Freitag, 12. Februar 2010

Black Samurai - Life As A Struggler


Release Date:
2000

Label:
Black Foundation Recording

Tracklist:
01. iiDays Mathematics - G-Force, Malik Allah, Black Samurai, Yogi & Cipher
02. 12 Jewels 24 Wise Ones - Cipher, Black Samurai, Yogi & Malik Allah
03. Cultural Rutt - MC Fury, Black Samurai & Yogi
04. I 4 An I Concepts - Malik Allah, Yogi & Cipher
05. Slave Name - Malik Allah & Black Samurai
06. Blessed Are The Strugglers - Dark Az Night, Yogi, Malik Allah, Cipher & Black Samurai
07. 4 Eva Strugglaz - Yogi, MC Fury & Fameless
08. Paper Chase - Yogi, Malik Allah & Fameless
09. Triple Space - Cipher & Black Samurai
10. Ant Militia Shit - MC Fury & Black Samurai
11. Close II You - Fameless, Black Samurai & Malik Allah
12. War Songs - Malik Allah, Yogi & Cipher
13. Elegba, Jaed - Akeel, K.Sire, Malik Allah & MC Fury
14. Sword On The Flag - Cipher, Black Samurai & Yogi
15. Mentally Dead Niggaz - Yogi, Nemesis & Black Samurai
16. Murder The Devil - Yogi, Cipher & Black Fox
17. Don't Kill Jah Baby - Cipher
18. UK Soul Jahs - Jah War, MC Fury, Cipher & Black Samurai
19. Blackapela - Jah War, Black Samurai & Cipher
20. Selah. Alafia. Hetep.

Review:
HipHop aus Großbritannien. Für den durchschnittlichen deutschen Rap-Hörer nicht unbedingt das alltägliche Brot. Wenn man schon nicht die eigene Musik hört, dann höchstwahrscheinlich die aus Übersee. Doch auch im UK gibt es seit jeher eine äußerst aktive Szene. Eines der größten Kollektive wird unter dem Namen Black Samurai zusammengefasst. Um genau zu sein, finden sich in dieser losen Ansammlung von Emcees auch Vertreter aus Amerika, Frankreich und Afrika, während der Großteil aus dem Bereich zwischen London und Birmingham stammt. Ihr erstes Album kommt, wie auch alle weiteren, über Black Foundation Recording und trägt den Titel "Life As A Struggler".

WRITTEN FOR Rap4Fame
 
Dass dieser Titel nicht weit hergeholt ist, eröffnet eine genauere Betrachtung der hier am Mic stehenden Personen. Die sind ganz gewöhnlich, üben die verschiedensten Berufe aus und schlagen sich täglich mit dem herum, was uns der Titel eröffnet. Um einige der (zu dieser Zeit) fast 20 Mitglieder etwas näher vorzustellen: Als Kernstück ist am Mikrofon das bekannte Moorish Delta 7 anzusehen, von dem alle drei Mitglieder (Cipher Allah a.k.a. Ciper Jewels, Malik Allah sowie Jawar, hier als Jah War aufgeführt) über das ganze Album hinweg fast durchgehend zu hören sind. Black Samurai ist neben dem Namen des Schirmdachs auch der Name eines der Künstler, der hier, sowhol am Mic, als auch als Producer, einen sehr hohen Beitrag zum Album leistet und, wenn man es so will, als inoffizieller Kopf anzusehen ist (auch wenn die Gruppe laut Eigenaussage kein Oberhaupt hat). Yogi aus den Midlands, G-Force, MC Fury, etc. reihen sich ein. Die Produktion dieser Platte wird fast zur Hälfte von niemand geringerem als Baby J übernommen, dem Meister, der mit "Birth" ein Meisterwerk veröffentlichte, für das ihn auch Anhänger von amerikanischem HipHop kennen dürften. Damit kann man zum Konzept dieses Albums voranschreiten. Afrozentrismus steht hier ganz klar im Mittelpunkt. Viele Aussagen lassen außerdem auf Einflüsse durch die Gods And Earths schließen - dieses Album bezieht so klar Stellung wie nur wenige andere. Die verschiedenen Stimmen und zugehörigen Aussagen genau zu filtern und somit zuzuordnen, fällt allerdings auch nach vielmaligem Hören sehr schwer. Yogi fällt mit seinem tiefen Stimmorgan allerdings sofort aus der Reihe. Ebenso (Black) Nemesis, die als einziger weiblicher Emcee auf dem Album vertreten ist und einen guten Eindruck hinterlässt. Doch letztendlich wird von jedem Beteiligten gleichermaßen die Knowledge Of Self gepredigt. Trotz der Vielzahl an stilistischen Rap-Einflüssen bleibt das Album zudem aus einem Guss. Einen großen Teil trägt dazu Baby J bei, der hier, sehr zu meiner Freude, an den Sound seines eigenen Albums anknüpft. Das bedeutet: düstere Streicher-Vorhänge, knöcherne Drums, bedrückende Atmosphäre und der zusätzliche Hauch Mystik, der "Birth" zum Klassiker machte. Auch die anderen Producer, die hier ans Werk gehen, zielen in diese Richtung, können mit Baby J jedoch nicht mithalten. Das von Cipher produzierte "12 Jewels 24 Wise Ones" gerät als pompöser Brecher allerdings auch sehr gut. Mit den tiefen Hörnern in "I 4 An I Concepts" liegt Cipher ebenfalls sehr gut im Rennen, während der Song mit seinem Titel schon andeutet, dass hier die Regeln der Straße vorgestellt werden ("We try to live in harmony / But if the devil wanna harm me / Moorish Del army will flee the murder scene calmly / Eye for an eye concepts - stay militant, son"). "Murder The Devil" ist (wider Erwarten) keine fanatische Hatz gegen den weißen Mann und kann als Paket aus einer großartigen Baby J-Produktion mit abstraken Rhymes von Black Fox & Co. trotzdem bestens unterhalten. In "Elegba, Jaed" wird (erneut von Baby J) allein mit einer minimalistischen Piano-Line und einem Voice-Sample eine sehr melancholische Stimmung kreiert, die sich neben dem wunderbar ruhigen und ungetrübten "Close II You" (natürlich wieder Baby J) bei den Höhepunkten dieser Scheibe einreiht. Ansonsten fällt es schwer, in diesem sehr kompakten Werk einzelne Tracks hervorzuheben. Außer vielleicht, wenn Baby J in "Ant Militia Shit" die Raserei packt und er das stürmischste Instrumental der Scheibe aus dem Hut zaubert, auf das MC Fury natürlich wie die Faust aufs Auge passt.

Für bekennende Liebhaber von US-Rap gibt es nicht viele Gründe, sich der Insel zuzuwenden. Dieses Album ist einer. Und zwar ein verdammt guter noch dazu. Die Beats sollten jedem, der mit der Eastcoast-Kost der Mitt- und späten Neunziger etwas anfangen kann, äußerst zusagen. Eigentlich ist der Name Baby J hier ja schon selbsterklärend. Die Texte hingegen stecken die meisten US-Kollegen in die Tasche, da man hier das Glorifizieren des Drogenvertickens weit hinter sich lässt und irgendwo zwischen philosophischen Überlegungen und religiösen Ideologien schwebt. Als Gesamtheit schafft es "Life As A Struggler" hervorragend, seine Botschaft zu transportieren und bleibt mit dem zweiten Album von Black Samurai eine fast einmalige Angelegenheit, die zu hören mehr als nur lohnenswert ist.

8.7 / 10

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