Samstag, 20. Februar 2010

Strong Arm Steady - In Search Of Stoney Jackson


Release Date:
26. Januar 2010

Label:
Stones Throw Records

Tracklist:
01. Best Of Times (Feat. Phonte)
02. Cheeba Cheeba
03. Chittlins & Pepsi (Feat. Planet Asia)
04. Telegram
05. Questions (Feat. Planet Asia & Fashawn)
06. Smile
07. New Love (Feat. Planet Asia & Tri-State)
08. Get Started (Feat. Talib Kweli)
09. Interlude 1
10. Pressure (Feat. Sick Jacken & Mitchy Slick)
11. True Champs (Feat. Montage One, Evidence, Oh No & Roc C)
12. Needle In The Haystack (Feat. Roscoe & Guilty Simpson)
13. Interlude 2
14. Ambassadors (Feat. Planet Asia & Chace Infinite)
15. Chants
16. Bark Like A Dog (Feat. Phats Bossalini & Montage One)
17. Two Pistols (Feat. Mitchy Slick)
18. Outro

Review:
Die bisherige Geschichte um Strong Arm Steady ist keine spektakuläre, aber eine abwechslungsreiche: Ursprünglich als vielköpfiges Kollektiv aus Kalifornien gegründet, verkam SAS zwischenzeitlich zur Backup-Crew von Frontmann Xzibit (man siehe die Auftritte auf "Weapons Of Mass Destruction"), bis der Autos pimpende X 2006 austrat und SAS als Trio zurückließ: Phil Da Agony, Krondon und Mitchy Slick unternahmen einen Milieu-Wechsel zu den Backpackern, verkehrten bei Kweli's Blacksmith sowie bei den Dilated Peoples und signten schließlich beim NY-Label Nature Sounds für ein mäßig bis kaum umjubeltes Debütalbum ("Deep Hearted"). Die Glocken fürs Jahr 2010 läuten sie allerdings mit Madlib ein, der bei der neuen LP "In Search Of Stoney Jackson" komplett Regie führt.

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Hinzuzufügen ist dabei noch, dass Mitchy Slick (wohl derjenige, der sich am vehementesten gegen eine Abstemplung als Backpacker wehren würde) für dieses Album kein Teil der Gruppe ist und nur als Gast vorbeischaut. Die in den Anfangstagen im Lineup eingetragenen Planet Asia und Chace Infinite lassen sich ebensowenig zweimal bitten wie ein ganzer Schwall an weiteren Gästen, allesamt aus dem Bekanntenkreis. Doch nun zum Kern des Albums - Madlib. Wieso lässt er ausgerechnet SAS auf seine so edlen Produktionen? Dieses Rätsel lüftet erst die Musik selbst. Denn auch wenn Madlib unzweifelhaft das Herzstück dieser LP ist, hört man schnell, dass in "Stoney Jackson" nicht seine experimentierfreudige Seite vorherrscht - nicht die Art von Beats, die man auf ein Madvillain-Album gepackt hätte, keine so ausgefallenen Samples wie vielleicht auf einer "Beat Konducta"-Episode. Das Zusammenspiel zwischen den Beteiligten - der Anstoß zum Album kam von Beat Junkie J Rocc - ist daher anderer Natur als bei erwähntem "Madvillainy" oder gar "Champion Sound", auch wenn die Freundschaft zu Madlib enger sein mag. Wichtig ist, dass die herkömmlicheren Beats von Madlib bestens zu einer Gruppe wie SAS passen (weswegen die Kombo auch verständlich ist), denn Phil und Krondon machen darauf alles andere als eine schlechte Figur. Das Feeling eines echten Albums der beiden kommt jedoch dank der Flut an Gästen nie so wirklich auf - doch vielleicht lag das nicht im Sinne der Konzeption von Strong Arm Steady. Tracks wie "Cheeba Cheeba", das den Katalysator aller Beteiligten thematisiert, zeigen, dass diese Platte auch mit einer sehr geringen Zahl an Gästen funktioniert hätte. Doch man will sich nicht beschweren, schließlich sind es allesamt fähige Emcees, die man zu hören bekommt. Und auch die somit kreierte Stimmung, die mehr einzelne Songs als das Album als Einheit im Hirn abspeichert, ist kein Beinbruch. So bekommt man in "Needle In The Haystack" eine klare Ansage, in welche Richtung (hoffentlich) das OJ Simpson Projekt (Madlib und Guilty) gehen wird - der musikalische Dschungel lässt grüßen und markiert einen exotischen Ausflug auf der Suche nach Stoney Jackson. In "Questions" stellt sich die Frage, ob mit Fashawn wirklich ein Happen dessen aktuellen Hypes mitgenommen werden musste, während das sonst einwandfreie "Best Of Times" in der Hook etwas zu sehr nach Little Brother klingt und folglich - dem Album-Flow zuliebe - ohne Phonte besser dagestanden hätte. Die Harmonie zwischen den markant-energischen Raps von Phil Da Agony und Madlib-Beat zeigt das kurze "Smile", eines der Highlights, während "Two Pistols" die kompletten SAS über ein überragendes Instrumental des Beat Konducta führt. Der Rest des Albums trällert munter vor sich hin, bietet immer gute Unterhaltung - natürlich sind hier auch die instrumentalen Interludes zu nennen - und leistet sich keinen einzigen Schnitzer.

Im Prinzip werden die Erwartungen wieder einmal erfüllt. Von einem Madlib enttäuscht zu werden, ist schließlich keine leichte Sache. Mit den fähigen Emcees Phil Da Agony und Krondon sowie den zahlreichen Gästen konnte auch auf Seiten der Raps wenig schiefgehen. Doch all dies ließ auch schon im Voraus den Rahmen erahnen, der "In Search Of Stoney Jackson" begrenzt: Ein wirkliches Album-Feeling kommt zu kurz, ein Leitfaden fehlt komplett, die Tracks sind allesamt gelungen, doch herausragendes Material, das als Aushängeschild vor Madlib's Diskographie gestellt wird, ist es nicht. In einigen Jahren wird man positiv an dieses Album zurückdenken, ohne große Erinnerungen daran zu haben. "In Search Of Stoney Jackson" ist gut, aber nicht mehr.

6.7 / 10

Sunz Of Man - The Last Shall Be First


Release Date:
21. Juli 1998

Label:
Red Ant Entertainment

Tracklist:
01. Intro
02. Cold
03. Natural High (Feat. Traybag)
04. Flaming Swords
05. Illusions (Feat. Masta Killa)
06. Shining Star (Feat. Ol' Dirty Bastard & Earth, Wind & Fire)
07. Israeli News (Feat. Traybag)
08. Tribulations
09. The Interview (Skit)
10. The Plan
11. Collaboration '98 (Feat. Method Man & True Master)
12. Inmates To The Fire
13. Not Promised Tomorrow (Feat. Tekitha)
14. For The Lust Of Money / The Grandz
15. Can I See You (Feat. Beretta 9)
16. The Battle (Skit)
17. Next Up (Feat. Method Man)
18. Intellectuals (Feat. Raekwon & U-God)
19. Five Arch Angels (Outro)

Review:
Jeder weiß, dass der Wu-Tang Clan einen kilometerlangen Rattenschwanz in Form einer in der Tat Clan-haft großen "Familie" und noch vieler, vieler weiterer, inoffizieller Anhängsel hinter sich herzieht. Zwar kennen sich die wenigsten damit aus, wer denn nun dazugehört und wer nicht, wer hörens- und wer vergessenswert ist, wer eigenständige Musik macht und wer sich nur des Namens bedient - doch eines steht ungeschrieben fest: Direkt nach dem Clan selbst kommen die Sunz Of Man. Sie werden als erster Ableger betrachtet, wobei sie sich nie Abklatsch-Vorwürfe gefallen lassen mussten. Das Album, mit dem die Sunz Of Man bei der HipHop-Allgemeinheit ihre Sporen verdienten und auf dem ihr heutiger Respekt zu einem nicht kleinen Teil fußt, ist das Debüt, "The Last Shall Be First".

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Für die Geschichte, die diesem Album vorausging, die dafür sorgte, dass Shabazz The Disciple kein einziges Mal auf "The Last Shall Be First" zu vernehmen ist, dass auch Killah Priest zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Gruppe nicht mehr angehört und dass es überhaupt das Debüt (und nicht der Zweitling) ist, sei auf "The First Testament" verwiesen. Wichtig ist: Hier bestehen die SOM (noch) aus Killah Priest, Hell Razah, Prodigal Sunn und 60 Second Assassin, wobei Killah Priest mit fünf Rap-Auftritten schon in die Rolle eines Gastes gewichen ist. Auch bedeutend ist, dass seitens der Wu-Fans durchaus eine klar definierte Erwartungshaltung an das Album gestellt wurde, da Aufnahmen aus den Mittneunzigern einen harten und qualitativ hochwertigen Stil vorgaben. Einen Stil, der Red Ant nicht gefiel, weswegen "The Last Shall Be First" massentauglicher ausgerichtet ist. Das hört sich nun schlimmer an, als es tatsächlich ist: Mit einer Produzentenliste, die hauptsächlich 4th Disciple, True Master und den RZA führt, ist 1998 jeder Eastcoast-Fan gut bedient. Nun zu den Emcees selbst: Die Stimmen der SOM klingen erwachsener als noch auf den vorausgegangenen Aufnahmen, vor allem Razah und P-Sunn klingen wesentlich weniger heiser und hell (was man als Hörer entweder positiv oder negativ wertet). Das Themenspektrum ist inzwischen verbreitert und versetzt, neben dem klar religiös-mythischen Anspruch ist eine Norm-Angleichung erfolgt, die nun auch vermehrt wohlbekannte Straßenweisheiten ins Programm aufnimmt. Damit passen auch Gäste aus dem Wu-Olymp auf die Scheibe, die sich in Form von Method Man, ODB, Masta Killa, U-God und Raekwon einfinden. Notwendig wären sie beileibe nicht, denn wenn man den Sunz Of Man etwas zugutehalten kann, dann ist es ihre Eigenständigkeit, die sie sowohl thematisch als auch stilistisch zu mehr macht als einer bloßen Clan-Kopie. "Natural High", eines der Überbleibsel der älteren Aufnahmen (wenn auch in überarbeiteter Form), lässt daran keinen Zweifel. Doch auch mit RZA-Beats weiß man etwas anzufangen: "Inmates To The Fire" ist hinreißend raw (man höre P-Sunn's Chorus), "Can I See You" orientiert sich am schlichten Ostküsten-Style und in "Tribulations" kommt Voice-Sample mit starker Drum- und Bassline zusammen. "Israeli News" mag zu entspannt klingen, gibt sich jedoch sonst keine Blöße und gibt Priest die Chance, einen Teil der SOM'schen Mythologie (die mehrere religiöse Ideen und Strömungen vermengt) durchscheinen zu lassen. Doch auch die Jagd nach den Geldscheinen ist den SOM nicht fremd - "The Grandz" schert dabei glücklicherweise nicht aus dem Stil des Albums aus. Ganz anders "Shining Star", das mit Beat von Wyclef Jean und Feature von Earth, Wind & Fire natürlich der Exot der LP ist. Wer kein Problem mit Abwechslung hat, der wird mit dem Song seine Freude haben. Seine besten Momente hat das Album jedoch anderswo: In "Cold" kommt 4th Disciple den Emcees mit pfeifendem Wind und einer simplen Piano-Line entgegen, das schwermütige "Illusions" (erneut von 4th Disciple) stellt die SOM-Wertvorstellungen dem geldgierigen Rap-Game gegenüber, während auch Masta Killa perfekt ins Bild passt. Mit dem gewaltigen "Flaming Swords" können die SOM ebenso umgehen wie neben einem Method Man im Kopfnicker "Next Up". Ganz zum Schluss ist noch ein Rudiment älterer Aufnahmen zu vernehmen, wenn in "Five Arch Angels" das Instrumental des gleichnamigen Tracks (zu) kurz eingespielt wird.

Es steht nicht zur Diskussion, dass die Sunz Of Man mit "The Last Shall Be First" ein sehr gelungenes Debüt vorlegen. An der Musik selbst gibt es wenig zu bemängeln: Sie steht im Zeichen der späten Neunziger, setzt ihre eigenen (kleinen) Akzente und die Emcees selbst beweisen genug Persönlichkeit, um dem Hörer von Anfang bis Ende die Ohren offen zu halten. Die einzige Kritik, die man anbringen kann: Das Album bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück. Waren sie mit ihrem zu massenuntauglichen Sound noch einzigartig, verwässern die SOM sich mit ihrem Debüt zu einer Gruppe, die zwar noch durchscheinen lässt, was sie hätte sein können, die sich aber letztendlich ihres eigenen Anspruches auf ein einmaliges Stückchen HipHop-Geschichte beraubt. Doch dafür gibt es ja "The First Testament".

7.9 / 10

Vordul Mega - The Revolution Of Yung Havoks


Release Date:
02. November 2004

Label:
Nature Sounds

Tracklist:
01. Neva Again
02. Spitamatic (Feat. C-Rayz Walz)
03. Holla III
04. Hell Yeah
05. Hard Times
06. Blade
07. Stay Up
08. In The Hood (Feat. Karniege)
09. Pray
10. Believe (Feat. Jean Grae)
11. Struggles
12. Handle That (Feat. Vast Aire)
13. Megallah

Review:
Neben Vast Aire war Vordul Mega immer der unauffälligere aus dem viel gerühmten Duo Cannibal Ox. Schon beim Vergleich der über die letzten Jahre hinweg verbuchten Gastauftritte zeichnet sich ab, wieso Vordul derjenige ist, der eher die Hintergrundposition bezieht. Nach den ersten Jahren als Teil der Atoms Family (schon damals mag er dem ein oder anderen weiger aufgefallen sein) und schließlich "The Cold Vein" mit Vast wird es eher ruhig um Vordul. Es zieht ihn zu den Backwoodz Studioz, wo er einige Male zu hören ist. Gegen Ende 2004 begibt es sich dann schließlich, dass er mit seinem Solodebüt vor der Tür steht, "The Revolution Of Yung Havoks", für das sich das zu dieser Zeit noch relativ unbekannte Nature Sounds als Label findet.

