Samstag, 20. Februar 2010

Heltah Skeltah - Nocturnal


Release Date:
18. Juni 1998

Label:
Priority Records / Duck Down Records

Tracklist:
01. Intro (Here We Come)
02. Letha Brainz Blo
03. Undastand
04. Who Dat?
05. Sean Price (Feat. Illa Noyz)
06. Clan's, Posse's, Crew's & Clik's
07. Therapy (Feat. Vinia Mojica)
08. Place to Be
09. Soldiers Gone Psyco
10. Square, The (Triple R) (Feat. The Representativz)
11. Da Wiggy (Feat. Da Rockness Monstas)
12. Gettin Ass Gettin Ass
13. Leflaur Leflah Eshkoshka (Feat. O.G.C.)
14. Prowl
15. Grate Unknown
16. Operation Lock Down

Review:
Hiermit hat es für Heltah Skeltah angefangen. Die Erstlingswerke der Boot Camp Clik werden noch heute in Ehren gehalten. Nach "Enta Da Stage" und "Dah Shinin" war es "Nocturnal", das sowohl Fans als auch Kritiker beglückte. Heltah Skeltah, aus dem dynamischen Duo Rock und Ruck bestehend, hatten ihren ersten Auftritt auf schon erwähntem "Dah Shinin", traten dann jedoch erst als Fab 5 - ergänzt von O.G.C. - auf. Doch wie wir alle wissen kam das Quintett nie über eine Single hinaus, und so sieht das Jahr 1996 die Veröffentlichung von "Da Storm" sowie noch davor das sich überraschend gut verkaufende "Nocturnal".

WRITTEN FOR Rap4Fame
 
"Nocturnal, which means to live life at nighttime. Daytime's used to plot schemes for the night prowl, baby. In other words, we see through the bullshit niggas be tryin to do", wie Starang Wondah gleich zu Beginn im "Intro" erklärt. Und diesen "nighttime"-Sound nehmen Heltah Skeltah wortwörtlich. Wieder sind es die Beatminerz, die - wie schon auf den vorigen beiden BCC-LPs - ihre Finger im Spiel haben, diesmal allerdings nur bei gut der Hälfte der Tracks (doch die Beatminerz sind der Kleber, der dieses Werk zusammenhält). Trotzdem ist das Album in sich sehr geschlossen, wie es bei den BCC-Alben der Neunziger generell der Fall ist. Des Weiteren hebt sich das Album von anderen Werken aus dem goldenen Jahr 1996 ab, ebenso wie es nicht mit z.B. "Dah Shinin" zu vergleichen ist: Das Smif-N-Wessun-Debüt war trockener, minimalistischer, "Nocturnal" ist dunkler, teils von einem mystischen Glanz angehaucht und grenzt sich durch diese Gegebenheiten sowie durch die typische Drum-Landschaft von Mr. Walt, Evil Dee und (hauptsächlich) Baby Paul von der Konkurrenz ab. Über die Charaktere Rock und Ruck muss eigentlich nicht viel gesagt werden: War es damals noch der mit einer Stimme wie kein Zweiter gesegnete Rock, der tief grollend die erste Geige spielte, ist heutzutage auch Ruck in seiner Reinkarnation als Sean Price eine weithin bekannte Gestalt. Schon 1996 zeichnete er sich durch ansprechende Wortspiele aus, die in perfekter Harmonie zu dem direkt aus der Unterwelt stammenden Rock stehen. Und so reiht sich ein Hit an den anderen: Sei es nun das weithin bekannte "Leflaur Leflah Eshkoshka" mit einer Fab-5-Vorstellung der Superlative oder "Soldiers Gone Psycho", das in irgendeiner nächtlichen Gasse spielt. Rock und Ruck ziehen ihr Ding durch, ohne dabei Kompromisse einzugehen. Sogar "Therapy" wäre ohne die Hook von Vinia Mojica so dämmrig wie der Rest und fungiert so als gelungener Lichtstrahl. Mit "Clan's, Posse's, Crew's & Clik's" schleicht sich auch ein Skip-Track ein, den man angesichts des großen Rests schnell wieder vergessen hat: "Square" mit nahezu rituell überlagerten Stimmen im Chorus wirft sich ebenso in die Waagschale wie Rock's Sologang "Grate Unknown", der wieder eine schwer eingängige Hook auffährt. Relativ gewöhnlich, aber nicht weniger gut ist das von Baby Paul geschusterte "Undastand", dem sich die Ansichten von "Sean Price" anschließen. Die durchwegs aus dem eigenen Kreis kommenden Gäste (Illa Noyz oder die Representativz) passen ins Bild, fallen aber an keiner Stelle erwähnenswert auf. Denn gebraucht werden sie nicht - wenn Heltah Skeltah im abschließenden "Operation Lockdown" (das über denselben Beat laufende "Outro" sei dabei vernachlässigt) zu Gitarrenzupfen nochmal zeigen, weswegen "Nocturnal" so geschätzt wird, dann braucht der Eastcoast-Head nichts anderes mehr.

Das Debüt von Heltah Skeltah ist kein Klassiker, es ist auch kein Vordenker. Heltah Skeltah schaffen sich damit schlichtweg ihre eigene Nische in der ostküstlichen Hardcore-Landschaft und profilieren sich dabei außerdem als zwei extrem charismatische Emcees. Schade, dass schon beim zwei Jahre später erschienenen Nachfolger die hiesige Konsequenz hinsichtlich des Sounds abhanden kam. Denn das zeichnet "Nocturnal" aus: Ein eigener Stil, der von Anfang bis Ende durchgehalten wird und der trotzdem ins heute als "typische Alben der Neunziger" bezeichnete Feld passt. Darüber hinaus liegen Heltah Skeltah voll und ganz in dem Lauf, den die Boot Camp Clik zu dieser Zeit hatte und in dem alles gelang.

8.2 / 10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen