissen japsenden Shyne) folgt.

Egal ob man Weezy nun mag, nicht mag oder ihm gleichgültig gegenübersteht - die Ausbeute von "C4" ist mager. "Megaman" und "6 Foot 7 Foot" taugen als dick aufgetragene Feier-Songs, der Rest geht fast komplett in Disharmonie mit Wayne's kindlicher Art unter. Abgesehen von den zwei besten Songs natürlich, auf denen der Herr gar nicht vertreten ist. Die restlichen Produktionen sind zumeist herzlich uninspiriert und eines selbstgekrönten größten Rappers aller Zeiten nie und nimmer würdig, doch schließlich ist der Gastgeber ebenfalls nicht in Bestform und sehr wiederholend. Der Großteil von "Tha Carter IV" ist eine austauschbare Kollektion von anderswo in besserer Ausführung Gehörtem, dem der charismatische Zwerg aus New Orleans nicht das gewisse Etwas mit auf den Weg geben kann.

3.6 / 10

Montag, 19. September 2011

Mood - Live Again


Release Date:
21. Juli 2011

Label:
Three Below Zero Records

Tracklist:
01. Envy
02. Live Again (Feat. Big Easy)
03. Strange
04. Gangsta Goddess
05. Popular (Feat. Ianigma & Big Easy)
06. Shoot Me Down (Feat. Ianigma)
07. Drugs, War & Crime (Feat. Ragga)
08. Bad Move (Feat. Ragga)
09. Ghetto Monopoly (Feat. Zerah)
10. They Say (Feat. Zerah)
11. Profits Of Doom
12. Judgement Mourning (Feat. Ragga)
13. Apochrypha
14. Conversations (Feat. J Sands)
15. By Myself
16. More Love Than Hate (Feat. Zerah)
17. Believe (Feat. Holmskillet)
18. So Long
19. Lyrics Like These
20. X Factor

Review:
Was hat die Welt nicht auf ein zweites Album von Mood gewartet - so sehr, dass inzwischen alle Wartenden vor Spannung eingeschlafen sind. Man mag 2000 versucht haben, die komplette eigene Wanna-Battle-Mannschaft mittels einer Label-Compilation mit ins Rampenlicht zu zerren, so richtig funktioniert hat's jedenfalls nicht, was wohl auch Main Flow realisierte und kurz darauf dann seine Solokarriere ins Rollen brachte, die über die Jahre hinweg das einzige war, was vom dreiköpfigen Trio aus Cincinnati zu hören war. Für DJ und Producer Jahson interessierte sich kein Schwein und ein eventuell irgendwann erscheinendes Solo von Donte kam über ein bis zwei Ankündigungen nicht hinaus. Angekündigt und geplant ist ein neues Mood-Album schon seit über einem halben Jahrzehnt (ursprünglich geplant unter dem Namen "Hall Of Fame" mit diversen Produzenten), 2011 steht es dann aber plötzlich unter dem Namen "Live Again" vor der Tür.

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Als größte Änderung zu den eigentlichen Plänen für dieses Album stellt sich heraus, dass Jahson die komplette Produktion im Alleingang bewältigt, während Gäste vorwiegend für Refrains gebucht wurden. Ansonsten scheint es, als habe letzten Endes ein Label gefehlt, denn "Live Again" wird auf dem eigenen Three Below Zero veröffentlicht (die CDs sind auf 300 Stück limitiert), auf dem schon Mitte der Neunziger die ersten Singles erschienen. So ließe sich dann auch die fehlende Vorab-Promotion erklären. Doch den HipHop-Fan sollten solche Gedanken in Anbetracht eines neuen Mood-Albums wenig stören, die große Frage ist doch, wie sich der Sound der Gruppe in fast 14 Jahren gewandelt hat, was Donte alles zu erzählen hat und wie gut man noch harmoniert. Dies ist dann leider auch die Stelle, an der der Großteil aller Erwartungen in glasklarer Ernüchterung zusammenbricht. Erste Feststellung: "Live Again" hat mit "Doom" so wenig zu tun, dass hier gut und gerne ein komplett anderer Interpret auf dem Cover stehen könnte. An sich ist das noch kein Verbrechen, denn man muss schon leicht naiv gewesen sein, um eine Rückkehr der in sich gekehrten, dämmerhaften Sounds des Debüts erwartet zu haben. Das führt zur zweiten Feststellung: Der neu eingeschlagene Stil ist - in einem Wort zusammengefasst - überflüssig. Als man beim Brainstorming die drei Gehirnströme vereint hat, um zu entscheiden, wie man dieses neue Album angeht, ohne zu gestrig und zu austauschbar zu klingen, hat wohl der Pizzabote die Meditation frühzeitig beendet, denn das Eregbnis klingt unausgegoren und darüber hinaus unpassend. Seichte Beats, denen jeglicher Biss fehlt, füttern die Tracks von Anfang bis Ende; als wäre das nicht genug, tragen die eingangs erwähnten Gäste teils furchtbare Hooks bei, die manchmal nur unpassende Reggae-Vibes importieren, nicht selten aber schlichtweg austauschbar radiofreundliches (und zwar die unangenehme Sorte "radiofreundlich") Gedudel bedeuten. Das Problem weitet sich schnell aus: Wie schon das eröffnende, halbwegs akzeptable "Envy" lässt die gesamte LP eine Marschrichtung vermissen, weswegen die Songs munter aber vor allem gemächlich und ohne atmosphärische Ausrichtung aneinandergereiht den überschaubaren Skills von Main Flow und Donte ganz und gar nicht in die Karten spielen. Die wiederum waren der Ansicht, mit Tracks wie "Gangsta Goddess" oder "Popular" charakterloses Material über kurvenreiche (Gangster-)Damen ins Aufgebot nehmen zu müssen, die man ganz sicherlich nicht auf jedem x-beliebigen anderen Album auch fände. Ähnlich schlimm die Verpflichtung von Ragga, u.a. für die harmlose Vorab-Single "Drugs, War & Crime". Die Liste der Mängel ist lange, doch "Apochrypha" tut sich noch mit Auszeichnung als Vollmist hervor, da es (geflüstert gerappt) möchtegernavantgardistisch in stümperhafter Weise Dubstep-Spuren einstreut. Wenn mit J. Sands dann ein echter Rap-Gast am Start ist, fehlt "Conversations" dank altbackenem Sample der letzte Kick. Da steht "Profits Of Doom" als Hinweis, wie man Mood wunderbar ins Jahr 2011 hätte übersetzen können, auf vollkommen verlorenem Posten: Ein mit geheimnisvoller Glasur überzogenes Instrumental unterlegt die Kritik an der Geldpolitik der modernen Welt. Auch die Liaison mit Kollege Holmskillet gehört noch zu den besten Momenten, ebenso wie "X Factor", das eine ähnliche Richtung wie "Profits Of Doom" einschlägt.

Bei der kargen Ausbeute guter Tracks hilft selbst ein guter Ausstieg nichts mehr, denn da die Scheibe ganze 77 Minuten vor sich hinschippert, fällt das Anhören äußerst mühsam aus und relativiert die Lichtblicke gehörig. Der Großteil ist nämlich mit Belanglosigkeit gefüllt, die viel zu willkürlich wirkt, um für einen beliebigen Künstler zufriedenstellend zu sein - schon gar nicht für Mood, deren Reputation als Gruppe sowieso nur auf ihrem ersten Album und dessen Atmosphäre beruht und logischerweise in "Live Again" eine würdige Addition gefordert hat. Die können Mood nicht liefern, "Live Again" hat zwar selbst in seinen geschlechtslosen radiotauglichen Minuten einige solide Minuten zu bieten, führt insgesamt aber lediglich zur Feststellung, dass man es wohl lieber beim unbehafteten Antlitz von "Doom" belassen hätte.