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Rückblickend ist es interessant, dieses Album unter Kenntnis seines Zweitlings zu betrachten, da die Aufnahmen zu "Megagraphitti" die zum Debüt umschlossen. Den Produzenten sähe man dies jedoch nicht an: Lediglich Opto findet sich auf beiden Scheiben. Fast die Hälfte seiner Beats bezieht Vordul auf diesem Album von Belief, dem Produzenten aus LA, der auch schon für Trinity-Kumpel C-Rayz Walz produziert hat. Der zählt übrigens auch zu den wenigen Gleichgesinnten, die Vordul auf sein Album lässt. Wobei es schwer zu sagen ist, ob es für Megallah überhaupt Gleichgesinnte gibt. Denn auf lyrischer Ebene ist "The Revolution Of Yung Havoks" eine tiefmelancholische Angelegenheit, die ihre Kraft aus dem Weltschmerz des Autors bezieht. Speziell und dem Titel gemäß das Aufwachsen besagter "Yung Havoks" im Großstadtdschungel wird ausführlich und in all seiner Tristheit portraitiert: ohne Geld, umgeben von korrupten und rassistischen Cops, den nächsten Zug schon halb in der Lunge. Noch mehr als zu früheren Tagen dominiert diese Thematik, mit gut denkbaren Bestrebungen auf ein inhaltliches Monopol. Auch Mega's Flow und Rap-Stil genügen vollends diesem Umstand: technisch nicht sehr anspruchsvolle, langsame Raps, die mit seiner einmalig trüb-scharfen Stimme voll Wehmut vorgetragen werden. Das alles muss man natürlich mögen, um mit Vordul Mega glücklich zu werden. Ist das der Fall, steht dem Genuss der LP nichts mehr im Wege: Mal unterstützen die Instrumentals Vordul's Gemütszustand, anderenorts finden sich einige unerwartete Stücke, zusammenfassend hat man es jedoch mit Eastcoast-Street-Sound nach bewährtem Rezept zu tun. "Believe" ist mit Jean-Chorus noch recht gewöhnlich, im eröffnenden "Neva Again" sorgen wehmütiges, gepitchtes Voice-Sample und Streicher für den Nährboden, auf dem Mega's Raps am besten gedeihen. Geheimes Highlight der Platte ist jedoch "Holla Ill", ein auf den ersten Blick (bzw. Hörgang) unauffälliger Song, der allerdings jedem nach einem harten Arbeitstag ein Juwel sein wird - "grown man music". Auch "Hell Yeah" und "Pray" gehen in dieselbe Richtung. Mit Blockhead's "Struggles" und Omega One's "Handle That" entfernt man sich am weitesten von der Norm, wobei beide Top-Producer hinter den Erwartungen zurück bleiben (wer Can Ox Feeling erwartet hat, wird enttäuscht). Düstere Auszüge aus dem harten Leben gibt es mit dem Percussion-lastigen "Hard Times" sowie "Stay Up", die beide zu Mega passen und zudem stark produziert sind. Was nun noch übrig bleibt, sind einige astreine Kopfnicker, die in jeder Lage ihren Dienst tun: Das schlichte "In The Hood" hätte keinen besseren Gast als Karniege auffahren können und prägt sich auch deshalb so gut ein, in "Blade" garantiert ein Brett eines Beats feinste Kopfnicker-Minuten, "Spitamatic" zehrt von einer starken (erneut im Kielwasser der Gesamtatmosphäre fahrenden) Produktion sowie C-Rayz als Gast. Fehlt noch "Megallah", eine ruhige und nachdenkliche Nummer, die Allah als Kraftquelle aufführt.

Vordul Mega profitiert sehr davon, dass seine Art, die Welt um ihn herum als aussichtslosen Ort zu umschreiben, im Rap-Game weitgehend einzigartig ist. Denn das macht sein Debüt zu einem Unternehmen, auf das man sich einlassen kann und das man genießen wird, selbst ohne überragende technische Rap-Fähigkeiten seitens Mega. Und dabei ist "The Revolution Of Yung Havoks" noch weit vom Optimum entfernt: Mit dem vier Jahre später erschienenen "Megagraphitti" zeigte er, dass sich noch wesentlich düsterere Tracks kreieren lassen. Das Debüt hat seine Stärken im Mix aus den Beats, die teilweise wie eine Suche nach der richtigen Ausrichtung anmuten, dabei aber allesamt ihren Reiz haben. Enttäuscht wird man von der LP nur dann, wenn man eine Fortsetzung zu "The Cold Vein" erwartet, doch das entspricht nicht dem Wesen des Solokünstlers Vordul Mega. Mit seinem Debüt verrichtet er gute, wenn auch nicht sehr gute Arbeit.

7.3 / 10

Nick Wiz - Cellar Sounds Vol. 1 (1992-1998)


Release Date:
28. Dezember 2008

Label:
No Sleep Recordings

Tracklist:
CD 1:
01. Intro (Feat. Kid Capri)
02. It's Time (Feat. Cella Dwellas) (1997)
03. Can't Be Ya Lover (Feat. Shabaam Sahdeeq) (1994)
04. Once Upon A Rhyme (Remix) (Feat. Rakim) (1995)
05. Bright Lights (Feat. Shadowz In Da Dark) (1994)
06. The Lessons Of Today (Feat. Pudgee & Ran Reed) (1995)
07. Parkside Madness (Feat. LSD) (1994)
08. Small World (Feat. Miilkbone) (1994)
09. Underground Airplay Interlude (Feat. Ran Reed) (1994)
10. Grab The Mic (Feat. Ran Reed & Chino XL) (1996)
11. Untitled (Feat. Nautilus) (1994)
12. We In This (Feat. Darc Mind) (1996)
13. Inner City Blues (Feat. Pudgee & DMX) (1995)
14. Let's Talk (Feat. Cella Dwellas) (1998)
15. When The Shit Hits The Fan (Feat. Shabaam Sahdeeq & Black Sun) (1995)
16. Mindbenderz (Feat. Mister Fit) (1996)
17. On The Regular (Unreleased Remix) (Feat. Pudgee) (1995)
18. Luvin' U 4 Dayz (Feat. Ill Mentality) (1995)
19. Whutcha Want (Feat. Ran Reed) (1994)
20. War Goin' On (Feat. Napoleon (Pudgee)) (1995)
21. Final Scene (Feat. Lord Have Mercy) (1996)

CD 2:
01. I Am (Intro) (Feat. Quassan)
02. So Amazing (Feat. Ill Mentality) (1995)
03. 4 My Peeps (Unreleased Remix) (Feat. Red Hot Lover Tone, The Notorious B.I.G., M.O.P. & Organized Konfusion) (1994)
04. The Definition (Feat. Ran Reed & Cella Dwellas) (1997)
05. Final Chapter (Feat. Shadowz In Da Dark) (1992)
06. You Ain't Know (Feat. Pudgee ( Napoleon), DMX & Ran Reed) (1995)
07. Do My Body Good (Feat. Kandy Kane & Miilkbone) (1994)
08. Verse (Feat. Chubb Rock) (1996)
09. Lyricist Lounge Freestyle (Feat. Chubb Rock, Ran Reed & Cella Dwellas) (1996)
10. The Main Event (Feat. Main One & Cella Dwellas) (1998)
11. First In, Last Out (Feat. Mister Fit) (1996)
12. All Is Fair (Feat. Channel Live) (1997)
13. My Skills (Feat. Emskee) (1995)
14. Show Me Love (Unreleased Remix) (Feat. Rakim) (1996)
15. Black Book Interlude (Feat. Ran Reed) (1994)
16. Mental Earthquakes (Feat. Ran Reed & Shabaam Sahdeeq) (1997)
17. Dirty Delaney (Feat. Miilkbone & K-Banger) (1994)
18. Break Fool (Feat. Shadowz In Da Dark) (1994)
19. Still Low (Feat. Tross) (1994)
20. Enough (Feat. Ran Reed) (1994)
21. Sexy (Feat. Shabaam Sahdeeq & Baybe) (1994)
22. They Call You (Feat. Lady Luck) (1998)
23. Good Dwellas (Unreleased Remix) (Feat. Cella Dwellas) (1995)

Review:
Er war einer der unumstrittenen Helden der Neunziger. Die Beats von Nick Wiz hatten ihre eigene Duftmarke und sorgten auf jedem Album für quasi vorprogrammierte Highlights. Und trotzdem blieb Nick immer eine Hintergrundfigur. Glücklicherweise gibt es Labels wie No Sleep Recordings. Dieser Plattenfirma darf man für unveröffentlichtes Material von z.B. Lord Finesse, D.I.T.C. oder Godfather Don danken. Vor einiger Zeit knüpften sie sich dann Nick Wiz vor, von dem gleich ein ganzer Turm an unveröffentlichtem Material der Weltöffentlichkeit präsentiert wird. Auf zwei CDs gibt es "Cellar Sounds Vol. 1" mit Tracks aus den Jahren 1992 bis 1998.

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Den Wert dieser Doppel-CD in Worte zu fassen, fällt schwer. Es sei nur so viel gesagt: Nick Wiz' Keller kommt einem Paradies für alle, die auch nur ansatzweise den in den Neunzigern an der Ostküste praktizierten Sound schätzen, gleich. Fasst man diesen gehobenen Schatz in Zahlen, landet man bei 42 Songs (plus zwei Intros) und einer Spielzeit von insgesamt über zweieinhalb Stunden. Man sollte sich einen Moment Zeit nehmen, um es sich auf der Zunge zergehen zu lassen: Ja, zweieinhalb Stunden edelsten Nick Wiz Sounds mit vielen großartigen, teils vergessenen Helden eines viel gerühmten Jahrzehnts, von denen Exclusives und Remixe, die bisher nur als Single oder gar nicht zu hören waren, geboten werden. Alles wird dominiert von Nick's einmalig-charakteristischen Drumlines, die in fast jedem Song markant hervortreten. Dass es fast alle der unbekannten Emcees nicht schaffen, sich zu profilieren, stört nicht im Geringsten, vertieft die Atmosphäre der Scheibe sogar noch, da die Aufmerksamkeit ungehindert auf den Beats liegen kann. In jedem Track gräbt Nick ein feines Sample aus, das er auf seine Drums schnallt, die wie bei kaum einem anderen Produzenten den Geist der Neunziger versprühen und den roten Faden dieser Zusammenstellung ausmachen. Man wird sich außerdem unweigerlich der Tatsache bewusst, wieviel Potential in Nick's Heimat (Jersey, aus der einige Unbekannte vertreten sind) zu jener Zeit nicht ausgeschöpft wurde, denn über einen schlechten Auftritt zu stolpern, gestaltet sich bei "Cellar Sounds" als schwierige Angelegenheit. Trotzdem kristallisieren sich einige Namen aus dem Gros an guten, das Rampenlicht nicht beanspruchenden Emcees heraus: Shadowz In Da Dark passen perfekt auf das ernste und übertrieben starke "Bright Lights", während man einen Rakim natürlich nicht zwischen einem Haufen Untergrundlern verstecken kann. Wobei ein "Once Upon A Rhyme" als Gesamtpaket nicht einmal zu den Highlights zählt - es ist im durchgehend hohen Albumdurchschnitt anzusiedeln. Des Weiteren spannend ist die Breite an Emcees, die Nick Wiz vereint. Von den schon erwähnten, teils gänzlich unbekannten Jungspunden aus seiner Nachbarschaft in Jersey hin zu einigen der größten Namen der Szene. Ein junger DMX sieht sich (ganz ohne Gebelle) beispielsweise in "Inner City Blues" im täglichen Struggle gefangen. "Grab The Mic" dagegen schleift neben Dauergast Ran Reed einen gewissen Chino XL ins Studio, "Final Scene" führt eine eigenwillige Darbietung von Lord Have Mercy vor, der "4 My Peeps" Remix platzt vor Rap-Schwergewichten und in "Verse" bemüht der Chubbster sein kräftiges Stimmorgan. Von Echo's "Underground Airplay" Tapes bis zur Lyricist Lounge - alle harmonieren sie wunderbar mit Nick. Eine Gruppe gibt es natürlich, deren Band zu Nick Wiz besonders dick ist, da man ihre Musik automatisch mit dem Sound von ihm verbindet: UG und Phantasm profitierten auf ihren beiden Alben von den dicken Nick Beats, hier sorgen sie für einige der dicksten Momente: Die relaxte Show in The Definition", der Banger "Let's Talk", der smoothe "Good Dwellas" Remix oder der Kopfnicker "It's Time" - allesamt makellos. Und nur weil Nick sie im Überfluss hat, hier noch einige Highlights: In "Luvin' U 4 Dayz" spielt Ill Mentality einen ausdauernden Liebhaber, Kev Roc leiht "We In This" seine einmaligen Raps, Lady Luck beansprucht in "They Call You" den weiblichen Thron, während Channel Live ("All Is Fair") mit Street-Tales aufwarten. Mit einem Beat sticht Nick den Rest allerdings noch aus: Das geloopte Bobby Womack Sample für "Small World" repräsentiert die Perfektion seines Handwerks, die mit nachdenklichen Zeilen von Miilkbone gerade den richtigen Gast gefunden hat.