3.5 / 10

Freitag, 22. Juli 2011

The Undergods - In Gods We Trust: Crush Microphones To Dust


Release Date:
31. Mai 2011

Label:
RBC Records / Sound Records & Entertainment

Tracklist:
01. Enter The Adonai (Intro)
02. Rock Wit Us (Feat. Planet Asia)
03. No Brainer
04. Undergods Roll
05. 129
06. Freestyle A Chorus
07. The Guilty Will Pay (Feat. Crooked I & Eric Sermon
08. Stop Frontin'
09. Follow El Shaddai
10. Supreme Lyrical Beings (Interlude)
11. Show Em’ What Crazy Is (Feat. Tech N9ne)
12. Torsion Fields
13. We Blakout Too
14. Gotta Be Real (Feat. Urban Rose)
15. The Princes Of Persia
16. Secret Weapons
17. Rise Of The Machines
18. Tetragrammaton Gods (Feat. Born Sun & Joe The Butcher (Bonus)

Review:
Auf den ersten Blick möchte man dieses Projekt direkt in die überflüssige Schublade der in letzter Zeit so häufig und teils willkürlich zusammenpurzelnden Veteranen-Kollabos stecken, doch Canibus und Keith Murray hatten die Idee zu einem gemeinsamen Album schon wohl seit Mitte der Neunziger, lediglich die Situation der jeweiligen Solokarriere ließ die Idee erst zum (gewissermaßen ungünstigen) jetzigen Zeitpunkt wahrwerden. Als The Undergods nimmt man nun schon seit bald zwei Jahren zusammen Tracks auf, von denen es erstmals auf der Ende 2009 releasten EP einige zu hören gab. Für "In Gods We Trust: Crush Microphones To Dust" konnte man außerdem RBC als Vertrieb gewinnen.

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Wer die EP schon kennt, dem wird auffallen, dass es einige der dort vertretenen Songs aufs Album geschafft haben, der Großteil ist aber natürlich neu und insgesamt kann man auch mit einer ansehnlichen Producer-Liste protzen: Erick Sermon steht für die Undergods als Executive ein, weiter versammeln sich u.a. Bronze Nazareth, Jake One, Shuko, die Beatminerz oder Godz Wrath. Die Zusammenstellung klingt also gar nicht so schlecht, hat aber nichts mit dem Grundproblem dieser LP zu tun: ihrer Notwendigkeit. Wer in einer beliebigen HipHop-Diskussionsrunde nach den meistgewünschten Traumkollabos fragt, der wird nirgends den auftretenden Zusammenschluss von Canibus und Keith Murray hören, denn es gibt wenig bis nichts, was Canibus und Keith verbände oder eine Kollabo der beiden nahelegte. Genau genommen passen die beiden überhaupt nicht zusammen, selbst die Battle-Raps, die eine klare Schnittmenge bilden, sind völlig verschieden strukturiert - von Flow, Stimme oder Atmosphäre, mit der man bisherige Projekte in Verbindung brachte oder in der die beiden jeweils am besten funktionieren, sei hier gar nicht die Rede. Wieso also so eine LP? Ein Canibus kann jedenfalls kaum darauf angewiesen sein, konnte er doch 2010 recht erfolgreiche Soloalben veröffentlichen. Man mag sich nun fragen, ob solche Überlegungen überhaupt notwendig sind, doch beim Hören der Platte fällt schnell auf, dass sie die Quintessenz sämtlicher (reichlich notwendigen) Kritik darstellen. Bei den Undergods passt oft einfach nichts zusammen. Bis auf die regelmäßige Feststellung, dass das Duo die dicksten Eier am Tisch hat, fehlt ein Konzept, die Beats lassen eine richtige Marschrichtung vermissen, es ist - auf den ungeschönten Punkt gebracht - ein einziges Trauerspiel. Gut ist das, was an Beats zusammengetragen wurde, nämlich auch nicht. Mal wird in "Rock Wit Us" ein total überstrapaziertes Samples von Margie Joseph nur durchschnittlich gut umgesetzt, an anderer Stelle versumpft Erick Sermon ("Stop Frontin'") in geradezu wütend machender Langeweile. Canibus spuckt zwar über das ganze Album hinweg seine scharfen Lines, zwischen beschissenen Hooks und falsch gewählten Instrumentals steht er aber zumiest auf vollkommen verlorenem Posten, während Keith Murray seine meist sehr ähnlichen Rhymes das Album rauf- und runterschiebt und dabei nur auf (sehr rar gesähten) guten Tracks nicht anstrengt. Die Liste der hörenswerten Nummern ist erschreckend kurz: "Follow El Shaddai" steht Canibus sehr gut zu Gesicht und schmeichelt auch den Raps von Keith, dem darauffolgenden Interlude ist nichts vorzuwerfen und in "Show 'Em What Crazy Is" wird ein einziges Mal gemeinsam auf die Kacke gehauen, weshalb man die Entscheidung, den stark loslegenden Tech N9ne einzuladen, loben muss. Der Rest praktiziert so ziemlich alles, was an solchen Kollabos verachtenswert ist: Shuko hat anscheinend etwas Schlechtes gegessen und erbricht "No Brainer", "Princes Of Persia" versemmelt seinen Nahost-Einschlag und harmonisiert dabei so wenig mit den Emcees, dass die Trommelfelle weinen, bei "Torsion Fields" darf sich die Hörerschaft dann nochmal im Gähnen überbieten und das (pseudo-)politisch inszenierte "Secret Weapons" ist ebensowenig ernstzunehmen wie "Rise Of The Machines", das mit dem Großteil der LP auf der Stelle tritt. Wer nach Lichtblicken sucht, dem wird der Bonus-Cut "Tetagrammaton Gods" noch halbwegs positiv auffallen, während auch "Freestyle A Chorus" durchaus erträglich ist und das "Intro" zu den stärksten Momenten der Scheibe zählt.

Und wieder muss man zurückkommen zur Frage: warum? Warum zur Hölle dieses Album? Selbst mit besseren Beats bliebe immer das sehr essenzielle Problem, dass Canibus und Keith Murray kein Kollaboalbum aufnehmen sollten, weil sie damit automatisch ihre jeweiligen Stärken neutralisieren. Doch man dürfte Freudentränen weinen, wenn dieses das einzige Problem der Scheibe wäre. Oh nein, zu allem Überfluss kommt eine miserable Beat-Auswahl hinsichtlich Kohärenz hinzu, in der der masochistische Hörer sogar noch einige besonders garstige Anwärter für seinen Mülleimer ausmachen kann. Unterm Strich und bei Betrachtung der einzelnen Komponenten ist "In Gods We Trust" sicherlich kein miserables Album, es hat auch nicht viele Totalaussetzer vorzuweisen, doch in seiner Gesamtheit passt einfach gar nichts zusammen, was das Hören des Albums zu einer Angelegenheit macht, die man sich nur antun sollte, wenn man gedenkt, aufgrund dieser schlechten Umsetzung ein paar Aggressionen aufzubauen.

3. 3 / 10

Dienstag, 5. Juli 2011

Showbiz & KRS-One - Godsville



Release Date:
03. Mai 2011

Label:
D.I.T.C. Records

Tracklist:
01. Godsville (Intro)
02. Improve Myself (Touch Version)
03. Show Power
04. We Love This (Feat. Fred The Godson)
05. This Flow
06. The Truth
07. Legendary
08. Hear Me More
09. Running In The Dark
10. Improve Myself
11. Another Day (Feat. Jay Nortey)
12. Show Power (Park Jam Mix) (Bonus)
13. Another Day (Park Jam Mix) (Bonus)

Review:


Der verrückte HipHop-Opa hat wieder zugeschlagen: Anscheinend hat KRS-One den festen Entschluss gefasst, mit der Zahl der von ihm veröffentlichten Alben die seiner verlebten Lenze zu überholen. In jedem Fall scheint er außerdem Freude an Kollabos mit New Yorker Produzenten gefunden zu haben, denn nach Marley Marl und True Master folgt nun ein Projekt mit Showbiz. Die zwei Künstler, die beide aus der Bronx stammen, arbeiten nicht zum ersten Mal zusammen, bekanntermaßen wurde einer von Kris' größten Hits ("Sound Of Da Police") von dem Beat-Bastler aus den Reihen der D.I.T.C.-Crew produziert. Dass mit "Godsville" an diesen Erfolg wohl nicht ganz angeknüpft wird, war allerdings abzusehen.

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Anscheinend hat man "Meta-Historical" für etwas zu lang befunden, denn "Godsville" besticht schon auf den ersten Blick durch seine Überschaubarkeit und stellt sich mit seinen 35 Minuten Spielzeit dann auch als Dreiviertelalbum heraus. Doch die Scheibe kommt sowieso mindestens 15 Jahre zu spät, denn seit "Meta-Historical" ist kein Wunder geschehen und KRS befindet sich immer noch in einem geistigen Dämmerzustand, in dem es in der Regel keine gute Idee ist, ihm ein Mikro vor den übergroßen Kiefer zu halten. Es war also schon vor Albumveröffentlichung ein offenes Geheimnis, dass bei den Raps nicht viel passieren würde - zumal der Titel kein Thema andeutet, das sich vom gewöhnlichen Teacha-Gesabbel abheben würde. Bleibt also Showbiz, von dem man schon seit einiger Zeit nicht mehr so viele Beats auf einmal gehört hat. Wie sich herausstellt beherrscht der Bronx-Veteran sein Handwerk noch recht ordentlich, verpasst hat man aber auch nichts. "Godsville" ist - hart gesprochen - eines dieser Alben, das sich in ein paar Sätzen zusammenfassen ließe, ohne dass man dabei inhaltliche Kürzungen zu unternehmen hätte. "Bringin' back da 90s cause we love that" tönt KRS im langweiligen "We Love This", das einfach viel zu wenig zu bieten hat, als dass es sich rentiert hätte, Fred The Godson überhaupt erst einzuladen. Ein ganz simpler Piano-Loop und eine farblose Drumline, das kombiniert selbst der Hobbyamateur aufregender. In "This Flow" kommt direkt im Anschluss noch ein füllendes Streicher-Sample zur Rezeptur hinzu und macht zumindest den Beat geringfügig besser, wenngleich KRS konstant mit schwachen Punchlines nervt. Das ganze Album ist traurig eindimensional: Entweder KRS wandert durch seinen illusorischen HipHop-Tempel (in dem er als Religionsstifter selbstverständlich heilig ist), transformiert seine immergleichen Kindergarten-Lines ins 21. Jahrhundert ("We don't even write no more, we e-mail") oder ergeht sich in Battle-Raps, die auf den immergleichen Typus des ignoranten Corporate-Rappers zielen, der zusammen mit seinen Arbeitgebern die Schuld an der ganzen Misere, in der sich das Genre befindet, trägt. "Running In The Dark" propagiert ein Leben in Mittellosigkeit als Weg zur Rückkehr zu gutem HipHop und "Another Day" kann sogar ein paar Pluspunkte sammeln, da es den profanen lyrischen KRS-Standard zur Seite legt, um über einen ganz gewöhnlichen Tagesablauf zu erzählen - wer hätte gedacht, dass ein solches Thema einmal als erfrischende Abwechslung begrüßt werden würde. Dieser als auch zwei weitere Tracks finden sich doppelt (jeweils mit neuem Beat) auf dem Album, der Remix zu "Another Day" übertrumpft dabei sogar das Original, ansonsten sind die ohnehin schwer repetitiven Raps von Kris in doppelter Ausführung aber grauenhaft redundant und kaum hörbar, zumal Show nichts tut, um von ihnen abzulenken.

Was "Godsville" hätte retten können wäre eine fulminante Show seitens Showbiz. Ausfüllende, Aufmerksamkeit verlangende Beats, wie True Master sie zumindest ansatzweise parat hatte. Doch Show entscheidet sich dazu, recht gewöhnliches Material aufzureihen und das Ganze sehr locker und entspannt anzugehen. Damit geht dann auch die ohnehin kleine Wahrscheinlichkeit, dass dieses Album eine lohnende Angelegenheit sein könnte, flöten. Doch es gibt Licht im Dunkeln, denn "Another Day" führt zumindest vor, wie KRS-One auf einem hoffentlich nicht allzu bald erscheinenden neuen Album seine Hörer nicht komplett vergraulen würde, zumal er das Rappen an sich ja noch gut beherrscht. Mit einem anderen Thementeppich wäre auch "Godsville" kein schlechtes Album geworden, wenngleich ein vollkommen unspektakuläres. Doch fernab dieser Wunschträume krebst das Duo KRS/ Show als zeitweiser Nervtöter irgendwo zwischen Langeweile und Belanglosigkeit herum. Zwei Kronen für das Album selbst, eine halbe Abzug wegen KRS. Glücklicherweise dauert das Unterfangen nicht besonders lang.

3.3 / 10

Sonntag, 22. Mai 2011

Del The Funky Homosapien - Golden Era


Release Date:
19. April 2011

Label:
The Council

Tracklist:
01. Break The Bank
02. Calculate
03. Double Barrel
04. Makes No Sense
05. One Out Of A Million
06. Pearly Gates
07. Raw
08. Upside Down
09. Descending
10. Fallout

Review:
Dafür, dass er eine der schillerndsten und herausragendsten Figuren der HipHop-Szene ist (wer ihn einmal gehört hat, der wird sich an ihn erinnern), war es in letzter Zeit recht still um Del The Funky Homosapien. 2008 ließ er sich kurzzeitig auf Def Jux für ein inzwischen großteils wieder vergessenes "Eleventh Hour" nieder, ein Jahr darauf setzte es eine Kollabo mit Tame One. Außerdem gab es noch das kostenlose Download-Album "Funk Man" sowie zwei digitale Alben ("Automatik Statik" und "It Ain't Illegal Yet"). Doch all dies erregte kaum Aufmerksamkeit. Das wird sich wohl auch nicht mit Del's neustem Unternehmen ändern, für das ihm The Council zur Seite steht: "Golden Era" ist ein Dreiteiler, presst "Funk Man" und "Automatik Statik" erstmals auf CD und enthält obendrein noch wesentlich interessanteres - nämlich neues - Material.