Dass sich bei so vielen Tracks auch der ein oder andere mittelmäßige Song findet, sollte nicht verwundern. Doch wirklich unnötig ist auf "Cellar Sounds" nichts - allerhöchstens das von Kid Capri gesprochene Intro. Nick Wiz war und ist kein großer Name, dessen Beats man zwar gehört und auch geschätzt hat, ohne sich aber direkt bewusst zu sein, wer hinter den Boards stand - obwohl Nick einen Trademark-Sound ähnlich einem DJ Premier besaß. Mit dieser Zusammenstellung wird sich am verwehrten Ruhm für den Producer aus New Jersey nicht viel ändern, doch als Eastcoast-Head dürfen die "Cellar Sounds" getrost als Standardwerk bezeichnet werden.

8.0 / 10

The Black Keys - BlakRoc


Release Date:
27. November 2009

Label:
BlakRoc Records / V2

Tracklist:
01. Coochie (Feat. Ol' Dirty Bastard & Ludacris)
02. On The Vista (Feat. Mos Def)
03. Hard Times (Feat. NOE)
04. Dollaz & Sense (Feat. RZA & Pharoahe Monch)
05. Why Can't I Forget Him (Feat. Nicole Wray)
06. Stay Off The Fuckin' Flowers (Feat. Raekwon)
07. Aint Nothing Like You (Hoochie Coo) (Feat. Mos Def & Jim Jones)
08. Hope You're Happy (Feat. Q-Tip, Billy Danze & Nicole Wray)
09. Tellin' Me Things (Feat. RZA)
10. What You Do To Me (Feat. Jim Jones, Billy Danze & Nicole Wray)
11. Done Did It (Feat. NOE)

Review:
2009 laufen verschiedene Pfade aufeinander zu, um dieses Album zu erschaffen. Der eine ist der von Damon Dash, der in HipHop-Kreisen keiner weiteren Erläuterung bedarf. Allerhöchstens insofern, als dass man hiermit einen klaren Beweis vor Augen hat, dass Damon nicht untätig war. Denn seinem Impuls ist es zu verdanken, dass die Black Keys (zweiter Pfad) ihr neues Projekt als Rap-Rock-Kombo gestalteten. Denn nachdem sie bei Damon zur Lieblingsband aufsteigen sind und er sie persönlich trifft, kann er sie überzeugen, mit ihm ins Brooklyner Studio G einzukehren und mit Jim Jones die Aufnahmen zu beginnen. Den Rest erledigen Damon's Connections, was "BlakRoc" ein saftiges HipHop-Lineup beschert.