WRITTEN FOR Rap4Fame
 
Mit zehn Tracks und unter 40 Minuten gestaltet sich der exklusive, neue Teil von "Golden Era" recht überschaubar, doch da komplett auf Hilfe von außen verzichtet wurde, muss man nicht fürchten, zu wenig von Del zu bekommen. Der gewählte Titel klingt nach einer dieser Renaissance-Touren, die sich nostalgisch in Vergangenem verlieren, was an sich schon nicht notwendig ist, aber gleich noch viel unmittelbarer die Frage nach der Notwendigkeit aufwirft, wenn man an "Parallel Uni-Verses" zurückdenkt, das eine solche Retro-Tour bereits stilvoll absolvierte. Diesbezüglich darf glücklicherweise Entwarnung gegeben werden, denn Del's Ziel ist ein anderes: "Things can't stay the same, they got to change, get that in your brain!" heißt es schon im ersten Song. Natürlich hat dem Funky Homosapien niemand seine gute Laune genommen, weswegen der ganze Longplayer von seinem Signature-Flow überzogen ist, der Lines wie "passin' you the wild card / Anything's possible when I drop a flow" hervorbringt. Ist also alles wie gehabt? Nein, leider ganz und gar nicht, denn irgendwo bei der Planung von "Golden Era" scheint man vergessen zu haben, einen fähigen Produzenten an Del's Seite zu stellen, denn was einem hier so entgegenschallt kann kaum ernst gemeint sein. Der Opener "Break The Bank" ist zwar harmlos, aber noch ganz nett, doch was dann folgt ist nicht feierlich: Im als experimentell-relaxed gedachten, aber letztendlich lediglich lärmenden "Double Barrel" ist Del wirklich der einzige Grund, dass der Track nicht sofort implodiert. Der Großteil der Songs plätschert aber in schamloser Langeweile vor sich hin, wäre dabei wohl gerne ein wenig oldschoolig bis jazzy (denn wenn schon, dann bezieht Del's goldene Ära sich wohl auf die auslaufenden Achtziger), erreicht sein Ziel aber praktisch nie. Lediglich "One Out Of A Million" macht als gut gelaunter Kopfnicker richtig Spaß, wenn man nach weiteren Lichtblicken sucht mag man eventuell noch "Raw" nennen. "Makes No Sense" könnte sich auf dessen Wahl ins Album-Lineup beziehen, adressiert aber Nonsens-Raps, die für Del wohl zu zahlreich in der Szene vertreten sind. Mit der kaputten Szene beschäftigt Del sich sehr oft, unter anderem auch im (erneut) öde-trockenen "Upside Down", was natürlich nicht ohne Ironie anzuhören ist, wenn sich kurz davor ein Skip-Track wie "Pearly Gates" sonnt und das Album sein Ende mit einem Nervtöter wie "Fallout" nimmt, bei dem sich wirklich jede Sympathie für Del in Luft auflöst.

Es ist schlichtweg unbegreiflich, wie ein derart talentierter Künstler ein solches Album vorlegen kann. Del's Stimme ist eine der einzigartigsten, witzigsten und angenehmsten der Rap-Szene und trotzdem schafft es der Mann, durch stinklangweilige Monotonie am Schluss selbst einschläfernd zu klingen. Das Problem liegt allerdings nicht bei Del selbst, sondern bei den Beats, die man beinahe als Frechheit bezeichnen möchte. Ironischerweise stellten Tame One und Del auf ihrem "Flashback"-Track selbst die Frage, was mit der Szene passiert sei - nun kann man diese Frage gleich an Del zurückgeben. Ganz gleich wie egal ihm der Rest der Szene ist, mit "Golden Era" trägt er doch zum selbst beklagten Verfall bei. Dabei sollte es für ihn eigentlich kein Problem sein, sich ordentliche Produzenten zu suchen und mit dem nächsten Projekt (vielleicht Deltron?) wieder gute Musik aufzunehmen.

3.9 / 10

Mittwoch, 27. April 2011

Wise Intelligent - The Unconkable Djezuz Djonez


Release Date:
08. Februar 2011

Label:
Intelligent Muzik

Tracklist:
01. Crown of Thornz
02. Introduce Ya Self
03. My Crucifix
04. Water Walker
05. Illuminati
06. Sow Djezuz (Feat. Tye Austin)
07. Somethin' About Mary (Feat. B. Smith)
08. What Would Djezuz Do? (Underdog)
09. Zion (Feat. Rahzii Highpower)
10. Undergroundspiritualgame
11. Hey Brutha Man (Feat. Tye Austin)
12. Mark of Da Beast
13. Intelligent Dezign (Feat. Courtney Danger)
14. Miracles (Feat. Contro'versy)
15. Muthafuckasizhatinonme
16. I Will Die 4 U (Roman Cross)

Review:
Sieben Teile soll Wise Intelligent's "Back 2 School"-Reihe lang werden. Ein ordentliches Ziel, wenn man bedenkt, dass der erste Teil schon wieder fast vier Jahre auf dem Buckel hat. Darüber hinaus erweckte der talentierte Timothy Taylor in der Zwischenzeit nicht gerade den Anschein großer Geschäftigkeit. Zumindest weiß man nun, dass der Schein trügt, denn neben dem Ausbau seines independent operierenden Intelligent Muzik stehen fürs Jahr 2011 zwei Bücher sowie schon der dritte "Back 2 School"-Teil an. An dieser Stelle soll aber erst einmal der zweite ins Kreuzverhör genommen werden, nach dem Lob, das Wise vor vier Jahren einfahren konnte, darf man schließlich gespannt sein, was er sich bei einem Namen wie "The Unconkable Djezuz Djonez" (diesmal ohne auswärtige Label-Unterstützung) hat einfallen lassen.

Djezuz Djonez ist eine von Wise Intelligent erfundene Person, ein weiteres Alter Ego seiner selbst, das als schwerwiegendes Gleichnis die Probleme der heutigen Gesellschaft behandelt - ein Freund inhaltsloser Texte war Wise schließlich noch nie. Vom "modern day Rome" hört man (auch in Rap-Songs) des Öfteren, Wise Intelligent geht noch einen Schritt weiter und bürdet sich selbst die Figur des Messias auf, der dem unterdrückten Volk Hoffnung spenden soll. Ansonsten hat sich nicht übermäßig viel geändert seit der ersten Unterrichtsstunde, die Zahl der Gäste bleibt weiterhin gering und hinter den Boards sind wieder Masada und Paul "PJ" Little Jr., diesmal mit Verstärkung von Big Scott und D-Rel, zu finden - kurz gesagt Niemande allererster Güteklasse. Wo diese Herren schon 2007 der Grund für den einen oder anderen Schwächeanfall waren, brechen sie Wise Intelligent diesmal das Genick. Gegen das, was einem hier teilweise verkauft wird, ist das Cover ein geschmackvolles Meisterwerk. Saft- und kraftlos plätschert ein Großteil der Beats mit vollkommen impotenten Snares vorbei, meist noch bestückt mit müden Samples. Das ist doppelt schade, denn Wise Intelligent zeigt, dass er am Mic noch keinen Zentimeter abgebaut hat und flowt mit jugendlicher Kraft nach Belieben über alles, was ihm über die gesamte Spielzeit hinweg so vorgesetzt wird. Dass in dem, was er zu sagen hat, nicht alles ganz schlüssig ist und dass sich darin einige Wiederholungen finden, stört nur bedingt. Neben der vorherzusehenden Systemkritik lässt Wise es sich nicht nehmen, sich in intellektueller Hinsicht über den Rest der Rapper-Bande zu stellen (zu großen Stücken wohl nicht ganz zu Unrecht). Das ist auf Tracks wie "Introduce Ya Self" sowieso egal - wer sich solche Beats wählt, der ist selbst schuld. Die Ausnahmen sind sehr rar gesäht: "Miracles" bezieht seinen Soul von den Jackson Sisters und importiert den Charme des Samples für die Hook. Auch "Hey Brotha Man" geht gut ins Ohr, hier sorgt Tye Austin für harmonische Vocals, während Wise gewohnt stark aufspielt ("Black Entertainment Television listen, if you're representing Black musicians, you'd be propagating my position"). An genug Stellen findet sich außerdem halbwegs mittelmäßige Kost, "What Would Djezuz Do?" etwa ist wegen der flotten Raps hörenswert. Die können auf Albumlänge jedoch anstrengen, weswegen man Songs wie das ohnehin schwache "Zion" sofort überspringen kann. Im Anfangsteil der LP wird das Jesus-Konzept noch stärker verfolgt, was sich schon an den Titeln ablesen lässt, jedoch keineswegs zu besseren Tracks führt: Die Zeit, die man für "Water Walker", "Crown Of Thornz" oder "My Crucifix" aufbringen muss, ließe sich auch sinnvoller investieren. Dann wäre da schließlich noch "Illuminati". Abgesehen davon, dass die armen Illuminaten inzwischen anscheinend für alles Verschwörungstheoriebezogene herhalten müssen, kritisiert der musikalisch sehr lauwarm untermalte Song idiotische Theorien über den Einfluss der Erleuchteten in die HipHop-Welt und inszeniert sie stattdessen (nicht minder amüsant) als Sklaventreiber, die natürlich in erster Linie das schwarze Volk auf dem Kieker haben.

Ist es zu viel verlangt, vom heilsbringenden Messias der Massen auch ein paar gute Beats zu erwarten? Anscheinend. Es ist ja nicht so, dass Wise Intelligent nicht die Möglichkeit hätte, andere Quellen anzuzapfen, was es umso unverständlicher macht, dass er sich auf einen qualitativ sehr schwankenden Haufen Unbekannter verlässt - vielleicht musste man ja sparen. In jedem Fall präsentiert der unbezwingbare Djezuz Djonez einige interessante textliche Konzepte und vor allem einen immer noch schwer agilen Flow, der definitiv in der ersten Liga mitspielt. Wise Intelligent's drittes Album hätte also durchaus ein Volltreffer werden können, mit den gewählten Beats bleiben allerdings wenige Tracks, die zu empfehlen sind.

4.0 / 10

Da Circle - 360° Deal


Release Date:
22. Februar 2011

Label:
Viper Records

Tracklist:
01. Intro (Wuddup?!?!)
02. Circle Anthem
03. Reality Check
04. Revolution (Feat. Hasan Salaam)
05. Smack
06. Napalm (C.O.W.) (Feat. Immortal Technique)
07. Cuff Da Fists
08. 4 Profits (Feat. Ill Bill & Math Hoffa)
09. Going Crazy
10. Red Devil Lies
11. Time Zone (Feat. Chino XL)
12. Militia (Feat. J Arch, CF & Poison Pen)
13. Swallowtics
14. In Da Groove
15. Spanish Fly
16. Underground
17. Outro

Review:
Welch Glück, dass man sich auch in absehbarer Zeit nicht darüber beschweren können wird, dass die Realness-Prediger im HipHop aussterben. Hier hat man es wieder mit zwei solchen Exemplaren zu tun, genannt Da Circle. Das Duo, das bei der Namenswahl fraglos einen Kreativitätserguss hatte, besteht aus Fatz D' Assassin und Goodtime Slim, welche die Bronx bzw. Brooklyn ihre Heimat nennen. Die beiden besuchten die High School of Graphic Communication Arts und machten ihre ersten Rap-Schritte in einer sechsköpfigen Gruppe, die schnell wieder zerfiel. Als Da Circle setzt man die Bestrebungen fort und gewinnt nach einiger lokaler Aufmerksamkeit in der Battle-Szene den Zuspruch von Ringrichter Poison Pen, was den Bogen zum jetzigen Signing bei Viper Records und dem Debütalbum "360° Deal" spannt.

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Auch wenn die beiden neben zwei Mixtapes schon ein Album in der Pipeline hatten, das aufgrund negativen Feedbacks an fast allen Ecken und Enden wieder eingestampft wurde, darf "360° Deal" als die erste Reifeprüfung der zwei New Yorker angesehen werden. An Bord von Viper Records und damit als Teil von Immortal Technique's Rebel Army spricht eigentlich alles für politisch geladene Revoluzzer-Kost, wie man sie zumindest nicht überall zu hören bekommt. Doch die äußeren Bedingungen trügen, denn kurz gesagt ist Da Circle nicht viel mehr als ein typischer Eastcoast-Act ohne jedes weitere Markenzeichen. Das herauszufinden ist weder sonderlich schwer noch dauert es besonders lang, nämlich so lange, bis im "Intro" Eddie Murphy und das "Life"-Sample verstummen, um Bunny Sigler's bereits (zu) oft verwendetem "Half A Man" Platz zu machen. Spätestens an dieser Stelle sollte man sich jeglicher törichter Hoffnungen, dass sich auf diesem Album noch etwas ändern, etwas Aufregendes passieren könnte, entledigen. Da Circle sind so haargenau Post-2000-Retro-BoomBap, dass es nicht selten schmerzt. Das mag auf den ersten Blick nicht so aussehen, schließlich finden sich im Producer-Lineup auch Namen wie Buckwild oder Sick Jacken, doch kurz gesagt ist alles an "360° Deal" unangenehm bieder. Das fängt dabei an, dass sowohl Fatz als auch Slim genau so spucken, wie sie aussehen: erwachsen, gemächlich, unaufgeregt. Gerade die Tatsache, dass das Duo als Newcomer trotzdem die souveräne Veteranen-Schiene (man erinnere sich an The UN im Jahre 2004) hätte fahren können, dies aber vollkommen verschläft, ist ärgerlich. Man klingt schlichtweg wie der nächste "Früher war alles besser"-Jammerer, ohne dabei eigene Akzente zu setzen. Fast alle angesprochenen Themen sind dem großen Buch der Austauschbarkeit entnommen, lediglich "Red Devil Lies" hat als Fingerzeig auf das böse Geld als Motivation für Übel einige gute Zeilen parat, doch prompt ist der Beat zum Einschlafen. Ironischerweise wird kurz davor selbst zur Monetenhatz geblasen, wenn Buckwild in "4 Profits" den besten instrumentalen Untersatz der Scheibe serviert. Ansonsten legen Da Circle ausführlich ihre Ansichten über die wahren HipHop-Werte (die gar nicht so verkehrt sind) dar (z.B. "Reality Check"), untergraben sich jedoch beständig durch die eigene Mittelmäßigkeit. Da macht selbst ein Immortal Technique im natürlich systemfeindlichen "C.O.W." keinen großen Spaß, wähernd ein seine Gastgeber an die Wand rappender Chino XL ebenfalls auf recht verlorenem Posten kämpft. "Swallowtics" ist ganz solide gemacht, wenngleich der hundertste Track über orale Blockabfertigung keinen Hund mehr hinterm Ofen hervorlockt - ebensowenig wie feuchte Träume über rassige Latinas in "Spanish Fly". Gut gefertigte Tracks wie "Militia", "In Da Groove" oder das "Outro" sind Schadensbegrenzung, Blumentöpfe gibt's dafür jedoch keine.

Es ist das immergleiche Problem, nur noch etwas verschärfter. Dabei ist es natürlich amüsant, dass Da Circle im festen Glauben ins Feld ziehen, ein Statement für die rechte Sache abzugeben, während ihr Debüt in Wirklichkeit nur ein weiterer Beweis dafür ist, dass man mit der rezeptgetreuen 08/15-Retro-Schiene nur noch sehr selten etwas reißen kann. Fatz und Slim können nichts dafür, die Szene braucht zwei solche Kerle im Moment einfach nicht. Hart gesprochen kann man Immortal Technique darüber hinaus den Vorwurf machen, dass seine Rebel Army mit solchen Mitgliedern nichts ausrichten wird. Um diesem Theater jedoch ein Ende zu machen: "360° Deal" heißt: zwei ambitionierte Rapper, die nichts Neues zu erzählen haben, ihren Job oft nicht verkehrt machen, aber auf so ausgetretenen Pfaden wandeln, dass der Hörer neben einigen akzeptablen Tracks vorwiegend Gleichgültigkeit verspürt.