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Blues-Rock nennt sich die Musikrichtung, der sich die Black Keys sonst zuordnen lassen. Dass ihr letztes Album von DangerMouse produziert wurde, legt Offenheit und Kompatibilität nahe. Dass sie die frühen Wu-Tang Werke bewundern, sollte genügend Nährboden für ein Album wie dieses bieten. Doch wenn hier von Rap-Rock-Crossover die Rede ist, sollte man vorsichtig sein: Mit einer Compilation wie dem '93er "Judgement Night"-Album hat "BlakRoc" wenig gemein. Gitarrist Dan Auerbach und Drummer Patrick Carney kommen ihren Gästen entgegen, nicht umgekehrt. Das heißt im Klartext: schöne Drumlines, die einem Emcee in die Karten Spielen, illustriert von einem Sound, der ganz und gar nicht gewöhnlich ist. Dicke, brummende Basslines und Carney's Drums, deren Live-Einspielung ohne Probleme zu vernehmen ist, Auerbach's E-Gitarren-Sounds, die mitunter den größten Unterschied zu herkömmlichen HipHop-Platten ausmachen, sowie dann noch ab und an Zutaten aus dem elektronischen Gewürzschränkchen garantieren einen Grundaufbau, der interessant genug für elf Tracks - und wohl noch einige mehr - ist. Den Rest erledigt die Gästeliste, die sich sehen lassen kann. Kein einziger schwacher Auftritt - das lässt die Klasse aller Beteiligten nicht zu. Trotzdem gibt es auf "BlakRoc" Qualitätsgefälle: Mos Def ist eine Persönlichkeit, an der es wenig zu kritisieren gibt, doch sein Gesäusel im sonst durchschnittlichen "On The Vista" schlägt in Kombination mit den E-Gitarren-Spielchen etwas über die Stränge, wohingegen die erste Single "Ain't Nothing Like You (Hoochie Coo)" gerade den richtigen Mix bietet, der dank der Verschiedenheit von Mos mit Gesang in der Hook und Capo Jimmy mit rauchgeschwängerten Raps so wunderbar funktioniert. Dass die Tracks inhaltlich von unmittelbaren Themen handeln und den Hörer nicht langfristig fordern, ist die beste Entscheidung, die zu machen war: Hier geht es um die Symbiose zwischen Sound und Raps, nicht um große Botschaften - dafür gibt es andere Alben. Angesprochene Themen sind das alltägliche, mühsame Leben, dem natürlich auch Beziehungsszenarien angehören. Nicht so ganz ins Bild passen will da "Coochie", das ein paar Lines von ODB (man lasse ihn in Frieden ruhen) mit einem Ludacris-Auftritt paart. Wie man es schon von einigen anderen Songs kennt, werden die sexuellen Eigenschaften und Besonderheiten einer Liste an Damen aufgezählt, wobei ODB dabei ebensowenig zum an sich gelungenen Song passt (wer kann's ihm verdenken), wie Luda krampfhaft versucht, sich ODB anzupassen. Als Wu-Tang-Fans einen Track für Raekwon zu schustern, dürfte für die Black Keys eine besondere Aufgabe gewesen sein. Es ist auch ohne Zweifel hörbar, dass dem Chef ein minimalistisches, den Glanzzeiten erinnerndes Crackstrumental zugedacht war. Das gelingt "Stay Off The Fuckin' Flowers" nicht, auch fehlt dem Song ein wenig die Farbe, doch für gutes Mittelmaß reicht es allemal. RZA's Auftritt für "Tellin' Me Things" ist der schwächste des Albums und lässt daher auch keinen Top-Song mehr zu. Doch die bisherige Kritik soll kein falsches Bild vermitteln: "BlakRoc" hat einige waschechte Juwelen zu bieten. Stimmliches Jay-Z-Plagiat und Ex-Dipset-Rapper NOE trifft in "Hard Times" exakt den Ton des Albums, "Why Can't I Forget Him" ist - wenn auch nicht ganz so gut - mit ordentlich Gefühl eingesungen. "Dollaz & Sense" ist ein unbezahlbar gutes Stück, in dem sich RZA auf schlichtes Rappen (weitaus besser als sein zweiter Auftritt) beschränkt und P-Monch einen fehlerlosen Ritt auf Auerbach's E-Gitarren-Untermalung unternimmt. Sogar noch besser ist "What You Do To Me", das den Titel "HipHop-Blues" wie kein zweiter Track verdient: Instrumental und Hook klingen ausgefüllt und herzhaft, Danze's grobschlächtiger Part liefert einen elektrisierenden Gegensatz, Jim Jones (der reibungsfrei mit den Black Keys harmoniert) komplettiert das Geschehen. "Hope You're Happy", in dem über undankbare Damen lamentiert wird, kann da nicht mithalten, während das abschließende "Done Did It" nochmals demonstriert, wieso dieses Album eine Anschaffung wert ist.

Nein, alles ist nicht gelungen. Beim Komplettdurchlauf wird sich der Finger unter Umständen einmal auf der Skip-Taste wiederfinden, doch wen stört das schon, wenn auf der anderen Seite Großtaten wie "Dollaz & Sense" oder "What You Do To Me" abfallen? Die Black Keys öffnen ein Fenster für HipHop, durch das man gerne blickt. Der kreative Wert von "BlakRoc" ist noch erheblich höher als die Musik selbst, denn in besagte Richtung wäre noch so einiges möglich. "BlakRoc" ist nicht mit anderen Crossover-Projekten zu vergleichen und wird der Rap-Gemeinde genau deshalb lange in Erinnerung bleiben. Es ist kein Überalbum, doch ein Reinhören ist trotzdem nahezu Pflicht.

6.7 / 10

Outerlimitz - Suicide Prevention


Release Date:
30. August 2005

Label:
Galapagos4 Records

Tracklist:
01. Good Mourning
02. Answers
03. Prevention
04. Nightmare
05. Packaged In Plastic
06. Still Dreamin'
07. Greater Things
08. He.llix
09. OL19.com
10. Hypnotic
11. Frozen Sky
12. Mountain Lions
13. Other Side Of Nothing
14. On The Inside Out

Review:
Die Gruppengeschichte von Outerlimitz reicht länger zurück, als es zuerst den Anschein haben mag. 1998 veröffentlichte eine Chicagoer Truppe namens Outer Limits ihr Debüt, "Wrong Actions For Right Reasons". Ein Album, für das das Wort "selten" fast nicht mehr zutrifft, da es eigentlich heutzutage unerreichbar ist (ironischerweise besitzt nicht einmal mehr Qwazaar selbst eine Kopie davon). Inzwischen besteht Outerlimitz aus Qwazaar, He.llsent und Silence (beigetreten 2001), damals jedoch waren noch Psylock, Lord Maniacal und Infinite mit von der Partie. Doch genug der Gruppengeschichte, für das Debüt der "neuen" Outerlimitz-Formation ist sie nicht zwingend notwendig - dass hier qualitativ hochwertige Ware drinsteckt, deutet schon das Label Galapagos4 an.