3.9 / 10

Donnerstag, 26. August 2010

Dyme Def - Sex Tape


Release Date:
01. Juni 2010

Label:
800 LB

Tracklist:
01. I Got You
02. Timeless
03. Do Something
04. All Night Long (Feat. Spaid)
05. First Time (Feat. Spaid)
06. Do It Better
07. Antedote
08. Rockin' The Boat
09. Wet Dreams (Feat. Spaid)
10. La Bamba
11. Wet Dreams (Skit)
12. Wet Dreams 2

Review:
Dyme Def traten erstmals 2007 vor ein größeres Publikum, als sie ihr Debütalbum "Space Music" unter weitgehend positiver Resonanz veröffentlichten. Das Trio konnte dank eigenen und Beats von Bean One auf guter Produktion aufbauen, auf denen sie mit ihren freshen Raps von Seattle aus einen kleinen Hype aufbauen konnten. Die Folgezeit überbrückten S.E.V., Fearce Villain und BrainStorm mit dem üblichen Füllmaterial: Mixtape und EP. 2010 gelingt ein Glückswurf: Man tut sich mit der Klamottenmarke T.I.T.S. (Two In The Shirt) zusammen, die parallel zum neuen Album eine kleine Kollektion veröffentlichen. Selbiges Album heißt nicht nur "Sex Tape", es hat auch das dringende Anliegen, dem Hörer das Titelthema ausführlichst darzulegen.

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Ein komplettes Album über die fleischliche Lust also. Neuland beschreiten Dyme Def damit keinesfalls, die Darstellung der unzähligen Spielvariationen der Sexpartien diversester Rapper wird im HipHop seit jeher ausführlich betrieben. Wenn man diesem Thema ein ganzes Album widmet, dann sollte etwas mehr Witz und Ideenreichtum dahinterstecken als beim lüsternen Fickbericht einiger zu reicher, sich selbst aufgeilender Rapper. Vielleicht sollte man zuvor noch den banalen Beweggrund, der überhaupt erst zu diesem Album geführt hat, unter die Lupe nehmen: Mit "Space Music" habe man der Welt gezeigt, dass man des Rappens macht ist, doch da man keinesfalls auf der Stelle treten wolle, wird nun Neuland beschritten. Eine geheiligte, vielversprechende Motivation steht also nicht hinter dem Seattle-Trio. Zumindest konnte neben Beats von BrainStorm selbst, Tryfe und Tha Bizness wieder Bean One gewonnen werden. An der Mittelmäßigkeit, mit der man auf dieser Scheibe übergossen wird, ändert das leider rein gar nichts. Denn wo "Space Music" noch seinen eigenen Stil und somit Charme hatte, sucht "Sex Tape" irgendwo zwischen aktuellen Trends seinen Weg zum Erfolg - ein bisschen Hipster hier, ein wenig Electro da. Nicht viel besser sieht es bei den Lyrics aus: Fast jeder einzelne Song handelt in plumper Art und Weise die männlichen Gelüste ab. Natürlich sind S.E.V., Fearce und BrainStorm dabei die drei Oberstecher, die höchstens mit dem Finger schnipsen müssen, um bei sämtlichen Frauen in näherer Umgebung die Körpersäfte zum Fließen zu bringen und sie zu bereitwilligen Bückstücken zu machen. Dabei liegt es sicherlich nicht im Sinne des Trios, das weibliche Geschlecht zu Sexobjekten zu degradieren, in anderer Rolle treten die Damen hier trotzdem nicht auf. Dass auf den Tracktitel "All Night Long" nicht schon lange die Todesstrafe steht, rächt sich einmal mehr in einem vergessenswerten Song. "Antedote" setzt Dyme Def als die potenten Tröster für alle Mädels in beschissenen Beziehungen in Szene, während "Do Something" über ein grottiges Drum-Unwetter nicht mehr als ein Brunftruf ist. Scharfsinnig wird durchschaut, wenn das Gegenüber die versauten Stellungen nicht zum ersten Mal ("First Time") in Angriff nimmt, "La Bamba" dagegen widmet sich in miserabelster Weise einem der Heiligtümer der pauschalisierten Raptexte - dem weiblichen Hinterteil. Der einzige Track, der wirklich aus der Reihe tanzt, ist "Timeless", ein smoother, großartig produzierter Kopfnicker, der zur Ausnahme die drei Jungs unter den Zauber ihrer Angebeteten stellt. Der große Rest ist meist anhörbar, hinterlässt aber keine Spuren, so auch die beiden "Wet Dreams", in denen Dyme Def ihren Fantasien noch einmal freien Lauf lassen können: "She love it when I'm in her, she say that I'm the man / She tell me 'Go deep!', I'm like 'Bitch, that was the plan!'"

Es ist nicht die grundsätzliche Thematik, die dieses Album schon von vornherein zugrunde richtet; es ist die wenig originelle Art und Weise, in der S.E.V., Fearce und BrainStorm sie aufbereiten. Da dieser Missstand vor allem dank vereinzelt auftretender lustiger Lines noch zu verkraften wäre, helfen die Produzenten fast durchgehend mit uninspirierter Arbeit nach - es scheint, als habe man in viele Richtungen geblickt, sich für keine entschieden und stattdessen von vielem ein Bisschen mitnehmen wollen, was zu einem Beat-Teppich führt, der nicht langlebig genug ist, um für mehrere Hörgänge zu halten. "Sex Tape" ist eine künstlerische Weiterentwicklung von Dyme Def, leider aber keine erfreuliche. Bleibt abzuwarten, was sie mit "Space Music 2" anstellen.

3.6 / 10

Samstag, 20. Februar 2010

Kosha Dillz - Beverly Dillz


Release Date:
10. November 2009

Label:
Diamond Music Group

Tracklist:
01. DooDoo
02. L.A. Ish
03. Fat Love
04. Dilly Wonka
05. Cellular Phone
06. Jungle
07. See What I'm About (Interlude)
08. Puddles (Feat. Yak Ballz)
09. Taste Good
10. Friends (Feat. Sum)
11. Bubble Gum Pop
12. Pray
13. Kol HaKavod Lirkod

Review:
Bei einer Aufzählung jüdischer Rapper in der amerikanischen Szene braucht man nicht lange - der zur Zeit mit Abstand angesagteste Name ist dabei Kosha Dillz. Rami Even-Esh ist bekannt für seine Freestyle- als auch Battle-Qualitäten, konnte sich aber erst 2008 so richtig etablieren. "Freestyle Vs. Written" war ein Kollaboalbum mit C-Rayz Walz, dem der MC aus New Jersey nun mit seinem Solodebüt einen Nachfolger beschert. Der Titel "Beverly Dillz" kommt nicht von ungefähr, die Aufnahmen fanden tatsächlich in der kalifornischen Stadt statt, während die Texte laut Pressetext in "various overpriced coffee houses and internet cafes throughout the city" verfasst wurden.

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Während er sich beim letzten Mal noch auf Kentron Da Mastadon verließ, hat Kosha für "Beverly Dillz" einen neuen Produzenten gefunden: Belief, dessen Heimat Los Angeles die erste Brücke und Erklärung für Albumtitel (und -konzept) gibt. Jener Belief, der schon Produktionen bei Murs, C-Rayz Walz, Wordsworth sowie Vordul Mega landen konnte und zudem 2006 ein Album mit selbigen vier Emcees aufnahm. Doch ganz gleich, ob man schon von ihm gehört hat oder nur hier seine Referenzen liest, man wird vermutlich mit falschen Erwartungen in "Beverly Dillz" einsteigen: Die Musik ist so bunt wie das Cover. Dafür eine Kategorie zu finden, fällt schwer. Zu einem gewissen Grad ist es Fun-Rap, so lassen sich auch Belief's Instrumentals am ehesten umreißen. Doch gerecht wird man Kosha damit nicht. Schließlich steckt schon im Titel ein satirischer Ansatz, der im Album eine Rolle spielt. Auch der Begriff "Hipster" ist nicht vollkommen fehl am Platz, ebenso wie sich Einschläge seitens der jungen Generation um CuDi und Konsorten finden. Daneben gilt es für einen Künstler, der Yak Ballz einlädt, schon mit Killah Priest und C-Rayz Walz recordet hat, Battle-Competitions gewonnen hat und mit RZA auf Tour war, nicht vollständig ins Ulkige zu verfallen und sich Gesicht und "Realness" (im übertragenen Sinn) zu wahren. Ob er Letzteres wirklich vorhatte, bleibt als bloße Vermutung im Raum stehen, gelungen ist es ihm jedenfalls nicht, ebensowenig wie es das Team Belief-Kosha geschafft hat, aus der Stange an Einflüssen und Zutaten einen ansprechenden Album-Cocktail zu mixen. Ein Teil der Tracks, wie das eröffnende "DooDoo", kleiden sich in Minimalismus, bei dem die Drum- und Bassline nur von wenigen, dezenten Samples ergänzt werden. Ein perfektes als auch stinklangweiliges Beispiel hierfür wäre "Dilly Wonka". Ein Hauch von Hipster liegt da nicht fern, mit "Bubble Gum Pop" bekommt man auch genau das; und ganz gleich, ob dieser Song sarkastisch gemeint ist oder nicht, genießbar ist er nicht. Gleiches gilt für "Fat Love": zu grauenhaft, um einen tieferen Hörgang zu riskieren. Die Tracks mit Electro-Einschlag ("Jungle", "Friends") geraten besser und hätten in größerer Zahl vertreten sein dürfen. Auf inhaltlicher Ebene hinterlässt Kosha sowohl Unzufriedenheit als auch Verwirrung: Ist "Cellular Phone" nun Kritik oder einfach nur Nonsense? In ersterem Fall ließe Kosha die nötige Schärfe vermissen. Besser funktioniert da "L.A. Ish", ein Portrait der Stadt der Engel ("In-N-Out burger, cows get murdered / Bunch of actors that I never heard of / Some L.A. ish, just some L.A. ish / Everybody at the bar, everybody a star"), das ebenso wie das bläsergetriebene "Taste Good" als Fun-Track richtig Laune macht. Nach dem trägen "Puddles" (von einem Yak-Ballz-Auftritt kaum zu sprechen) ist lediglich noch "Kol Ha Kavod Lirkod" erwähnenswert, das mit einheizendem Rhythmus und hebräischem Chorus gleichsam Punkte für Replay-Wert und Originalität einheimst.

Es ehrt Kosha Dillz, dass er mit seinem Solodebüt nicht dasselbe wie jeder andere machen wollte. Das ist ihm in der Tat auch gelungen. Dass der Schuss trotzdem nach hinten losging, sei ob guter Ambitionen verziehen. Denn die Ausbeute an guten Tracks auf diesem Longplayer ist wahrhaft mager. Kosha ist ein fähiger Rapper, doch die Richtung(en), die hier mit Belief eingeschlagen wurde(n), hätte man lieber zweimal durchdacht. Viel nerviges Material jagt diesem potentiell guten Fun-Album ein ellenlanges Messer in den Rücken. Vielleicht beschränkt sich Kosha Dillz beim nächsten Mal auf den Stil jener Tracks, die ihm auf "Beverly Dillz" gelungen sind.

4.0 / 10

Freitag, 19. Februar 2010

50 Cent - Before I Self Destruct


Release Date:
16. November 2009

Label:
Shady Records / Aftermath Records / Interscope Records

Tracklist:
01. The Invitation
02. Then Days Went By
03. Death To My Enemies
04. So Disrespectful
05. Psycho (Feat. Eminem)
06. Hold Me Down
07. Crime Wave
08. Stretch
09. Strong Enough
10. Get It Hot
11. Gangsta's Delight
12. I Got Swag
13. Baby By Me (Feat. Ne-Yo)
14. Do You Think About Me
15. OK, You're Right
16. Could’ve Been You (Feat. R. Kelly)

Review:
Interessiert sich heutzutage eigentlich noch jemand dafür, wenn 50 Cent ein neues Album veröffentlicht? Wohl die wenigsten. Das mag daran liegen, dass sich Curtis Jackson schon seit längerem aus dem Zentrum der Rap-Szene verabschiedet hat (eingeschlossen die Mixtape-Szene, in der er so präsent war) und sich gleich Dagobert Duck in seinem Geldspeicher vergnügt. Hin und wieder hört man mal wieder über seine Website thisis50.com den einen oder anderen Kommentar zu derzeitigen Geschehnissen, doch wer nur auf Neuigkeiten, die auch wirklich mit Musik zu tun haben, achtet, der mag Fifty glatt vergessen haben. Schließlich verlor er nicht erst mit seinem letzten Album "Curtis" an Rückhalt in der Szene. Für die einstige Lichtgestalt ist die Ausgangsposition vor diesem neuen Album eine völlig andere - mit "Before I Self Destruct" muss er der Welt wieder etwas beweisen.

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Deshalb wurde von vornherein darauf hingewiesen, dass diese Scheibe härter und aggressiver als der Timbalake-Fitty von "Curtis" sei. Schwer zu glauben, doch 50 scheint es ernst zu meinen: Die poppigen Feature-Gäste werden gekürzt, seine dezimierte G-Unit lässt er auch links liegen. Ganz als ob er der Welt beweisen wollte, dass er es auch alleine kann. Die Produzentenliste ist dagegen keine wirkliche Überraschung, höchstens insoweit, als dass weitere No-Names ihre Beiträge beisteuern durften. Immerhin wurde also etwas geändert. Damit müsste nur noch Fitty selbst nachziehen. Denn seine jüngeren Raps hatten wenig mit der gewünschten Aggressivität zu tun und ließen erwähnenswerte Motivation vermissen. Mit einer Rückkehr zu höherem Rap-Niveau denkt man automatisch an "Get Rich Or Die Tryin'" oder gar die Tage vor dem Senkrechtstart. Das war der Fifty, dem man mit jeder Zeile das dämliche Grinsen, das seinen Style prägte, anhören konnte. Genau diese Art bildete einen Teil seiner Authentizität. Und genau diese Art wird man hier nicht finden. Bei allen Bemühungen wirken viele Songs gezwungen oder dann doch unmotiviert. Hinzu kommen die Beats, die zwar den "GRODT"-Zeiten nachempfunden sein mögen, aufgrund der niederen Qualität jeodch im Jahr 2009 fast durchgehend unspektakulären Standard verkörpern. Manche der Samples kennt man in besserer Verwendung, einige Beats sind zu voraussehbar, nur an wenigen Stellen möchte man wirklich hinhören. Dabei fängt es mit Ty Fyffe's "The Invitation" noch gut an: düster und zeitgemäß. Trotzdem beweist 50 gleich zu Beginn, dass er nicht so viel zu berichten hat, wie man inzwischen vielleicht meinen könnte. Dass alle in seinen Geldspeicher wollen, scheint seine einzige Sorge. Um die Realness zu wahren, müssen natürlich auch reihenweise Street-Phrasen geklopft werden. Trotzdem ist in Fifty's Welt "Swag" gleichbedeutend mit "Money", siehe "I Got Swag". Weitaus voraussehbarer ist "Death To My Enemies", das mit der wohl besten Produktion der Platte (von Dr. Dre) ausgestattet ist. Doch auch dem Doktor gehen bei 50 die Ideen aus: "Psycho" ist mit seinen hektischen Streichern und der Inszenierung der Emcees als psychopathische Killer mehr als nur eine Standard-Kollabo der großen Drei (wobei Em eine gute Show bietet). "So Disrespectful" widmet sich über plattes Instrumental u.a. den Ex-G-Unit-Mitgliedern. Wo ein Großteil der Songs einfach unauffällig ist, gibt es auch prächtige Aussetzer: Die Hook von "Get It Hot" ist erschreckend schlecht, die "Rapper's Delight"-Neuinterpretation "Gangsta's Delight" lahmt nicht nur dank Havoc's ödem Beat gewaltig. Dass die von R. Kelly und Ne-Yo besuchten "Could've Been You" und "Baby By Me" identitätslose Mainstream-Kompromisse sind, überrascht nicht, doch auch die Cleverness, mit der 50 seinen Mist (sogar ein "Candy Shop") früher zu verkaufen wusste, fehlt. Damit verbleibt nicht mehr viel: Ein idiotisches Liebeslied an die eigene Handfeuerwaffe ("Hold Me Down"), das narzisstische "Do You Think About Me", Coke-Lehrstunden in "Stretch" oder das zu bombastisch aufgetragene "OK, You're Right" - meist nicht schlecht, aber nie mehr als mittelmäßig.