WRITTEN FOR Rap4Fame
 
Angekündigt wird diese Scheibe als Vordenker, als Ausbruch aus dem gewöhnlichen BoomBap-Käfig. Eine große Aufgabe, der sich Silence da stellt. Doch die Zeichen stehen gut: Schließlich spricht sowohl die eigene Geschichte als auch die damit schon inbegriffene Labelheimat G4 für progressiven, intelligenten HipHop. Und OL setzen mit "Suicide Prevention" einen ganz dicken Punkt hinter diese Qualitätsbescheinigung. Wenig vergleichbar mit anderen G4-Releases, ebensowenig vergleichbar mit jeglichen anderen Platten, die im HipHop-Regal zu finden sind, ist dieses Album in der Tat ein Wegweiser in Richtung Abwechslung. Gleichsam geben OL ein Statement voller Musik, die teilweise so tiefschwarz illustriert wurde, dass einem die Luft wegbleibt. Mit dem Duo Qwazaar/He.llsent haben sich dafür genau die Richtigen gefunden: Die Chemie stimmt zwischen den beiden High-School-Freunden sowieso, doch erst das Zusammenspiel aus He's aggressiv herausgeschleuderten Raps und Qwa's melodischeren, beizeiten deliriösen Reimketten sorgt am Mic für das gewisse Etwas. Hinter den Kulissen herrscht Silence ganz alleine, dafür aber umso rigoroser: Was hier alles in die Schlacht geworfen wird, garantiert verschiedenste Hörerlebnisse. Silence's bester Freund im Kampf gegen die Eintönigkeit ist dabei ein gesunder Einschlag in elektronische Gefilde und dessen gekonntes Einweben in die Drum-Gerüste, bei denen ebenfalls viel gespielt wird. Wo "Packaged In Plastic" noch wie ein auf Drums reduziertes Mülltonnenkonzert in Silence's Hinterhof gegen Fake-Rapper wettert - und dabei trotzdem schweren Replay-Wert entwickelt -, stellt "OL19.com" die erzürnt spuckenden Qwa und He vor eine grimmig-elektronische Sound-Leinwand. In anderen Momenten wischt Silence die stürmischen Elemente weg und zaubert ein herrlich ruhig-atmosphärisches Instrumental wie "Still Dreamin'", dem warme Bässe und ein weiteres Durchatmen in "Greater Things", das die Eingeschränktheit des eigenen Bewusstseins vor metaphysische Gedanken stellt, folgen. "Other Side Of Nothing" setzt Qwazaar perfekt in Szene, "Mountain Lions" legt mit einer Mischung aus rasanten Claps und tiefem Hörnerschall die Basis für eine Rap-Show der Extraklasse und eines der Highlights der Platte, das man zudem auch noch schwer aus dem Kopf bekommt. Stehen diese Tracks Qwa besser zu Gesicht, halten sich die beiden Hauptdarsteller am Mic bei den düster-harten Tracks die Waage: Schon im mit bedachten Piano-Klängen bestückten "Good Mourning" wird eine bedrückende Atmosphäre aufgebaut, die sich im ersten, von Silence statisch aufgeladenen und von Presyce mit starken Cuts versehenen Brecher "Answers" entlädt und die dann in den folgenden zwei Stücken einen jähen, einzigartig-monumentalen Gipfel erreicht. Für "Prevention" entleiht sich Silence seiner Folterkammer stahlharte Drums und Weltuntergangs-Sound, der von Golda Supernova mit schauerlich gutem Gesang in "Nightmare" übergeleitet wird - einen Song, der in seiner abgrundtiefen Düsterheit den Hörer fesselt und ihn erinnert: Hier sind Künstler am Werk.

Mit dem Beitritt von Silence in die Gruppe und der Festlegung auf die Besetzung der Gruppe, wurde ein Trio geschaffen, das enormes Potential hat und dieses auch zu nutzen weiß. Die Emcees Qwazaar und He.llsent im Verband sind wie geschaffen für eine harte, aber stimmungsschwangere Gangart - und Produzent Silence liefert genau das. Dank vieler kreativer, origineller und vor allem aus der Electro-Ecke herrührender Elemente ist auch der Innovationsanspruch voll und ganz gerechtfertigt. "Suicide Prevention" ist kein perfektes Album, aber dennoch ein einzigartiges, das teils schwindelerregende Qualitätshöhen erreicht. Vergleichbare Scheiben zu finden fällt da schwer. Vielleicht ein neues Album von OL. Mit ihrem offiziellen Debüt jedenfalls knacken sie knapp die 4,5er-Marke.

8.5 / 10