Was nützt es, 50 Cent bezüglich der Rückkehr zu aggressiveren Raps zu loben, wenn selbige aufgezwungen wirken, wenn 50 Cent lustlos rappt und wenn die Produktionen jegliche Selbstständigkeit vermissen lassen? Anstatt die Erfahrungen des Überschreitens seines Karrierezenits in Worte zu fassen, vertreibt sich 50 den Großteil der Spielzeit mit langweiligem Gehabe. Perspektivlosigkeit zeigt auch die soundliche Orientierungslosigkeit; die früheren Zeiten scheinen für immer vorbei, eine zukünftige Marschrichtung scheint noch nicht gefunden. Vielleicht täte da eine Selbstzerstörung inklusive anschließendem Neuaufbau ganz gut. "Before I Self Destruct" jedenfalls bietet einen nicht empfehlenswerten Mix aus Mittelmaß und Fehltritten.

3.7 / 10

Dienstag, 16. Februar 2010

Fat Joe - Jealous Ones Still Envy (J.O.S.E. 2)


Release Date:
29. September 2009

Label:
Imperial Records / Terror Squad

Tracklist:
01. Winding On Me (Feat. Lil Wayne & Ron Browz)
02. Joey Don't Do It
03. One (Feat. Akon)
04. Aloha (Feat. Pleasure P & Rico Love)
05. Put Ya In Da Game (Feat T-Pain & OZ)
06. Congratulations (Feat. Rico Love & T.A.)
07. Porn Star (Feat Lil' Kim)
08. Cupcake (Feat Benisour)
09. Ice Cream (Feat Raekwon & T.A.)
10. Okay Okay
11. Blackout (Feat. Swizz Beats & Rob Cash)
12. Music (Feat Cherlise)

Review:
Die Zeiten, in denen Fat Joe ein wahrhaftes Schwergewicht der Szene war, sind vorbei. Da hilft es nicht weiter, dass er inzwischen fast im Jahresrhythmus Alben droppt, die erstaunlich belanglos sind. An anderen Fronten war Joe erfolgreicher: Gastauftritte von ihm gibt es viele, u.a. auf erfolgreichen Projekten. Denn zumindest seine fettigen Wurstfinger hatte der ehemalige Don Cartagena das ein oder andere Mal im Spiel (als bestes Beispiel sei hier DJ Khaled genannt). Auf Solopfaden sieht das etwas anders aus: Auch wenn er zwischenzeitlich zum "Regenmacher" mutierte, bleibt sein letztes erwähnenswertes Album - wir ahnen es - das platinumgekürte "Jealous Ones Still Envy". Kein Wunder, dass man mit "J.O.S.E. 2" daran gerne anknüpfen möchte.

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Viel eher anzunehmen ist jedoch, dass der Pfad der Unwichtigkeit, dem schon "Loyalty", "All Or Nothing", "Me, Myself & I" und "The Elephant In The Room" folgten, weiterhin beschritten wird. Dass Joe dabei trotzdem immer über seine 100.000 verkauften Einheiten kam, ist schon fast ein Kunststück. Der Weg zum Erfolg sah eine auf Biegen und Brechen erzwungene Befriedigung des zur jeweiligen Zeit angesagten Massengeschmacks vor, was auch diesmal der einzige, strikte Tagesordnungspunkt zu sein scheint. Die Gäste riechen schon gegen den Wind danach, eine kurze Hörprobe liefert die endgültige Bestätigung. Möglichst wenig Eigeninitiative, am besten gar keine persönliche Note: Exakt so windet sich "Winding On Me" mit dem "EtherBoy" durch die Boxen und ist dabei nicht mehr als der Bastard, den das nicht viel bessere "Pop Champagne" mit einer billigen Hure gezeugt hat. In etwa so einfallslos wie das Cover ist die komplette Scheibe: Es wird gegrindet, die eigenen Qualitäten werden ausführlich in alle Wolken gelobt und natürlich bekommen es alle weiblichen Wesen, die Joe zu nahe kommen, ordentlich besorgt. Aber eigentlich braucht er ja nur "One", also die eine Frau; oder - wie Akon quäken würde: "One one one one", quak, quak. Nur in der nächsten Minute sind es halt nicht eine, sondern dreihundert. Ja, dieser Joe ist schon ein toller Kerl. Wenn er doch nur halbwegs so gute Musik von sich geben könnte wie er ein toller Kerl ist. Aber Joe ist ja bekanntermaßen ein toller Kerl und gönnt seinen Hörern ab und zu auch eine Pause von der musikalischen Schlammschlacht mit Einheitsbrei, um im unauffälligen "Ice Cream" verbal seinen Stängel und dessen Tagesplan zu präsentieren - so kann "Eiscreme" natürlich auch aufgefasst werden. Da hilft selbst ein Raekwon nichts mehr. Mehr Einheitsbrei? "Aloha" ist schon zur Stelle und garantiert Déjà Vu-Feeling, auch wenn man den Song zum ersten Mal hört. Ein bisschen Materialismus mit T-Pain richtet im Anschluss nicht viel Schaden an, ist aber dafür hitverdächtig langweilig. Alle Achtung im Übrigen an all jene, die bei den infantil bescheuerten Hooks von Swizz Beatz immer noch keinen Brechreiz verspüren. Unnötig zu erwähnen, dass "Porn Star" schlecht umgesetzt wurde. Zudem trieft dem Song der Auto-Tune aus allen Nähten. Ginge man an dieser Stelle noch weiter auf das Album ein, irrte man nur weiter in die endlose geistige Wüste hinein. Deshalb noch die wenigen "positiven" Dinge, die man dem Album abgewinnen kann: "Joey Don't Do It" überrascht mit harter Gangart und erfreulicherweise fehlender Kotz-Hook, "Music" sowie "Okay Okay" sind immerhin keine vollkommenen Nullnummern.

Man muss sich schon einmal die Frage stellen, was Joe mit einem solchen Album erreichen will. Sind es traumhafte Verkaufszahlen? Denn da hat ihm eine mickrige erste Woche einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ist es ein neuer musikalischer Weg für die Zukunft? Diese Abkupferungstour einen "Weg" zu nennen, kann nur sarkastisch gemeint sein. Zusammenfassend ist diese LP sogar für den heruntergekommenen Fat Joe eine Frechheit, die nur unterstreicht, dass dieser Mann nicht mehr den Hauch einer Idee zu sinnvollem musikalischem Output hat. Den ein oder anderen Track mag man betrunken auf der Tanzfläche akzeptieren, ohne sich zu fragen, wer oder was gerade die Lautsprecher zum Schwingen bringt. Seine Punkte bekommt Joe für "Joey Don't Do It" und das Bisschen Professionalität, das er beim Zusammenschandeln dieses Albums an den Tag gelegt hat.

2.8 / 10